Sonntag, 14. Juni 2015

Der Sonntag im Aquarius Wassermuseum und Museum Kunstpalast

Familienfest am Aquarius Wassermuseum und Schloss Styrum

Chapeau Bas! beim Familienfest am Aquarius Wassermuseum

Am 14. Juni 2015 wurde am Aquarius Wassermuseum und Schloss Styrum in Mülheim an der Ruhr bei freiem Eintritt das Familienfest gefeiert. Nichts Böses ahnend habe ich mich also am späten Vormittag nach Styrum auf den Weg gemacht, in der Hoffnung, dass bei einem Familienfest vielleicht auch etwas für mich dabei sein wird, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Doch schon beim Besuch der Ausstellung im stillgelegten Wasserturm machte sich schnell Ernüchterung breit: Der 360° Panoramblick in einen milchig verhangenen Himmel, der sprechende Globus, der kein Wort von sich gab… selten hat mich eine Museumsausstellung so wenig angesprochen. Das Beste waren noch die gläsernen Hydraulikaufzüge, von denen einer auch durch den ehemaligen Wasserbehälter fährt. Aber wenn ich ehrlich bin, so brauche ich persönlich nicht ins Museum zu gehen, um einen Aufzug als Höhepunkt einer Ausstellung zu erleben. Um eine Erfahrung reicher habe ich mich an den Sparda-Tag im Museum Kunstpalast erinnert und mich dementsprechend auf den Weg nach Düsseldorf gemacht.

Es geht eine Träne auf Reisen…

Im Museum Kunstpalast lud heute die Stiftung der Sparda-Bank bei freiem Eintritt in die aktuellen Ausstellungen und die Sammlung ein.

Museum Kunstpalast


4 REAL & TRUE 2. WIM WENDERS. Landschaften. Photographien.

Wim Wenders, Joshua and John (behind), Odessa, Texas, 1983, C-Print, 125 × 170 cm, © Wim Wenders / Courtesy Blain | Southern

Wim Wenders (* 14. August 1945 in Düsseldorf) ist vor allem durch Filme bekannt geworden wie „Der Himmel über Berlin“, „Buena Vista Social Club“ (der übrigens im Rahmen der FimSchauPlätze NRW am 1. Juli 2015 bei freiem Eintritt am Stadthafen Recklinghausen gezeigt wird), „Pina“ oder jüngst „Das Salz der Erde“, ein Porträt des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Doch der Filmemacher bekennt: Die photographische Arbeit ist die andere Hälfte meines Lebens. Bereits seit Jahrzehnten entsteht ein von Wenders filmischen Arbeiten unabhängiges fotografisches Werk: Aufnahmen von einsamen, manchmal skurril wirkenden Orten und Landschaften, von „Schau-Plätzen“ mit eigenen Geschichten.

Anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers im Jahr 2015 zeigt das Museum Kunstpalast in Kooperation mit Wenders Images und der Wim Wenders Stiftung eine Auswahl von ca. 80 großformatigen Fotografien, die stets analog, ohne Kunstlicht, ohne Stativ entstanden sind. Das Spektrum reicht von den frühen Schwarz-Weiß-Fotografien über die monumentalen Landschaftspanoramen bis hin zu erst im letzten Jahr entstandenen Fotografien.

Für seine fotografische Arbeit bevorzugt Wenders seit jeher die Schreibweise „Photographien“, es ist ihm ein ehrwürdiger Begriff, der das geglückte Zusammenspiel von Licht (phos) und Malen (graphein) betont und die Möglichkeit, mit einem Foto einen einzigartigen Moment in der Zeit einzufangen.

Wenders begann mit Schwarz-Weiß Fotografien, wechselte jedoch später zur Farbfotografie. Hier verband sich sein fotografisches Interesse mit der Leidenschaft für Malerei. Wenders, der sich zunächst an der Kunstakademie Düsseldorf um ein Studium beworben hatte und schließlich 1967 an der gerade gegründeten Hochschule für Fernsehen und Film in München sein Studium begann, entdeckte die Bedeutung der Farben für seine Arbeit: so begann er ein Bild erst wegen der Farben zu „sehen“ und den Bildausschnitt nach den Farben festzulegen.

Ein Farmhaus im wogenden Getreidefeld, ein rostiges Riesenrad auf einer leeren Wiese in Armenien, ein verlassenes Freiluftkino in Palermo, ein verfallenes Haus im ehemaligen jüdischen Viertel von Berlin – die Fotografien von Wenders zeigen selten Menschen und geben doch Zeugnis vom Menschsein.

Wim Wenders, Open Air Screen, Palermo, 2007, C-Print, 178 × 205 cm, © Wim Wenders / Courtesy Blain | Southern

Zu vielen seiner fotografischen Arbeiten hat Wenders Texte geschrieben, die in ihrem Rhythmus wie ein Gedicht klingen. Mit ihnen hält er seine persönlichen Eindrücke, Beobachtungen und Gedanken fest.

„man kann […] eine Kamera
auch wie ein Aufnahmegerät benutzen,
welches nicht unbedingt nur Töne aufnimmt,
sondern aufzeichnet, was der Ort zu sagen hat.
Im Photo erzählt er seine Geschichte,
im zweifachen Sinne des Wortes,
als Historie und als Fiktion.“

(Aus: Wim Wenders, A Sense of Place. Texte und Interviews, hrsg. von Daniel Bickermann, Frankfurt/Main 2005, S. 36)

Wim Wenders, Dog on the Road to Ayers Rock #2, Uluru, 1977, C-print, 124 × 163.7 cm, © Wim Wenders / Courtesy Blain | Southern

Wim Wenders, Yellow Bus, Uluru, 1977, C-Print, 124 × 163 cm, © Wim Wenders / Courtesy Blain | Southern

In der Ausstellung 4 REAL & TRUE 2. WIM WENDERS. Landschaften. Photographien. ist das Fotografieren und Teilen der Impressionen ausdrücklich erwünscht; dies geschieht lt. Auskunft an der Kasse auf ausdrücklichen Wunsch von Wim Wenders. Da versteht jemand, wie man über moderne Kommunikationskanäle zu noch mehr positiver Publicity gelangt. In diesem Fall sind die ausgestellten Arbeiten allerdings auch derartig überzeugend, dass man den Besuch der Ausstellung ohne Einschränkungen weiterempfehlen kann. Bis zum 16. August 2015 besteht noch die Gelegenheit, die Ausstellung im Museum Kunstpalast zu den üblichen Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr zu besuchen, am Donnerstag ist sogar bis 21 Uhr geöffnet.

Wim Wenders, Ayers Rock, Uluru, 1977

Wim Wenders, Lounge Painting # 1, Gila Bend, Arizona, 1983, Lightjet Print, 125 × 152 cm © Wim Wenders / Courtesy Blain | Southern

Wim Wenders, Lounge Painting, Gila Bend, Arizona, 1983

Am Ende fehlte dann leider die Zeit, die Sammlungen und die übrigen Ausstellungen anzuschauen, aber so hatte mir Wim Wenders mit seinen beeindruckenden Photographien zumindest den Sonntag gerettet. Thomas Baumgärtel markiert die seiner Meinung besten Kunstorte der Welt mit seiner bekannten Spray-Banane, wodurch diese zu einer Art Qualitätssiegel geworden ist. Am Museum Kunstpalast in Düsseldorf ist auch eine solche Spray-Banane angebracht.

Spray-Banane von Thomas Baumgärtel am Museum Kunstpalast

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