Samstag, 24. Oktober 2015

DVD-Besprechung: „Love Never Dies“

„Liebe stirbt nie – Phantom II“ – nach dem Roman „The Phantom of Manhattan“ (1999) von Frederick Forsyth; Musik: Andrew Lloyd Webber; Gesangstexte: Glenn Slater, Charles Hart; Buch: Andrew Lloyd Webber, Ben Elton, Glenn Slater, Frederick Forsyth; Inszenierung: Simon Phillips; Choreografie: Graeme Murphy; Bühne, Kostüme: Gabriela Tylesova; Lichtdesign: Nick Schlieper; Sounddesign: Mick Potter; Musikalische Leitung: Guy Simpson. Darsteller: Ben Lewis (The Phantom), Anna O’Byrne (Christine Daaé, Vicomtess de Chagny), Somin Gleeson (Raoul, Vicomte de Chagny), Maria Mercedes (Madame Giry), Sharon Millerchip (Meg Giry), George Cartwright Bush/Trent Heath/Lachlan Kelly/Jack Lyall/Kurtis Papadinis (Gustave), Emma J. Hawkins (Fleck), Paul Tabone (Squelch), Dean Vince (Gangle), Andrew Broadbent, Renee Burleigh, Colin Dean, Andrew Dunne, Giordano Gangl, Stephanie Grigg, Erin Hasan, Matt Holly, Ben Hodson, Erin James, Adele Johnston, Claire Lyon, Kristy Mackenzie, Matthew McFarlane, Jessica Mechielsen, Meredith O’Reilly, Adam Rennie, Lisa Reynolds, Pharic Scott, Kathryn Sgroi, Ellen Simpson, Tod Strike und Brendan Yeates. Uraufführung: 9. März 2010, Adelphi Theatre, London. Australische Erstaufführung: 21. Mai 2011, Regent Theatre, Melbourne. Aufgezeichnete Vorstellungen: 9. bis 13. September 2011. Laufzeit 121 Minuten. FSK Freigegeben ab 6 Jahren.



„Love Never Dies“


Aufzeichnung der Aufführung am Regent Theatre in Melbourne


Das am 9. Oktober 1986 uraufgeführte Musical „The Phantom of the Opera“ gilt mit über 130 Millionen Besuchern weltweit als das erfolgreichste Musical aller Zeiten. Der Schriftsteller Frederick Forsythe schrieb auf Andrew Lloyd Webbers Anregung hin den Roman „The Phantom of Manhattan“ (1999), in dem er schildert, was mit dem Phantom nach der Flucht aus dem Pariser Opernhaus geschehen ist und wie sich die Geschichte von Christine und Raoul zugetragen hat. Bereits 1990 entwickelte Andrew Lloyd Webber die ersten Pläne für eine Fortsetzung. Nachdem er eine Dokumentation über die Entwicklung der Vergnügungsparks und Freakshows auf Coney Island zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesehen hatte, war er sich sicher, dass die Fortsetzung dort spielen sollte. Am 9. März 2010 fand die mit großer Spannung erwartete Uraufführung von „Love Never Dies“ von Andrew Lloyd Webber, Glen Slater, Ben Elton und Frederick Forsythe im Londoner Adelphi Theatre statt, wo es nach einer Überarbeitung im Dezember 2010 bis 27. August 2011 gespielt wurde. Nach der ersten Spielserie in London feierte das Musical in einer weiterentwickelten Fassung in Melbourne (21. Mai 2011, Regent Theatre), Sydney (12. Januar 2012, Capitol Theatre) und Kopenhagen (24. Oktober 2012, Det Ny Teater) Premiere. Die Live-Aufnahme der australischen Inszenierung in Melbourne ist 2012 auf DVD und Blu-ray Disc erschienen.

1907, rund 10 Jahre nach den dramatischen Ereignissen an der Pariser Oper, betreibt das Phantom auf Coney Island, der glitzernden Welt der New Yorker Vergnügungsparks, eine Vaudeville-Bühne. Doch selbst dieser prächtige Ort vermag ihn nicht über den Verlust seiner großen Liebe Christine hinwegzutrösten. Inkognito engagiert er die inzwischen weltberühmte Sopranistin für seine Show. Bald muss Christine, die mit ihrem Mann Raoul und ihrem 10-jährigen Sohn Gustave angereist ist, die Wahrheit erkennen. Und während ein aufgrund seiner Spielsucht hoch verschuldeter Raoul sich dem Alkohol hingibt, schwelgen das Phantom und Christine in Erinnerungen an ihre letzte gemeinsame Nacht in Paris und enthüllen ein völlig anderes Ende der Verfolgungs­jagd vor so vielen Jahren. Das Phantom überredet den von Selbsthass geplagten Raoul zu einer verhängnisvollen Wette: Sofern Christine wie geplant auftritt, müsse Raoul die Insel allein verlassen. Singt sie nicht, will das Phantom alle Schulden des Ehepaars begleichen und aus ihrem Leben verschwinden. Doch während das fatale Ränkespiel um Liebe, Zurückweisung und Eifersucht immer weiter eskaliert, übersehen die Beteiligten, dass Gefahr von einer ganz anderen Seite droht, denn Madame Giry hatte dem Phantom zu dessen Flucht nach Amerika verholfen und befürchtet wie ihre Tochter Meg, Christine könne ihnen ihren Platz an der Vaudeville-Bühne des Phantoms streitig machen…

Mehr als vier Jahre nach der Aufzeichnung der Aufführung am Regent Theatre in Melbourne wird an dieser Stelle sicher niemand mehr eine vollständige Besprechung der DVD erwarten, die kann man im übrigen an anderen Stellen nachlesen. Angesichts der Deutschen Erstaufführung des Musicals unter dem Namen „Liebe stirbt nie – Phantom II“ am 15. Oktober 2015 am Operettenhaus in Hamburg lohnt sich dennoch einer erneuter Blick auf den Silberling, zumal dieser für deutlich weniger als 10 Euro zu haben ist. Das könnte sogar für Theaterbesucher von Interesse sein, die sich vorab über das Musical informieren möchten, bevor sie ein Ticket zum Vielfachen des Kaufpreises der DVD erwerben. Natürlich kann das heimische Pantoffelkino nicht das Live-Erlebnis im Theater ersetzen, dennoch vermitteln Close-ups den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein statt nur dabei. Mehr noch, durch die Aufzeichnung einiger Shows ohne Publikum befanden sich die Kameras ganz offensichtlich auch auf der Bühne, und man bekommt Perspektiven zu sehen, die man als Theaterbesucher niemals zu sehen bekäme. Zugunsten der fortlaufenden Handlung wurde der Entr’acte geschnitten (Filmregie Brett Sullivan), und manches Mal wünscht man sich, ein wenig mehr Totalen von der opulenten Ausstattung von Bühnen- und Kostümbildnerin Gabriela Tylesova sehen zu können, die einige Parallelen zum von Harold Prince inszenierten und Maria Björnson ausgestatteten ersten Teil erkennen lässt. Beispielhaft sei die Rampe genannt, auf der sich das Phantom bewegt, oder der Spiegel, durch den es den Raum betritt. Die DVD in einwandfreier Bild- und Tonqualität enthält neben der Aufzeichnung der Aufführung mit 121 Minuten Spieldauer als Bonusmaterial ein vierzehnminütiges Making of der australischen Produktion sowie zahlreiche Unter­titel­optionen, die man glücklicherweise komplett ausschalten kann, so schlecht ist die deutsche Bearbeitung – „Only his mask was ever found“ wurde mit „Nur wurde seine Maske nie gefunden“ übersetzt. Weiterhin ist die übertriebene Lautstärke beim Abspielen des Menüs im Vergleich zu den übrigen Inhalten zu bemängeln. Dagegen scheint sich bei den Original-Texteinblendungen wirklich jemand Gedanken gemacht zu haben, so wurde beispielsweise die zeitliche Diskrepanz zwischen „The Phantom of the Opera“ (1881) und der Fortsetzung „Love Never Dies“ (1907) dahingehend aufgehoben, dass ein mysteriöses Feuer im Jahr 1895 die Pariser Opéra Populaire zerstört haben soll und die Fortsetzung auf Coney Island im Jahr 1905 spielt, was genau den erwähnten zehn Jahren entspricht.

Ungeachtet der erwähnten Mängel gibt die Aufzeichnung einen guten Eindruck von der für Australien weiter­ent­wickelten Fassung des Musicals mit den wundervollen Melodien von Andrew Lloyd Webber wieder, die man inzwischen mit lediglich kleinen Änderungen auf der Bühne des Operettenhauses in Hamburg in der deutschen Bearbeitung von Wolfgang Adenberg auch live erleben kann.

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