Freitag, 26. Juni 2015

„Dauernde, nicht endgültige Form“

Ruhr Museum und Red Dot Design Museum zeigen Ausstellung über die Geschichte des Design Zentrums NRW

„Gutes Design zeichnet sich durch eine ausgewogene Balance von vier Qualitäten aus: der Qualität der Funktion, der Verführung, des Gebrauchs und der Verantwortung.“
Peter Zec, Initiator und CEO von Red Dot

Kühlschrank der Firma Robert Bosch GmbH mit Türöffner in Form eines glänzenden Chromgriffs

Vom 29. Juni bis 23. August 2015 präsentieren das Red Dot Design Museum und das Ruhr Museum die Ausstellung „Dauernde, nicht endgültige Form“. Sie erzählt in Halle 5 auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein „60 Jahre Designgeschichte in Essen – von der Industrieform zum Red Dot“. Aktuelle wie historische Exponate werden gezeigt, Elemente vergangener Präsentationen rekonstruiert und neben Plakaten und Fotografien aus sechs Jahrzehnten auch die Erlebnisse von Zeitzeugen dokumentiert. Schirmherr der Ausstellung ist der Präsident des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert.

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In diesem Jahr blickt das Design Zentrum Nordrhein Westfalen, das als Verein „Industrieform“ gegründet wurde, auf seine 60-jährige Geschichte zurück. Ziel war es, eine „Ständige Schau formschöner Industrieerzeugnisse“ ins Leben zu rufen. Diese wurde 1955 in der Villa Hügel eröffnet und trug in der Folge zur ästhetischen Bildung und zum heutigen Verständnis von Designkultur bei. Auch der von da an jährlich ausgeschriebene Designwettbewerb, der heute als renommierter Red Dot Award weltweit bekannt ist, wurde 1955 erstmalig organisiert. Die prämierten Produkte wurden – wie heute noch üblich – in einer ständigen Ausstellung gezeigt. „Dauernde, nicht endgültige Form“ rekonstruiert diese erste Präsentation auf der Villa Hügel, indem sie einen Großteil der Exponate von damals im Original zeigt, darunter den legendären Mercedes-Benz 300 SL.

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Die erste gemeinsame Ausstellung des Ruhr Museums und des Red Dot Design Museums erzählt die bewegte Geschichte des Design Zentrums NRW. Aufbauend auf den Initiativen für die Kunst im Industrieraum im Ruhrgebiet und in der Stadt Essen, die durch die Folkwang-Idee von Karl Ernst Osthaus, die Entwürfe für die Gartenstadt und Künstlerkolonie Margarethenhöhe von Georg Metzendorf oder das architektonische Gesamtkonzept für Zollverein von Fritz Schupp und Martin Kremmer gekennzeichnet sind, wurde in den 1950er-Jahren der Grundstein für das heutige Design Zentrum gelegt.

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Mit Fotos und Exponaten erzählt die Ausstellung den Weg des ehemaligen Hauses Industrieform von der Villa Hügel bis zum Red Dot Design Museum im von Sir Norman Foster umgebauten Kesselhaus auf Zollverein. Seit 1997 beherbergt es mit rund 2.000 Exponaten die weltgrößte Ausstellung zeitgenössischen Designs. In einem zweiten Teil wird die Geschichte der Ausstellungen und der Wettbewerbe des Design Zentrums sowie die Entwicklung seines Corporate Designs in Zusammenarbeit mit führenden Fotografen und Grafikdesignern dokumentiert und verdeutlicht, welchen internationalen Stellenwert der Red Dot heute in der Designwelt besitzt.

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Der Ausstellungstitel „Dauernde, nicht endgültige Form“ ist ein Zitat der Journalistin Clara Menck, das im Zusammenhang der ersten Ausstellung zur Industrieform entstand. Es beschreibt Design als permanente Aufgabe, die von uns geschaffene Umwelt zu optimieren und damit unsere Existenz zukunftsfähig zu machen.

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„60 Jahre Designgeschichte in Essen“, das wäre ein guter Grund zum Feiern, aber Prof. Dr. Peter Zec ist überhaupt nicht zum Jubeln zumute, wie er heute berichtete. Zum einen hat er bei der Stiftung Zollverein schon mehrfach versucht, die Halle 8 zur Erweiterung der Dauerausstellung anzumieten, bisher leider ohne Erfolg. Weiterhin läuft der Mietvertrag für das Kesselhaus im Jahr 2022 aus. Das hört sich für Außenstehende womöglich unkritisch an, aber eine Anfrage um Vertragsverlängerung um weitere 10 Jahre wurde von der Stiftung Zollverein bisher ebenfalls nicht beantwortet, so dass es augenblicklich für das Red Dot Design Museum keine Planungssicherheit mehr gibt. Sollte sich an diesem Status quo nichts ändern, so wird sich das Red Dot Design Museum nach Aussage von Prof. Dr. Peter Zec in zwei Jahren auf die Suche nach einem neuen Standort begeben, und dann wäre nach 67 Jahren das Ende der Designgeschichte in Essen gekommen.

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Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen als formschön ausgezeichnet (1955)

Die Wurzeln des Mercedes-Benz 300 SL liegen im Rennsport. Als 1952 die Ur-Form des 300 SL vorgestellt wurde, ahnte wohl niemand, welche Signalwirkung für die Marke Mercedes-Benz und für das aufkeimende „Wirtschaftswunder“ in Deutschland von diesem Auto ausgehen sollte. Der Rennwagen, unter Leitung von Rudolf Uhlenhaut in Handarbeit gebaut, wog 1.060 kg. Seine elegant fließende Form war ein Ausdruck an Geschwindigkeit. Dank seiner Aerodynamik und seiner Leichtbauweise aus Aluminium und Magnesium feierte er noch im selben Jahr Erfolge in Serie: Doppelsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, Dreifachsieg beim Preis von Bern und Vierfachsieg beim Großen Jubiläumspreis vom Nürburgring. Der erste 300 SL, das Premierenfahrzeug von 1952, existiert nicht mehr. Aber der Wagen mit der Chassis-Nummer 2 ist noch vorhanden. Zu seinem 60jährigen Jubiläum wurde er aufwändig restauriert. Die charakteristische Form des Ur-Modells mit seinen kurzen Flügeltüren wurde zum Vorbild für den Straßenwagen 300 SL. Seither werden charakteristische Merkmale von Generation zu Generation weitergegeben.

Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen als formschön ausgezeichnet (1955)

„Dauernde, nicht endgültige Form“, Blick in die Ausstellung

Bürostuhl Picto, Wilkhahn, Wilkening + Hahne, Bad Münder, 1991, Design ProduktEntwicklung Roericht (Burkhard Schmitz, Franz Biggel), Ulm

Firephant Feuerlöscher, Hersteller GPBM Nordic, Schweden, Design Firephant (Lars Wettre, Jonas Forsman), Schweden, Red Dot: Best of the Best 2012

Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums, Oberbürgermeister Reinhard Paß und Prof. Dr. Peter Zec, Initiator und CEO von Red Dot

Das Gästebuch der Stadt Essen, das „Stahlbuch“, wurde 1934 von der ehemals auf der Margarethenhöhe arbeitenden Buchbinderin Frida Schoy gestaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nur noch der Einband verwendet, da er keine NS-Insignien zeigte. Es wurde heute von Oberbürgermeister Reinhard Paß an Prof. Heinrich Theodor Grütter und Prof. Dr. Peter Zec übergeben und ist während der Ausstellung „Dauernde, nicht endgültige Form“ ebenfalls auf Zollverein zu sehen.

Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums, Oberbürgermeister Reinhard Paß und Prof. Dr. Peter Zec, Initiator und CEO von Red Dot

„Dauernde, nicht endgültige Form“ ist vom 29. Juni bis 23. August 2015 täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen, der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

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