Freitag, 27. Februar 2015

Das Musical Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi

„Elisabeth – Das Musical“ – Musik: Silvester Levay; Buch, Lyrics: Michael Kunze; Regie: Harry Kupfer; Choreografie: Dennis Callahan; Bühne: Hans Schavernoch; Kostümdesign: Yan Tax; Lichtdesign: Hans Toelstede; Videodesign: Thomas Reimer; Sounddesign: Cedric Beatty; Musikalische Leitung: Paul Christ. Darsteller: Roberta Valentini (Elisabeth, Kaiserin von Österreich), Mark Seibert (Der Tod), Kurosch Abbasi (Luigi Lucheni, Elisabeths Mörder), Maximilian Mann (Kaiser Franz Joseph, Elisabeths Mann), Angelika Wedekind (Erzherzogin Sophie, Elisabeths Schwiegermutter), Thomas Hohler (Kronprinz Rudolf, Elisabeths Sohn, Cover Luigi Lucheni), Julian Cremer/Paul Elias Marxer/Jonathan Schmitt/Timon Strick (Rudolf als Kind), Dennis Kozeluh (Herzog Max in Bayern, Elisabeths Vater), Caroline Sommer (Herzogin Ludovika, Elisabeths Mutter/Frau Wolf, Cover Erzherzogin Sophie), Janne Marie Peters (Helene von Wittelsbach, Elisabeths Schwester, Cover Elisabeth), Alixa Kalasz (Gouvernante), Anouk Roolker (Gräfin Sztaray, eine Hofdame der Kaiserin Elisabeth), Larissa Windegger (Mary Vetsera, Geliebte des Kronprinzen Rudolf), Marle Martens (Fräulein Windisch, eine Irre, Cover Elisabeth, Cover Herzogin Ludovika/Frau Wolf), Angelina Arnold (Gräfin Esterházy, Hofdame der österreichischen Kaiserin Elisabeth, Cover Erzherzogin Sophie), Juliane Katharina Maria Bischoff (Eine Hofdame, Cover Herzogin Ludovika/Frau Wolf), Lena Weiss (Fanny Feifalik, Elisabeths Friseuse), Martin Markert (Baron Hübner, Wiener Kapitalist/Todesengel, Cover Der Tod), Wolfgang Postlbauer (Graf Grünne, kaiserlicher Generaladjutant, Cover Kaiser Franz Joseph, Cover Herzog Max in Bayern), Krisha Dalke (Baron Kempen, Polizeichef, Cover Luigi Lucheni, Cover Kronprinz Rudolf), Florian Fetterle (Felix Fürst zu Schwarzenberg, Minister, Cover Kaiser Franz Joseph), Jan Altenbockum (Ein Ungarischer Adeliger), Christoph Apfelbeck (Ein Journalist, Cover Der Tod), Kristian Lucas (Maximilian von Mexiko, der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph), Thomas Weissengruber (Kardinalerzbischof Rauscher, Cover Herzog Max in Bayern), Fredrik Andersson (Swing, Cover Kronprinz Rudolf), Sophie Blümel (Swing, Dance Captain), Sebastian Brandmeir (Swing, Cover Luigi Lucheni), Martin Planz (Swing, Abendspielleiter), Jenny Schlensker (Swing). Uraufführung: 3. September 1992, Theater an der Wien. Deutschland­premiere: 23. März 2001, Colosseum Theater, Essen. Premiere: 26. Februar 2015, Colosseum Theater, Essen.



Das Musical Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi


Premiere der Tournee durch den deutschsprachigen Raum im Essener Colosseum Theater


Am 3. September 1992 wurde im Theater an der Wien das Musical „Elisabeth“ von Silvester Levay (Musik) und Michael Kunze (Libretto) aus der Taufe gehoben, und obwohl die Wiener Kritiker mit Sprüchen wie „Munter geht die Sissi unter“ kein gutes Haar an der Aufführung ließen, hat sich das Stück mit über zehn Millionen Zuschauern weltweit zum erfolgreichsten deutschsprachigen Musical entwickelt. Es war die Intention des Autors, der naiv-herzigen Sissi aus der Film-Trilogie mit Romy Schneider (Prinzessin Elisabeth) und Karlheinz Böhm (Kaiser Franz Joseph) das Bild einer starken, gebildeten, selbstbestimmten Frau entgegenzusetzen, die ihrer Zeit weit voraus war. Dafür schuf Michael Kunze ein Drama-Musical über die Prinzessin aus Bayern, die mit 16 Jahren den Kaiser von Österreich heiratet, aber nicht lange glücklich bleibt und den Fesseln des Wiener Hofes bald durch ausgedehnte Reisen entflieht. Als genialen Kunstgriff stellte er der schönen kühlen Elisabeth die Figur des Todes an die Seite, mit dem sie Zeit ihres Lebens eine sehnsuchtsvolle und selbstzerstörerische Liaison pflegt, bevor sie sich ihm schließlich ergibt.

„Wenn ich tanzen will“: Roberta Valentini (Elisabeth) und Mark Seibert (Der Tod); Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Am 23. März 2001 zeigte die Stage Holding nach der Über­nahme des Colosseum Theaters dort die Deutschland­premiere des Musicals „Elisabeth“, für die Rollen der Elisabeth und des Todes wurde die Wiener Premierenbesetzung Pia Douwes und Uwe Kröger engagiert. Diese dem Vernehmen nach erfolgreiche Produktion verabschiedete sich nach etwa 2 Jahren am 29. Juni 2003 aus dem Colosseum Theater. Zum 20-jährigen Bühnenjubiläum schickte die Semmel Concerts Veranstaltungsservice GmbH eine Jubiläumsproduktion bereits vom 11. Oktober 2011 bis 22. April 2012 in der Inszenierung von Harry Kupfer mit den Bühnenbildern von Hans Schavernoch und Annemieke van Dam (Elisabeth) und Mark Seibert (Der Tod) auf Deutschlandtournee, bei der die Produktion vom 8. Februar bis 4. März 2012 auch am Colosseum Theater in Essen gastierte. Nach einer erfolgreichen Aufführungsserie in China vom 9. Dezember 2014 bis 11. Januar 2015 im Shanghai Culture Square (Fuxing Zhong Lu) geht geht das Musical erneut auf Tournee durch den deutschsprachigen Raum, wo es vom 25. Februar bis 22. März 2015 wiederum im Colosseum Theater Essen zu sehen ist und am 26. Februar seine Premiere feierte.

Maximilian Mann (Kaiser Franz Joseph) und Roberta Valentini (Elisabeth); Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Zum Inhalt:
Elisabeths Leben begann als romantisches Märchen und endete mit einem tragischen Mord. Als junges Mädchen von strahlender Schönheit besteigt sie mit 16 Jahren den österreichischen Thron. Statt ihrer Schwester Helene, die dafür ausersehen war, wählt Kaiser Franz Joseph sie zur Frau. Ihrer Lebensfreude, Unbeschwertheit und Jungendlichkeit kann er nicht widerstehen. Doch schon bald nach der feierlichen Hochzeit ziehen erste dunkle Schatten auf.

Am Wiener Hof herrschen strenge Regeln. Entbehrungen und Machtkämpfe machen der jungen Elisabeth das Leben zur Qual. Ihre strenge Schwiegermutter Erzherzogin Sophie wacht unerbittlich über sie und pocht auf die Einhaltung des starren Protokolls. Gefangen in höfischen Konventionen und einem Rollenbild, das ihr nicht entspricht, kämpft Elisabeth mit aller Kraft um ihre Freiheit und ihr persönliches Glück. Auch ihr Mann, seinen Pflichten unterworfen und der herrschsüchtigen Mutter ausgeliefert, kann ihr dabei nicht zur Seite stehen. Kaum noch hält es sie am Wiener Hof, ihre Zerrissenheit treibt sie von Ort zu Ort. Rastlos reist sie durch Europa, für niemanden erreichbar, weder für ihren Sohn noch ihren Mann. Sie verliert sich in ihrer eigenen Welt, stets begleitet von einer mysteriösen Macht – dem Tod.

Maximilian Mann (Kaiser Franz Joseph) und Roberta Valentini (Elisabeth); Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Nach dem Selbstmord ihres Sohnes Rudolf erkennt Elisabeth ihr verfehltes Leben und sehnt nun selbst den Tod herbei. Sie zieht sich nach Korfu zurück, dichtet und schreibt Tagebuch, während in Wien Nationalismus und Völkerhass mehr und mehr die Oberhand gewinnen. Kaiser Franz Joseph kann diese Kräfte nicht mehr steuern und steht auch seinem Nebenbuhler, dem allgewaltigen Tod, hilflos gegenüber.

Das Attentat des italienischen Anarchisten Luigi Lucheni am Ufer des Genfer Sees führt die „Liebenden“ zusammen. Elisabeths Kämpfen und Sehnen endet in einer leidenschaftlichen Umarmung mit dem Tod. Eine Epoche versinkt, eine neue Zeit beginnt.

„Ich gehör nur mir“: Roberta Valentini (Elisabeth); Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Wie bereits bei der Deutschlandtournee 2011/2012 wurde erneut das Uraufführungsteam um Regisseur Harry Kupfer und Bühnenbildner Hans Schavernoch verpflichtet, die Inszenierung ist an die Wiener Jubiläumsfassung von 2012 angelehnt. Nach „Schön, Euch alle zu seh’n“ am Ufer des Starnberger Sees singen der Tod und Elisabeth „Kein Kommen ohne Gehen“, der Song wurde erstmals 1996 in der ungarischen Fassung eingefügt und war auch in der Wiener Jubiläumsfassung zu hören. Zur Krönung Franz Josephs und Elisabeths zu König und Königin von Ungarn sitzt der Tod bei „Éljen“ auf seiner abstrakten Kutsche. Natürlich gibt es die dominierende, hydraulisch bewegte Feile, die auch für Auftritte genutzt wird, oder die Gondel des Wiener Riesenrades in Gestalt des Habsburg-Adlers in der Szene „Zwischen Himmel und Erde“, ein Anachronismus, denn das Riesenrad im Prater wurde erst zur Feier des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josephs I. im Jahr 1897 errichtet. Darüber hinaus wird – wie bereits bei der vorherigen Deutschlandtournee – mit tourneetauglichen Projektionen (Videodesign: Thomas Reimer) gearbeitet, die an die Prospekte der Wiener Uraufführung wie beispielsweise die vom österreichischen Karikaturisten Manfred Deix für das Ende der 7. Szene im ersten Akt beigesteuerten „Gaffer“ erinnern. Das 17-köpfige Orchester spielt unter der Musikalischen Leitung von Paul Christ tadellos, Liebhaber der Uraufführung mögen zwar die Reduzierung gegenüber dem Klangkörper der Vereinigten Bühnen Wien und den Ersatz einiger Instrumente durch Keyboards ins Gedächtnis rufen, auf der anderen Seite würden eben diese Leute eine solche Orchesterstärke bei anderen Großproduktionen mit Freude zur Kenntnis nehmen.

Angelika Wedekind (Erzherzogin Sophie) und Dennis Kozeluh (Herzog Max in Bayern); Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Für die Hauptrollen konnten diesmal Roberta Valentini (Elisabeth, Kaiserin von Österreich), Mark Seibert (Der Tod), Kurosch Abbasi (Luigi Lucheni, Elisabeths Mörder), Maximilian Mann (Kaiser Franz Joseph, Elisabeths Mann), Angelika Wedekind (Erzherzogin Sophie, Elisabeths Schwiegermutter), Thomas Hohler (Kronprinz Rudolf, Elisabeths Sohn), Dennis Kozeluh (Herzog Max in Bayern, Elisabeths Vater) und Caroline Sommer (Herzogin Ludovika, Elisabeths Mutter/Frau Wolf) gewonnen werden. Ursprünglich war Carsten Lepper für die Tournee durch den deutschsprachigen Raum als Luigi Lucheni angekündigt worden, der diese Rolle bereits bei der Deutschlandpremiere gespielt hat, Gründe für die Umbesetzung sind mir allerdings nicht bekannt. Mit Roberta Valentini hat erstmals keine Holländerin die Erstbesetzung der Titelrolle in Deutschland übernommen. Schon optisch setzt sie sich ein Stück weit von ihren Vorgängerinnen ab, ungeachtet dessen lässt sie die Entwicklung vom unbekümmerten jungen Mädchen zur realitätsfremden, todessehnsüchtigen Kaiserin glaubhaft nachvollziehen und kann neben ihrem Schauspiel auch gesanglich auf ganzer Linie überzeugen. In ihrem Solo „Ich gehör nur mir“, an dem die Darstellerinnen der Titelrolle gern gemessen werden, gelingt es Roberta Valentini, eine starke Präsenz aufzubauen, die sie bis zum Schlusston kontinuierlich steigern konnte. Mark Seibert ist seit der Deutschlandtournee 2011/2012 sowie der daran anschließenden Jubiläumsfassung vom 5. September 2012 bis 1. Februar 2014 am Raimund Theater in Wien auf die Rolle des Todes „abonniert“ und weiß als arroganter Verführer Elisabeths mit unterkühltem Schauspiel und viel Charisma für sich einzunehmen. Kurosch Abbasi, der ebenfalls seit der Deutschlandtournee 2011/2012 ohne Unterbrechung als Erstbesetzung in der Rolle von Elisabeths Mörder engagiert ist, kann als sympathischer Erzähler der Geschichte die Gunst des Publikums mit jugendlichem Charme und pointiertem Spiel mühelos für sich gewinnen, allerdings wird bei seiner Darstellung des gefährlichen Anarchisten wohl niemandem Angst und Bange. Im direkten Vergleich mit anderen Darstellern in dieser Rolle wie beispielsweise Serkan Kaya oder Carsten Lepper kann ich den Hype um seine Person auch nicht nachvollziehen. Maximilian Mann kann als Kaiser Franz Joseph vorlagenbedingt nicht so glänzen wie die Kaiserin, zumal die blasse Figur lange Zeit von seiner Mutter dominiert wird, liefert aber dennoch eine darstellerisch und gesanglich tadellose Interpretation ab. Angelika Wedekind verkörpert Elisabeths strenge, unerbittliche Schwiegermutter Erzherzogin Sophie als starke Persönlichkeit mit politischen Ambitionen und vermittelt den Zuschauern nachvollziehbar, warum Erzherzogin Sophie Frederike im Revolutionsjahr 1848 den Ruf erlangte, „der einzige Mann“ am Wiener Hof zu sein, sowie die familiären Konflikte mit Franz Josephs Gattin Elisabeth. Thomas Hohler hinterlässt in der kleinen Rolle des Kronprinzen Rudolf insbesondere im Duett „Die Schatten werden länger“ mit Mark Seibert einen ausnehmend beachtlichen Eindruck, den Auftritt kann man ohne Frage zu den intensivsten des Abends zählen. Ein insgesamt spielfreudiges Ensemble macht Szenen wie den Aufruhr auf dem Wiener Marktplatz mit dem Song „Milch“ zu einem Genuss für die Zuschauer, wobei einzelne Darsteller wie Dennis Kozeluh als Elisabeths Vater Herzog Max in Bayern oder Marle Mertens als Fräulein Windisch mit ihren kleinen Auftritten aufmerken lassen und die hohe Qualifikation der Darsteller bis in kleinste Rollen unterstreichen.

Caroline Sommer (Frau Wolf); Foto: La Belle/Juliane Bischoff

Das Musical „Elisabeth“ hat auch mehr als 22 Jahre nach der Uraufführung nichts von seiner Intensität eingebüßt und kann auf hohem darstellerischen und musikalischen Niveau das Publikum begeistern. Stehende Ovationen und lang anhaltender Applaus nach der Premiere sprechen für sich. Die Produktion ist noch bis 22. März 2015 am Colosseum Theater in Essen zu sehen. Als weitere Tourneestationen sind
  • vom 26. März bis 7. Juni 2015 das Deutsche Theater München,
  • vom 7. Juli bis 9. August 2015 das Landestheater Linz,
  • vom 16. Dezember 2015 bis 3. Januar 2016 die Alte Oper Frankfurt,
  • vom 7. Januar bis 14. Februar 2016 der Admiralspalast Berlin und
  • vom 18. Februar bis 27. März 2016 das Mehr! Theater am Großmarkt in Hamburg
vorgesehen.

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