Donnerstag, 3. September 2015

„Schwarzes Porzellan – Kohlekeramik aus Bochum“

Sonderausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall

„Schwarzes Porzellan – Kohlekeramik aus Bochum“ in der Maschinenhalle der Zeche Nachtigall

Bei Steinkohle denken viele an Fördertürme, Bergleute und ihre harte Arbeit unter Tage. Dass aus dem Gold der Ruhr auch Kunst entstehen kann, beweist eine neue Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall, die der Landschafts­ver­band Westfalen-Lippe (LWL) am Sonntag, 6. September 2015 eröffnet. „Schwarzes Porzellan – Kohle­keramik aus Bochum“ heißt die Schau mit mehr als 130 Objekten aus der Sammlung von Dr. Jürgen Huesmann.

Tischuhr

In der Kohlekeramischen Anstalt auf der Zeche Hannover in Bochum – heute ebenfalls Standort des LWL-Industrie­museums – wurden seit dem Zweiten Weltkrieg die technischen Verwendungs­möglich­keiten der Kohlekeramik erforscht. Schließlich wurden zwischen 1947 und 1967 Kunstgewerbeartikel aus gepresstem Kohlenstaub produziert, wobei die mit Bindemitteln vermischte gemahlene Kohle zu Formteilen gepresst und gebrannt wurde. Die seinerzeit weit verbreiteten Medaillen und Plaketten wurden von Bergbau und Industrie, aber auch von Sportverbänden und Kirchen, Städten und Gemeinden in Auftrag gegeben. Selbst Gebrauchsgegenstände wie Spardosen, Zifferblätter für Uhren, Feuerzeuge und Aschenbecher stellte der Betrieb her.

Spardose

Im Fokus der Ausstellung steht die Sammlung von Dr. Jürgen Huesmann. Mehr als 1.500 Objekte aus Kohlekeramik hat der Dortmunder Allgemeinmediziner in den vergangenen drei Jahrzehnten zusammengetragen. Angefangen hat alles mit einer Medaille im Schaufenster einer Dortmunder Münz­handlung. 30 DM sollte sie kosten, was Dr. Huesmann zu teuer war. Doch seine Frau schenkte sie ihm zu Geburtstag, und heute nimmt die Sammlung den kompletten Dachboden in Anspruch.

Aschenbecher zum 25-jährigen Jubiläum als Fördermaschinist

Mit einer Auswahl von über 130 Objekten gibt die Schau „Schwarzes Porzellan – Kohlekeramik aus Bochum“ einen exklusiven Einblick in die eindrucksvolle Vielfalt kohle­keramischer Erzeugnisse. Unter den Exponaten befinden sich Medaillen bedeutender Fußballvereine wie Borussia Dortmund oder Schalke 04. Aber auch eine Plakette zur ersten Kundgebung europäischer Bergarbeiter 1964 in Dortmund. Daneben zeigen Fotografien Szenen aus dem Alltag des Bochumer Betriebes.

Sternfahrt Ruhrgebiet-Marokko des Automobilclubs Verkehr, 1987

Medaille von Borussia Dortmund
Medaille zum 50-jährigen Bestehen von Schalke 04 im Jahr 1954. Auf der Vorderseite die 1928 eröffnete Glückauf-Kampfbahn, auf der Rückseite eine jubelnde Menschenmenge

Plakette mit farbiger Darstellung von Turnvater Jahn
Medaille für besondere Verdienste im Radwandersport

Medaille des Deutschen Kanu-Verbandes e. V.
Medaille zum ersten internationalen Ruhrlauf 1967 in Oberhausn

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, 6. September 2015 um 11 Uhr sprechen Monika Schnieders-Pförtzsch, stellvertretende Vorsitzende der LWL-Landschaftversammlung, der Sammler Dr. Jürgen Huesmann und Nancy Schumacher, wissenschaftliche Volontärin am Standort Zeche Nachtigall. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung vom Bitte Jazz Trio aus Witten. Der Eintritt ist frei. Gäste sind herzlich willkommen.

Prägestemple für die erste geprägte Kohlemedaille mit dem Motiv der Zeche Hannover, 1947

Das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt ins Museum ohne Besucherbergwerk. Gilt nicht bei Veranstaltungen mit Sondereintritt.

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