Freitag, 29. Januar 2016

130 Jahre Automobil

Am 29. Januar 1886 meldete Carl Friedrich Benz (* 25. November 1844 in Mühlburg, † 4. April 1929 in Ladenburg) sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an. Nach der Patentschrift DRP Nr. 37435 handelte es sich dabei um einen „kleinen Wagen nach Art der Tricycles“. Zum Antrieb heißt es: „Ein kleiner Gasmotor, gleichviel welchen Systems, dient als Triebkraft. Derselbe erhält sein Gas aus einem mitzuführenden Apparat, in welchem Gas aus Ligroin oder anderen vergasenden Stoffen erzeugt wird.“ Der 29. Januar 1886 kann daher als Geburtstag des Automobils angesehen werden. Daneben hatte Gottlieb Wilhelm Daimler (* 17. März 1834 in Schorndorf, † 6. März 1900 in Cannstatt) zusammen mit August Wilhelm Maybach (* 9. Februar 1846 in Heilbronn, † 29. Dezember 1929 in Stuttgart-Bad Cannstatt) einen Einzylinder-Viertaktmotor entwickelt, der im Oktober 1886 in eine von Wilhelm Wimpff gefertigte Kutsche eingebaut wurde, womit Gottlieb Daimler als Erfinder des vierrädrigen Kraftwagens gelten kann. Im August 1888 unternahm Bertha Benz (* 3. Mai 1849 in Pforzheim, † 5. Mai 1944 in Ladenburg) mit ihren Söhnen Richard und Eugen mit dem Patent-Motorwagen Modell III (einer Weiterentwicklung des Modells I mit zusätzlicher vorderer Sitzbank) die erste „Fernfahrt“ der Automobilgeschichte von Mannheim nach Pforzheim, was letzten Endes zu einer Steigerung der Verkaufszahlen führte. Die von Carl Benz 1883 gegründete Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim und die 1890 von Gottlieb Daimler gegründete Daimler-Motoren-Gesellschaft fusionierten 1926 zur Daimler-Benz AG.

Benz Patent-Motorwagen, 1886, Antrieb: 1-Zylinder-Benzinmotor, Hubraum: 954 cm³, Leistung: 0,55 kW (0,75 PS) bei 400 min -1, Höchstgeschwindigkeit: 16 km/h

Inzwischen sind seit der Patentanmeldung von Carl Benz 130 Jahre vergangen, niemand betankt mehr sein Auto mit Ligroin aus der Apotheke, und die Rohölpreise kennen seit Monaten nur eine Richtung, nach unten. Doch wenn dies zu einer Verminderung der Anstrengungen zur Verringerung des Ölverbrauchs und bei der Suche nach Alternativen zum Öl führt, so werden wir in ein paar Jahren alle dafür die Zeche zahlen. Es ist längst bekannt, dass seit der Einführung von Obergrenzen für den CO2-Ausstoß und damit den Spritverbrauch von Fahrzeugen durch die EU-Verordnung Nr. 443/2009 vom 23. April 2009 signifikante Abweichungen zwischen realem und offiziellem – im NEFZ gemessenem – Verbrauch auftreten, spätestens seit der Aufdeckung des VW-Abgasskandals durch das International Council on Clean Transportation (ICCT) hat jeder schon einmal davon gehört. Doch solange der Gesetzgeber nicht einschreitet und Messungen im realen Verkehr für die Typzulassung fordert, wird sich daran auch nichts ändern. So geht individuelle Mobilität immer auf Kosten aller, und womöglich werden irgendwann nur noch Fahrverbote in den Innenstädten helfen, ein Überleben der Menschen daselbst zu ermöglichen: Stuttgart löste im Januar 2016 erstmals Feinstaubalarm aus, der Apell an die Autofahrer, freiwillig auf ihr Auto zu verzichten, brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Und so kann man schon heute sagen, dass die Erfindung des Automobils Fluch und Segen zugleich ist.

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