Donnerstag, 11. Juni 2015

Erzbergbau in Ramsbeck

Der Erzbergbau in Ramsbeck am Bastenberg begann vermutlich bereits im frühen Mittelater (11./12. Jahrhundert), die historischen Quellen setzen erst 1518 ein. 1559 verliehen die Kurkölner Erzbischöfe Ramsbeck die so genannte „Bergfreiheit“. Von der Ramsbecker Gewerkschaft ging 1812 der Beginn des industriellen Bergbaus aus. 1854 wollten zumeist ausländische Spekulanten in Ramsbeck das „Westfälische Kalifornien“ errichten, ein riesiges Industriezentrum. Doch die Blase platzte, nach kurzer Scheinblüte blieben nur Not und Elend zurück. Auf einer realistischen Grundlage wurde der Ramsbecker Bergbau in den folgenden Jahren auf eine solide Grundlage gestellt, und obwohl nach dem Zweiten Weltkrieg Spitzenleistungen erzielt wurden, musste das Erzbergwerk am 31. Januar 1974 aus produktionstechnischen und handelspolitischen Gründen geschlossen werden. Es wurde in der Folgezeit in ein Bergbaumuseum mit Besucherbergwerk umgewandelt.


Bergbauwanderweg Ramsbeck

Blick auf Ramsbeck im Hochsauerlandkreis

Der Bergbauwanderweg Ramsbeck wurde vom Förderverein Sauerländer Besucherbergwerk Bestwig-Ramsbeck e. V. in den Jahren 2010 bis 2014 als etwa 10 km langer, bergbau­geschichtlicher Wanderweg konzipiert und angelegt – ähnlich wie der Bergbaurundweg Muttental. Es gibt insgesamt 38 Schaupunkte mit Informationstafeln und -pulten, anhand derer man die Geschichte des Ramsbecker Bergbaus und die technischen Verfahren des Erzabbaus, der Aufbereitung und der Verhüttung kennenlernen kann. Der Wanderweg beginnt am Bergbaumuseum, und im Gegensatz zum Bergbaurundweg Muttental sind im Sauerland auch etliche Höhenmeter zurückzulegen.

Gedenkkreuz an die tödlich verunglückten Bergleute im Bergbaurevier Ramsbeck

Venetianerstollen

Am Abhang des Bastenbergs finden sich mit dem Venetianerstollen die ältesten Zeugnisse des Ramsbecker Bergbaus etwa aus dem 12. Jahrhundert.

Venetianerstollen

Förderwagen

Bei dem Rauchgaskamin am Bastenberg handelt es sich um einen 1854 errichteten „Schornstein“ der Ramsbecker Blei- und Metallhütte. Da man zu der Zeit noch keine hohen Schornsteine mauern konnte, leitete man die umweltschädlichen Rauchgase aus dem bewohnten Teil des Valmetals durch einen gemauerten Kanal den Berghang hinauf, wo sie 150 Meter über dem Valmetal in die Umwelt entlassen wurden. Immerhin gab es vor dem Rauchgaskamin ein Kammersystem zur Reinigung der Gase.

Rauchgaskamin am Bastenberg

Zweizügiger Rauchgaskanal

Josephus-Stollen

Der Josephus-Stollen wurde zur Zeit der Ramsbecker Gewerkschaften (1815 – 1850) in den Bastenberg getrieben.

Josephus-Stollen

Modell eines Pochwerks zur Aufbereitung der Erze

Alte Bleihütte

Ramsbecker Kornmühle

Junkern Hof, 1744

Junkern Hof, 1744

katholische Pfarrkirche St. Margaretha


Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck

Bergbaumuseum Ramsbeck

Das Bergbaumuseum Ramsbeck ist aus dem ehemaligen Erzbergwerk hervorgegangen. Das Erzbergwerk besaß aber nie ein Fördergerüst, bei dem Fördergerüst vor dem Bergbaumuseum handelt es sich um einen originalgetreuen Nachbau des Fördergerüstes von Schacht Aurora in Wasserfall (auf dem Gelände des heutigen Freizeitparks „Fort Fun Abenteuerland“), das 1955 abgebaut und verschrottet wurde. Wer das Deutsche Bergbau-Museum Bochum kennt, wird sich im Bergbaumuseum Ramsbeck sofort „heimisch“ fühlen. Viele Exponate aus dem Sauerländer Bergbau geben Einblicke in den ehemaligen Erzbergbau in Ramsbeck.

Bergbaumuseum Ramsbeck

Bergbaumuseum Ramsbeck, Eingangshalle

Bergbaumuseum Ramsbeck, „Bergmann mit Grubenbeil“ von Constantin Émile Meunier (* 12. April 1831 in Etterbeck, † 4. April 1905 in Ixelles)

Bergbaumuseum Ramsbeck, Lohnausgabe

Bergbaumuseum Ramsbeck, Lohnausgabe

Bergbaumuseum Ramsbeck, Büro des Bergwerksdirektors

Bergbaumuseum Ramsbeck, Förderwagen, um 1880, Grube Aurora, Bestwig-Andreasberg

Bergbaumuseum Ramsbeck, Förderkübel, 1852, Grube Churfürst-Ernst, Sundern-Bönkhausen

Bergbaumuseum Ramsbeck, Bergeisen

Bergbaumuseum Ramsbeck, Akku-Lokomotive, Hersteller Heinrich Bartz KG Dortmund, 1950

In der Maschinenhalle sind zahlreiche Lokomotiven, Radlader und Bohrgeräte ausgestellt.

Bergbaumuseum Ramsbeck, liegender Einzylinder-Stufenkompressor, Hersteller Pokorny & Wittekind Maschinenbau-Aktiengesellschaft, Frankfurt am Main-Bockenheim, 1908, bis 1984 in einer Schiefergrube in Nuttlar im Einsatz

Bergbaumuseum Ramsbeck, Bohrwagen Boomer H132, Hersteller Atlas Copco Schweden, 1976

Bergbaumuseum Ramsbeck, Ramsbecker Gangerz, Chalkopyrit, Galerit

In der Mineraliensammlung sind neben Ramsbecker Mineralien auch Fundstücke aus anderen Regionen ausgestellt.

Bergbaumuseum Ramsbeck, Zink

Bergbaumuseum Ramsbeck, Minerale aus dem „Eisernen Hut“, Schulenbergit (himmelblau), Langit (blau), Grube Bastenberg

Bergbaumuseum Ramsbeck, Grubenbahn

Höhepunkt des Besuchs im Bergbaumuseum Ramsbeck ist die Grubenfahrt mit der elektrischen Grubenbahn durch den 1,5 Kilometer langen Eickhoff Stollen in das Erzbergwerk. Das ist nichts für Leute mit Klaustrophobie, schließlich ist eine Grubenbahn kein U-Bahn-Triebwagen. Und auch wenn es sich hier im Gegesatz zum Anschauungsbergwerk im Deutschen Bergbau-Museum Bochum um ein stillgelegtes ehemaliges Bergwerk, also ein „echtes“ Bergwerk handelt, so überwindet man bei der Grubenfahrt nur wenige Höhenmeter. Nachdem man in der Kaue seine persönliche Schutzausrüstung (Schutzhelm und Kittel) im Empfang genommen hat, besteigt man die Grubenbahn, die sich nach dem Schließen der Schutzgitter rumpelnd in Bewegung setzt. Ab und zu huschen beleuchtete Leuchtstofflampen vorbei, und man nimmt jeden Schienenstoß wahr. Unter Tage fällt im Vergleich zum Steinkohlenbergbau sofort ins Auge, dass es so gut wie keinen Streckenausbau gibt. Was sich seit über einhundert Jahren bewährt hat, wird wohl auch nicht in den nächsten Minuten einstürzen. Der Glaube versetzt bekanntlich Berge… möge das Bergematerial doch bitte jemand anderem auf seinen Schutzhelm fallen. Keine Sorge, wo tatsächlich die Möglichkeit besteht, dass sich Gestein lösen könnte, wird durch entsprechende Schutzmaßnahmen dafür gesorgt, dass nichts zu Boden fallen und die Besucher treffen kann.

Bergbaumuseum Ramsbeck, Grubenbahn

Zu Fuß geht es weiter durch das Erzbergwerk zum Blindschacht, vorbei an einer riesigen Maschinenhalle, die in den Berg gesprengt wurde. In dieser Maschinenhalle steht die größte Trommelfördermaschine, die jemals in Europa unter Tage eingebaut wurde. Die Anlage funktioniert wie jedes Stahlfördergerüst, der Berg ersetzt das Stahlfachwerk. Nur die Seilscheibe bekommt man hier leider nicht zu sehen. Zum Betrieb einer elektrischen Fördermaschine ist natürlich auch ein Umformer erforderlich, der steht da auch, aber offensichtlich nicht unter optimalen konservatorischen Bedingungen, wie man anhand der triefnassen Schutzscheibe erahnen kann.

Bergbaumuseum Ramsbeck, Trommelfördermaschine, Hersteller Brown, Boverie & Cie, Leistung 1.700 PS, 1960 – 1962

Bergbaumuseum Ramsbeck, Hängebank

Bergbaumuseum Ramsbeck, Kreiselkipper

Hängebank und Kreiselkipper kennt man natürlich ebenfalls aus den einschlägigen Museen im Ruhrgebiet, der ohrenbetäubende Lärm bei der Vorführung der Gesteinsbohrmaschine gibt einem die Gewißheit, dass sich zumindest kein loses Gestein mehr an den Wänden befindet. Bohrwagen wurden im Erzbergbau für den Sprengvortrieb beim Tunnelbau eingesetzt.

Bergbaumuseum Ramsbeck, Bohrwagen

Bergbaumuseum Ramsbeck, Kettenbahn

Bergbaumuseum Ramsbeck

Am Ende der Führung werden die Besucher nicht etwa über das Förderband zutage befördert, obwohl dies bestimmt lustig wäre, sondern es geht mit der Grubenbahn wieder gemächlich durch den Eickhoff Stollen zurück zum Betriebsgebäude des Bergbaumuseums. Wer bereits die einschlägigen Museen im Ruhrgebiet besucht hat, für den dürfte das Bergbaumuseum Ramsbeck eine sinnvolle Ergänzung sein; wer zuvor noch kein dem Bergbau gewidmetes Museum besucht hat, für den dürfte die Fülle an Informationen und Eindrücken sicher ein beeindruckendes Erlebnis darstellen. Und wer nach den wenigen hier gezeigten Fotos den Eindruck bekommen hat, jetzt bereits alles gesehen zu haben, der täuscht sich gewaltig.

Bergbaumuseum Ramsbeck, Förderband

Das Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck ist täglich außer montags von 9 bis 17 Uhr geöffnet, im Dezember und Januar abweichende Öffnungszeiten. Letzte Einfahrt ist gegen 16 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter www.sauerlaender-besucherbergwerk.de. Das Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt in das Besucherbergwerk mit dem Bergbaumuseum.

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