Mittwoch, 21. Oktober 2015

Rundgang durch die Kulturlandschaft Deilbachtal mit der museum.de App

Wiege der Industrie im südlichen Ruhrgebiet

Das Deilbachtal im Essener Süden vom Kupferhammerensemble im Westen bis zur Schachtanlage Victoria im Osten ist eine der interessantesten Kulturlandschaften des Ruhrgebiets. Es verfügt über eine fünfhundertjährige durchgängige Geschichte zunächst als landwirtschaftlich, dann aber auch sehr bald als industriell genutzter Naturraum. Als frühindustrielle Denkmal­land­schaft beschreibt es die Ursprünge der Eisen- und Metallindustrie im Ruhrgebiet.

Kupferhammer

Das Deilbachtal ist aber auch eine der ältesten Museums- und Denkmallandschaften Deutschlands. Schon 1917 wurde der Betrieb des Deiler Eisenhammers aus Rentabilitätsgründen eingestellt, in der Folge aber nicht abgerissen, sondern in den Jahren 1936/37 in einer gemeinsamen Aktion verschiedener Beteiligter, darunter auch das damalige Ruhrlandmuseum, als „technisches Kulturdenkmal“ betriebsfertig wiederhergestellt und im Schaubetrieb der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zusammen mit dem Halbachhammer im Nachtigallental, der ein Jahr zuvor, 1936, nach Essen umgesetzt wurde, gehört der Eisenhammer zu den ersten Beispielen der Industriekultur in Europa.

Deiler Eisenhammer

Deiler Eisenhammer, Schwanzhämmer, Tag des offenen Denkmals 2011

Deiler Eisenhammer, Exzenterangetriebene Stahlschere, Tag des offenen Denkmals 2011

Schon in den 1980er-Jahren wurden die Denkmäler des Deilbachtals vom damaligen Ruhrlandmuseum der Stadt Essen durch einen Rundwanderweg erschlossen und in einer ersten Ausstellung im Deilbachtal im Kutschenhaus dokumentiert. Seither werden im Deilbachtal regelmäßig Führungen und museumspädagogische Aktionen angeboten, auch in Verbindung mit anderen Außenstellen wie dem Geologischen Wanderweg am Baldeneysee oder dem Mineralien-Museum Kupferdreh, die das Ruhr Museum im Essener Süden betreibt.

Deiler Eisenhammer, sanierungsbedürftige historische Arbeiterhäuser

Am vergangenen Sonntag hatte das „Konsortium Deilbachtal“ – bestehend aus dem Historischen Verein für Stadt und Stift Essen, der Bürgerschaft Kupferdreh, dem Verein IDEE (Initiative Denkmäler Essens erhalten) und dem Ruhr Museum – zum Herbstfest in den Kupferhammer eingeladen. Dabei wurden nicht nur der aktuellen Stand der Aktivitäten im Deilbachtal und die Planungen für die Zukunft vorgestellt, sondern auch der kostenlose mobile Audioguide für die Kulturlandschaft Deilbachtal, der in die museum.de-App integriert ist.

Die Museums-App von museum.de für unterwegs; © museum.de

Schwerpunktmäßig hat die Jugendhilfe Essen dieses Jahr das Gelände am Deiler Eisenhammer, der als letztes Hammerwerk des Ruhrgebiets an seinem Originalschauplatz gilt, wieder auf Vordermann gebracht und damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des Gebäudeensembles – bestehend aus dem Deiler Eisenhammer, dem so genannten Meisterhaus und den sanierungsbedürftigen historischen Arbeiterhäusern – mit seinen großen Gartenflächen geleistet. Perspektivisch wird sich die Jugendhilfe Essen auch weiterhin um die notwendige Grünpflege am Deiler Eisenhammer kümmern. Der Erhalt des Eisenhammers wird durch die Beteiligung der Stadt Essen an den Kosten der Instandsetzung gesichert, für die Fördergelder beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) beantragt worden sind.

Screenshot der Museums-App für das Deilbachtal; © Ruhr Museum, museum.de

Mit dem mobilen Audioguide für die Kulturlandschaft Deilbachtal können die Besucher individuell mit ihrem eigenen Smartphone den Spuren des Transformationsprozesses von einer bäuerlichen über eine industrielle zu einer postindustriellen Landschaft über einen rund 5,5 Kilometer langen Wanderweg folgen. Mithilfe von Karten und Wegbeschreibungen werden die Besucher von Station zu Station geleitet und erhalten dabei umfassende Informationen zur Geschichte des Deilbachtals. Aktuelle und historische Fotos illustrieren die Geschichte und Funktion der Denkmäler. Der Audioguide funktioniert sowohl online als auch offline, aufgrund der Tallage wird ein vorherigen Download empfohlen. Die kostenlose App sowie der dazugehörige Audionguide für die Kulturlandschaft Deilbachtal können unter www.museum.de heruntergeladen werden. Für Besucher ohne Smartphone ist bereits im Juni 2013 der „Wanderführer durch die Kulturlandschaft Deilbachtal“ als Band 1 der Kleinen Schriften des Ruhr Museums im Klartext Verlag Essen erschienen. Meine persönliche Empfehlung für Besucher mit Smartphone: Man sollte sich nicht nur die Fotos in der App anschauen, sondern seinen Blick auch in der Realität auf die beschriebenen Natur- und Kulturdenkmäler richten.

Deiler Mühle

Funktionsmodell der Deiler Mühle in der Ausstellung „Die Kulturlandschaft Deilbachtal“ im Kupferhammer, 2012/2013, Holz, Plexiglas, Metall

Veranstaltungshinweise:
Am kommenden Sonntag, 25. Oktober 2015 wird um 14 Uhr die letzte vom Ruhr Museum veranstaltete geführte Wanderung durch das Deilbachtal in diesem Jahr stattfinden, und im Winter wird im Vortragsraum Kupferhammer eine Vortragsreihe mit folgenden Vorträgen stattfinden:
• Dienstag 19. Januar 2016, 18.00 Uhr, „Der Radweg Baldeneysee-Velbert-Langenberg. Eine neue Städte- und Kulturverbindung“ von Bernd-Schmidt-Knop
• Dienstag 16. Februar 2016, 18.00 Uhr, „Der Deilbach – Von der Quelle bis zur Mündung“, Lichtbildervortrag von Frierich Harke
• Dienstag 15. März 2016, 18.00 Uhr, „Friedrich Harkort und die Deilthaler Eisenbahn“ von Harald Vogelsang

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