Donnerstag, 26. März 2015

„Natur, Kultur und Geschichte des Ruhrgebiets“

Dauerausstellung des Ruhr Museums in der ehemaligen Kohlenwäsche

UNESCO-Welterbe Zollverein, Schacht XII, Kohlenwäsche, 24-Meter-Ebene

Am 9. Januar 2010 wurde das Ruhr Museum in der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein eröffnet. Es ist das historische Gedächtnis und Schaufenster der Metropole Ruhr. Seine Dauerausstellung zeigt die Natur- und Kulturgeschichte des größten Ballungsraumes in Europa. Es befindet sich auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein, dem Symbol für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Seit der Eröffnung liegt die Besucherzahl im Schnitt bei 250.000 Besuchern im Jahr (Dauerausttellung und Sonderausstellungen), bereits am 11. Dezember 2013 konnte das Ruhr Museum seinen 1.000.000sten Besucher empfangen. Mit diesem nicht erwarteten Andrang übertrifft das Museum deutlich seine kalkulierten Besucherzahlen von 150.000 Gästen pro Jahr und verdreifacht die jährlichen Zahlen des alten Ruhrlandmuseums in der Goethestraße in Essen.

UNESCO-Welterbe Zollverein, Schacht XII, Kohlenwäsche, Treppenhaus im Ruhr Museum, Gestaltung Rem Koolhaas

Die Eröffnung des Museums zusammen mit der Kultur­haupt­stadt RUHR.2010 beendete einen zehnjährigen Planungs- und Vorbereitungsprozess. Die Idee zur Einrichtung eines Regionalmuseums für das Ruhrgebiet auf Zollverein entstand 1999 im Rahmen der Abschlussveranstaltungen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park. Nachdem die Stadt Essen im Jahre 2002 beschlossen hatte, die Sammlungen des städtischen Ruhrlandmuseums in das neue Museum einzubringen, konnte 2003 mit den Vorbereitungen des Museums und 2007 mit der Konzeption der neuen Dauerausstellung begonnen werden. Die 2008 gegründete Stiftung Ruhr Museum befindet sich als Teil der Stiftung Zollverein in der Trägerschaft der Stadt Essen, des Landschaftsverbandes Rheinland sowie des Landes Nordrhein-Westfalen, die sich die jährlichen Betriebskosten des Museums in Höhe von ca. 6 Millionen Euro teilen. Die Sammlungen des Museums bleiben im Besitz der Stadt Essen. Die gesamten Baukosten – einschließlich der denkmalgerechten Ertüchtigung – in Höhe von ca. 55 Millionen Euro für das Gebäude, die Kohlenwäsche, das sich das Ruhr Museum mit dem Besucherzentrum Ruhr und dem Portal der Industriekultur teilt, stammen aus Mitteln der Europäischen Union, des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Essen.

17-Meter-Ebene

Die Kosten für das Büro- und Depotgebäude an der Fritz-Schupp-Allee, die museumspädagogischen Räume im Kokskohlenbunker und für die Ausstellungsarchitektur in Höhe von insgesamt 12 Millionen Euro werden vom Land NRW und der Stadt Essen aus Städtebauförderungsmitteln finanziert. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien hat die Vorbereitung des Museums und des Konzeptes der Dauerausstellung in den Jahren 2003 bis 2008 mit über einer Million Euro gefördert.

17-Meter-Ebene

Das Ruhr Museum ist ein hybrides Museum, das mehrere Museumstypen unter einem Dach vereint – Geschichte, Naturkunde, Archäologie und Fotografie. Es geht zurück auf das 1904 gegründete Ruhrlandmuseum der Stadt Essen, eines der ältesten und traditionsreichsten Museen des Ruhr­gebietes. Bis 2007 war es zusammen mit dem Museum Folkwang an der Goethestraße untergebracht, bis es dem am 28. Januar 2010 eröffneten Neubau des Museums Folkwang weichen musste und auf Zollverein einen neuen, größeren und spektakulären Standort gefunden hat.

Rotbuche

Die Dauerausstellung des Ruhr Museums zeigt über 5.000 Exponate aus allen Sammlungsbereichen des Museums. Hinzu kommen ca. 1.000 Leihgaben von über 400 Leihgebern, darunter alle wichtigen Museen und Archive des Ruhrgebietes. Unter den Leihgaben, die entweder Dauerleihgaben sind oder in regelmäßigen Abständen durch andere zugesagte Leihgaben ersetzt werden, befinden sich bedeutende Exponate wie die lebensgroße Statue des Bischofs Engelbert aus dem Märkischen Museum Witten, die Schädelkalotte des „ältesten Westfalen“ aus der Hagener Blätterhöhle (als Abguss), der Renaissance-Türsturz aus Schloss Horst in Gelsenkirchen, der berühmte Pokal der Dortmunder Hanse-Familie Berswordt, archäologische Funde aus der Zeit der Varusschlacht aus Haltern und Xanten und der berühmte Atlas Minor des Duisburger Kartographen Gerhard Mercator.

Farbtonne und Probe des „Gelsenkirchener Blau“, Objekt von Werner Ruhnau zum 50. Geburtstag des Musiktheaters Gelsenkirchen, Originalmaterialien, 1958/59

Das Konzept der Ausstellung berücksichtigt die vorgefundene Raumstruktur und fügt die Exponate und Themen entsprechend ein. So folgt der Ausstellungsrundgang dem ehemaligen Weg der Kohle vom Foyer im Besucherzentrum auf der 24-Meter-Ebene durch das beeindruckende Treppenhaus in die unteren Etagen der Kohlenwäsche. Dabei sind die 17-Meter-, 12-Meter- und 6-Meter-Ebenen, in denen sich die Ausstellungsflächen des Museums befinden, den Kategorien Gegenwart, Gedächtnis und Geschichte zugeordnet. Auf allen Ebenen versucht die Ausstellung, die Natur- und Kulturgeschichte des Ruhrgebietes in einem integrierten Konzept miteinander zu verbinden.

Skelettmontage eines wollharigen Nashorns (Coelodonta antiquitatis), Ruhrgebiet, Baustellen des Rhein-Herne-Kanals, Quartär, Pleistozän, ca. 20.000 Jahre

Der Museumsparcours beginnt – untypisch für ein historisches Museum – in der Gegenwart. Denn das Ruhrgebiet ist eine erklärungsbedürftige Region. Sie ist kein politisch definierter Raum, hat keine naturräumlichen Grenzen und kein administratives Zentrum. Deshalb werden auf der 17-Meter-Ebene zunächst der Mythos Ruhr, die Vorstellungen vom Ruhrgebiet aufgegriffen, danach die sichtbaren Phänomene und die auf den ersten Blick nicht sichtbaren Strukturen gezeigt. Schließlich kommen in den 'Zeitzeichen' die Menschen des Ruhrgebietes zu Wort, die von den Erfahrungen mit ihrer Region erzählen, und wir zeigen auch die naturgeschichtlichen Zeugen von der Entstehung der Erdzeitalter und ihrer Spuren in der Gegenwart.

Essener Ratsglocke, Essen (?), 1483, Bronzeguss, Holzbalken mit Eisenbeschlägen aus späterer Zeit

Die folgende 12-Meter-Ebene zeigt das kulturelle Gedächtnis der Region. Sie erzählt von den langen vormodernen Traditionen vor der Industrialisierung. Und sie zeigt die überregionalen Sammlungen des Museums als Speicher des kulturellen Gedächtnisses. Die letzte Ebene auf 6 Metern Höhe ist der Geschichte des Ruhrgebietes im Industriezeitalter vorbehalten. Hier wird das Drama der Industrialisierung in fünf Akten erzählt, von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis zum gegenwärtigen Strukturwandel und der Kulturhauptstadt RUHR.2010, eingebettet in einen Prolog über die Entstehung der Kohle im Erdzeitalter des Karbons und einen Epilog, in dem Bilanz gezogen und einen Blick in die Zukunft geworfen wird.

Himmelsglobus, Gerhard Mercator, Löwen, 1551, und Erdglobus, Gerhard Mercator, Löwen, 1541, Holz, Messing, Papier, 1:30.000.000 (Kopie von 1875)

Die Gestaltung der Ausstellung hat das renommierte Stuttgarter Büro HG Merz übernommen, das durch spektakuläre Ausstellungsprojekte wie das Mercedes- und das Porsche-Museum in Stuttgart, die Gedenkstätte Sachsenhausen oder durch den Umbau des Alten Museums und jetzt der Staatsbibliothek in Berlin hervorgetreten ist. Professor Merz hat eine Ausstellungsarchitektur entworfen, die sich in die spektakulären Industrie- und Maschinenräume der Kohlenwäsche einpasst und gleichzeitig einen modernen Kontrast schafft, in dem die Exponate optimal zur Geltung kommen.

Türgewände aus Schloss Horst, Gelsenkirchen, 1566, Baumberger Sandstein

Die über fünfzig, teilweise interaktiven Medienstationen hat das Büro jangled nerves, die gesamte Graphik das Büro l2m3 entworfen, beide ebenfalls aus Stuttgart. Uwe Loesch hat den typografischen Auftritt des Museums in Plakaten und Flyern gestaltet.

Kniehebelpresse (Dingler-Presse), Fa. Koch & Co., Leipzig, 1861, Eisen

König Friedrich II. von Preußen (Der „Alte Fritz“, * 24. Januar 1712 in Berlin, † 17. August 1786 in Potsdam) und König Friedrich Wilhelm I. in Preußen (* 14. August 1688 in Berlin, † 31. Mai 1740 in Potsdam)

Ammoniten aus der Mergeldecke

Iltis (Mustela pastoris)

Rotmilan (Milvus milvus)

Archäologische Sammlung

Mumienmaske einer Frau, Ägypten, Römische Kaiserzeit, Ende 2. Jahrhundert nach Christus, Stuck, bemalt, Augen aus Glas

Weibliche Statuette („Piravend-Figur“), Luristan, Iran, frühes 1. Jahrhundert vor Christus, Bronze

Spitzamphoriskos (Parfümbehälter), Attika, Griechenland, um 420 vor Christus, Ton, bemalt

Förderkorb

Die Geschichte des Ruhrgebiets beginnt mit der Industrialisierung vor etwa zweihundert Jahren. Sie verwandelte eine ehemalige Agrarlandschaft in die größte Montanregion Europas und dann in einen modernen Wirtschafts- und Dienstleistungsraum. An diesem gewaltigen Umwandlungsprozess lassen sich beispielhaft Aufstieg, Niedergang und Wandel klassischer Industriegesellschaften beschreiben. Die Erzählung dieses Prozesses folgt der Struktur eines klassischen Schauspiels. Eingerahmt von einem Prolog und einem Epilog folgt in der mittleren Raumachse die Darstellung des Industrialisierungs­prozesses in fünf Akten. Die Verknüpfung von natürlichen und kulturellen Faktoren ist dabei für das Ruhrgebiet charakteristisch. Nur in wenigen Regionen hängen Natur und Zivilisation so eng zusammen. Die chronologische Anordnung der Ausstellung ist geographisch von Süden nach Norden gegliedert – und folgt damit der historischen Abfolge der Kohleförderung und dem Bewegungsmuster des Industrialisierungsprozesses.

Theodolit, Elliott Bros., London, um 1840

Alfred Krupp (* 26. April 1812 in Essen, † 14. Juli 1887 in Essen), Standbild von Alois Meyer und Josef Wilhelm Menges, W. Rapp’sche Kunstgießerei München, 1892

6-Meter-Ebene

Industrieller Arbeitstakt

Benzinsicherheitslampe, Wilhelm Seippel, Grubensicherheitslampen und Maschinenfabrik, Bochum, 1920er-/1950er-Jahre

Gussstahlglocke des Bochumer Vereins, Bochum, 1869

Modell der Schnellzug-Einheitslokomotive (Baureihe 01) der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft (1:10), Lehrlingswerkstätte der Fried. Krupp AG, um 1950, und Eisenbahnschienenstück, Fried. Krupp, Essen, 1889

Schaufensterpuppe um 1925

Werbefigur der Firma Susa, um 1920

Unterhaltung und Kultur

Verbotsschild und Pflanzenschilder aus dem Grugapark Essen, um 1950

Die Dauerausstellung „Natur, Kultur und Geschichte des Ruhrgebiets“ ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt in die Daueraustellung und das Portal der Industriekultur kostet für Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre haben freien Eintritt. Das Ruhr Museum und Portal der Industriekultur ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt in die Dauerausstellung des Ruhr Museums und das Portal der Industriekultur. Gilt nicht bei Sonderverantsaltungen wie der ExtraSchicht.

6-Meter-Ebene

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