Donnerstag, 29. Januar 2015

„Hundertwasser – Lebenslinien“

Umfassende Retrospektive im Osthaus Museum Hagen

Der Kunstmäzen und -sammler Karl Heinz Osthaus (* 15. April 1874 in Hagen, † 25. März 1921 in Meran) ließ 1898 nach Plänen des Architekten Carl Gérard das Museumsgebäude in Hagen errichten, mit dem Innenausbau beauftragte er Henry van de Velde (* 3. April 1863 in Antwerpen, † 25. Oktober 1957 in Zürich). 1902 wurde das Museum Folkwang in Hagen als weltweit erstes Museum für Zeitgenössische Kunst eröffnet. Nach dem Verkauf von Museumsbestand und Namensrechten nach dem Tod von Karl Heinz Osthaus wurde der Museumsbau in ein Bürogebäude umgebaut, und erst nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1955 konnte das Karl-Ernst-Osthaus-Museum wieder das alte Gebäude an der Hochstraße beziehen. Im August 2009 wurde das Gebäude schließlich nach grund­legender Sanierung als Osthaus Museum Hagen neu eröffnet und bildet seither gemeinsam mit dem neuen Emil-Schumacher-Museum das Kunstquartier Hagen.

Osthaus Museum Hagen mit der für die Hundertwasser-Ausstellung angelegten Dachbepflanzung

Etwa 50 Jahre nach der ersten großen Hundertwasser-Ausstellung in Hagen im Jahr 1964 und dem Ankauf des Werks „Der Traum des toten Indianers“ im Jahr 1965 durch Herta Hesse-Frielinghaus (1910 – 1989), Kunstdirektorin des Karl-Ernst-Osthaus-Museums, widmet das Osthaus Museum Hagen dem österreichischen Künstler Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser (* 15. Dezember 1928 in Wien, † 19. Februar 2000 an Bord der Queen Elizabeth 2 bei Neu­see­land) in Kooperation mit der Hundertwasser Gemein­nützige Privatstiftung, Wien, und DIE GALERIE, Frankfurt am Main, vom 1. Februar bis 10. Mai 2015 eine umfassende Ausstellung, die alle Tätigkeitsbereiche würdigt: Malerei, Druckgraphik, angewandte Kunst, Architektur und Ökologie. In jedem dieser Felder hat Friedensreich Hundertwasser eine individuelle Sprache gefunden, die unverkennbar seine Züge trägt, eigenwillig und konsequent, mahnend, Beispiel gebend und neue Wege aufzeigend. Mehr als 130 Beispiele aus der Welt und dem Denken Hundertwassers aus allen Schaffensperioden visualisieren seine Lebens­philosophie einer ganzheitlichen Auffassung von Mensch, Natur und Kunst, die immer auch sein künstlerisches Schaffen prägte.

Friedensreich Hundertwasser, 28, „Selbstportrait“, 1948, Pastell, Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Gemälde, Mischtechniken, Aquarelle und Zeichnungen zeigen den Maler Friedensreich Hundertwasser. Eine große Anzahl von Radierungen und Holzschnitten, Lithografien und Serigraphien zeigen sein graphisches Schaffen, in dem sich zum Teil westliche und östliche Druckkunst vereinte. Bei der Ausstellungs­gestaltung haben die Kuratoren Tayfun Belgin, Direktor des Osthaus Museums Hagen, und Peter Femfert, Geschäftsführung DIE GALERIE, versucht, den Wünschen des Künstlers weitgehend gerecht zu werden. Die Werke werden vor farbig gestrichenen Wänden präsentiert, die Besucher werden im ersten Raum mit blau gestrichenen Wänden empfangen, die Wände im zweiten Raum sind violett gestrichen, die graphischen Werke werden vor anthrazit gestrichenen Wänden gezeigt.

Friedensreich Hundertwasser, 167, „La Cite“ („Die Stadt“), 1953, Mixed media, 44 × 176 cm, Artothek des Bundes, Dauerleihgabe im Belvedere, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 306, „Le Bain Gazon Pour La Spirale“ („Das Grasbad für die Spirale“), 1957, Mixed media, 48 × 63 cm, Privatsammlung
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 378, „La Larme Jaune“ („Die gelbe Träne“), 1959, Mixed Media, 162 × 130 cm, Privatsammlung
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 406, „Monasteres Tibetains En Guerre Sainte“ („Verbrüderung von Berg und Religion im Tibetanischen Krieg“), 1960, Mixed Media, 73 × 92 cm, Michael de Zutter, Knokke
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 433, „Le Je Ne Sais Pas Encore“ („Das Ich weiß es noch nicht“), 1960, Mixed Media, 130 × 195 cm, Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 559, „Fenetre Extrovertie“ („Extrovertiertes Fenster“), 1963, Mixed Media, 54 × 73 cm, Sammlung Christian Baha, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 567, „Dreiäugiger grüner Buddha mit Hut“, 1963, Mixed Media, 54 × 64,5 cm, Sprengel Museum, Hannover
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 586, „Der Traum des toten Indianers“, 1964, Mixed Media, 63 × 56 cm, Osthaus Museum Hagen
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 620, „Contretemps II Berlin – Das Versprechen von Berlin“, 1965, Mixed media, 46 × 55 cm, Sammlung Christian Baha, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Ausgewählte Tapisserien und Architekturmodelle zeigen den ganzheitlich denkenden Künstler und Baumeister Friedensreich Hundertwasser. Seine Rolle als Vordenker ökologischen Bauens und die Idee einer menschenwürdigen Umwelt wird anhand einer Reihe innovativer Objekte veranschaulicht.

Friedensreich Hundertwasser, 776A, „Barbakan Castle in Poland“, 1979, Tapisserie, Unikat, gewebt von Theo Riedl, 230 × 300 cm, Galerie Brockstedt, Hamburg
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, Arch 50/1, „St. Barbara Kirche“ (Bärnbach), 1987, Architekturmodell, Modell: Alfred Schmid, 200 × 110 × 90 cm, Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, KUNST HAUS WIEN, Wien, 1989 – 1991, in der ehemaligen Thonet-Möbelfabrik, Foto: Detlefs Notizblog

Friedensreich Hundertwasser, „Ronald McDonald Haus“, Essen, 2004 – 2005, Foto: Detlefs Notizblog

Hundertwassers Tod im Jahr 2000 kam unerwartet; seine Ideen und Visionen aber sind nach wie vor lebendig, die Radikalität, mit der er Kunst und Leben in seiner ihm eigenen materiellen Bedürfnislosigkeit verband, mit der er lange vor den ökologischen Bewegungen den bewussten Umgang mit Natur und Ressourcen anmahnte, sind noch immer aktuell. Als Verfechter eines Lebens im Einklang mit der Natur galt sein Credo einer vollkommenen Harmonie von Mensch und Umwelt:

„Das Paradies ist ja da, wir machen es nur kaputt. Ich will zeigen, wie einfach es im Grunde ist, das Paradies auf Erden zu haben.“ (Friedensreich Hundertwasser)

Friedensreich Hundertwasser, 827, „Die Humustoilette“, 1975, Objekt, Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, Pflanzenkläranlage, Detail, und 808B, „Hainburg – Die freie Natur ist unsere Freiheit“, Poster, 1983
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 840, „Ciel Couvert – Les ciels d’ici et de là“ („Cloudy Sky – The Heavens of Here and There“), 1982, Mixed Media, 50 × 61 cm, Sammlung Christian Baha, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 794, „Steamer from front with ships“ („Dampfer von vorne mit Schiffen“), 1978, dreidimensionale Münzskulptur, Ø ca. 4,5 cm
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 856, „Blumenhaus“, 1983, Keramikobjekt, 23 × 18 × 18 cm
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

1978 entwarf Friedensreich Hundertwasser die „Friedensfahne für das Gelobte Land“, die den blauen Davidsstern und den islamischen grünen Halbmond auf weißem Untergrund zeigt, als Symbol der Versöhnung zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk. Der internationale Konflikt in der Region Palästina, der dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Juden und Arabern entstand, dauert bis heute an…

Friedensreich Hundertwasser, 863, „Friedensfahne für das Gelobte Land“, 1978
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 913C, „Augen der Stadt – Das Fensterrecht“, 1992, Dreidimensionales Objekt
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 1003, „Perfume flacon“, 1994, 5 × 5 × 14 cm
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Die Ausstellung „Hundertwasser – Lebenslinien“ ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 9 €, Kinder ab einem Alter von 6 Jahren und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres zahlen 3 €. Das Kunst­quartier Hagen ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt in die Dauerausstellung und zu den laufenden Wechselausstellungen. Während der Sonderausstellung „Hundertwasser – Lebenslinien“ ist mit der RUHR.TOPCARD ein Sondereintrittsgeld in Höhe von 3 € zu zahlen.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher, 160 Seiten starker Katalog mit 135 Abbildungen und Texten von Klaus Wolbert, Ingeborg Flagge, Ralf-Rainer Braun, Peter Femfert und Friedensreich Hundertwasser erschienen, der im Museumsshop für 24,90 € erhältlich ist.

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