Donnerstag, 23. Juli 2015

FilmSchauPlätze NRW 2015: Bönen

„Banksy – Exit Through the Gift Shop“ am Ostpol

Förderturm Bönen

Der von den Klöckner-Werken nach Plänen des Architekten Alfred Fischer (* 29. August 1881 in Stuttgart, † 10. April 1950 in Murnau am Staffelsee) errichtete und 1929 fertiggestellte Förderturm der ehemaligen Schachtanlage Königsborn III/IV in Bönen-Altenbögge ist das einzige erhalten gebliebene Bauwerk der Tagesanlagen der am 15. Mai 1981 geschlossenene Zeche. Der Förderturm gilt als bedeutendes Dokument der architekturgeschichtlichen Entwicklung im Industriebau der zwanziger Jahre und bildet zusammen mit dem Förderturm der Schachtanlage Rossenray in Kamp-Lintfort die Ost- und Westpole des Ruhrgebiets: Die beiden Fördertürme werden durch die Lichtkunstinstallation „Yellow Marker“ (2000) von Mischa Kuball imaginär miteinander verbunden, die aus jeweils zwei seitlich angebrachten Linien aus gelben Leuchtstoffröhren bestand, die zwischenzeitlich durch LED-Technik ersetzt wurden.

Förderturm Bönen

Förderturm Bönen

Förderturm Bönen

Förderturm Bönen, Fördergerüst

Der Förderturm Bönen war am 22. Juli 2015 FilmSchauPlatz für „Banksy – Exit Through the Gift Shop“, im Rahmenprogramm, das vom Jugendforum Bönen in Kooperation mit dem Kulturbüro der Gemeinde Bönen veranstaltet wurde, führten Mitglieder der Bürgerstiftung Förderturm Bönen durch selbigen, auf der Bühne wurde HipHop und Breakdance präsentiert. Nun könnte man auf die Idee kommen, dass tausende von Neugierigen den Förderturm gestürmt hätten und sich die Gelegenheit für die Turmbesichtigung nicht entgehen ließen, immerhin haben vor einer Woche tausende Besucher in Heiligenhaus bei weitaus schlechterem Wetter ein Stück asphaltierter Straße besucht, das irgendwann in ferner Zukunft eine Autobahn werden soll, aber dem war nicht so. So konnte man sich also im Förderturm in aller Ruhe umsehen und auch den Ausblick über die Landschaft zwischen Hamm, Unna und Dortmund genießen.

Förderturm Bönen, Bedienstand der Fördermaschine

Förderturm Bönen, Kunst im Bau

Förderturm Bönen

Förderturm Bönen, Leonard-Umformer

Förderturm Bönen, der letzte Förderwagen

Förderturm Bönen, Signalgebung (aus der ehemaligen Schachtanlage Westfalen)

Stahlkonstruktion des Förderturms Bönen

Förderturm Bönen, Seilablenkrollen der ehemaligen Vierseilförderung, nach Ende der Förderung 1981 wurden zwei Seilablenkrollen ausgebaut

Förderturm Bönen, Kopierwerk für den Betrieb der Fördermaschine

Förderturm Bönen, Fördermaschine, Hersteller Siemens-Schuckert Werke, weiteres unbekannt (das Typenschild hat bereits einen Liebhaber gefunden)

Förderturm Bönen, Fördermaschine

Förderturm Bönen, Fördermaschine

Förderturm Bönen, Fördermaschine

Förderturm Bönen, Treibscheibe mit 4 m Durchmesser

Förderturm Bönen, Treibscheibe mit 4 m Durchmesser

Förderturm Bönen, Brückenkran, Tragfähigkeit 40 t

Förderturm Bönen, Fördergerüst

Der Förderverein Königsborn III/IV e. V. ermöglicht die Besichtigung des Förderturms natürlich auch außerhalb der FilmSchauPlätze NRW, niemand muss bis zum nächsten dort standfindenden FilmSchauPlatz warten, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.

FilmSchauPlatz Bönen, Breakdance-Performance

Nach so viel Fördertechnik an dieser Stelle auch noch ein Blick in die Projektionstechnik bei den FilmSchauPlätzen NRW, und im Vergleich dazu die frühere analoge Projektionstechnik. Seit 1998 ist das Filmhaus Bielefeld mit dem so genannten MondscheinKino fester Partner der Film- und Medienstiftung NRW bei der Open-Air-Kinoreihe FilmSchauPlätze NRW. 2013 wurden zum letzten Mal „richtige“ Filme gezeigt, danach wurde auf digitale Projektionstechnik umgestellt.

digitale Projektionstechnik

analoge Projektionstechnik, Foto von den FilmSchauPlätzen NRW 2013

Als Kurzfilm wurde in Bönen „What I forgot to say“ von Patrick Buhr von der Kunsthochschule für Medien Köln gezeigt, bevor schließlich „Banksy – Exit Through the Gift Shop“ auf der großen Leinwand vor dem Förderturm zu sehen war.

FilmSchauPlatz Bönen

Banksy ist ein Phantom. Obwohl – oder gerade weil – seine Kunst Fassaden und Mauern auf der ganzen Welt ziert, weiß niemand, wer hinter dem gefeierten Street Art-Künstler eigentlich steckt. Bis sich ein verrückter Franzose und selbsternannter Dokumentarfilmer namens Thierry Guetta zum Ziel gesetzt hat, Banksy aufzuspüren. Was ihm durch gute Kontakte und ein bisschen Zufall sogar gelingt. Aber dann kommt alles anders als geplant: Banksy dreht den Spieß um und richtet die Kamera auf Guetta. Der wiederum startet nun selbst eine überraschende Karriere als Künstler.

FilmSchauPlatz Bönen

Der FilmSchauPlatz Bönen wird zwar ganz sicher nicht mit einer „Spitzen-Besuchszahl“ in die neuerlich von der Film- und Medienstiftung NRW verbreitete „Rekordstatistik“ nach dem Motto „Citius, altius, fortius“ eingehen, der von den Jugendlichen ausgesuchte Dokumentarfilm „Banksy – Exit Through the Gift Shop“ fällt eben eher in die Kategorie „Special Interest“, dafür dürfte er aber allen Beteiligten sicher in guter Erinnerung bleiben. Kommerzielles Open-air-Kino mit Mainstream-Produktionen gibt es inzwischen wie Sand am Meer, die FilmSchauPlätze sind dagegen einzigartig, und das sollte auch so bleiben.

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