Donnerstag, 2. April 2015

„Werdener Stein- und Bronzeplastik des 11. Jahrhunderts“

Sonderausstellung in der Schatzkammer St. Ludgerus in Essen-Werden

Vom 27. März 2015 bis 23. August 2015 zeigt die Schatzkammer St. Ludgerus als externer Standort der Ausstellung „Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und Frühmittelalter an Rhein und Ruhr“ die Sonderausstellung „Werdener Stein- und Bronzeplastik des 11. Jahrhunderts“, in der die Blütezeit des Werdener Klosters anhand herausragender Kunstwerke aus Erzmetall und Sandstein im Mittelpunkt steht. Dies sind vor allem Objekte, die zur Ausstattung der Abteikirche in Werden entstanden. Das Werdener Benediktinerkloster wurde im Jahr 799 durch den Friesenmissionar und späteren Bischof von Münster, Liudger, gegründet. Die gute Lage an der Ruhr ließ das Kloster zu einem wichtigen wirtschaftlichen und geistigen Zentrum wachsen. Werden bildete, neben dem fünfzig Jahre später entstandenen und ca. 7 km entfernten Frauenstift in Essen, ein herausragendes Zentrum der Religion, Bildung und Kunst.

Schatzkammer St. Ludgerus, Sonderausstellung „Werdener Stein- und Bronzeplastik des 11. Jahrhunderts“

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen das so genannte Werdener Bronzekruzifix, das älteste Großkruzifix des Mittelalters aus Erzmetall, und die qualitätsvollen Steinreliefs mit geistlichen Männern und Frauen vom Grab des hl. Liudger.

Werdener Bronzekruzifix (Kopie), Rheinland (Werden), um 1060, Bronze gegossen, ziseliert, graviert, Reste ursprünglicher Vergoldung

Leihgaben aus dem Schnütgen Museum in Köln und dem Kunstgewerbemuseum der Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz ergänzen die Sammlung.

Kleiner Bronzekruzifixus, Werden oder Köln, 3. Viertel 11. Jahrhundert, Bronze gegossen, Reste von Feuervergoldung, Museum Schnütgen, Köln

Zusammen mit den Werdener Sandsteinreliefs, die vermutlich zu einer Grabtumba des hl. Liudger gehörten, präsentieren die Kunstwerke die hohe künstlerische Qualität einer Werkstatt in Essen oder Werden. Es zeichnet sich in Essen-Werden ein lokaler Stil im 11. Jahrhundert heraus. Die Künstler waren vermutlich für die einflussreichen Konvente in Werden und Essen tätig. Somit fand im 11. Jahrhundert eine gegenseitige künstlerische Befruchtung statt, die noch heute in den Kunstwerken aus Stein und Bronze zu sehen ist und die außerordentliche Stellung der Werkstatt im Frühmittelalter hervorhebt.

Drei disputierende Frauen, Steinrelief, Werden, um 1060, Sandstein.

Stehender Bischof, Steinrelief, Werden, um 1060, Sandstein.

Einige Kunstwerke aus dem Bestand der Werdener Schatzkammer St. Ludgerus sind während der Sonderausstellung nicht in der Sammlung, sondern als Höhepunkte der Ausstellung „Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und Frühmittelalter an Rhein und Ruhr“ im Ruhr Museum Essen zu sehen. Von den Werdener Stücken sind dies vor allem diejenigen, die zur Verehrung des hl. Liudger beigetragen haben, wie der so genannte Kelch des heiligen Liudger, der fränkische Reliquienkasten und die antike Pyxis mit der ältesten Weihnachtsdarstellung Deutschlands.


Werdener Bronzekruzifix

Das Bildwerk des gekreuzigten Christus ist das älteste erhaltene Großkruzifix des Mittelalters aus Bronze. Es zeigt Christus als stillen Dulder. Möglicherweise war das Werdener Kruzifix ein Geschenk an die in der Mitte des 11. Jahrhunderts erbaute Klosterkirche in Helmstedt, die zur Werdener Schwesterabtei Helmstedt gehörte. Der Werdener Abt Hermann von Holten (amt. 1540–1572) brachte das Kruzifix, auch „Helmstedter Kreuz“ genannt, 1547 aus der Schwesterabtei nach Werden, um es dort vor dem drohenden Bildersturm der Reformation zu retten. Hier wurde es als Missionskreuz Karls des Großen verehrt.

Werdener Bronzekruzifix (Kopie), Rheinland (Werden), um 1060, Bronze gegossen, ziseliert, graviert, Reste ursprünglicher Vergoldung

Werdener Bronzekruzifix, Rheinland (Werden), um 1060, Bronze gegossen, ziseliert, graviert, Reste ursprünglicher Vergoldung

Die Besonderheit des aus fünf Teilen gegossenen Kruzifixes besteht in der außerordentlichen hohen plastischen und künstlerischen Qualität, wie sie sich auch an weiteren Objekten aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Werden zeigt. Der Einfluss des Essen-Werdener Kunstkreises sowie Vergleiche mit den Werdener Steinreliefs im Untergeschoss der Schatzkammer und dem Einband des Theophanu-Evangeliars im Essener Domschatz sind heute unumstritten und unterstützen die Lokalisierung einer Gießhütte nach Werden. Der seit einem Brand 2008 beschädigte Kruzifixus ist während der Sonderausstellung aus nächster Nähe im Untergeschoss der Schatzkammer St. Ludgerus in Werden zu sehen. Danach wird er in eine Restaurierungswerkstatt gehen.

Die Schatzkammer St. Ludgerus hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 3 Euro, ermäßigt 2 Euro, Kinder und Jugendliche von 7 bis 18 Jahren zahlen ebenfalls 2 Euro. Bei Vorlage eines Tickets der Schatzkammer St. Ludgerus Essen-Werden erhalten die Besucher den ermäßigten Eintritt in die Sonderausstellung „Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und Frühmittelalter an Rhein und Ruhr“ im Ruhr Museum und umgekehrt. Dort kostet der Eintritt für Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 4 Euro.

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