Sonntag, 17. Mai 2015

38. Internationaler Museumstag 2015

„Museum. Gesellschaft. Zukunft.“

Am 17. Mai 2015 feierten die Museen in Deutschland und auf der ganzen Welt gemeinsam den 38. Internationalen Museumstag unter dem Motto „Museum. Gesellschaft. Zukunft.“/„Museums for a sustainable society“. Der vom internationalen Museumsrat weltweit jährlich im Mai ausgerufene Tag soll auf die Bedeutung und Vielfalt der Museen aufmerksam machen.

Bundesratspräsident Stephan Weil hat die Schirmherrschaft für den 37. Internationalen Museumstag übernommen. „Museen sind das kulturelle Gedächtnis unseres Landes. Sie speichern Wissen und Erfahrungen, aus denen wir lernen können, wer und was unser Land und unsere Kultur geschichtlich geprägt haben“, betonte der Bundesratspräsident im Vorfeld der Veranstaltung. Die 1977 ins Leben gerufene Veranstaltung läuft bereits seit dem Jahr 2003 unter der Schirmherrschaft des jeweils amtierenden Bundespräsidenten. Viele Menschen denken, Museen seien auf die Vergangenheit gerichtet, denn sie zeigen oftmals historische, also „alte“ Objekte. Doch sie arbeiten nicht rückwärtsgewandt, sondern verknüpfen die historische Rückschau mit gesellschaftlichen Themen der Gegenwart und stellen Fragen an die Zukunft. Museen bewahren heute, woran wir uns morgen erinnern wollen.

So weit, so gut. Allerdings hat die Sache ein paar ganz entscheidende Haken. Schaut man sich die vom Deutschen Museumsbund gepflegte Datenbank zum Internationalen Museumstag an, so findet man dort nur einen Bruchteil der Museen in Deutschland, und leider auch nicht alle Museen, die sich mit Aktionen am Internationalen Museumstag beteiligen. So bleibt es also dem geneigten Museumsbesucher selbst überlassen, herauszufinden, ob und wie sich das „Museum seiner Wahl“ am Internationalen Museumstag beteiligt. Dann ist da noch die Sache mit dem Eintritt: Früher sollte den Besuchern am Internationalen Museumstag freier Eintritt gewährt werden, doch inzwischen gibt es nicht einmal eine entsprechende Empfehlung. Tatsächlich war freier Eintritt in die Museen auch am Internationalen Museumstag die rare Ausnahme, zumindest in einigen Städten der Metropole Ruhr. Es wäre schön, wenn alle Museen nicht nur mit Führungen auf ihre Sammlungen aufmerksam machen würden, sondern eben an diesem Tag auch freien Eintritt gewähren.


Telefonmuseum Bochum

Fernsprechanlagen von Philip Reis (1861) und Graham Bell (1876)

Das im Dezember 2014 am neuen Standort an der Karl-Lange-Straße wiedereröffnete Telefonmuseum Bochum beteiligte sich in diesem Jahr bei freiem Eintritt mit Führungen unter dem Motto „Eine Zeitreise durch die Geschichte der elekrtischen Nachrichten­über­mittlung, vom Morseapparat bis zum Handy“ am Internationalen Museumstag. Es wird vom 1995 von Technikern der Telekom gegründeten Verein Telekom-Historik e. V. unterhalten, die dort historische Fernsprechapparte und eine stattliche Anzahl von Exponaten aus dem ober- und unterirdischen Fernmeldebau sowie aus der Vermittlungs- und Übertragungstechnik präsentieren. Viele Exponate befinden sich nicht in Vitrinen, sondern sind voll funktionsfähig und können angefasst und ausprobiert werden. Eine funktionsfähige Vermittlungsstelle mit elektromechanischen Wählern der Baujahre 1922 bis 1958 befindet sich nach dem Umzug augenblicklich noch im Wiederaufbau.

Fernsprechanlage von Graham Bell (1876), Detail

Viele insbesondere jugendliche Nutzer von Smartphones haben noch niemals in ihrem Leben Fernsprechapparate mit Wählscheiben gesehen und können sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie es überhaupt möglich sein kann, ohne Akku miteinander zu telefonieren. Die Anfänge des Telefons gehen auf Antonio Meucci, Johann Philipp Reis (* 7. Januar 1834 in Gelnhausen, Kurfürstentum Hessen, † 14. Januar 1874 in Friedrichsdorf) und Alexander Graham Bell (* 3. März 1847 in Edinburgh, Schottland, † 2. August 1922 in Baddeck, Kanada) zurück, die Versuchsanordnungen von Johann Philipp Reis und Alexander Graham Bell sind als Nachbauten im Telefonmuseum Bochum zu sehen. Strom spielt dabei natürlich eine Rolle, und zwar durch elektromagnetische Induktion erzeugter Strom, denn nur Strom kann über Telefonleitungen übertragen werden, im Gegensatz zum so genannten Schnur- oder auch Dosentelefon, bei dem Wellen über die gespannte Schnur übertragen werden.

Fernsprechapparat OB/M 94, Hersteller Siemens & Halske AG, Baujahr 1894

Interessant sind aber nicht nur die zusammengetragenen Exponate, sondern auch die Geschichten und Anekdoten, von denen die Vereinsmitglieder bei den Führungen durch das Museum zu berichten wissen, beispielsweise von der dritten Ader zum Amt, über die in der DDR bei aufgelegtem Hörer ein „Lauschangriff“ möglich war.

Handvermittlung

Handvermittlung

Tischfernsprecher W 48 in der Farbe Elfenbein

Münzfernsprecher 28b, Hersteller Zwietusch, Berlin, Baujahr ca. 1935

Telefonauskunft

Telefonzelle mit Münzfernsprecher von Standart Elektrik Lorenz

Freileitung

Designtelefon „Snoopy“

Designtelefon „DFeAp 322“ („Micky-Maus“)

Kabellöterzelt

Mobiltelefon

Linienbau, von oben nach unten: vergossene Kabelmuffe, Verbindungsmuffe für Trägerfrequenzkabel, Muffe für Lichtwellenleiter


Ruhr Museum, Essen

UNESCO-Welterbe Zollverein, Schacht XII

Die Dauerausstellung „Natur, Kultur und Geschichte des Ruhrgebiets“, die beiden Sonderausstellungen „Steinreich. Mineralogie im Ruhr Museum“ und „Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und Frühmittelalter an Rhein und Ruhr“ sowie das Portal der Industriekultur, das alles und noch viel mehr gab es zum Internationalen Museumstag im Ruhr Museum bei freiem Eintritt zu sehen. „Das gab’s doch auch schon 2010“, wird sich der ein oder andere jetzt vielleicht denken, der sich daran noch erinnert, aber da sich diverse Museen dem freien Eintritt am Internationalen Museumstag verweigern, werde ich nicht müde, diesen Umstand entsprechend hervorzuheben. Daneben gab es noch kostenlose Themenführungen durch die Dauerausstellung, Mitmach-Führungen für Kinder und Familien unter dem Motto „Guck mal Museum!“, Führungen durch die beiden Sonderausstellungen, und oberndrein Kuratorenführungen durch die Depots Archäologie, Geologie und Geschichte. Also diverse Gelegenheiten, auch hinter die Kulissen des Ruhr Museums zu schauen und sich ein Bild von der Dimension der Museumsarbeit zu machen.

Kohlenwäsche

Dauerausstellung, Archäologische Sammlung, Bandschale, Attika, Griechenland, um 540 v. Chr.

In der Dauerausstellung ist nur ein Bruchteil der umfangreichen archäologischen Sammlung des Ruhr Museums zu sehen, der 2016 eine Sonderausstellung gewidmet sein wird. Der größte Teil der über 50.000 Objekte befindet sich im Depot, welches klimatische Bedingungen mit möglichst geringen Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen bietet. Die Depots des Ruhr Museums sind nicht als Schaudepots eingerichtet, im Normalfall sind sie für Besucher auch nicht zugänglich. Doch alles, was nicht zugänglich ist, erzeugt bekanntlich Neugierde und Interesse, weshalb der Kurator der archäologischen Sammlung, Dr. Patrick Jung, viele Details über „seine“ Sammlung zu berichten wusste, die durch Dr. Ernst Kahrs, von 1910 bis 1948 Direktor des Ruhrlandmuseums, den größten Zuwachs erhielt, insbesondere durch die 1913 angekaufte Sammlung des Straßburger Archäologen Robert Forrer. Aktuell werden die lokalen Bestände der Sammlung ständig durch die beim Essener Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege angesiedelte Stadtarchäologie erweitert.

Depot Archäologie

Raubgräberei und illegaler Handel mit antiken Objekten waren ebenfalls Gegenstand der Ausführungen, und im Zusammenhang mit der Zerstörung von Kulturgütern aus altorientalischer Zeit im Norden des Iraks durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ stieß auch die unlängst angeregte Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes zur Eindämmung des Handels mit Raubgut aus Krisenregionen auf reges Interesse der Teilnehmer an der Kuratorenführung durch das Depot Archäologie. Doch solche Themen lassen sich unmöglich in einer Stunde erschöpfend behandeln oder womöglich sogar diskutieren, so dass die veranschlagte Führungsdauer leicht auf das Doppelte hätte ausgedehnt werden können. Ungeachtet dessen dürfte sicherlich jeder einen Eindruck davon bekommen haben, wie viel Arbeit in der Betreuung einer solchen Sammlung und in der Vorbereitung von Ausstellungen steckt.

Depot Archäologie, Objekte vom Radberg bei Reken-Hülsten

Kuratorenführung im Depot Archäologie

Urne und Krater

römische Öllampe

Öllampe

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