Montag, 14. September 2015

„Monty Python’s Spamalot“

„Monty Python’s Spamalot“ – nach dem Film „Monty Python and the Holy Grail“/„Die Ritter der Kokosnuß“; Musik: John Du Prez, Eric Idle; Buch und Liedtexte: Eric Idle; Deutsche Bearbeitung: Daniel Große Boymann; Regie: Christian Brey; Choreografie: Kati Farkas; Ausstattung: Anette Hachmann; Licht: Bernd Felder; Sounddesign: Miguel Augusto; Dramaturgie: Annelie Mattheis; Musikalische Leitung: Tobias Cosler. Darsteller: Matthias Redlhammer (König Artus, König von England), Kira Primke (Fee aus dem See), Ronny Miersch (Patsy, der Knappe von König Artus/Wache 2), Jan Krauter (Sir Lancelot, ein Ritter der Tafelrunde/Französischer Spötter, ein arroganter, herablassender Klischee-Franzose/Ritterfürst vom Ni/Tim der Zauberer), Dennis Herrmann (Sir Dennis Galahad, ein Ritter der Tafelrunde/Dennis, ein Morastsammler aus der Unterschicht/Prinz Herberts Vater/Schwarzer Ritter), Daniel Stock (Historiker/Der noch-nicht-tote Fred/Französische Wache/Fahrender Sänger/Prinz Herbert), Nils Kreutinger (Sir Bedevere, ein Ritter der Tafelrunde/Bürgermeister/Dennis Galahads Mutter/Concorde, das Pferd des Sir Lancelot), Michael Kamp (Sir Robin, ein Ritter der Tafelrunde/Bruder Maynard/Wache 1), Harald Schmidt (Die Stimme Gottes), Nivaldo Allves, Johannes Brüssau, Yoko El Edrisi, Yvonne Forster, Milena Sophia Hagedorn, Reginald Holden Jennings, Jessica Rühle, Jan-Werner Schäfer, Eveline Gorter, Franziska Lißmeier, Stefan Gregor Schmitz. Broadway-Premiere: 17. März 2005, Shubert Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 25. Januar 2009, Musical Dome Köln. Premiere: 11. September 2015, Schauspielhaus Bochum.



„Monty Python’s Spamalot“


Musicalischer schwarzer Humor am Schauspielhaus Bochum


Überraschenderweise – zumindest für mich – zeigt das Schauspielhaus Bochum in der Spielzeit 2015/16 das Musical „Monty Python’s Spamalot“ in der Regie von Komödienspezialist Christian Brey, das vor schwarzem Humor nur so strotzt. Basierend auf dem Spielfilm „Die Ritter der Kokosnuß“ – Originaltitel „Monty Python and the Holy Grail“ – der britischen Komikergruppe Monty Python aus dem Jahr 1975 folgt das Musical sehr frei der Legende um König Artus und den Rittern der Tafelrunde auf ihrer Suche nach dem heiligen Gral. Nach Previews am Shubert Theatre in Chicago wurde es am 17. März 2005 im Shubert Theatre am Broadway uraufgeführt und bis 11. Januar 2009 in 1.575 Vorstellungen gezeigt. Die Produktion war 2005 für 14 Tony Awards nominiert, wovon es drei Auszeichnungen in den Kategorien „Best Musical“, „Best Performance by a Featured Actress in a Musical“ an Sara Ramirez (Lady of the Lake) und „Best Direction of a Musical“ an Mike Nichols tatsächlich gewonnen hat. Am Londoner West End feierte das Stück am 17. Oktober 2006 am Palace Theatre seine europäische Erstaufführung und wurde dort bis 3. Januar 2009 gespielt. Seither wird das Stück weltweit erfolgreich gezeigt, die deutschsprachige Erstaufführung ging am 20. Januar 2009 im Musical Dome Köln über die Bühne. Augenblicklich schießen freie Inszenierungen wie Pilze aus dem Boden, am Schauspielhaus Bochum wurde am 11. September 2015 Premiere gefeiert.

Das Musical „Monty Python’s Spamalot“ besteht aus einer Abfolge von einzelnen, in sich abgeschlossenen Sketchen, die durch eine Rahmenhandlung lose zusammengehalten werden, eben der Legende um König Artus und den Rittern der Tafelrunde auf ihrer Suche nach dem heiligen Gral, der schließlich unter einem Sitz im Auditorium gefunden wird und dem darauf sitzenden Zuschauer einen Bühnenauftritt beschert. König Artus und sein treu ergebener Knappe Patsy begeben sich zunächst auf die Suche nach tapferen Rittern und werden dabei von der Fee aus dem See unterstützt, indem sie den Torfbauern Dennis aus der Unterschicht in Sir Galahad verwandelt. Der völlig furchtlose, blutrünstige Sir Lancelot, der tapfere Sir Robin, der eigentlich ein großer Feigling ist, und der ein wenig unbeholfene Ritterlehrling Sir Bevedere vervollständigen die illustre Tafelrunde. Nach einem Abstecher in das Sündenbabel Camelot werden sie von niemand geringerem als Gott persönlich ermahnt, den heiligen Gral zu finden. Dabei müssen sie an der Burg von Guy de Lombard den Spott der französischen Soldaten über sich ergehen lassen, und beim Versuch, die Burg mithilfe des trojanischen Hasen zu erobern, versäumen sie, vorher in den Hasen zu steigen. Selbst als der Schwarze Ritter im Kampf bereits sämtliche Extremitäten verloren hat, stellt er sich ihnen noch immer mutig in den Weg. Als sie den Rittern, die immer Ni sagen, begegnen, verlangen diese von König Artus und den Rittern der Tafelrunde, dass sie ein Musical schreiben und erfolgreich in Bochum aufführen sollen. Aber wie Sir Robin weise bemerkt, habe ein Musical keinen Erfolg wenn es nicht vom Broadway komme. Sie besiegen das Kaninchen des Todes mit der Heiligen Granate und retten den unglücklichen Prinzen Herbert, der nicht singen darf. Zu guter Letzt erfährt König Artus, dass die Fee aus dem See eigentlich Jennifer heißt und ihn ebenso liebt wie er sie.

„Monty Python’s Spamalot“ parodiert nicht nur andere Musicals, zur Freude der Zuschauer wird wie schon im zugrunde liegenden Spielfilm nichts und niemands von Monty Python’s schwarzem Humor verschont. Regisseur Christian Brey, der „Elvis lebt. Und Schmidt kann es beweisen“ (Premiere: 12. Oktober 2007) und „Der Prinz von Dänemark“ (Premiere: 25. Oktober 2008) von und mit Harald Schmidt am Staatstheater Stuttgart inszeniert hat und in der zweiten Laufzeit der Late-Night-Show „Harald Schmidt“ zu dessen Team gehörte, hat „Monty Python’s Spamalot“ mit Schauspielern aus dem aktuellen und im Fall von Ronny Hirsch (Patsy/Wache 2) ehemaligen Ensemble am Schauspielhaus Bochum in den Hauptrollen sowie Kira Primke (Die Fee aus dem See) als Gast inszeniert, hinzu kommen – es handelt sich ja schließlich um ein Musical – acht MusicaldarstellerInnen. Christian Brey hat die aus der Originalinszenierung von Mike Nichols bekannten Sketche mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit angereichert und interpretiert den ursprünglichen Song „You Won’t Succeed On Broadway“ mit der Parodie auf „Anatevka“ (eine Anspielung auf den Einfluss von Juden am Broadway, ohne die kein Musical Erfolg haben kann) dahingehend neu, dass die Ritter, die immer Ni sagen, verlangen, ein Musical zu schreiben, welches in Bochum erfolgreich aufgeführt wird. Dabei erscheinen eine Katze aus „Cats“, Donna aus „Mamma Mia“, ein Hippie aus „Hair“, Mary Poppins aus dem gleichnamigen Disney-Musical und das Phantom aus „Das Phantom der Oper“ auf der Bühne. Da die bühnenmäßige Aufführung von Musicals auch in Ausschnitten eine Lizenzierung durch die Autoren bzw. deren Verlage erfordert, es gab in Deutschland in diesem Zusammenhang Verfahren bis vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe, singen die Darsteller nicht selbst, sondern das Publikum wird aufgefordert, die entsprechenden Songs zu singen. Als Stimme Gottes, von dem allerdings lediglich die beiden an „Allegoria del trionfo di Venere“ von Angelo Bronzino und den Vorspann zu „Monty Python’s Flying Circus“ angelehnten Füße zu sehen sind, die schließlich mit Pyroeffekte-Unterstützung in den Schnürboden entschwinden, ist – man ahnt es bei Christian Brey schon – Harald Schmidt zu hören. Die temporeichen, von Musicaldarstellern und Schauspielern getanzten Choreografien von Kati Farkas sorgen für zusätzlichen Schwung und Broadway-Flair, da kann man den gestrichenen Flaschentanz aus „Anatevka“ leicht verschmerzen. Dramaturgin Annelie Mattheis macht in ihrem Backstage-Bericht im Programmheft zu Recht auf den für ein Stadttheater hohen Aufwand auf und hinter der Bühne aufmerksam, was dort im Vergleich zu kommerziellen Produktionen geleistet wurde kann sich ohne weiteres sehen lassen. Ausstatterin Anette Hachmann hat für jede Szene die ansprechenden Kostüme und Bühnenbilder entworfen, das fängt bei der Landkarte von Britannien im Jahre 932 zur Ouvertüre an und hört beim Sündenbabel Camelot noch lange nicht auf. Die eingängige Partitur, in der „Always look on the bright sight of life“ aus „Das Leben des Brian“ (Originaltitel „Monty Python’s Life of Brian“) sicherlich der bekannteste Song sein dürfte, wird in Bochum von einer achtköpfigen Band unter der Musikalischen Leitung von Tobias Cosler mit erfreulich vollem Klang zu Gehör gebracht.

Mit Ausnahme von Matthias Redhammer als gedankenverlorener König Artus und Kira Primke als Fee aus dem See verkörpern alle Darsteller in „Monty Python’s Spamalot“ eine Vielzahl von Rollen. Ronny Miersch (Patsy, der Knappe von König Artus/Wache 2), der als treu ergebener Knappe von König Artus mit den beiden Kokosnusshälften den Hufschlag der nicht vorhandenen Pferde in unterschiedlichsten Gangarten täuschend echt nachahmt, kann mit seinem im Englischen Original belassen Song „Always look on the bright sight of life“ nicht nur den deprimierten König Artus aufheitern, sondern auch das Publikum gesanglich vollends überzeugen. Dennis Herrmann (Sir Dennis Galahad, ein Ritter der Tafelrunde/Dennis, ein Morastsammler aus der Unterschicht/Prinz Herberts Vater/Schwarzer Ritter), Jan Krauter (Sir Lancelot, ein Ritter der Tafelrunde/Französischer Spötter, ein arroganter, herablassender Klischee-Franzose/Ritterfürst vom Ni/Tim der Zauberer), Michael Kamp (Sir Robin, ein Ritter der Tafelrunde/Bruder Maynard/Wache 1) in der Rolle des sich ständig vor Angst in die Hose machenden Sir Robin und Nils Kreutinger (Sir Bedevere, ein Ritter der Tafelrunde/Bürgermeister/Dennis Galahads Mutter/Concorde, das Pferd von Sir Lancelot) bilden die illustre Tafelrunde und sorgen auch in ihren vielen Nebenrollen für Lacher im Publikum. Kira Primke (Jenny in „Company“, Landestheater Linz, Regie Matthias Davids, Premiere 10. Januar 2015, Susanne/Katrin in „49½ Shades! Die Musical Parodie“, Regie Gerburg Jahnke, Deutschsprachige Erstaufführung 16. Februar 2014) interpretiert die Rolle der Fee aus dem See als Diva mit großer Stimme und komödiantischem Talent und überzeugt mit ihrem witzigen Solo „Wann geht’s hier wieder mal um mich?“ im zweiten Akt auf ganzer Linie, in dem sie fragt, was denn aus ihrer völlig vernachlässigten Rolle geworden sei. Daniel Stock (Historiker/Der noch-nicht-tote Fred/Französische Wache/Fahrender Sänger/Prinz Herbert) kann zunächst als der noch-nicht-tote Fred nachhaltig auf sich aufmerksam machen, um sich schließlich als Prinz Herbert im zweiten Akt vollends in die Herzen der Zuschauer zu spielen, wenn er vor der arrangierten Hochzeit mit einer ungeliebten Prinzessin gerettet wird. Nicht zu vergessen das achtköpfige, spielfreudige Musicalensemble (Nivaldo Allves, Johannes Brüssau, Yoko El Edrisi, Yvonne Forster, Milena Sophia Hagedorn, Reginald Holden Jennings, Jessica Rühle und Jan-Werner Schäfer), das in den einfallsreichen, bunten Kostümen die Hauptdarsteller nicht nur unterstützt, sondern insbesondere die choreografierten Ensembleszenen zu einem echten Hingucker macht.

„Monty Python’s Spamalot“ bietet auch am Schauspielhaus Bochum urkomische, kurzweilige Unterhaltung. Darsteller und Kreative wurden vom Premierenpublikum nach etwa zweieinhalbstündiger Vorstellung mit langanhaltendem, begeistertem Stehapplaus gefeiert. Die Musical Comedy steht mit insgesamt 25 Vorstellungen bis 14. Juni 2016 am Schauspielhaus Bochum auf dem Spielplan.

Bedauerlicherweise stellt das Schauspielhaus Bochum keine Produktionsfotos zur Verfügung, mit denen kostenfrei für die Aufführung geworben werden kann – nichts anderes stellt eine im Netz frei verfügbare Besprechung schließlich dar.

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