Mittwoch, 29. Juli 2015

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Altes muss Neuem weichem

Ehemalige St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf (Juni 2015)

Früher suchten die Leute ihr Seelenheil in der Kirche, heute eher auf dem Smartphone. Fündig werden sie auch dort nicht, selbst alle fünf Minuten nachschauen hilft nicht weiter. Aber es macht natürlich Kirchen überflüssig, zumindest als Gebäude, womöglich auch als Institution. Ersteres trifft auf die 1907 im Neugotischen Stil erbaute katholische Kirche St. Anna an der Sälzerstraße zu, die im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und 1953 nach Plänen des Architekten Engelbert Köjer wieder aufgebaut wurde. Im April 2008 fand der letzte Gottesdienst in der Kirche statt, seither gab es zwar genügend Pläne zur Umnutzung der Kirche, aber die kosten bekanntlich Geld, das die Kirche nicht mehr hat. Rationalisierung, Straffung, Ökonomisierung lauten die Zauberwörter, Felix Genn hat aus 259 eigenständigen Gemeinden des Bistums Essen 43 Pfarreien gemacht, sein Nachfolger Franz-Josef Overbeck betreibt das Gesundschrumpfen konsequent weiter. Seitdem der Pfingststurm im vergangenen Jahr auch noch dem Kirchendach den Garaus bereitet hat, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis endlich die Abrissbagger anrücken und Platz für Neues machen. Die Genehmigung für den Abbruch des Kirchengebäudes wurde jedenfalls bereits am 2. Dezember 2014 erteilt.

Turm der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

„Neues“ ist natürlich so eine Sache. Eben jene Leute, die früher die Gottesdienste in den Kirchen besucht haben, sind heute alt und benötigen Altenpflegeheimplätze. Entsprechend existierten auch bereits Pläne zur Umnutzung der Kirche St. Anna in ein Altenpflegeheim, und zwar als Erweiterung des Mehrgenerationenhauses Essen, aber nun wird die Kirche eben erst abgerissen, und auf dem Grundstück im Anschluss neu gebaut, die Erweiterung des Altenheimes St. Anna, was sonst?! Was von der Kirche bleibt? Die Backsteine kommen in die Baugrube, und die kleinste der drei Glocken aus dem Turm soll im Garten des neuen Alten- und Pflegeheims aufgestellt werden: „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde.“ Augenblicklich verfolgen die Bewohner des Altenheimes St. Anna den Abriss der Kirche mit Interesse und Wehmut, 2016 werden sie sicher wieder vor dem Eingang sitzen und die Bauarbeiten für das neue Gebäude voller Erwartung verfolgen.

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf


Freitag, 7. August 2015

„… und am Mittwoch Freitag kommt die Müllabfuhr und holt den ganzen Plunder…“

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Nach einiger Zeit des Stillstandes bei den Abrissarbeiten, Kirchturm zu hoch, Bagger zu klein, sollte am heutigen Freitag schließlich auch der Kirchturm der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf „fallen“, und so machten sich drei Bauarbeiter mit schwerem Gerät an die Arbeit, und ein Vielfaches an Zuschauern beobachtete diese hinter dem Bauzaun mit „Kennerblick“. Die Sälzerstraße war vorsorglich gesperrt worden, und wer sein Auto in unmittelbarer Nähe abgestellt hatte, der dürfte spätestens jetzt mitbekommen haben, dass Abbrucharbeiten auch immer mit Dreck verbunden sind. Am Ende vom Tag stand der Turm immer noch, lediglich um den Dachstuhl und einen Teil des Glockengeschosses dezimiert, bis der gesamte Bauschutt dort abgefahren ist, dürften noch Wochen vergehen.

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Abriss der ehemaligen St.-Anna-Kirche in Essen-Altendorf

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Leider habe ich den Artikel über den Abbruch erst jetzt gelesen. Als ehemaliger Essener und als Katholik bin ich traurig über die Entscheidung des Bistums.

Detlef hat gesagt…

Bisher wird das Grundstück lediglich als Parkplatz genutzt, von weiteren Bauarbeiten im Juli 2016 noch keine Spur.
Als nächstes steht wohl der Abriss der Kirchen St. Maria Königin in Essen-Harzopf und St. Stephanus in Essen-Holsterhausen auf dem Programm.