Sonntag, 19. April 2015

Neue römische Schiffe aus Xanten

Schiffsbau im LVR-Archäologischen Park Xanten nimmt Fahrt auf

„Nehalennia“, Lastkahn aus Xanten-Wardt, um 100 nach Christus, im LVR-RömerMuseum

Winter ade: Die Werft für den Bau römischer Schiffe im LVR-Archäologischen Park Xanten (APX) ist wieder für das Publikum geöffnet. Auf dem Arbeitsplan der Werft stehen die Vorbereitungen für gleich zwei anspruchsvolle Projekte: die Kalfaterung der 2014 rekonstruierten „Nehalennia“ (Schiffstyp Prahm) und ein erweitertes Programm zur Rekonstruktion römischer Schiffe.

„Nehalennia“, vollständiger Nachbau eines römischen Lastkahns

Kalfatern heißt, das Schiff wird wasserdicht gemacht. Im Mai können Besucher Schiffsbaumeister Kees Sars bei dieser Abschlussarbeit an der Nehalennia zuschauen. Kees Sars hat diesen Schiffstyp 2014 im APX zusammen mit einem Team aus erfahrenen Handwerkern und jungen Praktikanten fertiggestellt. Nun wird im letzten Arbeitsschritt der Schiffsrumpf abgedichtet (kalfatert). Dafür wird ein in Holzteer getränktes Hanftau in die Fugen zwischen den Holzplanken gepresst und mit über 2000 Kalfaternägelchen befestigt. Der Lastkahn, dessen originales Vorbild 1991 bei Xanten entdeckt wurde und inzwischen konserviert im LVR-RömerMuseum zu sehen ist, wird im Juni für eine Testfahrt zu Wasser gelassen. Anschließend beginnt die Werft mit der Rekonstruktion der zwei römischen Einbäume „Philemon“ und „Baucis“. Hinter den Kulissen haben die Vorbereitungen bereits begonnen: Das spezielle Holz (Eiche und Silbertanne) für die Einbäume wird dieser Tage aus Dänemark geliefert.

Schiffsbaumeister Kees Sars und sein Team auf der „Nehalennia“, Foto: Julia Reschucha, LVR-Zentrum für Medien und Bildung

Bald starten auch die Planungen für den Bau weiterer Schiffstypen, die in den kommenden Jahren in Xanten entstehen sollen. Der APX und das LVR-Integrationsamt nutzen dies für eine neue und langfristig angelegte Kooperation zur betrieblichen Ausbildung von jungen Menschen mit einer Schwerbehinderung. Durch ein Langzeitpraktikum werden dabei Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigung, Schulabgängerinnen und -abgänger mit Schwerbehinderung oder Beschäftigte einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung trainiert, fachlich und individuell qualifiziert und so im weiteren Verlauf an eine betriebliche Ausbildung herangeführt. Die Anschlussstelle „Schule – Beruf“ ist für das LVR-Integrationsamt ein besonders wichtiges Handlungsfeld: Behinderungsgerechte betriebliche Ausbildungsmodelle sind nämlich nach wie vor Mangelware, obwohl für viele junge Menschen mit Behinderung eine theoriereduzierte Ausbildung möglich wäre. Als Partner von schwerbehinderten Menschen im Arbeitsleben und ihrer Arbeitgeber fördert das LVR-Integrationsamt das Schiffsbauprojekt mit 100.000 Euro. Zusätzlich wird das Projekt vom LVR in 2015 mit 100.000 € aus Mitteln der Regionalen Kulturförderung unterstützt.

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