Freitag, 18. Dezember 2015

„Wasser für Roms Städte“

Sonderausstellung des LVR-RömerMuseums im Archäologischen Park Xanten

Aquäduktbrücke Inçekemer bei Alabanda (Çine, Türkei); © Klaus Grewe

Als Meisterwerke der römischen Baukunst und des technischen Fortschritts werden Aquädukte bis heute von Laien wie Fachleuten gleichermaßen bewundert. Die neue Sonderausstellung im LVR-RömerMuseum gibt vom 10. Dezember 2015 bis 5. Juni 2016 verblüffende Einblicke in die Welt der römischen Technik. Die Ausstellung war 2014 bereits in den Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur zu sehen, und 2015 im Römisch-Germanischen Museum Köln.

Aquäduktbrücke von Alinda (Çine, Türkei); © Klaus Grewe

Kilometerlange Wasserleitungen mit Brücken von bis zu 50 Meter Höhe beeindrucken wegen ihrer technischen Perfektion und Ästhetik auch noch nach fast zwei Jahrtausenden. Derart kühn haben die antiken Baumeister selbst tief eingeschnittene Täler überwunden, dass es scheint, als hätten sie mit ihren Halbkreisbögen die Gesetze der Schwerkraft aushebeln wollen. Diese Bauwerke, aber auch die dem Auge verborgenen Tunnel und Druckleitungen sind eine Demonstration antiker Ingenieurskunst und Machtwillens.

Weihestein des Frontius. Sextus Iulius Frontius veranlasste wahrscheinlich den Bau der Wasserleitung nach Köln und beaufsichtigte später die Aquädukte Roms

Neben all der bautechnischen Raffinesse beeindruckt nicht zuletzt die Funktionstüchtigkeit, mit der die antiken Ingenieurbauten die Bevölkerung über Jahrhunderte mit qualitätvollem Trinkwasser versorgten. Mit einer Versorgungsmenge von 20 Millionen Liter pro Tag stand beispielsweise den Einwohnern des römischen Köln pro Kopf zehnmal mehr Trinkwasser zur Verfügung als den heutigen Kölnerinnen und Kölnern.

„Wasser für Roms Städte“, Blick in die Ausstellung, Groma – Vermessungsgerät, Rekonstruktion, Holz, Buntmetall

Obwohl aus der Antike keine Baupläne und Beschreibungen aus der Bauzeit bekannt sind, ist es den Fachleuten unserer Tage in einigen Fällen gelungen, die in den Bauwerken steckenden Ingenieursleistungen nachzuvollziehen. So konnte die Einteilung der Fernleitungstrassen in kurze Baulose inzwischen archäologisch belegt werden, und dank der Rekonstruktion römischer Vermessungsinstrumente konnten die Methoden der mit unglaublicher Genauigkeit durchgeführten Gefälleabsteckungen ermittelt werden.

Römisches Elfenbeinmodell einer zweigeschossigen Aquäduktbrücke, zwei Löwenköpfe symbolisieren antike Wasserspeier. Fundort unbekannt, vermutlich westliches Mittelmeer

Einer der Löwenköpfe des Elfenbeinmodells in der Detailansicht

Im Zentrum der Ausstellung stehen der römische Aquäduktbau, aber auch die nachantike Nutzung der Bauwerke. Ausgewählte Originalfunde und großartige Fotos und Modelle faszinieren mit neuen Erkenntnissen zu Planung und Vermessung, zu Wassergewinnung, Aquäduktbrücken und –tunneln. Nachbildungen römischer Vermessungsinstrumente veranschaulichen die erstaunliche Präzision, mit der die römischen Ingenieure das Wasser in die Städte brachten.

Versinterung einer Druckrohrleitung, Fundort: Laodikeia (Türkei)

In der Ausstellung im LVR-RömerMuseum werden in insgesamt drei Abteilungen der römische Aquäduktbau und die nachrömische Nutzung der Bauwerke gezeigt. Nach einem Einblick in die Technik des Wasserleitungsbaus, werden die Besonderheiten der Bautechnik und die pragmatischen Lösungen von Problemen am Beispiel der Eifelwasserleitung nach Köln vorgestellt. Immerhin war für die Kölner Wasserleitung mit 95,4 Kilometer Länge eine der längsten Trassen im römischen Imperium ausgebaut worden. Ein spannendes und für die römische Welt einmaliges Thema behandelt die dritte Abteilung der Ausstellung. Hier werden die Ergebnisse der nachrömischen Nutzung eines antiken Aquäduktes als Steinbruch des Mittelalters gezeigt. Auch hier nimmt die Eifelwasserleitung eine besondere Stellung ein, denn nur aus den bis 40 Zentimeter starken Kalkablagerungen der Kölner Leitung ließ sich im Mittelalter ein Schmuckstein gewinnen, der in halb Europa verhandelt wurde, und den wir heute wegen seiner Provenienz respektvoll „Aquäduktmarmor“ nennen.

Tonrohrleitung, Herkunft: Simitthus/Chemtou (Tunesien). Der Querschnitt der Leitung hatte sich durch Verkalkung sehr verengt, so dass kaum noch Wasser hindurchfloss. Daher schlug man sie im oberen Bereich auf. Danach wuchsen die Sinterschichten sogar darüber hinaus.

Initiator der Ausstellung ist Prof. Dr. Klaus Grewe, der sich vierzig Jahre lang intensiv mit Aquädukten, unter anderem im Rahmen seiner Tätigkeit beim Landschaftsverband Rheinland, und dabei besonders mit der Eifelwasserleitung, beschäftigt hat. Aus seiner Feder stammt auch der 396-seitige, reich bebilderte Begleitband zur Ausstellung mit dem Titel „Aquädukte – Wasser für Roms Städte“, ISBN 978-3-95540-127-6, 29,95 €, erhältlich im Museumsshop und im Buchhandel. Im Rahmenprogramm führt Prof. Dr. Klaus Grewe am Sonntag, 14. Februar 2016 um 11 Uhr durch die Sonderausstellung, und am Montag, 7. März 2016 hält er um 18 Uhr im Vortragsraum des LVR-RömerMuseums einen Vortrag unter dem Titel „Wasser für Roms Städte“.

Wasserleitung mit Ventil, Fundort Xanten, Colonia Ulpia Traiana, Große Thermen, 2. Jh. n. Chr. und Teilstück einer tönernen Wasserleitung, Xanten, Colonia Ulpia Traiana

Fragment des unteren Teils einer Wasserleitung. Fundort: Römerkanal Mechernich-Antweiler

Modell einer wassergetriebenen Doppelsteinsäge. Modellbau: Dieter Maas, Münster

Eckstein der Quellfassung, Fundort: Grüner Pütz bei Nettersheim. Die Ecksteine der Quellfassung sind mit Gorgonenhäuptern verziert. Diese mythischen Wesen sollten Unheil von der Quelle fernhalten.

Rohrsteine einer Aquädukt-Druckleitung, Fundort: Beim römischen Legionslager von Bonn

Modell einer Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem im Maßstab 1:87, Modellbau: Schülerinnen und Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Neuwied

Oolithen aus Kalksinter. Fundort: Römerkanal bei Euskirchen-Kreuzweingarten

Der Besuch der Sonderausstellung des LVR-RömerMuseums im Archäologischen Park Xanten ist im normalen Eintritt in Höhe von 9 Euro für Erwachsene bzw. 6 Euro ermäßigt enthalten, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Die Sonderausstellung ist bis Ende Februar täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet, ab 1. März von 9 bis 18 Uhr. Der LVR-Archäologische Park Xanten mit dem RömerMuseum ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015/2016 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet ganzjährig einmalig freien Eintritt. Gilt nicht beim Römerfest „Schwerter, Brot und Spiele“ am 25. und 26. Juni 2016.

Säulenensemble an St. Servatius in Siegburg. Im Großfoto ist der Originalbefund zu sehen, das davor aufgestelle Säulenensemble ist als Replik aus Kalksinter der Eifelwasserleitung in unseren Tagen gefertigt worden.

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