Dienstag, 12. Mai 2015

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Das weltweit größte und bedeutendste Fachmuseum seiner Art

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Doppelbock-Fördergerüst, Baujahr 1943/44

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum wurde am 1. April 1930 durch einen Vertrag der Stadt Bochum und der Westfälischen Berggewerkschaftskasse gegründet, um „eine Übersicht über die geschichtliche Entwicklung des Bergbaus zu geben und den Betrieb des Bergbaus im Modell oder in künstlicher Wiedergabe vorzuführen“. Es handelt sich nicht – wie manchmal fälscherlicherweise angenommen – um ein ehemaliges Bergwerk, wenngleich die Museumsgebäude von einem „bergbaulichen Erscheinungsbild“ geprägt sind. Das Doppelbock-Fördergerüst über dem Deutschen Bergbau-Museum stammt von der am 14. Mai 1971 stillgelegten Zeche Germania in Dortmund, das Anschauungsbergwerk befindet sich in einer Tiefe von lediglich bis zu 20 Metern unter der Tagesoberfläche.

Blei- und Silberbergbau auf dem Altenberg bei Hilchenbach-Müsen, Siegerland, rekonstruierter Schacht

Auf rund 12.000 m² Ausstellungsfläche wird den Besuchern die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen von der vorgeschichtlichen Zeit bis heute präsentiert. Ein großer Teil der Dauerausstellung befasst sich mit mit den vielfältigen Techniken, die im Bergbau Anwendung finden, um die begehrten Bodenschätze zu gewinnen, zu fördern und sich nutzbar zu machen. Die verschiedenen technischen Bereiche des Bergbaus sind thematisch-chronologisch dargestellt. Dieser Blogeintrag kann und soll natürlich keinen kompletten Überblick über den Bestand an Exponaten geben, sondern soll lediglich ein Ap­pe­ti­zer sein, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen.

Modell der Zeche Prosper II Bottrop mit Malakowturm und Fördermaschine mit Spiraltrommel im Maßstab 1:25

Kopfentleerer mit schwingbarer Kopfwand und ungleichen Räderpaaren, Oberharzer Erzbergbau, 19. bis 20. Jahrhundert

In der Maschinenhalle im Untergeschoss des Museums sind zahlreiche Maschinen aus dem Bergbau ausgestellt, die aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichtes nicht in den oberen Stockwerken aufgestellt werden können. Dazu zählen Gewinnungs- und Fördermaschinen, aber auch Förderwagen und Lokomotiven sowie der größte Kohlebrocken aus einem Untertage-Bergwerk.

Walzenschrämlader

Das rd. 5 Tonnen schwere vermutlich größte zusammenhängende Stück Steinkohle (Meta-Anthrazit) der Welt repräsentiert nicht nur den 200 Millionensten Teil der gesamten jährlichen Steinkohlen-Fördermenge Chinas (rd. 1 Mrd. Tonnen), sondern entspricht auch exakt der jener Menge, die die im deutschen Steinkohlebergbau durchschnittlich je Mann und Schicht gefördert wird. Die Arbeitsspuren weisen darauf hin, dass der Kubus in einem Bergwerk der Jincheng Coal Mining Administration mit Hilfe dicht nebeneinander angelegter, 40 bis 50 mm weiter Bohrlöcher aus dem Flözverband gelöst wurde.

Größter Steinkohlebrocken der Welt aus der chinesischen Provinz Shanxi

Einschienen-Hängebahn

Maschinenhalle

Trommel-Fördermaschine, Motorleistung 48 kW, Hersteller Schmidt, Kranz & Co., Nordhausen, Baujahr 1902. Anwendung: Erste Förermaschine mit Gleichstrom-Antrieb in Deutschland, 1902 bis 1951 im Einsatz auf dem Erzbergwerk Hilfe Gottes, Medingschacht, Bad Grund.

dampfbetriebene Bobinen-Fördermaschine, etwa 1905, zum Abteufen und bis 1949 zur Kohlenförderung auf der Zeche Hannover in Bochum-Hordel eingesetzt

Dampfbetriebene Einstrang-Schubkurbelpresse, Hersteller Bernburger Maschinenfabrik AG, Alfeld/Leine, Baujahr 1901. Anwendung: Von 1902 bis 1985 Herstellung von Braunkohlenbriketts in der Brikettfabrik Wachtberg I der Rheinischen Braunkohlenwerke AG, Köln.

Eigene Ausstellungsbereiche sind der Aufbereitung und Rohstoffveredelung gewidmet, beispielsweise durch Brikettieren oder Verkoken. In Brikettpressen wurde Feinkohle in eine einheitliche Form gepresst, die früher hauptsächlich als Hausbrand zur Ofenfeuerung verwendet wurden. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts waren im deutschen Sprachraum vor allem Briketts aus Braunkohle verbreitet.

Schmuckbrikett anlässlich der Stilllegung der Brikettfabrik Meurostolln in Hörlitz im Jahr 1995

Sächsische Berg- und Hüttenleute, um 1725

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum sammelt seit seinem Bestehen vom Montanwesen beeinflusste Kultur- und Kunstformen. In der Sammlungshalle „Bergbau in Kunst und Kultur“ sind u. a. kostbare Holz- und Porzellanfiguren aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen.

Putto mit bergmännischem Gezähe, Porzellan, Meißen, um 1750

Seilfahrt

Bergwerke unter Tage werden hierzulande gewöhnlich durch senkrechte Schächte von der Erdoberfläche aus erschlossen. Als Transportmittel für Personen und Material dient der Förderkorb, eine Art robuste Aufzugskabine, die an einem Drahtseil im Schacht hängt und von einer Fördermaschine auf- bzw. abwärts bewegt wird. Die An- und Ausfahrt der Bergleute im Förderkorb wird als Seilfahrt bezeichnet. Doch die Möglichkeit, die Seilfahrt in eines der aktiven Bergwerke als Besucher zu erleben, sind streng limitiert, zudem gibt es für die Grubenfahrt mitunter Altersbeschränkungen (18 bis 60 Jahre). Allein aus diesem Grund dürfte für viele Besucher das Anschauungsbergwerk den Höhepunkt ihres Museumsbesuchs darstellen. Hinzu kommt, dass das Deutsche Bergbau-Museum seit dem 9. Februar 2014 einen Seilfahrt-Simulator im Nordfeld betreibt, der die perfekte Illusion einer Förderkorb-Fahrt bis in 1.200 m Teufe bietet. Teufe ist die bergmännische Bezeichnung für die Tiefe.

Anschauungsbergwerk, Seilfahrt-Simulator

Im Anschauungsbergwerk mit einem Streckennetz von etwa 2,5 km, das einem realen Bergwerk nachgebildetet ist, wird anhand originaler, lauffähiger Maschinen die technische Entwicklung des Bergbaus gezeigt. Hier bekommen Besucher realistische Eindrücke eines Steinkohlen- und Eisenerzbergwerks und vom mühsamen Arbeitsalltag unter Tage, wobei der größte Teil des Anschauungsbergwerks dem Steinkohlenbergbau gewidmet ist.

Anschauungsbergwerk, Doppelwalzenlader

Anschauungsbergwerk, Doppelwalzenlader

Anschauungsbergwerk, Tunnelfräser zum Auffahren langer Strecken

Anschauungsbergwerk, Strecke

Anschauungsbergwerk

Anschauungsbergwerk, letzter Bergewagen, Vortrieb 3. Streb, 11. Januar 2000

Die Skulptur der Heiligen Barbara als der Schutzpatronin aller Bergleute wurde aus Anlass der feierlichen Einweihung des Dritten Strebs im Anschauungsbergwerk des Deutschen Bergbau-Museums Bochum am 9. Dezember 2002 geschaffen. Sie zeigt die Heilige Barbara beim Prüfen der Wetter mit einer Sicherheitslampe.

Skupltur der Heiligen Barbara, Eisen, 2002, Entwurf Detlef Wölfel, Datteln, Guss Friedrich Wilhelms-Hütte Gmbh, Mülheim/Ruhr

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum ist Dienstag bis Freitag von 8.30 bis 17 Uhr geöffnet, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 6,50 Euro für Erwachsene, 3 Euro ermäßigt. Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet ganzjährig einmalig freien Eintritt in das Museum mit dem Anschauungsbergwerk, Hallen und Turmfahrt, gilt nicht bei Sonderveranstaltungen wie der ExtraSchicht am 20. Juni 2015, an der sich das Deutsche Bergbau-Museum als Spielort der ersten Stunde zum 15. Mal mit einen spektakulären Programm beteiligen wird.

Deutsches Bergbau-Museum Bochum bei der ExtraSchicht

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