Freitag, 29. Mai 2015

Fahren Sie Paternoster…

solange es noch geht

Deutschlandhaus in Essen

Das Deutschlandhaus im Essener Bankenviertel wurde 1928/29 nach Plänen des Architekten Jacob Koerfer als erstes Hochhaus der Stadt errichtet, im Haus befindet sich ein öffentlicher Personen-Umlaufaufzug, besser bekannt unter dem Namen Paternosteraufzug, kurz Paternoster. Mancher wird bei Pater noster auch an das Gebet des Christentums, das Vaterunser denken, und wenn man sich die novellierte Betriebs­sicher­heits­ver­ordnung anschaut, die zum 1. Juni 2015 in Kraft tritt, so könnte man wirklich ein Stoßgebet zum Himmel schicken: „Herr, wirf Hirn vom Himmel!“ Diese verbietet nämlich den weiteren öffentlichen Betrieb von Paternostern.

öffentlicher Paternosteraufzug im Deutschlandhaus

Also noch schnell auf den Weg zum Deutschlandhaus gemacht, schließlich galt es doch, der Großstadtlegende auf den Grund zu gehen, die Aufzugskabinen eines Paternosteraufzuges werden am oberen Ende auf den Kopf gestellt und es wäre dementsprechend gefährlich, über das oberste Stockwerk hinaus zu fahren. Wagemutig stehe ich vor dem Aufzug, doch da, ein unmissverständlicher Benutzungshinweis verbietet die Benutzung für Behinderte und die Lastenbeförderung. Verstohlen blicke ich nach unten und sehe meine Füße auf dem Boden (der Tatsachen). Okay, folglich dürfte mein Transport nicht unter die „Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der manuellen Handhabung von Lasten bei der Arbeit“ fallen, und die Art der Behinderung ist auf dem Hinweisschild nicht näher spezifiziert. Sollten sich Behinderte womöglich auf Artikel 3 Abs. 3 Satz 2 des Grundgesetzes berufen: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

unmissverständlicher Benutzungshinweis

Egal, todesmutig besteige ich im Vorbeifahren eine freie Aufzugskabine, die mich unaufhörlich weiter nach oben befördert. Schon sehe ich im Vorbeifahren den Hinweis, dass die Weiterfahrt über das oberste Stockwerk hinaus ungefährlich sei. Von nun an gibt es kein zurück… Plötzlich erscheint ein Licht im ansonsten dunklen Aufzugsschacht, ist das womöglich schon das Licht ganz am Ende des Tunnels? Nein, eine profane Lampe, und dann ist auch die Kettenantrieb zu sehen, der für den fortlaufenden Betrieb des Paternosteraufzuges sorgt. Die Aufzugskabine bewegt sich zur Seite, bevor sie ihre Fahrt nach unten unaufhörlich fortsetzt. Wie langweilig, die Welt steht nicht Kopf, nur die novellierte Betriebs­sicher­heits­ver­ordnung sorgt bei einigen Benutzern des Paternosteraufzuges, die mir im Deutschlandhaus begegnet sind, für Unverständnis.

Kettenantrieb

Also dann, fahren Sie Paternoster, solange es noch geht…

öffentlicher Paternosteraufzug im Deutschlandhaus

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