Dienstag, 12. Januar 2016

Vorschau: „Lulu. Eine Mörderballade“

„Lulu. Eine Mörderballade“ – nach den Dramen „Erdgeist“ (1895), „Die Büchse der Pandora“ (1902) und „Lulu“ (1913) von Frank Wedekind; Musik, Songtexte: Martyn Jacques (The Tiger Lillies); Inszenierung: Stef Lernous; Bühne: Sven van Kuijk; Kostüme: Marina Sell Cajueiro; Dramaturgie: Rüdiger Bering; Musikalische Leitung: Otto Beatus. Mit Susanne Burkhard (Shig), Laura Angelina Palacios (Lulu), Anja Schweitzer (Jack the Ripper), Torsten Bauer (Dr. Goll), Moritz Peschke (Alwa), Eike Weinreich (Schwartz), Michael Witte (Shunning). Band: Otto Beatus (Klavier), Peter Engelhardt (Gitarre, Banjo, Mandoline), Volker Kamp (Bass, Posaune), Jan Klare (Saxofon, Trompete), Stefan Lammert (Schlagzeug, Percussion), Oliver Siegel (Akkordeon, Keyboards). Uraufführung: 20. Januar 2014, West Yorkshire Playhouse, Leeds. Deutsche Erst­auf­führung: 15. Januar 2016, Theater Oberhausen, Großes Haus.



„Lulu. Eine Mörderballade“


Deutsche Erstaufführung am Theater Oberhausen


Der Zeitungsverleger Schöning hat die minderjährige Lulu von der Straße geholt, zu seiner Geliebten gemacht und, um sich selbst gut bürgerlich vermählen zu können, mit dem greisen Medizinalrat Dr. Goll verkuppelt, der sie Ellie nennt und vom Kunstmaler Schwarz porträtieren lässt. Als der bislang asexuelle Schwarz über Lulu herfällt, trifft den hinzukommenden Medizinalrat Dr. Goll buchstäblich der Schlag. Schwarz heiratet Lulu, nennt sie Eva und wird durch seine Bilder von ihr reich und berühmt. Als er von Schöning erfährt, dass Lulu nach wie vor dessen Geliebte ist, bringt er sich um. Schöning heiratet nun selbst die zweifache Witwe und nennt sie Mignon. Auch ihn plagt bald die Eifersucht… auf den Athleten Rodrigo Quast, auf die lesbische Gräfin Geschwitz und auf seinen eigenen Sohn Alwa. Schöning fordert Lulu zum Selbstmord auf. Stattdessen tötet sie ihn und wird inhaftiert. Lulu wird von der in sie verliebten lesbischen Gräfin Geschwitz aus dem Gefängnis befreit und entkommt nach Paris. Als sie vor der Polizei nach London flieht, endet sie schließlich als Opfer des Frauenmörders Jack the Ripper.

Laura Angelina Palacios (Lulu). © Birgit Hupfeld

Eine „Monstre-Tragödie“ nannte Frank Wedekind (* 24. Juli 1864 in Hannover; † 9. März 1918 in München) seine 1894 vollendete Urfassung der „Lulu“. An eine Aufführung des Werkes war im wilhelminischen Deutschland angesichts der unverklemmten, unverschämten Darstellung von sexueller Lust und Abhängigkeit, von lesbischer Liebe und Prostitution nicht zu denken. Wie in einer lüsternen und blutigen Moritat lässt Wedekind die Herren der Gesellschaft dem „schönen wilden Tier“ Lulu verfallen, scheitert deren bürgerliche (Doppel-) Moral an Lulus unbedingter Lebensgier und ihrer Sehnsucht nach geistiger wie sexueller Freiheit. Peter Zadek brachte 1988 erstmals die vollständige Urfassung des Stückes am Schauspielhaus Hamburg auf die Bühne.

Wedekinds „Lulu“ hat immer wieder Musiker zu Vertonungen inspiriert, von Alban Berg bis Lou Reed. Bei der englischen Theaterband The Tiger Lillies wird die „Monstre-Tragödie“ zur „Mörderballade“: „Lulu – A Murder Ballad“ wurde von der im nordenglischen Leeds ansässigen Opera North in Auftrag gegeben und dort am 20. Januar 2014 mit den Tiger Lillies und Laura Caldow am West Yorkshire Playhouse uraufgeführt. Ebenfalls im Januar 2014 erschien das Album „Lulu – A Murder Ballad“ mit 17 brandneuen Songs von den Tiger Lillies und der Coverversion von Cole Porters „My Heart Belongs to Daddy“. Die von Martyn Jacques komponierten Songs werden für die deutsche Erstaufführung von Otto Beatus, der für diese Produktion als Musikalischer Leiter ans Theater Oberhausen zurückkehrt, für sechs Musiker neu arrangiert.

Susanne Burkhard (Shig), Laura Angelina Palacios (Lulu), Anja Schweitzer (Jack). © Birgit Hupfeld

Regie führt der 1973 geborene Belgier Stef Lernous, mit dessen Theater „Abattoir Fermé“ („geschlossener Schlachthof“) das Theater Oberhausen „Lulu. Eine Mörderballade“ als Koproduktion realisiert. In seiner zwischen Brüssel und Antwerpen gelegenen Heimatstadt Mechelen entstehen seit gut fünfzehn Jahren äußerst ungewöhnliche und faszinierende Theaterabende, die in Belgien und den Niederlanden Kult sind: Stef Lernous kreiert in seinen Arbeiten auf verblüffende Weise und mit zugleich raffinierten wie einfachen Theatermitteln an Horrorfilme erinnernde Atmosphären und betörende, verstörende Bilderwelten. Frank Wedekinds „Lulu“ auf seine Weise zu adaptieren ist ein seit fünfzehn Jahren gehegtes Lieblingsprojekt von Stef Lernous – genauso wie ein Abend mit Musik der Tiger Lillies.

„Lulu. Eine Mörderballade“ wird am Theater Oberhausen im Original mit Übertiteln aufgeführt, Premiere ist am 15. Januar 2016 im Großen Haus. Folgevorstellungen am 16., 20. und 22. Januar, 5. und 13. Februar, 12. März und 13. April 2016.

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