Sonntag, 13. September 2015

Tag des offenen Denkmals 2015

Bundesweites Programm unter dem Motto „Handwerk, Technik, Industrie“

Seit 1993 öffnen in Deutschland am zweiten Sonntag im September zum Tag des offenen Denkmals mehrere tausend historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, ihre Türen. Unter dem Motto „Farbe“ haben 2014 rund 4 Millionen Besucher die Gelegenheit genutzt, um sich die mehr als 7.500 historischen Gebäude, archäologischen Stätten sowie Gärten und Parks anzuschauen, die am 14. September 2014 ihre Türen geöffnet hatten. Mit dem Tag des offenen Denkmals soll die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes sensibilisiert und Interesse für die Belange der Denkmalpflege geweckt werden.

Plakatmotiv 2015, © Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Am heutigen Tag des offenen Denkmals öffneten bundesweit weit mehr als 7.700 historische Bauten, Parks und archäologische Stätten ihre Türen für Kultur- und Geschichtsfans. Insgesamt rund vier Millionen Besucher zählten die Veranstalter bei den Denkmalen und Themenführungen. Das teilt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als bundesweite Koordinatorin der Aktion mit. „Handwerk, Technik, Industrie“ lautete in diesem Jahr das Motto des Denkmaltags. Die Besucher konnten vor Ort alte Turbinentechnik, Hydraulikbrücken, historische Mühlenanlagen oder traditionsreiche Kleinindustrie wie Webereien und Brauereien live erleben. Denkmalpfleger, Eigentümer und Architekten präsentierten instandgesetzte Industriebauten in neuer Nutzung ebenso wie Fabrikhallen und andere technische Bauten, die in ihrem Bestand gefährdet sind, weil sie zurzeit nicht genutzt werden. Handwerker und Restauratoren demonstrierten denkmalgerechte alte Techniken des Bau- und Kunsthandwerks.

Seit 1993 koordiniert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Tag des offenen Denkmals bundesweit. Die Stiftung steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Sie setzt sich mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit und der Bereitstellung finanzieller Mittel seit 1985 für den Erhalt bedrohter Baudenkmale in Deutschland ein. Seitdem konnte sie mit mehr als 570 Millionen Euro über 4.700 Denkmale vor dem Verfall retten helfen.


Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten

Gerade eine Region wie das Ruhrgebiet strotzt nur so vor Technik- und Industriebauten, vielerorts ist der Bezug zum Jahresmotto „Handwerk, Technik, Industrie“ gar nicht von der Hand zu weisen, allein auf der Route der Industriekultur wären bereits Hunderte von Standorten der zur Zeit 27 Themenrouten angesprochen, an denen neue, unbekannte Aspekte des Denkmals gezeigt werden könnten… die Betonung liegt auf könnten. Nächstes Problem: Was hilft ein von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als bundesweite Koordinatorin der Aktion online zur Verfügung gestelltes Veranstaltungs­programm mit Merkzettel, Routenplaner, mobiler App und allem „Zip und Zap“, wenn Veranstaltungen nicht an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gemeldet werden, sei es unbewusst oder sogar ganz bewusst, um sein eigenes Ding durchzuziehen?


Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir in Gelsenkirchen-Feldmark

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle

Als erstes Denkmal stand in diesem Jahr Schacht Oberschuir der ehemaligen Zeche Consolidation in Gelsenkirchen-Feldmark auf meinem Merkzettel, benannt nach dem langjährigen Betriebsdirektor Johann Oberschuir. Pünktlich mit dem Glockenschlag kam „the Keeper of the keys“, nein, nicht Matron Mama Morton, aber was die Dame von den Veranstaltungen in der ehemaligen Maschinenhalle zu berichten wusste, hörte sich sehr ähnlich an.

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Fördergerüst

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Schachthalle

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle, elektrische Trommelfördermaschine

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle, elektrische Trommelfördermaschine

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle, elektrische Trommelfördermaschine

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle, elektrische Trommelfördermaschine


Zeche Adolf von Hansemann in Dortmund-Mengede

Zeche Adolf von Hansemann, ehemalige Kaue

Das Verwaltungs- und Kauengebäude der ehemaligen Zeche Adolf von Hansemann in Dortmund-Mengede wurde 1899 nach Plänen des Architekten Dietrich Schulze in Anlehnung an das Uenglinger Tor in Stendal, neben dem Tangermünder Tor eines der noch erhaltenen Stadttore Stendals, durch den Umbau eines ehemaligen Kesselhauses im Stil der Backsteingotik errichtet. Namensgeber für das Bergwerk war der Inhaber der Berliner Disconto-Gesellschaft Adolph von Hansemann. Bereits 1873 wurde mit den Teufarbeiten für den ersten Schacht begonnen, der 1886 aufgrund starker Wasserzuflüsse endgültig aufgegeben wurde. Erst 1896 konnte im zweiten Schacht 80 Meter südlich des ersten Schachtes mit der Kohleförderung begonnen werden. Von 1896 bis zur 1967 wurden auf der Zeche Adolf von Hansemann nach Angaben des BUV-Kleinzeche Max Rehfeld e. V. rd. 48,4 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert. Neben dem Verwaltungs- und Kauengebäude sind die Maschinenhäuser der Schächte I und II (1890 und 1912/13) sowie ein Magazin- und ein Bürogebäude erhalten. Die ehemalige Zeche wird seit 2000 von der Handwerkskammer Dortmund als Bildungszentrum Hansemann mit einer Berufsfachschule für Gerüstbauer genutzt. Da darf es nicht wundern, dass es überall wie auf einer Baustelle mit Baugerüsten aussieht. Im Torhaus hat der Bergmann-Unterstützungs-Verein (BUV) Mengede in einer Drei-Raum-Wohnung ein kleines Bergbaumuseum „BUV-Kleinzeche Max Rehfeld“ eingerichtet.

Zeche Adolf von Hansemann, ehemalige Kaue, Seiteneingang

Zeche Adolf von Hansemann, ehemalige Kaue

Zeche Adolf von Hansemann, ehemalige Kaue

Zeche Adolf von Hansemann, ehemalige Maschinenhalle, Übungshalle Gerüstbauer


Hammerkopfturm der Zeche Minister Stein in Dortmund-Eving

Hammerkopfturm der Zeche Minister Stein

Die vom Evinger Geschichtsvereins e. V. am Tag des offenen Denkmals angebotenen Führungen zu den Fördermaschinen und Büroumbauten im Hammerkopfturm der Zeche Minister Stein in Dortmund-Eving waren für mich persönlich der erste „Hammer“ an diesem Tag. Jeder kann sich leicht ausrechnen, dass am Tag des offenen Denkmals unzählige Interessenten auf der Matte stehen, derweil der Hammerkopfturm ansonsten nicht öffentlich zugänglich ist. Da an jeder Führung nur 25 Personen teilnehmen konnten, war eine Anmeldung zu den Führungen erforderlich. Diese war aber nur vor Ort möglich, so dass man sich also persönlich nach Dortmund-Eving begeben musste, um dann etwa 15 Minuten vor der ersten angebotenen Führung zu erfahren, dass es erst in zwei Stunden möglich wäre, an einer Führung teilzunehmen. Wer womöglich pünktlich zur ersten Führung auf der Matte stand, dürfte wohl zur Antwort bekommen haben, dass es leider keine Möglichkeit mehr gebe, an einer Führung teilzunehmen. An anderen Stellen, an denen nur ein begrenztes Platzkontingent zur Verfügung stand, wurde zumindest eine vorherige Anmeldung angeboten, so dass man sich auf eine Uhrzeit einstellen konnte bzw. schon vorher wusste, dass man mal wieder leer ausgegangen war. Aber das wäre ja mit Arbeit verbunden gewesen… Da lässt man beim Evinger Geschichtsvereins e. V. die Besucher lieber vergebens „antanzen“, um sie dann verärgert ihrer Wege ziehen zu lassen. Dislike! Aber noch war nicht aller Tage Abend, es sollte noch dicker kommen…


Pumpwerk Evinger Bach in der Dortmunder Innenstadt-Nord

Pumpwerk Evinger Bach

Das Pumpwerk Evinger Bach der Emschergenossenschaft am Rand des Fredenbaumparks in der Dortmunder Innenstadt-Nord ist seit 1953 in Betrieb und sorgt mit insgesamt neun Pumpen und einer maximalen Pumpleistung von 13.800 Litern pro Sekunde (lt. Broschüre der Emschergenossenschaft vom September 2015) dafür, dass das Wasser aus dem durch Bergsenkungen abgesunkenen Evinger Bach über Druckrohrleitungen in den Aalbach gefördert wird, welcher bei Dortmund-Deusen in die Emscher fließt.

„Aus der Aufklärung“ von Ai Weiwei im Pumpwerk Evinger Bach

Pumpwerk Evinger Bach

Pumpwerk Evinger Bach

Pumpwerk Evinger Bach

Pumpwerk Evinger Bach


Schlegel-Brauerei, Gärkeller in der Bochumer Innenstadt

Dem bereits erwähnten Veranstaltungsprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz war zu entnehmen, dass Klaus Joachim Schlegel um 12, 14 und 16 Uhr etwa 45-minütige Führungen durch den Gärkeller der Schlegel-Brauerei anbietet. Schlegel-Bier ist Kult, auch über Bochum hinaus, das war also die Gelegenheit, vom Urenkel des Gründers der Bochumer Schlegel-Brauerei, Johann Joachim Schlegel, das ein oder andere über die Kult-Marke zu erfahren. Doch da hatte ich die Rechnung ohne den „Wirt“ gemacht, denn ganz offensichtlich hatte es der Ausrichter der Veranstaltung versäumt, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mitzuteilen, dass diese Veranstaltung ersatzlos ausfällt. Der Ausrichter ging auch an keiner Stelle aus dem Veranstaltungsprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hervor, so dass es für auswärtige Besucher keine Möglichkeit gab, sich vorab über den Veranstaltungsausfall zu informieren. Ganz böses Foul, dem offensichtlich noch weitere Besucher zum Opfer gefallen sind, wie ich beim nachfolgenden Besuch der Christuskirche erfahren habe. Diese erzählten mir, dass sie mit weiteren Interessenten vergebens am angegebenen Treffpunkt vor dem Rathaus gewartet hätten und selbst dort keinen Hinweis auf den Ausfall der Führung gefunden hätten. Dislike! Auf diese Art und Weise wurde die


Christuskirche in der Bochumer Innenstadt

zum „Auffangbecken“ für die darbenden Bier-Fans. Dessen Pfarrer Thomas Wessel bot nämlich um 13, 15 und 17 Uhr Führungen an, bei denen auch der Turm der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Christuskirche mit dem 1959 im Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation gegos­senen Geläut besichtigt werden konnte. Thomas Wessel hatte bei seinen Erläuterungen auch die Begründung für den Ausfall der Führungen durch den Gärkeller parat, und die schlägt wirklich dem Fass den Boden aus. Ich verkeife mir an dieser Stelle, diese wiederzugeben.

Platz des europäischen Versprechens mit dem Turm der Christuskirche

Am 15. Mai 1877 wurde der Grundstein für die neugotische Christuskirche Bochum gelegt, die Bauausführung nach Plänen der Architekten August Hartel (* 26. Februar 1844 in Köln, † 18. Februar 1890 in Straßburg) und Theodor Quester (* 1843 in Köln) lag beim Bochumer Baumeister Heinrich Schwenger (* 14. Juli 1840 in Rheda; † 13. März 1906 in Bochum). Der 72 Meter hohe Turm wurde im Oktober 1878 fertiggestellt, im Mai 1879 wurde die Kirche eingeweiht. 1931 wurde im Sockelgeschoss des Turmes die „Heldengedenkhalle“ nach Plänen des Bochumer Baumeisters Heinrich Schmiedeknecht (* 9. Mai 1880 in Bochum, † 4. August 1962 in Bochum) gestaltet, der 1906 das Büro des Baumeisters Heinrich Schwenger übernommen hatte. In der Nacht vom 13. zum 14. Mai 1943 wurde die Kirche bis auf den Turm zerstört. Damit gilt sie noch heute als Mahnmal gegen den Krieg. Am 15. Mai 1957 wurde die neue Christuskirche gegründet. Bis 1959 entstand nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen (* 5. April 1911 in Heidenheim an der Brenz, † 6. April 1994 in Hannover) ein zeitgemäßes neues Kirchenschiff.

Christuskirche, „Heldengedenkhalle“ im Sockelgeschoss des Turms

Christuskirche

Christuskirche, Aufstieg zum Glockengeschoss

Christuskirche, Gußstahlglocken

Christuskirche, Gußstahlglocken


Stadtarchiv Bochum, Ausstellung zur Goldschmiedekunst

„Meisterschale“ von Elisabeth Treskow

Im Bochumer Stadtarchiv waren am Tag des offenen Denkmals Goldschmiedearbeiten von Elisabeth Treskow (* 20. August 1898 in Bochum, † 6. Oktober 1992 in Brühl (Rheinland)) ausgestellt, u. a. die 1954 nach altem Vorbild wiederhergestellte Königskette der Maiabendgesellschaft und ein Diadem für die Schützenkönigin, die für die 1955 festlich eingeweihte Kirche St. Nikolaus von Flüe in Bochum-Marmelshausen geschaffenen Leuchter und ein Vortragekreuz, und natürlich die 1949 mit ihren Studenten an den Kölner Werkschulen anfertigte „Meisterschale“ des Deutschen Fußballbundes, genauer gesagt, eine Replik der 1955 von Rot-Weiss Essen errungenen Meisterschale, die noch vor kurzem in der Ausstellung „Dauernde, nicht endgültige Form“ auf Zollverein zu sehen war.

Am Ende des diesjährigen Tages des offenen Denkmals bleibt das unbefriedigende Gefühl, nichts von dem gesehen zu haben, was eben ansonsten nicht zugänglich ist: „Die Fahrt zum Mond hat sich gelohnt! Nun weiß die Wissenschaft im Grunde ganz gewissenhaft dass sich die Fahrt zum Mond nicht lohnt.“

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