Donnerstag, 29. Januar 2015

„Hundertwasser – Lebenslinien“

Umfassende Retrospektive im Osthaus Museum Hagen

Der Kunstmäzen und -sammler Karl Heinz Osthaus (* 15. April 1874 in Hagen, † 25. März 1921 in Meran) ließ 1898 nach Plänen des Architekten Carl Gérard das Museumsgebäude in Hagen errichten, mit dem Innenausbau beauftragte er Henry van de Velde (* 3. April 1863 in Antwerpen, † 25. Oktober 1957 in Zürich). 1902 wurde das Museum Folkwang in Hagen als weltweit erstes Museum für Zeitgenössische Kunst eröffnet. Nach dem Verkauf von Museumsbestand und Namensrechten nach dem Tod von Karl Heinz Osthaus wurde der Museumsbau in ein Bürogebäude umgebaut, und erst nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1955 konnte das Karl-Ernst-Osthaus-Museum wieder das alte Gebäude an der Hochstraße beziehen. Im August 2009 wurde das Gebäude schließlich nach grund­legender Sanierung als Osthaus Museum Hagen neu eröffnet und bildet seither gemeinsam mit dem neuen Emil-Schumacher-Museum das Kunstquartier Hagen.

Osthaus Museum Hagen mit der für die Hundertwasser-Ausstellung angelegten Dachbepflanzung

Etwa 50 Jahre nach der ersten großen Hundertwasser-Ausstellung in Hagen im Jahr 1964 und dem Ankauf des Werks „Der Traum des toten Indianers“ im Jahr 1965 durch Herta Hesse-Frielinghaus (1910 – 1989), Kunstdirektorin des Karl-Ernst-Osthaus-Museums, widmet das Osthaus Museum Hagen dem österreichischen Künstler Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser (* 15. Dezember 1928 in Wien, † 19. Februar 2000 an Bord der Queen Elizabeth 2 bei Neu­see­land) in Kooperation mit der Hundertwasser Gemein­nützige Privatstiftung, Wien, und DIE GALERIE, Frankfurt am Main, vom 1. Februar bis 10. Mai 2015 eine umfassende Ausstellung, die alle Tätigkeitsbereiche würdigt: Malerei, Druckgraphik, angewandte Kunst, Architektur und Ökologie. In jedem dieser Felder hat Friedensreich Hundertwasser eine individuelle Sprache gefunden, die unverkennbar seine Züge trägt, eigenwillig und konsequent, mahnend, Beispiel gebend und neue Wege aufzeigend. Mehr als 130 Beispiele aus der Welt und dem Denken Hundertwassers aus allen Schaffensperioden visualisieren seine Lebens­philosophie einer ganzheitlichen Auffassung von Mensch, Natur und Kunst, die immer auch sein künstlerisches Schaffen prägte.

Friedensreich Hundertwasser, 28, „Selbstportrait“, 1948, Pastell, Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Gemälde, Mischtechniken, Aquarelle und Zeichnungen zeigen den Maler Friedensreich Hundertwasser. Eine große Anzahl von Radierungen und Holzschnitten, Lithografien und Serigraphien zeigen sein graphisches Schaffen, in dem sich zum Teil westliche und östliche Druckkunst vereinte. Bei der Ausstellungs­gestaltung haben die Kuratoren Tayfun Belgin, Direktor des Osthaus Museums Hagen, und Peter Femfert, Geschäftsführung DIE GALERIE, versucht, den Wünschen des Künstlers weitgehend gerecht zu werden. Die Werke werden vor farbig gestrichenen Wänden präsentiert, die Besucher werden im ersten Raum mit blau gestrichenen Wänden empfangen, die Wände im zweiten Raum sind violett gestrichen, die graphischen Werke werden vor anthrazit gestrichenen Wänden gezeigt.

Friedensreich Hundertwasser, 167, „La Cite“ („Die Stadt“), 1953, Mixed media, 44 × 176 cm, Artothek des Bundes, Dauerleihgabe im Belvedere, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 306, „Le Bain Gazon Pour La Spirale“ („Das Grasbad für die Spirale“), 1957, Mixed media, 48 × 63 cm, Privatsammlung
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 378, „La Larme Jaune“ („Die gelbe Träne“), 1959, Mixed Media, 162 × 130 cm, Privatsammlung
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 406, „Monasteres Tibetains En Guerre Sainte“ („Verbrüderung von Berg und Religion im Tibetanischen Krieg“), 1960, Mixed Media, 73 × 92 cm, Michael de Zutter, Knokke
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 433, „Le Je Ne Sais Pas Encore“ („Das Ich weiß es noch nicht“), 1960, Mixed Media, 130 × 195 cm, Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 559, „Fenetre Extrovertie“ („Extrovertiertes Fenster“), 1963, Mixed Media, 54 × 73 cm, Sammlung Christian Baha, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 567, „Dreiäugiger grüner Buddha mit Hut“, 1963, Mixed Media, 54 × 64,5 cm, Sprengel Museum, Hannover
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 586, „Der Traum des toten Indianers“, 1964, Mixed Media, 63 × 56 cm, Osthaus Museum Hagen
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 620, „Contretemps II Berlin – Das Versprechen von Berlin“, 1965, Mixed media, 46 × 55 cm, Sammlung Christian Baha, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Ausgewählte Tapisserien und Architekturmodelle zeigen den ganzheitlich denkenden Künstler und Baumeister Friedensreich Hundertwasser. Seine Rolle als Vordenker ökologischen Bauens und die Idee einer menschenwürdigen Umwelt wird anhand einer Reihe innovativer Objekte veranschaulicht.

Friedensreich Hundertwasser, 776A, „Barbakan Castle in Poland“, 1979, Tapisserie, Unikat, gewebt von Theo Riedl, 230 × 300 cm, Galerie Brockstedt, Hamburg
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, Arch 50/1, „St. Barbara Kirche“ (Bärnbach), 1987, Architekturmodell, Modell: Alfred Schmid, 200 × 110 × 90 cm, Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, KUNST HAUS WIEN, Wien, 1989 – 1991, in der ehemaligen Thonet-Möbelfabrik, Foto: Detlefs Notizblog

Friedensreich Hundertwasser, „Ronald McDonald Haus“, Essen, 2004 – 2005, Foto: Detlefs Notizblog

Hundertwassers Tod im Jahr 2000 kam unerwartet; seine Ideen und Visionen aber sind nach wie vor lebendig, die Radikalität, mit der er Kunst und Leben in seiner ihm eigenen materiellen Bedürfnislosigkeit verband, mit der er lange vor den ökologischen Bewegungen den bewussten Umgang mit Natur und Ressourcen anmahnte, sind noch immer aktuell. Als Verfechter eines Lebens im Einklang mit der Natur galt sein Credo einer vollkommenen Harmonie von Mensch und Umwelt:

„Das Paradies ist ja da, wir machen es nur kaputt. Ich will zeigen, wie einfach es im Grunde ist, das Paradies auf Erden zu haben.“ (Friedensreich Hundertwasser)

Friedensreich Hundertwasser, 827, „Die Humustoilette“, 1975, Objekt, Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, Pflanzenkläranlage, Detail, und 808B, „Hainburg – Die freie Natur ist unsere Freiheit“, Poster, 1983
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 840, „Ciel Couvert – Les ciels d’ici et de là“ („Cloudy Sky – The Heavens of Here and There“), 1982, Mixed Media, 50 × 61 cm, Sammlung Christian Baha, Wien
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 794, „Steamer from front with ships“ („Dampfer von vorne mit Schiffen“), 1978, dreidimensionale Münzskulptur, Ø ca. 4,5 cm
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 856, „Blumenhaus“, 1983, Keramikobjekt, 23 × 18 × 18 cm
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

1978 entwarf Friedensreich Hundertwasser die „Friedensfahne für das Gelobte Land“, die den blauen Davidsstern und den islamischen grünen Halbmond auf weißem Untergrund zeigt, als Symbol der Versöhnung zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk. Der internationale Konflikt in der Region Palästina, der dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Juden und Arabern entstand, dauert bis heute an…

Friedensreich Hundertwasser, 863, „Friedensfahne für das Gelobte Land“, 1978
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 913C, „Augen der Stadt – Das Fensterrecht“, 1992, Dreidimensionales Objekt
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser, 1003, „Perfume flacon“, 1994, 5 × 5 × 14 cm
Foto: Detlefs Notizblog; © 2015 NAMIDA AG, Glarus, Schweiz

Die Ausstellung „Hundertwasser – Lebenslinien“ ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 9 €, Kinder ab einem Alter von 6 Jahren und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres zahlen 3 €. Das Kunst­quartier Hagen ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt in die Dauerausstellung und zu den laufenden Wechselausstellungen. Während der Sonderausstellung „Hundertwasser – Lebenslinien“ ist mit der RUHR.TOPCARD ein Sondereintrittsgeld in Höhe von 3 € zu zahlen.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher, 160 Seiten starker Katalog mit 135 Abbildungen und Texten von Klaus Wolbert, Ingeborg Flagge, Ralf-Rainer Braun, Peter Femfert und Friedensreich Hundertwasser erschienen, der im Museumsshop für 24,90 € erhältlich ist.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Vorschau: „Denker-Donnerstag“ – Martje Saljé: Türmerin von Münster

Ein Ruf aus ferner Zeit

Es geht um eines der ältesten Ämter Europas, das heute nur noch selten zu finden ist: der Beruf des Türmers. Das klingt irgendwie mystisch. Die DASA Arbeitswelt Ausstellung nähert sich dem geheimnisumwitterten Beruf und hat noch dazu die einzige Frau in Nordrhein-Westfalen, die diesen Job betreibt, zu sich eingeladen. Am Donnerstag, 26. Februar 2015, berichtet Türmerin Martje Saljé um 18 Uhr über ihren ungewöhnlichen Alltag.

Prinzipalmarkt mit Lambertikirche

Sie meistert täglich 300 Stufen zu ihrem Dienstsitz, der Turmstube von St. Lamberti. Abend für Abend wacht sie über die schlafende Stadt. Jede halbe Stunde zwischen 20.30 Uhr und Mitternacht tutet sie ins Horn, das Signal für alle Münsteraner, das alles in Ordnung ist. Denn seit mehr als 600 Jahren hat Münster einen Turmbläser; seit einem Jahr die erste Turmbläserin, die einzige weibliche städtische Angestellte in diesem ehrwürdigen Beruf. Martje Saljé verknüpft Tradition und Moderne und bläst im eigens angefertigten Wollmantel pünktlich ihre Signale in Wind und Wetter. Und bloggt zugleich aus 75 Metern Höhe Geschichten und Anekdoten rund um den Turm, seine Glocken und seine Geschichte (tuermerinvonmuenster.wordpress.com). Mehr als 1.100 Fans hat die junge Geschichts- und Musik­wissen­schaftlerin auf facebook, und sie ist ganz profan beim Stadtmarketing in Münster angestellt. Was sie antreibt, was sie umtreibt und was sie alles erlebt, verrät sie den DASA-Gästen an diesem Abend.

Martje Saljé, die Türmerin von Münster, an ihrem luftigen Arbeitsort, St. Lamberti. Foto: Presseamt Münster, Britta Roski

Anlass ist die aktuelle Ausstellung „Heavy Metal“, die Geschichten rund um die Glocke erzählt. Dabei stehen vor allem die Menschen rund um das Geläut im Mittelpunkt der Schau. Türmer melden von ihrem luftigen Aussichtspunkt, wann und wo Gefahr im Verzug ist. Mancherorts gehörte auch das Läuten zu ihren Aufgaben, was mittlerweile Maschinen erledigen. Heute wirbt die engagierte Turmfrau für ihr Amt, das sie auf der Basis der Tradition im Hier und Jetzt ausfüllt.

„Heavy Metal“, Kopie einer Zuckerhutglocke, 2000, Hersteller Petit & Gebr. Edelbrock Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Gescher

Der Eintritt zum so genannten „Denker-Donnerstag“ ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Wer vorher die Ausstellung „Heavy Metal“ anschauen möchte, hat dazu bis zum Vortragsbeginn um 18 Uhr Gelegenheit. Hochgefühl verspricht für die DASA Besucher außerdem der Aufstieg auf den Turm von Sankt Reinoldi in Dortmund. Die nächsten Termine hierfür: 8. und 28. Februar, 8. und 14. März, jeweils 14 Uhr.

Schon vorab verrät Martje, was sie an Türmen und ihrem Beruf so fasziniert. Ein kurzes Interview ist unter www.dasa-dortmund.de nachzulesen.

Montag, 26. Januar 2015

International Light Art Award 2015

Kölner Künstlerduo gewinnt ersten International Light Art Award

Am 22. Januar 2015 wurde im Haus der Berliner Festspiele in Anwesenheit von rund 400 Gästen erstmalig der International Light Art Award (ILAA) vergeben, der vom Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna und der RWE Stiftung initiiert wurde. „Mit dem Lichtkunstpreis sollen alle zwei Jahre vielversprechende Künstler und Künstlerinnen auszeichnet werden, deren Werke für die Weiterentwicklung der Lichtkunst wegweisend sind,“ so John Jaspers, Direktor des Zentrums für Internationale Lichtkunst Unna. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Gewinner des International Light Art Award 2015 ist das Kölner Künstlerduo Martin Hesselmeier & Andreas Muxel (DE/A), die mit ihrem Werk „the weight of light“ das diesjährige Motto des Preises „THE FUTURE OF LIGHT ART“ mit einem formgewordenen Gedankenexperiment zur Schwerkraft des Lichts beantworteten. Das Künstlerduo überzeugte die Jury mit ihrer Arbeit aus im Raum schwebenden LED Bahnen. „Licht, wie wir es gewöhnlich wahrnehmen, besitzt keine Masse und Schwerkraft. In der Arbeit „the weight of light“ wird der Versuch unternommen, künstliche Kräfte auf sich bewegende Lichtimpulse zu übertragen,“ erläutern Martin Hesselmeier & Andreas Muxel das Konzept ihres Werkes. „Ein Spiel mit der gelernten Wahrnehmung schafft bewusst Momente der Irritation in einem fiktionalen Lichtraum. Wir freuen uns über die Möglichkeit, die Arbeit an diesem unvergleichlichen Ort zeigen zu dürfen.“

Andreas Muxel und Martin Hesselmeier: „The Weight of Light“
Frank Vinken | dwb für die RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft
© Zentrum für Internationale Lichtkunst

Den zweiten Platz erhielt der chilenische Gegenwartskünstler Iván Navarro (USA), der mit der Installation „Traffic“ gesellschaftlich geprägte Symbole außerhalb ihres sinnstiftenden Kontextes präsentiert und somit deren Signalwirkung – wie die Farben einer Ampel – hinterfragt.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde das Werk „Enlightenment/Erleuchtung“ des Bildhauers Dirk Vollenbroich (DE), der die Hirnströme des Besuchers in „Erleuchtung“ umwandelt und für die Öffentlichkeit lesbar macht.

Die Werke aller Gewinner werden vom 25. Januar bis zum 28. Juni 2015 in den Brauereigewölben des Lichtkunstzentrums Unna zu sehen sein. Es ist das einzige Museum weltweit, dass auf die Präsentation von Lichtkunst spezialisiert ist. Es vereint in den zehn Meter unter der Erde gelegenen Kühl- und Lagerräumen der ehemaligen Lindenbrauerei die wichtigsten internationalen Positionen der Lichtkunst. Alle Lichtkunst­installationen wurden eigens für die Räume vor Ort geschaffen, darunter Werke von James Turrell („Floater 99“ und „Third Breath“), Christian Boltanski („Totentanz II, Théâtre d’Ombres“), Ólafur Elíasson („Der reflektierende Korridor, Entwurf zum Stoppen des freien Falls“), Rebecca Horn („Lotusschatten“), Li Hui („Amber“), Joseph Kosuth („Die Signatur des Wortes [Licht und Finsternis]“), Brigitte Kowanz („Lichtgeschwindigkeit 11,5m/sek“), Mischa Kuball („mies-mies II“, „mies-mies III“, „Onyx Doree“ und „Space-Speech-Speed“), Christina Kubisch („Schlohweiß und Rabenschwarz“), Mario Merz („Fibonacci-Reihe“), François Morellet („No End Neon [Pier and Ocean]“), Jan van Munster („Ich [im Dialog]“), Stefan Reusse („Hello, Welcome, Goodbye“) und Keith Sonnier („Tunnel of Tears“).

„Fibonacci-Reihe“ von Mario Merz am Schornstein der ehemaligen Lindenbrauerei

Samstag, 24. Januar 2015

Tag der offenen Tür bei PACT Zollverein

„Du sollst Dir kein Bild machen!“

UNESCO-Welterbe Zollverein, Schacht 1/2/8, Waschkaue

Am 24. Januar 2015 lud PACT Zollverein „herzlich“ zum Tag der offenen Tür unter dem Motto „Die ehemalige Waschkaue heute“ ein, doch Papier ist bekanntlich geduldig, und so gab man mir gleich beim Betreten des Gebäudes unmiss­ver­ständ­lich zu verstehen, dass mit Verweis auf das Hausrecht jegliche Fotoaufnahmen untersagt sind. Auch weitere Statements wie beispielsweise „Wir dokumentieren unsere Veranstaltungen selbst“ waren geradezu prädestiniert, mein Interesse an der 1906 nach Plänen des Architekten Stolz aus dem Zollverein-Baubüro errichteten Waschkaue schlagartig schwinden zu lassen und sicherlich von zukünftigen Besuchen des choreographischen Zentrums gänzlich abzusehen.

Fallen einem bei anderen Veranstaltung vielleicht Kleinigkeiten unangenehm auf, so hat man sich hier das Prädikat „Ärgernis der Woche“, womöglich „Ärgernis des Monats“ redlich verdient. Schade um die Zeit, um das Auto vom Schnee freizuschaufeln und bei teilweise winterlichen Straßen­ver­hältnissen vergebens nach Essen-Stoppenberg zu fahren.

„Ist das möglich?“

Experimentier-Ausstellung für Kinder, Jugendliche und Familien im LVR-Industriemuseum in Oberhausen

„Ist das möglich?“, Blick in die Ausstellung

Die interaktive Ausstellung „Ist das möglich?“ verbindet vom 25. Februar bis 8. November 2015 in der Elektrozentrale der Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen ein Rate- und Wissensspiel mit der Vermittlung von spannenden Fakten rund um industrielle Materialien. Denn steht in den Dauerausstellungen des LVR-Industriemuseums die Geschichte der Industrien im Vordergrund, in denen Papier, Metall und Textilien produziert und verarbeitet wurden, so dreht sich bei „Ist das möglich?“ alles um die Materialien selbst.

„Ist das möglich?“, Blick in die Ausstellung

Die Ausstellung ist speziell für junge Besucherinnen und Besucher konzipiert worden. Seit einigen Jahren fordern Industrie und Bildungspolitik, dass Schulen sich verstärkt den MINT-Fächern zuwenden. Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik und Technikwissen sollen die heutigen Schülerinnen und Schüler auf die Erfordernisse der Zukunft vorbereiten. Das LVR-Industriemuseum, schon seit vielen Jahren ein etablierter außerschulischer Lernort, hat das Thema aufgegriffen und mit „Ist das möglich?“ eine Ausstellung entwickelt, die junge Museumsbesucherinnen und -besucher für die MINT-Themen begeistern möchte. Alle Ausstellungselemente dieser Sonderausstellung beziehen sich auf mindestens ein MINT-Fach. Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Technologie und Didaktik der Technik an der Universität Duisburg-Essen entwickelte das LVR-Industriemuseum didaktische Begleitmaterialien für die Ausstellung, die zum Download auf der Website www.istdasmoeglich.lvr.de bereitstehen.

Die Langhantel sieht schwerer aus als sie ist

Jeder fragt sich das zigmal am Tag: Ist das möglich, dass mich der Fahrradhelm bei einem Unfall schützt? Ist das möglich, dass so viel in eine kleine Damenhandtasche passt? Ist das möglich, dass die dünne Strumpfhose bei Belastung nicht reißt? Man wundert sich oft über die Tauglichkeit von Dingen und Materialien, die man im Alltag benutzt. Was wäre, wenn man sich auf die Funktionsfähigkeit industrieller Produkte nicht verlassen könnte? Wenn der Kaffeefilter beim Eingießen des Wassers reißen würde, wenn die Kleidung nicht warm hielte, wenn der Radreifen der Eisenbahn bräche, wenn die Brücke zusammenstürzte? All diesen und anderen Fragen geht die Ausstellung in unterhaltsamer Weise nach.

Bestimmung der Dosenwandstärke mit einer Messschraube

Thema der Ausstellung sind industrielle Materialien und ihre meist überraschenden, manchmal aber auch ganz gewöhnlichen Eigenschaften. Sie bietet zahlreiche interaktive Elemente, die entweder als wissenschaftliches Experiment oder als Spielstation gestaltet sind. So können die Besucherinnen und Besucher von „Ist das möglich?“ eine riesengroße Hantel stemmen, die leichter ist als sie aussieht, unter einer Lupenkamera verschiedene Papiere und andere Materialien vergleichen oder auf einer Slackline balancieren und so das Material testen. Angereichert wird die Ausstellung mit Museumsexponaten wie einem zum Würfel gepressten Schrottauto, historischen Kondomen und einem Schlachterhandschuh. Sie erzählen von historischen Begebenheiten, erstaunlichen Geschichten und spannenden Rekorden.

Das gepresste Schrottauto mit einem Gewicht von 650 kg ruht auf 4 Konservendosen

In ein Gerät kann man verschiedene Papiersorten einspannen und den Druck messen, den sie aushalten, bis sie „bersten“, also platzen. Mithilfe eines Seils kann man sich einen Eindruck vom Durchmesser verschaffen, auf den sich ein Wetterballon wegen des mit zunehmender Höhe nachlassenden Luftdrucks ausdehnt, bevor er platzt und die Sonde an einem Fallschirm zum Boden zurückkehrt. Ein Wetterballon kann eine Höhe von 20 bis 30 Kilometer erreichen, bevor er platzt.

Berstdruck-Messgerät

Fallhammer-Experiment

Unter dem Fallhammer werden Bleche, Papiere und textile Gewebe getestet. Bei den Resultaten stellt sich der interessierte Besucher eher die Frage: „Wie ist das möglich?“

Im Fallhammer irreversibel verformtes Blech

Am Ende der Ausstellung erwartet die Besucherinnen und Besucher ein nachgestelltes Fernsehstudio. Hier können sie in den Teams „Textil“, „Metall“, „Holz“ und „Papier“ ein Quiz spielen. Auf einem Bildschirm werden Fragen angezeigt, mit Buzzern können die Quizkandidaten reagieren und ein Showmaster moderiert das Spiel.

Die Ausstellung „Ist das möglich?“ in der Zinkfabrik Altenberg ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 4,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt. Für Schulklassen und Kindergruppen ist die Buchung eines moderierten Rundgangs mit Quizshow bei kulturinfo rheinland erforderlich.

„Ist das möglich?“ ist als Wanderausstellung konzipiert und wird im Laufe der kommenden Jahre bis 2018 auch durch die weiteren Schauplätze des LVR-Industriemuseums touren. 2014 war sie bereits im LVR-Industrie­museum Kraftwerk Ermen & Engels in Engelskirchen zu sehen.

LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg

Dauerausstellung „Schwerindustrie“ lässt die wechselvolle Geschichte der Eisen- und Stahlindustrie an Rhein und Ruhr wieder lebendig werden

Außenansicht der historischen Zinkfabrik Altenberg des LVR-Industriemuseums

Die 1854 gegründete Zinkfabrik Altenberg war einer der ältesten metallverarbeitenden Betriebe in Oberhausen. Bis zur Schließung 1981 wurden hier überwiegend Zinkbleche her­ge­stellt. Nach dem Abriss der Anlagen sollten Wohnungen und Büros auf der ehemaligen Fabrikfläche entstehen. Doch die Stadt Oberhausen änderte ihre Planungen. In den Räumen der Fabrik entstand ein Bürgerzentrum. Auch ein Museum sollte hier einziehen. 1984 übernahm das LVR-Industrie­museum die Hauptgebäude der Fabrik. Nach der Beseitigung aller Umwelt­lasten auf dem Gelände eröffnete 1997 die Ausstellung „Schwerindustrie“.

Blick in das Foyer der Dauerausstellung „Schwerindustrie“ in der Walzhalle der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg

Die Dauerausstellung „Schwerindustrie“ befindet sich in der Walzhalle der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg, nahe dem Oberhausener Hauptbahnhof. Der Eingangsbereich des Museums empfängt die Besucherinnen und Besucher noch mit den Überresten der alten Fabrik: ein Schmelzofen, ein Gießkarussell und ein Walzgerüst. Außergewöhnliche Objektinszenierungen, historische Filmdokumente sowie Multimedia- und Mitmachstationen begleiten den weiteren Rundgang. Lebendig erzählt die Ausstellung von der Entstehung der Eisen- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet: den Vorkommen von Erz und Kohle in der Region, von Kapital und risikofreudigen Unternehmern, von der Eisenbahn als größtem Verbraucher von Eisen und Stahl, der gleichzeitig auch den Transport von Menschen und Waren erleichterte, von Tüftlern und Erfindern, deren technische Neuheiten die Produktion immer wieder revolutionierten. Die Gäste schreiten dabei durch das Innere eines Hochofens. Sie begegnen detailreichen Fabrikmodellen, zahllosen Rädern, Schienen, Ketten und anderen Produkten der Eisen- und Stahlindustrie.

Möllertrauben aus dem Hochofenwerk in Duisburg-Huckingen, Mannesmann Röhrenwerke AG, Duisburg, 1987

Die „Möllertrauben" sind eine kleine technikhistorische Sensation, denn durch ein Experiment der Mannesmann Röhrenwerke AG in Duisburg-Huckingen wurde es möglich, in das Innere eines Hochofens zu blicken. Durch Ausblasen des Hochofens und Abkühlung seines Inhalts mit Hilfe von Stickstoff bildeten sich „Trauben" aus Koks, Erz, Zuschlägen und ersten Eiseneinschlüssen, die mit Kunstharz stabilisiert wurden.

Duo-Fertigwalzen für das Schienenprofil UIC 60 der Deutschen Bahn

Leistungsschauen der nationalen Industrie: Maschinenteile und ganze Aggregate werden zu großartigen Bildern komponiert

Nach dem Ersten Weltkrieg war die Fried. Krupp AG in Essen Ende 1918 gezwungen, statt Waffen und Kriegsgerät Güter für den Friedensbedarf herzustellen. Zu den neuen Produktionsschwerpunkten der alten Gussstahlfabrik gehörte neben der Fertigung von Lokomotiven, Landmaschinen, Registrierkassen u. a. auch der Bau von zivilen Lastkraftwagen. 1924 brachte die Kruppsche Kraftwagenfabrik (KraWa) ihren ersten 1,5-Tonner-Lastwagen auf den Markt. Ab 1931 wurden auf der Basis früherer Baumuster ein 2-Tonnen-Fahrgestell und – unter Verstärkung des Rahmens – ein 2,5-Tonnen-Fahrgestell entwickelt, auf das die neu entwickelten Boxermotoren mit Luftkühlung aufgesetzt wurden.

Schnell-Lastkraftwagen LD 2,5 H, Fried. Krupp AG, 1936

Dampfkessel

Dampfkessel, Detail

Die Eisen- und Stahlindustrie bot eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsplätze. Drei Bereiche stellt das Museum seinen Besucherinnen und Besuchern vor: die Gießerei, die mechanische Werkstatt und die Schmiede. Belastungen und Gefahren lauerten an jedem Arbeitsplatz. Gussputzer konnten durch umherfliegende Metallsplitter ihr Augenlicht verlieren, wie das ausgestellte Glasauge verdeutlicht. Der riesige Dampfhammer zeigt, wie viel Kraft nötig war, um Stahl zu schmieden. Aber auch Geschick und ein eingespieltes Team waren nötig, um exakte Arbeit abzuliefern, wie die Aufnahmen von einem realen Arbeitsplatz beweisen.

Kranbügel-Gießpfanne mit Eisen- und Schlackenresten und seitlicher Kippvorrichtung, Probelöffel (Gießkelle)

Zwei-Ständer Dampf-Schmiedehammer der Bauart Nasmyth mit 6 Tonnen Schlaggewicht, um 1900, J. Banning, Hamm, Gewicht 53,4 Tonnen

Die Ausstellung verdeutlicht auch die wechselvollen Beziehungen zwischen Schwerindustrie und Politik. In den Zeiten von Krieg und Aufrüstung profitierte die Wirtschaft im Ruhrgebiet von der Herstellung von Kanonen, Panzerblechen und anderem Kriegsgerät. Selbst „Friedensprodukte“ wie die ausgestellte, bei Krupp gebaute Dampflokomotive der Baureihe 50 aus dem Jahr 1942 konnten kriegswichtig werden: Sie brachte Kriegsmaterial zur Front, zog Deportationszüge zu Vernichtungslagern, half aber auch nach dem Krieg beim Wiederaufbau. Erläutert werden die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Millionen Zwangsarbeiter, ohne die während des Zweiten Weltkriegs die Produktion der deutschen Industrie nicht hätte aufrecht erhalten werden können.

Granaten aus dem Ersten Weltkrieg, 24 nachgegossene und abgedrehte Feldgranatenrohlinge, 1997

Nach 1900 boten die Rüstungsfirmen Krupp in Essen und Rheinmetall in Düsseldorf Feldhaubitzen mit einer neuartigen hydromechanischen Brems- und Vorholvorrichtung für das Abschussrohr an, die verhinderte, dass sich das Geschütz bei jedem Abschuss in Folge des Rückschlags aufbäumte und anschließend wieder neu ausgerichtet werden musste.

Feldhaubitze mit langem Rohrrücklauf, Kaliber 12 cm, Exportmodell für die Schweiz, Fried. Krupp AG, Essen, 1913

16 Seiten Zweirollen-Rotationsdruckmaschine, M.A.N. Augsburg, 1925, Gewicht 15 Tonnen

Vierwalzen-Kalander, Fried. Krupp Grusonwerk AG, 1937, und 3,7 cm-Panzerabwehrkanone (PAK), Rheinmetall-Borsig AG, 1936

Nach dem Ersten Weltkrieg entwarf die Reichsbahn „Einheitslokomotiven" nach dem Baukastenprinzip mit möglichst vielen genormten und standardisierten Teilen. Die Einheits-Güterzuglokomotiven der Baureihe 50 zählen zu den gelungensten Konstruktionen der Deutschen Reichsbahn. Das Zweizylindertriebwerk leistete 1.625 PS und erlaubte eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h in beiden Richtungen. Der Tender (in der Ausstellung nicht zu sehen) war hierfür an der Vorderseite mit einer Schutzwand mit Fenstern versehen.

Einheitslokomotive Baureihe 50, Fabriknummer 2429, ohne Tender, Hersteller Lokomotivfabrik Krupp, Essen, Ablieferung 14. Januar 1942

Um lange Rohre mit unterschiedlichem Durchmesser und möglichst glatten Innen- und Außenflächen herstellen zu können, entwickelten die Brüder Reinhard und Max Mannesmann Anfang der 1880er-Jahre das Pilgerschrittverfahren. Die auf einem Schrägwalzwerk hergestellten Hohlkörper wurden über einen langen Dorn schrittweise durch besonders geformte Rundwalzen ausgewalzt. Der Name „Pilgerschritt" wurde gewählt, weil der Walzvorgang an die „Echternacher Springprozession“ – zwei Schritte vor, einen Schritt zurück – erinnert. Schrägwalzen und Pilgerwalzen bilden gemeinsam das „Mannesmann-Verfahren“, nach dem bis heute nahtlose Stahlrohre hergestellt werden.

Pilgerwalzwerk, Max und Reinhard Mannesmann, Remscheid, 1893, zum Auswalzen nahtloser Rohre

Tore des letzten Siemens-Martin-Ofens der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann GmbH, Duisburg, Schrottmulde am Chargierarm, 1993

Bei Luftangriffen beobachteten in Kleinbunkern ein oder mehrere Posten durch die Sehschlitze die Lage vor Ort und meldeten Brände oder andere wichtige Informationen an Einsatzstellen z. B. der Feuerwehr. Damit der Kleinbunker für den Beobachter sicher war, wurde er auf einer Betonplatte verankert, um nicht durch den Luftdruck von Bomben umgeworfen zu werden. Dem Volltreffer einer Bombe hätte ein solcher Kleinbunker allerdings nicht standgehalten.

Kleiner Bunker für Arbeitsplätze auf ausgedehnten Werksgeländen, 1939 – 1945

Der Skulptur Schwertträger („Die Wehrmacht“) von Arno Breker im Hof der Neuen Reichskanzlei (1939) nachempfundene Figur. Bei Arno Breker, einem der bedeutendsten Bildhauer der NS-Zeit, stand das Schwert für Krieg und Vernichtung.

Nagelmaschine zur Herstellung von Kisten, Fabrikat Böhm und Kruse, 1930er-Jahre

Vor der Einführung von CAD (computer-aided design) in den 1990er-Jahren wurden technische Zeichnungen und Bauzeichnungen noch von Hand am Zeichenbrett erstellt, bei dem die richtige Winkligkeit der Linien zueinander über eine Mechanik zur Führung des Zeichenkopfes sichergestellt wird.

Zeichenmaschine mit Scheren-Parallelogrammführungen aus der Konstruktionsabteilung der Gutehoffnungshütte, Fabrikat Kuhlmann

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ der Wiederaufbau der wirtschaftlichen Strukturen das Ruhrgebiet im Wirtschafts­wunder wieder aufblühen. Doch ab den 1960er-Jahren folgte eine langjährige Krise. Die Bemühungen zum Strukturwandel im Ruhrgebiet stehen am Ende der Ausstellung: Ein Opel Kadett versinnbildlicht die Ansiedlung neuer Industrien in der Region. Sogenannte „tailored blanks“, maßgeschneiderte Bleche, stehen für die neuen Produkte der Stahlindustrie. Modelle zeigen Verfahrensinnovationen, mit denen die Eisen- und Stahlindustrie wettbewerbsfähig bleiben will und ein moderner Leitstand verdeutlicht die mit der zunehmenden Automatisierung der Produktion einhergehende Veränderung der Arbeitsplätze. Heute konzentriert sich die Eisen- und Stahlindustrie des Reviers am Rhein in Duisburg – mit Produktionskapazitäten, die denen der früheren Jahre in Nichts nachstehen.

Opel Kadett A, Baujahr 1963

Presswerkzeug für einen Heckdeckel des Opel Kadett Coupé, Modell 1977

Die Dauerausstellung „Schwerindustrie“ in der Zinkfabrik Altenberg ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 4,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt. Das LVR-Industrie­museum Zinkfabrik Altenberg ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt in die Dauerausstellung.