Sonntag, 29. November 2015

Weihnachtsmarkt im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg

Das LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg ist Teil des Schleusenparks Waltrop, der von vier Abstiegs­bau­werken gebildet wird und am Rhein-Herne- und Dortmund-Ems-Kanal liegt. Das Alte Schiffshebewerk Henrichenburg wurde als erstes Bauwerk seiner Art am 11. August 1899 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Mit seiner Hilfe konnten Schiffe mit bis zu 67 Metern Länge, 8,2 Metern Breite, 2 Metern Tiefgang und 800 Tonnen Gewicht mühelos einen Höhen­unter­schied von 14 Metern überwinden. Es wurde 1970 endgültig stillgelegt und verfiel zunächst. 1979 beschloss der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das technische Denkmal als Standort des Westfälischen Industriemuseums (heute LWL-Industriemuseum) aufzubauen. Im ehemaligen Kessel- und Maschinenhaus kann man den relativ kleinen Elektromotor mit Pumpe in Augenschein nehmen, der zum Betrieb des mit fünf Schwimmerschächten ausgestatteten Hebewerks benötigt wurde, um den Trog mit einem – nach dem Archimedischen Prinzip unabhängig vom Gewicht des in ihm befindlichen Schiffs – Gesamtgewicht von 3.100 Tonnen in zweieinhalb Minuten (!) den Höhen­unter­schied überwinden zu lassen. Eine kompletter Hub- und Senkvorgang einschließlich Ein- und Ausfahrt dauerte 25 Minuten.

Schiffshebewerk Henrichenburg, Unterwasser

Am ersten Adventswochenende öffnet der Weihnachtsmarkt im Schiffshebewerk Henrichenburg wieder seine Pforten, bei dem die Besucher am stimmungsvoll beleuchteten Ober- und Unterwasser im LWL-Industriemuseum über den Markt schlendern können. Da der Eintritt an beiden Tagen frei ist, löste die Veranstaltung zumindest am Samstagnachmittag ein mittelschweres Verkehrschaos rund um das Schiffshebewerk Henrichenburg aus, da die Parkplatzsituation entsprechend angespannt und die Ampelanlage an der Wittener Straße obendrein ausgefallen war. Offensichtlich ist die Veranstaltung recht beliebt, sonst wäre auf den Straßen in der näheren Umgebung nicht die Hölle los.

Schiffshebewerk Henrichenburg, Oberwasser

Das Warenangebot unterscheidet sich aus meiner Sicht nicht sonderlich von dem üblichen Angebot auf Weihnachtsmärkten, immerhin gibt es auf dem Museumsschiff „Franz-Christian“ einen „Märchenonkel“, und für die ganz Kleinen ein Kinderkarussell. Für Interessierte ist augenblicklich im Hafengebäude am Oberwasser des Schiffshebewerks auch die Ausstellung „Wanderarbeit: Mensch – Mobilität – Migration“ zu historischen und modernen Arbeitswelten zu sehen.

Dienstag, 24. November 2015

RUHR.TOPCARD 2016: „Mit der kannst Du was erleben“

Verkauf der RUHR.TOPCARD 2016 startet am 25. November 2015
RUHR.TOPCARD 2016, © Ruhr Tourismus GmbH

Unter dem Motto „Mit der kannst Du was erleben“ startet am 25. November 2015 der Verkauf der RUHR.TOPCARD 2016. Die Erlebniskarte für das Ruhrgebiet, herausgegeben von der Ruhr Tourismus GmbH (RTG), bietet ihren Inhabern das ganze Jahr über einmalig kostenfreien Eintritt bei 95 Attraktionen wie Schwimmbädern, Zoos und Industriedenkmälern. Zusätzlich können 47 weitere Partner, darunter Freizeitparks, Theater und Varietés, beliebig oft zum halben Preis besucht werden. Erstmalig mit dabei im „Eintritt frei“-Angebot der RUHR.TOPCARD sind 2016 Der Grüne Zoo Wuppertal, die Jahrhunderthalle Bochum und die Kunsthalle Recklinghausen. Im Bereich „Halber Preis“ dürfen Card-Inhaber unter anderem die Angebote der neuen Partner „Starlight Express“, RuhrEscape und Mord am Hellweg – Europas größtes internationales Krimifestival beliebig oft in Anspruch nehmen. Mit dem Zoo Duisburg und dem Zoo Dortmund sind auch 2016 wieder zwei Freizeitziele im Bereich „Eintritt frei“ dabei, die zu den meistbesuchten Attraktionen der Nutzer der RUHR.TOPCARD zählen. Als „Special“ lädt die ZOOM Erlebniswelt in Gelsenkirchen alle RUHR.TOPCARD-Besitzer vom 1. Januar bis 31. März 2016 zu einer Weltreise an einem Tag ein.

Neue RUHR.TOPCARD-Partner 2016
im Bereich „Eintritt frei“:
  • Der Grüne Zoo Wuppertal
  • Jahrhunderthalle Bochum – Stirnlampenführung durch die Unterwelten
  • Kunsthalle Recklinghausen
sowie im Bereich „Halber Preis“
  • „Starlight Express“ Bochum
  • LaserZone Essen
  • RuhrEscape Essen
  • Salzgrotte Oberhausen
  • Eselreiten in Schermbeck
  • simply out Mountainbike-Touren
  • Mord am Hellweg – Europas größtes internationales Krimifestival
  • Tour de Ruhr – Radeln zwischen Gasometer und Hüttenwerk
Dafür entfallen 2016 im Bereich „Eintritt frei“:
  • Stadtmuseum Bergkamen
  • PHÄNOMENTA Lüdenscheid
  • SEA LIFE Oberhausen (ist 2016 „Halber Preis“-Partner)
und im Bereich „Halber Preis“
  • Tour de Ruhr – Dortmund
  • Bogenschießen – „Jever Fun Skihalle“ Neuss
  • Sightjogging
Übrigens, 79 % der Käufer der RUHR.TOPCARD, die die gesamte Bandbreite der Freizeitattraktionen in der Metropole Ruhr abdeckt, kommen aus der Region selbst, 20 % stammen aus den benachbarten Regionen Sauerland, Niederrhein, Bergisches Land und Münsterland. Bisher wurden die 123.000 verkauften RUHR.TOPCARDs 2015 800.000 Mal genutzt.

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Pünktlich zum Verkaufsstart der RUHR.TOPCARD 2016 geht am 25. November 2015 auch die neue Homepage unter der bekannten Domain www.ruhrtopcard.de an den Start. Im Zuge des Relaunches wurde die neue Seite für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets optimiert, so dass Nutzer jetzt noch bequemer von unterwegs alle wichtigen Infos zur Karte abrufen können. Ein Blick auf die Besucherzahlen der Website bestätigt, dass die RUHR.TOPCARD-Macher damit den richtigen Weg einschlagen: Fast 50% der mehr als 3,5 Millionen Seitenaufrufe im Jahr 2015 erfolgten über mobile Endgeräte. Auch im sozialen Netzwerk Facebook zeigt sich die hohe Affinität der Nutzer zu der Freizeitkarte: Im November hatten bereits über 11.200 User die RUHR.TOPCARD-Seite mit „Gefällt mir“ markiert – Tendenz steigend.

Jeffrey Socia (Electra), Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH, Janine Borgardt, Teamleiterin RUHR.TOPCARD, Bruno Sagurna, Aufsichtsratsvorsitzender der Ruhr Tourismus GmbH, Oliver Kockel, Vertriebsleiter Mehr! Entertainment GmbH und Trina Hill (Pearl)

Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH:
„Der Auftrag der Ruhr Tourismus GmbH ist es nicht nur, Touristen von außerhalb in die Region zu holen, sondern auch, die Kaufkraft in der Region zu binden und den Binnentourismus zu stärken. Mit der RUHR.TOPCARD gelingt dies auf beeindruckende Art und Weise. Wir bemühen uns, jedes Jahr neue, attraktive Partner in das Angebot der Karte aufzunehmen, um sie für die Kunden noch interessanter zu machen. Die steigenden Verkaufszahlen beweisen uns, dass wir bei der Auswahl das richtige Händchen haben.“

Oliver Kockel, Vertriebsleiter Mehr! Entertainment GmbH:
„Wir freuen uns auf die (erneute) Zusammenarbeit mit der RUHR.TOPCARD, weil wir sie mit ihren diversen Vorteilen und Inklusivleistungen für das ideale Instrument halten, um die enorme Kultur-, Unterhaltungs- und Freizeitvielfalt, die das Ruhrgebiet bietet, einfach und stressfrei zu erleben – egal ob für Einheimische oder Touristen.“

Jeffrey Socia (Electra) und Trina Hill (Pearl)

Die RUHR.TOPCARD ist ab dem 25. November 2015 zum Preis von 49,90 € für Erwachsene und 34,90 € für Kinder (Geburtsjahre 2002 – 2011) erhältlich. Bestellen kann man die Erlebniskarte im Internet unter www.ruhrtopcard.de und unter der Hotline 01806/18 16 180 (0,20 €/Anruf aus dem dt. Festnetz; Mobilfunkpreise max. 0,60 €/Anruf). Daneben kann sie bei vielen Leistungspartnern, Touristinformationen, ADAC Geschäftsstellen und WAZ LeserLäden und LeserServices erworben werden. Der ADAC bietet seinen Mitgliedern die RUHR.TOCARD 2016 zum Preis von 44,90 € für Erwachsene an, die Funke Mediengruppe (WAZ, NRZ, WR, WP, IKZ) bietet sie ihren Abonnenten bis 31. Dezember 2015 ebenfalls für 44,90 € für Erwachsene an, und der DJH Landesverband Westfalen-Lippe verkauft sie seinen Mitgliedern für 45 € für Erwachsene und 32 € für Kinder.

Preußische T 9.1 Cöln 7270, Baujahr 1893, vor dem „Starlight Express“-Theater

Treue Nutzer werden belohnt: Unter Angabe der RUHR.TOPCARD-Nummer 2015 erhalten aktuelle Besitzer die RUHR.TOPCARD 2016 bis einschließlich 31. Dezember 2015 zum Vorzugspreis von 44,90 €.

Plakat Deutsches Bergbau-Museum Bochum; © Ruhr Tourismus GmbH

Freitag, 20. November 2015

43. Internationaler Weihnachtsmarkt Essen

The same procedure as last year? The same procedure as every year!

Holzschnitzerei

Vom 19. November bis 23. Dezember 2014 geht es in der Essener Innenstadt vom Willy-Brandt-Platz entlang der Rathenaustraße über den Kennedyplatz bis zum Flachsmarkt wieder weihnachtlich zu, aber wenn man wirklich ehrlich ist, so erinnert einen das Warenangebot doch sehr stark an die vergangenen Jahre.

Barock-Karussel auf dem Kennedyplatz

Kennedyplatz: Weihnachtsmarkt unter der Lichtkrone

Kennedyplatz: Weihnachtsmarkt unter der Lichtkrone

Kennedyplatz: Weihnachtsmarkt unter der Lichtkrone

Barock-Karussel auf dem Kennedyplatz

Willy-Brandt-Platz

Donnerstag, 19. November 2015

„Die Roboter“

Eine Ausstellung zum Verhältnis von Mensch und Maschine

Sie arbeiten wie wir, sie denken wie wir und sie sehen aus wie wir. Oder doch (noch) nicht? Das komplexe Zusammenspiel zwischen Menschen und Masachinen ist vom 21. November 2015 bis 25. September 2016 Thema der neuen DASA-Ausstellung „Die Roboter“.

„Robothespian“ begrüßt die Besucher am Eingang der DASA-Ausstellung „Die Roboter“

In einem vielgestaltigen Streifzug lädt die DASA Arbeitswelt Ausstellung dazu ein, die Welt der Robotik neu zu entdecken. Fünf aufwendig gestaltete Ausstellungsbereiche mit rund 200 Objekten und Leihgaben aus aller Welt geben auf rund 800 Quadratmetern einen Einblick in Geschichte, Gegenwart und Zukunft einer der folgenreichsten Beziehungen unserer Zeit.

Chinesischer Abakus (Modell), Original um 1100 v. Chr.

Dabei geht es um besondere Erfindungen, richtungsweisende Techniken und revolutionäre Ideen. Sie zeigen, wie sich der Mensch Werkzeuge schafft, die über ihn hinauswachsen. Die Besucher treffen auf unheimliche mechanische Puppen, fliegende Alleskönner und emsige „Mitarbeiter“ in Fabriken, Landwirtschaft und im All.

Rechenmaschine (Modell), Original 1623. Anfang des 17. Jahrhunderts baute der deutsche Mathematiker Wilhelm Schickard (* 22. April 1592 in Herrenberg, † 23. Oktober 1635 in Tübingen) die erste mechanische Rechenmaschine, bei der Zahnräder mit je 10 Zähnen des Addieren einzelner Teilergebnisse ermöglichen.

Nach einem Panorama an Ideen und Vorstellungen warten wirkliche Roboterwelten auf die Besucher. Ganz gleich ob sie schweißen oder montieren, tauchen oder fliegen, sich streicheln lassen oder das Essen reichen: Die Hightech-Kameraden haben längst die Fabrikhallen verlassen und dringen immer weiter in unseren Alltag vor. Zu sehen gibt es Automatenfiguren azs vergangenen Jahrhunderten, Filmausschnitte und erstaunliche Dinge wie automatische Melker für den Kuhstall, intelligente Bombenentschärfer und Roboter-Katzen als Kuscheltierersatz im Pflegeheim.

Japanischer Tischautomat Karakuri ningyō (Nachbau), Original um 1850

Doch die Maschinen sind nicht nur scheinbar überall. Sie gehen auch unter die Haut: als Prothesen und Implantate. Die Ausstellung beschäftigt sich in einem umfangreichen medizin- und orthopädietechnischen Bereich mit dem Reparieren, Optimieren und Erweitern des menschlichen Körpers. Vom Holzbein bis zur Carbonprothese von Weitsprung-Rekordhalter Markus Rehm, vom Hörrohr bis zum Gehörcomputer: Der Mensch entwickelt ständig neue Technologien, die ihm helfen, das Leben besser zu gestalten.

Mechanische Puppe Creeping Baby Doll, um 1870. Ab etwa 1850 werden in Europa und Nordamerika mechanische Spielzeugpuppen hergestellt. Sie ahmen Laute und Bewegungen des menschlichen Körpers nach. Anders als die Automaten sind sie für den täglichen Gebrauch konzipiert. Die 1871 in den USA patentierte Creeping Baby Doll kann über ein aufziehbares Räderwerk kriechen. Nur wenige Exemplare werden verkauft: Die Puppe wirkt auf Kinder abschreckend.

Die DASA-Ausstellung stellt nicht zuletzt die Frage, welchen Stellenwert wir unseren neuen Kollegen geben. Macht es nur Spaß oder hat es auch Sinn, von einem Roboter angesprochen, gezeichnet oder nachgeahmt zu werden? „Die Roboter“ sucht gemeinsam mit den Besuchern nach Antworten.

Der selbstfahrende Roboter von MetraLabs führt die Besucher durch die Ausstellung

Figuren-Automat Mechanischer Clown „Grock“, um 1920

Automat Dienerin des Philon von Byzanz (Nachbau), Original um 250 v. Chr. Philon von Byzanz (ca. 280 bis 230 v. Chr.) beschreibt in seinem Werk „Mechanike syntaxis“ („Handbuch der Mechanik“) mit Luft oder Wasser betriebene Automaten. Darunter ist auch die „Automatische Dienerin“, eines der ältesteb Beispiele für eine Machine in menschlicher Gestalt.

Therapieroboter „JustoCat“, 2015. „Justocat“ ist eine Roboter-Katze, die für den Einsatz in Pflege und Betreuung von Menschen mit fortgeschrittener Demenzerkrankung gedacht ist.

TamaGotchi, Bandai Namco. Wer erinnert sich noch? Der „Hype“ in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre. Wessen TamaGotchi überlebte damals am längsten? Der Unterhaltungsroboter sorgte für Fürsorge-Gefühle. Er brauchte ständige Aufmerksamkeit. Wir gaben sie einem Ding…

Maschinen-Mensch aus dem Film „Metropolis“ (Nachbau), 1926. Die von Walter Schulze-Mittendorf (* 31. Januar 1893 in Berlin, † 14. August 1976 in Berlin) geschaffene Figur ist eine der einflussreichsten Robotergestalten der Filmgeschichte. Brigitte Helm spielte in dem Stummfilm „Metropolis“ von Fritz Lang (* 5. Dezember 1890 in Wien, † 2. August 1976 in Beverly Hills, Kalifornien) die Doppelrolle Maria/Maschinenmensch.

NAO, ein humanoider Roboter des französischen Roboterherstellers Aldebaran Robotics. Der NAO ist so gestaltet, dass die meisten ihn als niedlich und freundlich empfinden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erforscht mit Hilfe von NOA, ob Menschen Roboter als gleichwertige Kollegen annehmen.

Schweißroboter VW/K15, 1975

Beatmungsmaschine Eiserne Lunge, um 1950

Die DASA Arbeitswelt Ausstellung ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr, ab 1. Januar 2016 auch montags von 9 bis 17 Uhr. Sie ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt in die Dauerausstellung und eine zeitgleich laufende Wechselausstellung.

Felix, the Robot. Roboter Felix kann Gesichtsausdrücke erkennen und nachahmen. Aber versteht er auch unsere Gefühle? Diese Frage stellt sich nur, weil wir dazu neigen, auch unbelebten Gegenständen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Heute können Roboter noch keine Gefühle erkennen und erst recht keine eigenen Gefühle entwickeln.

Mittwoch, 18. November 2015

„Smart Materials and Solutions for better Product Design“

Spannende Werkstoffinnovationen im Red Dot Design Museum Essen

Im Zeitalter der zunehmenden Visualisierung und Digitalisierung ist das sensitive Erlebnis der eigenen Umwelt von besonderer Bedeutung. Dabei dienen Materialien, die uns in Form von Produkten täglich umgeben, als Verbindung zur Realität – sie machen diese greifbar. Daher zeigt das Red Dot Design Museum Essen vom 19. November 2015 bis zum 10. Januar 2016 die Ausstellung „Smart Materials and Solutions for better Product Design“. Sie präsentiert intelligente Materialien, Produktneuheiten und überraschende Detaillösungen, die gleichermaßen sinnlich wie sinnvoll sind.

„Smart Materials and Solutions for better Product Design“. © Red Dot Design Museum

Immer neue Werkstoffentwicklungen eröffnen Designern und Herstellern weitere Anwendungsfelder für die Gestaltung und Fertigung. Damit wirken Materialien als Triebfeder für Produktinnovationen, technologischen Fortschritt und wirtschaftlichen Erfolg. In Form durchdachter Produkte tragen sie zu einer besseren Lebensqualität bei.

„Smart Materials and Solutions for better Product Design“. © Red Dot Design Museum

Von Nanotech-Material über organoide Oberflächen bis hin zu Komponenten für die Möbelindustrie: Die Ausstellung zeigt rund 80 Innovationen und lädt zum Entdecken von Materialien ein, die neue Möglichkeiten bei der Gestaltung zukünftiger Lebens- und Wohnräume eröffnen. Sämtliche Exponate der Trendschau wurden im Red Dot Award: Product Design 2015 in der Kategorie „Materialien und Oberflächen“ oder im „interzum award: intelligent material & design 2015“ ausgezeichnet, einige sogar in beiden Wettbewerben.

Chromatic Collection, Wand- und Bodenfliesen, Hersteller: Revigrés, Portugal, In-house Design, Red Dot Award 2015. © Red Dot Design Museum

Die Ausstellung wendet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an designaffine Laien. Insbesondere für Gestalter und Hersteller bietet „Smart Materials for better Design“ eine umfangreiche Quelle der Inspiration und lädt zum Entdecken von Materialien ein.

Das Red Dot Design Museum Essen ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet, es ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt.

Dienstag, 17. November 2015

„Historischer Streifzug durch das chemische Labor“

Sonderausstellung im LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen

Zu einem „Historischen Streifzug durch das chemische Labor“ lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bis 3. April 2016 in sein Industriemuseum Henrichshütte Hattingen ein. So lautet der Titel einer Wanderausstellung aus dem Carl Bosch Museum Heidelberg. Für die Hattinger Station hat der LWL die Präsentation um den Bereich „Qualitätsprüfung auf der Henrichshütte“ erweitert.

„Historischer Streifzug durch das chemische Labor“, Praxis-Labor, Erst Probieren, dann Produzieren

Die Ausstellung zeigt die Tradition chemischer Forschung und die Entwicklung des chemischen Labors – von der mittelalterlichen Probierkunst über Praxis-, Wissenschafts- und Forschungslabore bis zum futuristischen Theorielabor. „Besucher erleben den Wandel von einer durch Alleskönner betriebenen Kunst hin zu einer arbeitsteiligen, durch Großgeräte und Spezialisten geprägten Wissenschaft“, erklärte Jan Dübbers vom Carl Bosch Museum Heidelberg.

„Historischer Streifzug durch das chemische Labor“, Denk-Labor, Studieren und Reflektieren

Die Schau folgt diesem Weg über neun Stationen; an einer von ihnen geht es speziell um die Henrichshütte. Dort war Chemie überall: Ein Hochofen verwandelt Erz, Koks und Kalk in Eisen, Gas und Schlacke. Ein Stahlwerk macht aus sprödem Eisen schmiedbaren Stahl. „Am Beispiel der hiesigen Qualitätsprüfung zeigen wir wie sich die Arbeitswelt des Labors entwickelt und differenziert hat“, erläutert Astrid Blum, wissenschaftliche Volontärin am LWL-Industriemuseum, die den Hattinger Teil der Schau kuratiert hat. Originalexponate verdeutlichen die Fortschritte der Analysetechnik. Mit ihrer Hilfe konnten auf der Henrichshütte spezielle Stähle mit besonderen Eigenschaften entwickelt werden.

„Historischer Streifzug durch das chemische Labor“, Probier-Labor, Falsche Theorie – Erfolgreiche Praxis


Hintergrund

Der Streifzug durch das chemische Labor beginnt bei der mittelalterlichen „Probierkunst“ der Hüttenleute. Typische Arbeitsmittel waren Tiegel zum Schmelzen der Erze und Metalle, Probierscherben und Kupellen zum Abtrennen der Edelmetalle vom Blei sowie Scheidekolben zum Trennen von Gold und Silber.

„Historischer Streifzug durch das chemische Labor“, Destillation mit Brennspiegel

Auch in der praktischen Kräuterkunst wurden Verfahren ausprobiert. Ziel war, optimale Verfahren zur Gewinnung der in Pflanzen und Tieren enthaltenen medizinisch nutzbaren Stoffe zu entwickeln. Hierzu bediente man sich der Arbeitsmittel, die auch in der handwerklichen Produktion eingesetzt wurden: Phiolen zur Aufbewahrung flüchtiger Stoffe, Brennkolben und Galeerenöfen zur Destillation. Diese mittelalterlichen Produktionsstätten mit ihrer Probierkunst sind die Urzellen des chemischen Labors.

„Historischer Streifzug durch das chemische Labor“, Forschungs-Labor, Experimentieren und Produzieren

Nachgestellt wird in der Ausstellung auch ein Labor alchemistischer Goldmacher – eine geheimnisumwitterte Alchimistenküche mit offener Feuerstelle, gekennzeichnet durch verrußte Wände und vergitterte Fenster. Diese Station erinnert auch daran, dass Goldmacher oft unter Zwang an fürstlichen Höfen gehalten wurden und ihre Probierküche einem Gefängnis glich.

Blick in das Labor der Henrichshütte in den 1970er-Jahren. Foto: LWL

Bis zum 19. Jahrhundert gab es den Beruf des Laboranten nicht. Praktiker des chemischen Gewerbes und Hobbychemiker, oft Mediziner, Theologen oder Juristen, experimentierten in technisch karg ausgerüsteten Arbeitsräumen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden von den aufklärenden Enzyklopädisten aufgenommen und ausführlich publiziert.

„Qualitätsprüfung auf der Henrichshütte“

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt das Labor für die industrielle Nutzung eine neue wirtschaftliche Bedeutung. So verwundert es nicht, dass Justus Liebig (* 12. Mai 1803 in Darmstadt, † 18. April 1873 in München), „Vater der modernen Chemie“, nicht nur forschender Chemiker, sondern auch Unternehmer war, der Chemiewerke gründete. Diese wurden im 19. Jahrhundert zu Kumulationspunkten forschender Chemiker. Eine umfangreiche Modellsammlung der Arbeitsmittel erinnern an den Einfallsreichtum und das handwerkliche Können jener Zeit.

„Qualitätsprüfung auf der Henrichshütte“, Elektronenstrahlsonde, Spannungsversorgungseinheit mit Vakuummessgerät und Oszilloskop

Heute steht das fast menschenleere Untersuchungslabor für formalisierte Prozessabläufe mit hochentwickelter Labortechnik dem Theorielabor, geprägt durch verstärkten Einsatz von Computern, diametral gegenüber. Ein Videofilm verweist auf die Monotonie der Roboterarbeit und am Computer können Besucher ihre eigenen chemischen Fantasien virtuell entstehen lassen.

„Qualitätsprüfung auf der Henrichshütte“, Elektronenstrahlsonde mit Auswerteelektronik

Die Sonderausstellung „Historischer Streifzug durch das chemische Labor“ ist bis 3. April 2016 während der regulären Öffnungszeiten des LWL-Industriemuseums Henrichshütte Hattingen Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Freitag bis 20 Uhr zu sehen. Das LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt.

Probenhaus der Henrichshütte (1954 – 1987)

Montag, 16. November 2015

„Klein Zaches, genannt Zinnober“

„Klein Zaches, genannt Zinnober“ – Steampunk-Oper von „Coppelius“ und Sebastian Schwab nach der gleichnamigen Erzählung von E. T. A. Hoffmann aus dem Jahre 1819. Komposition und Arrangements: „Coppelius“ und Thomas Rimes; Songtexte: Comte Caspar, Max Coppella und Graf Lindorf; Libretto, Inszenierung: Sebastian Schwab; Ausstattung: Britta Tönne; Licht: Sebastian Schwab, Jürgen Rudolph; Sounddesign: Jörg Debbert; Dramaturgie: Juliane Schunke; Musikalische Leitung: Thomas Rimes. Mitwirkende: Rüdiger Frank (E. T. A. Hoffmann, Klein Zaches), Ulrike Schwab (Fräulein von Rosenschön/Fee Rosabelverde, Candida) und „Coppelius“: Bastille (Balthasar), Comte Caspar (Fabian), Graf Lindorf (Liese, Prosper Alpanaus), Max Coppella (Pfarrer, Sbiocca), Sissy Voss (Mosch Terpin), Nobusama (Gehilfe von Prosper Alpanus). Neue Philharmonie Westfalen. Uraufführung: 14. November 2015, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen.



„Klein Zaches, genannt Zinnober“


Uraufführung der womöglich ersten Steampunk-Oper am Musiktheater im Revier


Ulrike Schwab, Rüdiger Frank und „Coppelius“

Bereits seit 2012 existiert der Plan, gemeinsam mit der Berliner Band „Coppelius“, deren Mitglieder sich allesamt dem Phänomen des Steampunk verpflichtet fühlen, ein Opernprojekt der besonderen Art auf die Bühne des Musiktheaters im Revier zu bringen. Die Namen der Herren (Max Coppella, Comte Caspar, Nobusama, Graf Lindorf, Sissy Voss und Bastille) lassen auf eine große Affinität zu Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (* 24. Januar 1776 in Königsberg, † 25. Juni 1822 in Berlin) schließen, und so konnten sich alle Beteiligten schnell für das Kunstmärchen „Klein Zaches, genannt Zinnober“ aus dem Jahr 1819 erwärmen, das E. T. A. Hoffmann erst drei Jahre vor seinem Tod verfasst hat. In Sebastian Schwab fand Generalintendant Michael Schulz einen Librettisten und Regisseur, der sich für die Idee begeistern ließ, und nach zweijähriger Vorbereitungszeit kann man sich seit 14. November 2015 das Ergebnis auf der Bühne des Großen Hauses anschauen.

Ulrike Schwab (Fee Rosabelverde); Foto Pedro Malinowski

Klein Zaches ist der missgestaltete Sohn der armen Bauersfrau Liese, der weder sprechen noch laufen kann und seiner Mutter ständig zur Last fällt. Fräulein von Rosenschön, die niemand anderer als die bekannte Fee Rosabelverde ist, hat Mitleid mit der Mutter und ihrem Sohn. Sie kämt dem missgestalteten Jungen das Haar, wodurch er fortan allen Menschen schön, liebenswert und in allen Dingen begabt erscheint und alle Taten, die in seiner Gegenwart ein anderer vollbringt, ihm zugerechnet werden. Jahre später macht sich Klein Zaches auf den Weg zur Universitätsstadt Kerepes und wird im Haus des Professors der Naturkunde, Mosch Terpin als der junge Herr Zinnober vorgestellt. Die Gesellschaft ist völlig begeistert – bis auf Balthasar, ein Student und junger Dichter, der vor allem die Natur und Mosch Terpins schöne Tochter Candida liebt. Das Gedicht „Von der Liebe der Nachtigal zur Rose“, das Balthasar dort vorträgt, um Candida zu beeindrucken, wird jedoch Zinnober zugeschrieben. Balthasar schwört, den verruchten Zauber zu brechen und Zinnobers dreistes Spiel zu beenden. Als sich der zum Spezialrat aufgestiegene Zinnober mit Candida verlobt, macht sich Balthasar mit seinem Freund Fabian auf den Weg zu Doktor Prosper Alpanus, der zur Erkenntnis kommt, dass es sich bei Zinnober weder um ein Wurzelmännlein noch um einen Erdgeist handelt, sondern um einen ganz normalen Menschen, der lediglich unter einem geheimen Zauber stehe. Im Garten von Zinnobers Anwesen beobachten Balthasar, Fabian und Prosper Alpanus, wie Zinnober von der Fee Rosabelverde mit einem Zauberkamm gekämmt wird, der bei der folgenden wilden Verfolgungsjagd zerstört wird. Damit ist der Zauber gebrochen, und Balthasar und Fabian können Candidas und Zinnobers Hochzeit noch rechtzeitig verhindern…

Rüdiger Frank (E. T. A. Hoffmann); Foto Pedro Malinowski

Wer vorab niemals mit dem Phänomen Steampunk in Berührung gekommen war und auch keine Gelegenheit hatte, sich dazu beim „Premierenfieber“ am 5. November 2015 im Rahmen der Ausstellung „Steampunk – Vorwärts in die Vergangenheit“ von Katharina Holzer, Clara Lina Wirz und Carolin Glaser im oberen Foyer des Großen Hauses zu informieren, dürfte womöglich überrascht gewesen sein, auf Gäste in Steampunk-Outfits mit Krinoline, Korsett und Goggles zu treffen, die zur Uraufführung der „weltersten Steampunk-Oper“ zusammengekommen waren. Es handelte sich dabei um Anhänger der Steampunk-Bewegung und Fans der Berliner Kammercore-Band „Coppelius“, die ihrer Leidenschaft frönten. Zumindest vom Erfolg dieses Teilaspekts des Projekts, nämlich völlig neue Interessenten für die Oper zu gewinnen, konnte man sich noch vor Beginn der Vorstellung überzeugen.

Sissy Voss am Kontrabass und Comte Caspar an der Klarinette; Foto Pedro Malinowski

Was hat man sich nun also unter der Steampunk-Oper „Klein Zaches, genannt Zinnober“ vorzustellen? Auf jeden Fall besser keine Oper im klassischen Sinn, auch wenn die Neue Philharmonie Westfalen unter der Musikalischen Leitung von Thomas Rimes an der Umsetzung beteiligt ist. Zwar werden bei den Songs munter Anleihen bei Wolfgang Amadeus Mozart („Porgi, amor, qualche ristoro“ aus „Le nozze di Figaro“) oder Richard Strauss („Also sprach Zarathustra“) gemacht, ohne deren Kompositionen auch nur mit einer Silbe im Programmheft zu erwähnen, und die klassisch ausgebildete Sopranistin Ulrike Schwab, Sebastian Schwabs jüngere Schwester, die beim 33. Bundeswettbewerb Gesang Berlin 2004 im Juniorwettbewerb die dritte Förderprämie der Walter Kaminsky-Stiftung gewonnen hat, ist bei ihren Auftritten für die klassischen Töne zuständig. Doch in weiten Teilen ähnelt der Abend einem Rockkonzert, oder haben Sie schon jemals erlebt, dass in einer Oper die Musiker namentlich und mit Instrumental-Soli vorgestellt wurden oder Sänger Headbangenderweise die Bühne rocken, wie dies bei „Klein Zaches, genannt Zinnober“ im zweiten Teil der Fall ist? Dass dabei „We Will Rock You“ von Brian May mit „Diese schöne Melodie ist gräslich und nervt“ verballhornt wird, ist natürlich bitter. Musikalisch bietet der Abend tatsächlich einen Mix aus Klassik und modernen Tönen, wobei sich diese harmonischer anhören als manche zeitgenössische Oper – gegen als zu groß empfundene Lautstärke hilft der am Einlass erhältliche Gehörschutz. Dann ist da aber auch noch die von Sebastian Schwab und „Coppelius“ dramatisierte Geschichte von E. T. A. Hoffmann, in der E. T. A. Hoffmann (dargestellt von Rüdiger Frank) sogar persönlich als Erzähler in Erscheinung tritt, also ein Stück weit Erzähltheater. Oder aber man bezeichnet es der Einfachheit halber als Spektakel, denn spektakulär ist es auf jeden Fall, und 1759 soll Kaiserin Maria Theresia zu ihrem Hoftheaterdirektor gesagt haben „Spektakel müssen sein“… Besser man versucht sich gar nicht erst an einer Kategorisierung und belässt es bei der von den „Makern“ gewählten Bezeichnung Steampunk-Oper, weil die sich doch „so gut anhört“ (Sebastian Schwab), fast so gut wie der Pleonasmus Welturaufführung.

Graf Lindorf (Liese), Max Coppella (Pfarrer) und Rüdiger Frank (Klein Zaches); Foto Pedro Malinowski

Dass die Darsteller alle Instrumente selbst spielen, kennt man aus Musicals wie „School of Rock“ von Andrew Lloyd Webber (Musik), Glenn Slater (Lyrics) und Julian Fellowes (Buch) (Uraufführung 6. Dezember 2015, Winter Garden Theater) oder „Once: a new musical“ von Glen Hansard, Markéta Irglová (Musik, Lyris) und Enda Walsh (Buch) (Broadway-Premiere 18. März 2012, Bernard B. Jacobs Theatre), der umgekehrte Fall kommt eher selten vor, zumindest hatte ich es bisher noch nicht erlebt. Den meisten Musikern dürfte auch die erforderliche Schauspielausbildung fehlen, um auf professionellen Bühnen bestehen zu können. Bei „Klein Zaches, genannt Zinnober“ ist man dieses Wagnis dennoch eingegangen, den Herren von „Coppelius“ neben Rüdiger Frank als E. T. A. Hoffmann und Klein Zaches und Ulrike Schwab als Fräulein von Rosenschön/Fee Rosabelverde und Candida die übrigen Rollen der Inszenierung anzuvertrauen, wobei diese nun gezwungenermaßen ständig in einem Wahnsinnstempo zwischen ihren Rollen auf der Bühne und ihrer Funktion als Musiker wechseln. Allein schon aus diesem Grund musste man sich in der Anzahl der handelnden Personen gegenüber der Vorlage von E. T. A. Hoffmann deutlich beschränken.

Comte Caspar (Bastian), Graf Lindorf (Prosper Alpanus), Nobusama (Prosper Alpanus’ Gehilfe) und Bastille (Balthasar); Foto Pedro Malinowski

Der kleinwüchsige Rüdiger Frank ist natürlich die Idealbesetzung für Klein Zaches, der an Widerlichkeit und Abscheulichkeit wohl schwer zu überbieten ist, als E. T. A. Hoffmann jedoch sein ganzes Herz in dieses Projekt steckt und am Ende, nachdem seine Märchenfigur Klein Zaches moralisch verwerflich und politisch völlig inkorrekt von allen ausgelacht wurde, seine Aufzeichnungen von heftiger Wut ergriffen verbrennt. Ulrike Schwab kann in ihrer Doppelrolle der leichtgläubigen Candida und Fräulein von Rosenschön/Fee Rosabelverde Wandlungsfähigkeit beweisen und sorgt obendrein auf Rollschuhen und einem Tretroller für Lacher im Publikum, wenn sie sich mit Graf Lindorf als Prosper Alpanus auf dem Hochrad eine wilde Hatz um den Zauberkamm liefert. Bastille ist als feingeistiger Balthasar zu sehen, der trotz des verruchten Zaubers nicht müde wird, um seine Liebe zu kämpfen. Comte Caspar agiert als dessen Freund Fabian zwar weitaus rationaler, lässt ihm aber dennoch die erforderliche freundschaftliche Unterstützung zukommen, um den Zauber zu brechen. Ein weiterer „Hauptdarsteller“ an diesem Abend ist die aufwendige Bühne von Britta Tönne mit den überdimensionalen Zahnrädern und dem Dampfkessel, die dem Spektakel mitsamt den fantasievollen Kostümen die entsprechend Steampunk-Ästhetik verleiht.

Ulrike Schwab (Candida) mit Max Coppella, Nobusama und Comte Caspar; Foto Pedro Malinowski

Am Ende der etwa zweieinhalbstündigen Aufführung gab es beinahe zehnminütigen Stehapplaus für alle Beteiligten, doch trotz emphatischer „Da Capo!“-Rufe aus dem Auditorium verweigerte man die gewünschte Zugabe. „Klein Zaches, genannt Zinnober“ steht nochmals am 21. und 29. November 2015 auf dem Spielplan, weiterhin am 22. April, 10., 11. und 12. Mai 2016. Die Ausstellung „Steampunk – Vorwärts in die Vergangenheit“ wird bis zum 4. Dezember 2015 im Ostfoyer des Musiktheaters im Revier zu sehen sein.