Donnerstag, 16. April 2015

Die Spielzeit 2015/16 an der Wiener Volksoper

Die als Mehrsparten-Musiktheater geführte Wiener Volksoper bringt in der kommenden Saison wieder eine bunte Mischung von Oper, Operette, Musical und Ballett

Seit dem Amtsantritt der Direktion Robert Meyer im September 2007 wurden an der Volksoper 76 Premieren herausgebracht und rund 2.300 Vorstellungen gespielt. Am 15. April 2015 hat Bundesminister Dr. Josef Ostermayer im Rahmen einer Pressekonferenz die Verlängerung der Direktion Robert Meyer um weitere fünf Jahre bekannt gegeben. „Ich bin stolz darauf, dass es uns in den vergangenen acht Jahren gelungen ist, das Haus zu stabilisieren und das Profil der Volksoper als lebendiges und vielseitiges Musiktheater in Wien zu schärfen. Es liegen noch viele spannende Jahre vor uns und ich freue mich darauf, den eingeschlagenen Erfolgskurs gemeinsam mit meinem Team bis Juni 2022 fortzusetzen“, so Robert Meyer.

Volksoperndirektor Robert Meyer, Bundesminister Dr. Josef Ostermayer und Günther Rhomberg (BTh-Holding)

In allen vier Sparten stehen Neuinszenierungen am Programm, der Spielplan der Saison 2015/16 umfasst acht Premieren, vier Wiederaufnahmen und 19 Repertoirestücke:

„Im weißen Rössl“ – nach dem Alt-Berliner Lustspiel „Im weißen Rößl“ von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg; Musik: Ralph Benatzky; Libretto: Hans Müller-Einigen, Erik Charell; Liedtexte: Robert Gilbert; Inszenierung, Licht: Josef E. Köpplinger; Choreographie: Karl Alfred Schreiner; Bühnenbild und Kostüme: Rainer Sinell; Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz; Dirigent: Michael Brandstätter/Lorenz C. Aichner. Darsteller: Sigrid Hauser/Ursula Pfitzner (Wirtin Josepha Vogelhuber), Daniel Prohaska/Boris Eder (Zahlkellner Leopold Brandmeyer), Carsten Süss/Alexander Pinderak (Rechtsanwalt Dr. Erich Siedler), Bernd Birkhahn (Wilhelm Giesecke, Berliner Fabrikant), Mara Mastalir/Renate Pitscheider (Ottilie, seine Tochter), Markus Meyer (Sigismund Sülzheimer, Sohn des Konkurrenten), Hans Dieter Knebel (Prof. Dr. Hinzelmann, Urlauber), Johanna Arrouas/Franziska Kemna (Klärchen, seine Tochter), Simon Jung/Simon Fischerauer (Piccolo), Wolfgang Hübsch (Kaiser Franz Joseph I.), Helga Papouschek (Reiseleiterin/Frau Weghalter), Sophie Aujesky (Kathi, Briefträgerin) u.a. Uraufführung: 8. November 1930, Großes Schauspielhaus, Berlin. Erstaufführung der rekonstruierten Premierenfassung: 19. Juni 2009, Staatsoperette Dresden. Premiere: 6. September 2015, Volksoper Wien.

Im September wird vom Münchner Gärtnerplatztheater die Operette „Im weißen Rössl“ in der auf Erik Charell zurückgreifenden Regiefassung von Josef E. Köpplinger übernommmen. Am Pult steht Volksoperndebütant Michael Brandstätter. Sigrid Hauser spielt die resche Rösslwirtin Josepha Vogelhuber, die von Daniel Prohaska als liebevoll beharrlichem Oberkellner Leopold umworben wird. Sein Nebenbuhler Doktor Siedler ist Carsten Süss – der Tassilo der „Gräfin Mariza“-Premiere ist ab der Saison 15/16 festes Ensemblemitglied der Volksoper Wien. Verstärkt wird das Ensemble von Gästen aus dem Burgtheater: Markus Meyer als schöner Sigismund, Hans Dieter Knebel als Professor Hinzelmann und Bernd Birkhahn als Giesecke.

„Im weißen Rössl“, im Bild: Sigrid Hauser; © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

„Der Mann von La Mancha“ – nach „I, Don Quixote“ von Dale Wasserman und „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes; Musik: Mitch Leigh; Gesangstexte: Joe Darion; Buch: Dale Wasserman; Deutsche Fassung; Robert Gilbert; Regie: Olivier Tambosi; Choreographie: Stephan Brauer; Bühnenbild und Kostüme: Friedrich Despalmes; Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz; Dirigent: Lorenz C. Aichner. Darsteller: Robert Meyer (Dichter Cervantes, zugleich Alonso Quijano, ein Landjunker, genannt „Don Quixote“), Boris Pfeifer (Sancho, sein Diener), Patricia Nessy (Aldonza, Magd), Christian Graf (Der Gastwirt [Gouverneur]), Mehrzad Montazeri/Christian Drescher (Padre), Christian Dolezal (Dr. Sanson Carrasco [Herzog]), Martina Dorak (Antonia, seine Braut), Thomas Sigwald (Barbier), Susanne Litschauer, Lynsey Thurgar; Wolfgang Gratschmaier, Oliver Liebl, Roman Martin, Christian Schleinzer, Jeffrey Treganza, Timo Verse (Gefangene) u. a. Uraufführung: 22. November 1965, ANTA Washington Square Theater, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 4. Januar 1968, Theater an der Wien. Premiere: 17. Oktober 2015, Volksoper Wien.

Ein Musical-Klassiker feiert 50. Geburtstag: Am 22. November 1965 wurde „The Man of La Mancha“ am Broadway uraufgeführt. Ein verwirrter, gegen Windmühlen kämpfender spanischer Ritter als Musicalheld? Dieses Wagnis wurde mit einer Rekordserie von über 2.300 Aufführungen belohnt, und bis heute erfreut sich das Werk ungebrochener Beliebtheit. Der Schriftsteller Cervantes erwartet im Gefängnis seine Vorladung zur Inquisition. Um seinen kostbarsten Besitz, das Manuskript des Don Quixote, vor der Zerstörung durch seine Mithäftlinge zu retten, spielt er ihnen – und mit ihnen – die Geschichte vor. Ein äußerlich karges, aber von großen Gefühlen und unvergänglichen Songs getragenes Stück Theater über den „unmöglichen Traum“ entsteht vor den Augen und Ohren des Publikums… An der Volksoper wurde „Der Mann von La Mancha“ erstmals 1994 aufgeführt; der Sancho der damaligen Produktion, Robert Meyer, schlüpft nun in die schäbigen Kleider des „Ritters von der traurigen Gestalt“, Boris Pfeifer ist sein treuer Diener Sancho und Patricia Nessy die Aldonza. Regisseur Olivier Tambosi kehrt nach „Der Vetter aus Dingsda“ an die Volksoper zurück und wendet sich mit dieser Produktion erstmals einem Musical zu. Lorenz C. Aichner, Kapellmeister am Haus, dirigiert nach „Der Zauberer von Oz“ erneut eine Musical-Premiere.

„Der Mann von La Mancha“, im Bild: Robert Meyer; © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Als Oper wird Mozarts „Don Giovanni“ (traditionsgemäß in deutscher Sprache) in der Regie von Achim Freyer im November herausgebracht. „Die Schneekönigin“ nach H. C. Andersen folgt als Ballett in der Choreographie von Michel Corder im Dezember 2015.

„Kismet“ – nach dem britischen Theaterstück „Kismet“ von Edward Knoblock aus dem Jahre 1911 und Themen von Alexander Borodin; Musik, Gesangstexte: Robert Wright und George Forrest; Buch: Charles Lederer und Luther Davis; Dirigent: Joseph R. Olefirowicz. Solisten: Rodney Gilfry (Haji, ein Poet), Rebecca Nelsen (Marsinah, seine Tochter), Ben Connor (Der Kalif von Bagdad), Stefan Cerny (Der Wesir), Jeffrey Treganza (Imam/Bangle Man), Christoph Wagner-Trenkwitz (Erzähler). Uraufführung: 3. Dezmeber 1953, Ziegfield Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 22. Januar 1977, Theater der Stadt Koblenz. Premiere der konzertante Aufführung in englischer Sprache mit deutschen Erzähltexten: 24. Jänner 2016, Volksoper Wien.

Im Jahre 1954 begab sich der Fall, dass ein längst verstorbener russischer Komponist den „Tony“ für das beste Musical erhielt: Robert Wright und George Forrest hatten Melodien von Alexander Borodin für das im mittelalterlichen Bagdad spielende „Kismet (A Musical Arabian Night)“ adaptiert, darunter auch die berühmten „Polowetzer Tänze“ aus „Fürst Igor“. Wenige Wochen vor dessen Premiere (in deutscher Sprache) in der Regie von Thomas Schulte-Michels am 19. März 2016, bei der Alexander Borodin als Opernkomponist gewürdigt wird, spielt die Volksoper das hierzulande selten gezeigte Musical in einer konzertanten Fassung (Premiere am 24. Jänner 2016). Nach dem durchschlagenden Erfolg der Konzertfassung von Bernsteins „Candide“ steht Joseph R. Olefirowicz erneut am Pult des Volksopernorchesters. In der Hauptrolle des findigen und phantasievollen Geschichtenerzähler Haji gastiert der amerikanischen Star-Bariton Rodney Gilfry an der Volksoper. Rebecca Nelsen ist als seine Tochter Marsinah erstmals in einem Musical zu sehen.

„Kismet“, im Bild: Rebecca Nelsen; © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Erst im Feber 2016 folgt die Operette „Der Kongress tanzt“ von Werner Richard Heymann, da nun - nach dem Ausfall eines (zum anlassgebenden 200. Gedenkjahr) schon für 2015 eingeplanten Regisseurs - Direktor Robert Meyer selbst in die Bresche springt. Die Operette „Der Bettelstudent“ von Carl Millöcker folgt im Mai 2016 in der Regie von Anatol Preissler.

„The Sound of Music“ – nach den Memoiren „The Story of the Trapp Family Singers“ von Maria Augusta Trapp und dem Film „Die Trapp-Familie“ (1956) von Wolfgang Liebeneiner; Musik: Richard Rogers; Lyrics: Oscar Hammerstein II; Buch: Howard Lindsay, Russel Crouse; Übersetzung: Ute Horstmann und Eberhard Storch; Regie, Bühnenbild und Kostüme: Renaud Doucet und André Barbe; Licht: Guy Simard; Dirigent: Wolfram-Maria Märtig. Darsteller: Barbara Obermeier/Johanna Arrouas (Maria Rainer, Postulatin), Elisabeth Flechl/Ulrike Steinsky (Mutter Oberin des Nonnbergklosters), Elvira Soukop/Regula Rosin (Schwester Bertha), Eva Maria Riedl/Sulie Girardi (Schwester Margaretha), Birgid Steinberger/Manuela Leonhartsberger (Schwester Sophie), Axel Herrig/Boris Pfeifer (Baron Georg von Trapp, ehem. U-Boot-Kapitän), Guggi Löwinger/Susanne Litschauer (Frau Schmidt, seine Haushälterin), Franziska Kemna/Juliette Khalil (Liesl), Oliver Liebl (Rolf Gruber, Liesels Verehrer), Martina Dorak/Renate Pitscheider (Elsa Schrader, Trapps Verlobte), Thomas Sigwald/Wolfgang Gratschmaier (Max Detweiler, Trapps Freund), Gerhard Ernst/Nicolaus Hagg (Herr Zeller, ein Nazi) u. a. Uraufführung: 16. November 1959, Lunt-Fontanne Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 9. März 1982, Stadttheater Hildesheim. Wiederaufnahme: 3. April 2016, Volksoper Wien.

Von den Wiederaufnahmen sind noch zwei prächtig gelungene Musicals hervorzuheben, nämlich „The Sound of Music“ von Richard Rodgers und „Anatevka“ von Jerry Bock ab April bzw. Mai 2016.

„The Sound of Music“, im Bild: Barbara Obermeier; © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

„Anatevka“ – nach dem jiddischen Roman „Tewje, der Milchmann“ von Scholem Alejchem; Musik: Jerry Bock; Liedtexte: Sheldon Harnick; Buch: Joseph Stein; Deutsche Bearbeitung: Rolf Merz, Gerhard Hagen; Regie: Matthias Davids; Choreographie und Musical Staging: Melissa King; Bühne: Mathias Fischer-Dieskau; Kostüme: Judith Peter; Dirigent: Guido Mancusi. Darsteller: KS Kurt Rydl (Tevje, ein Milchmann), Dagmar Hellberg (Golde, seine Frau), Julia Koci (Zeitel), Elisabeth Schwarz/Johanna Arrouas (Hodel), Juliette Khalil/Franziska Kemna (Chava), Guggi Löwinger (Jente, eine Heiratsvermittlerin), Oliver Liebl/David Sitka (Mottel Kamzoil, ein Schneider), Peter Lesiak (Perchik, ein Student), Toni Slama (Lazar Wolf, ein Metzger), Nicolaus Hagg (Wachtmeister), Stefan Moser (Fedja, ein junger Russe), JunHo You/Alexander Pinderak (Sasha, sein Freund) u. a. Broadway-Premiere: 22. September 1964, Imperial Theatre, New York City. Deutsche Erstaufführung: 1. Februar 1968, Operettenhaus, Hamburg. Wiederaufnahme: 14. Mai 2016, Volksoper Wien.

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