Montag, 28. September 2015

Totale Mondfinsternis

Nachts ist es kälter als draußen

Mond über der Schurenbachhalde

Tagsüber auf die Bergehalden im Ruhrgebiet zu laufen, um von dort den Ausblick oder den Sonnenuntergang zu genießen, das wird in einigen Weblogs gern als das ultimative Ruhrgebietserlebnis verkauft. Doch aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen, dieses Erlebnis ist was für Langschläfer. Wer sich dagegen nachts auf den Weg auf eine Bergehalde macht, der kann dort sein „blaues Wunder“ erleben. Bergehalden im Ruhrgebiet haben die positive Eigenschaft, zumindest die meisten, dass sie nicht mit Straßenlaternen „zugepflastert“ sind, die nächste Lichtquelle zumeist ein gutes Stück weit entfernt ist. Insofern eignen sich Bergehalden auch zur Stern- und Planetenbeobachtung am nächtlichen Himmel. Man braucht auch nicht zwingend ein Horizontobservatorium, um bei Vollmond den Erdtrabanten am Himmel zu finden, daher war ich in der Nacht auf die Schurenbachhalde gelaufen, um dabei gleich festzustellen, dass der direkte Zugang von der Emscherstraße augenblicklich wegen einer Baustelle nicht möglich ist und man beinahe bis zum Rhein-Herne-Kanal laufen muss, um von hier überhaupt auf die Halde zu gelangen.

Schurenbachhalde, „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra, 1998

Oben angekommen stellt man schnell fest, wie hell der Vollmond doch ist, wenn der Erdtrabant als hellste „Lichtquelle“ am Himmel steht. In einiger Entfernung erkennt man auch in der Nacht so markante Punkte wie die Faultürme der Kläranlage Bottrop, den „Herkules“ auf dem Nordsternturm „NT2“, die Skyline von Essen u. v. m.

Kläranlage Bottrop, Faultürme

Nach drei Uhr begann schließlich das Schauspiel der Mondfinsternis mit dem Eintritt des Mondes in den Kernschatten der Erde, wodurch der obere linke Rand des Mondes zusehends dunkler erscheint, bis schließlich nach etwa einer Stunde die totale Phase der Mondfinsternis begann, bei der sich der Mond komplett im Kernschatten der Erde befindet.

Phasen der partiellen Mondfinsternis

Auch wenn sich der Mond vollständig im Kernschatten der Erde befindet, bleibt er durch Brechung des langwelligen Sonnenlichts in der Erdatmosphäre schwach sichtbar und verfärbt sich rot, weshalb dieses Phenomen auch als Blutmond bezeichnet wird. Weder Voodoo noch böses Omen, sondern schlicht und ergreifend Schulphysik. Über 70 Minuten dauerte die Phase der totalen Mondfinsternis am 28. September, so langsam machte sich dann auch die Müdigkeit und die Kälte bemerkbar, obendrein wurde es langsam aber sicher feucht, und die Feuchtigkeit kriecht nicht nur in die Kleidung, sondern schlägt sich auf allen Gegenständen nieder, dementsprechend auch auf Objektiven.

Totale Mondfinsternis

Beendigung der Totalität durch Austritt des Mondes aus dem Kernschatten der Erde

An die Totalität schließt sich wiederum eine etwa einstündige Phase partieller Mondfinsternis an, während der der Mond den Kernschatten der Erde wieder verlässt. Das Ende der partiellen Phase fiel bereits in die Morgendämmerung.

Phasen der partiellen Mondfinsternis

Stadien der Mondfinsternis vom 28. September 2015, Belichtungszeit variabel, Beobachtungsposition 51° 30′ 43″ N, 7° 1′ 5″ O

Morgendämmerung über der Schurenbachhalde, Blick Richtung Osten, „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra, 1998

Morgendämmerung über der Schurenbachhalde, Blick Richtung Westen, „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra, 1998

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