Sonntag, 5. Juli 2015

Limes-Turm und Rundofen in Hillscheid

Kennen Sie touristische Unterrichtungstafeln an der Autobahn? Diese zumeist in braun-weiß gehaltenen Tafeln neben dem Standstreifen, mit einem Piktogramm und einer Beschriftung in serifenloser Antiqua. Führe man an allen touristischen Unterrichtungstafeln von der Autobahn ab und schaut sich das beworbene Ziel an, so käme man nie an sein Ziel, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Und manches Mal wäre das wohl auch besser so, denn dann werden zumindest nicht die Erwartungen an das Ziel nicht erfüllt und man findet auf seinem Weg etwas interessantes. Der Weg ist das Ziel… So ist es mir zumindest auf der Bundesautobahn 48 Richtung Vulkaneifel ergangen, und dass sich meine Erwartungen durch eine Parkscheinzone in Größe einer gesamten Stadt in Rheinland-Pfalz nicht erfüllen würden, konnte ich in dem Augenblick ja nicht ahnen. Also nach einer touristischen Unterrichtungstafel auf den Limesturm in Hillscheid an der Anschlussstelle Höhr-Grenzhausen abgefahren…

Limes-Turm Hillscheid

In Hillscheid trifft man dann auf den Verlauf des Obergermanisch-Rätischen Limes, dem antiken, ab 84 n. Chr. unter Kaiser Domitian angelegten Grenzwall von Bad Hönningen/Rheinbrohl am Rhein bis in den Bereich Regensburg an der Donau. Seit 2005 UNESCO-Welterbestätte und für mich geografisch ebenso schwer fassbar wie die UNESCO-Welterbestätte Oberes Mittelrheintal. Hier wurde 1994 die Nachbildung eines Limes-Wachturms errichtet, etwa 150 Meter von dem Ort entfernt, an dem der historische Wachposten 68 des ersten Limes-Teilabschnitts vom Rhein bis zur Lahn vermutet wird. Beim dem Turmnachbau soll es sich um eine einigermaßen authentische Rekonstruktion handeln, der außen mit dem für römische Wachtürme typischen weißen Anstrich mit aufgemalten roten Scheinfugen versehen ist. Im Turm befindet sich ein kleines römisches Museum mit Schautafeln und Exponaten, und vom Turm-Umgang hat man einen herrlichen Blick in die Umgebung.

Limes-Turm Hillscheid

Limes-Turm Hillscheid

Limes-Turm Hillscheid, Wohnebene im ersten Obergeschoss

Limes-Turm Hillscheid, Wachebene im zweiten Obergeschoss

Ebenfalls in Hillscheid befindet sich auf dem Gelände der Firma Born ein erhaltener Rundofen, der zum Brennen von Schamotten verwendet wurde. Früher sollen hier vier Rundöfen gestanden haben, erbaut von 1914 bis 1918. Bereits im 16. Jahrhundert soll in Hillscheid Tongewinnung stattgefunden haben. Die Hillscheider Schamotte wurde von Hütten- und Stahlwerken verwendet, aber auch für die vielen Schmelz-, Glüh-, Brenn- und Röstanlagen, für Feuerkessel und Feuerungen von Dampflokomotiven. In dem Rundofen konnten etwa 80 Tonnen Rohton in ca. 70 Stunden zu etwa 60 Tonnen Schamotte (25 % Verlust) gebrant werden.

Rundofen in Hillscheid

Rundofen in Hillscheid, eine der acht Feuerstellen

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