Donnerstag, 27. November 2014

Süßer die Glocken nie klingen

DASA Arbeitswelt Ausstellung läutet mit „Heavy Metal“ die Weihnachtszeit ein

„Heavy Metal. Eine Ausstellung über das Glockenhandwerk“, Kirchenglocke, 1949, Gewicht 1,5 Tonnen, Hersteller Glockengießerei Albert Juncker Brilon

Ganz traditionell läutet die DASA Arbeitswelt Ausstellung in diesem Jahr die Weihnachtszeit ein. Am Ersten Advent, 30. November 2014, eröffnet in Dortmund die Ausstellung „Heavy Metal“, bei der es nicht nur um schweres Metall, sondern auch um Handwerk und Beruf rund um die Glocke geht. Wie diese Gewerke Tradition und moderne Arbeitswelt verbinden, und wie die Zukunft des Geläuts aussieht, zeigt die DASA bis zum 15. März 2015 anhand von Originalen, Fotos, Filmen und Mitmachstationen für die ganze Familie.

So entstehen Glocken im Lehmformverfahren, Modell

Glocken faszinieren seit Jahrtausenden die Menschen rund um den Globus. Jede Glocke ist einzigartig in Form, Klang und Funktion. Sie warnt, mahnt, weckt Gefühle und bringt nicht nur die Seele zum Klingen. Die Ausstellung in der DASA zeigt, wie Glocken entstehen: vom Entwurf auf dem Holzbrett, über das traditionelle Lehmformverfahren und den traditionsreichen Guss bis zu den unterschiedlichsten Arten ihrer Nutzung. Die Ausstellung lädt dazu ein, den Glocken und ihren Geschichten zuzuhören und sie selbst zum Läuten zu bringen. Das Publikum erfährt, wie aufregend das Gießen einer Glocke ist und wie es zeremoniell begleitet wird.

Läutemaschine

Als Arbeitswelt Ausstellung stellt die DASA zudem Berufe rund um die Glocke in den Mittelpunkt: Während sich die eigentliche Herstellung kaum gewandelt hat, leisten die Gießereien in der Gegenwart jedoch eine Menge mehr. Die Instandhaltung von Glocken und Glockenstühlen spielt eine große Rolle. Die nur noch sechs bundesweit produzierenden Betriebe mit ihren Spezialisten haben daher alle Hände voll zu tun. Das Glockengießen ist eine sinnliche Arbeit zwischen Feuer und Metall, Berechnungen, Rezepturen und der Kunst, den richtigen Ton zu treffen.

Kirchenglocke im Glockenstuhl

Türmer und Glöckner sind so manchem nur noch aus Filmen, Büchern und Gedichten bekannt. Sie waren aber früher ein fester Bestandteil jeder Gemeinde. Die DASA verfolgt die Spuren der Traditionsberufe im Wandel. Mit Martje Saljé begrüßt die DASA im Programm zur Ausstellung am 26. Februar 2015 um 18 Uhr eine von drei Türmerinnen aus Deutschland, die noch jeden Tag in Münster vom Turm der Lambertikirche ins Horn tutet.

Jakobus-Glocke, 1959, Hersteller Petit & Gebr. Edelbrock Gescher (Hans Hüesker)

Zudem gibt es Führungen, sowohl durch die Ausstellung, als auch auf den Turm von Dortmunds Wahrzeichen, der Reinoldikirche. Wer den Aufstieg nicht scheut, kann eines der größten Gussstahlgeläute aus der Nähe betrachten und anschließend den Ausblick eines mittelalterlichen Stadtwächters nachvollziehen.

Jakobus-Glocke, 1959. Die Glocke ist in der Form der weit verbreiteten „Gotischen Rippe“ gegossen und mit einem Gießerzeichen versehen, welches das individuelle Emblem eines jeden Gießers ist.

In der DASA laden einige Mitmach-Stationen die ganze Familie dazu ein, sich ganz entspannt den Glocken zu nähern. Ob Glöckchen häkeln zur Weihnachtszeit oder selber Schiller spielen und sich von der berühmten „Glocke“ inspirieren lassen: Die DASA macht „glöcklich“.

Kopie einer Zuckerhutglocke, 2000, Hersteller Petit & Gebr. Edelbrock Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Gescher

„Heavy Metal. Eine Ausstellung über das Glockenhandwerk“ steht vom 30. November 2014 bis zum 15. März 2015 in der DASA Galerie. Kooperationspartner sind das Westfälische Glockenmuseum, das Deutsche Glockenmuseum, die Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher sowie St. Reinoldi, Dortmund. Der Eintritt ist im DASA-Eintritt inbegriffen (Standard: 5 EUR). Sie ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Übrigens, die DASA Arbeitswelt Ausstellung ist Partner der RUHR.TOPCARD im Bereich „Eintritt frei“.


Turmführungen an St. Reinoldi

Begleitend zur Wechselausstellung „Heavy Metal. Eine Ausstellung über das Glockenhandwerk“ der DASA bietet die evangelische Stadtkirche St. Reinoldi Turmführungen an.

Evangelische Stadtkirche St. Reinoldi

Täglich zieht es tausende Menschen in die Dortmunder Innenstadt. Geleitet von Ladenöffnungs- und Arbeitszeiten durchzieht die Fußgängerzone ein geschäftiges Treiben von Flaneuren und Eiligen. Inmitten dieses Trubels von farbenfrohen Schaufenstern und musikbeschallten Einkaufsläden steht seit über 750 Jahren St. Reinoldi. Mit ihren kostbaren Kunstschätzen zeugt sie vom einstigen Reichtum der freien Reichs- und Hansestadt Dortmund. Bereits im Mittelalter war der Turm der Reinoldikirche prägendes Element der Dortmunder Skyline und bis weit vor die Tore der Stadt sichtbar. Wo einst der Türmer über die Stadt wachte, ist heute ein beliebter Aussichtspunkt. Seit Jahrhunderten sind die Glocken im Turm der Reinoldikirche fester Taktgeber der Innenstadt. Sie unterteilen den Tag in einen Viertelstundenrhythmus und läuten zum Morgen, Mittag und Abend. Ohne Verkehrslärm, Musik oder Handys waren die Glocken bis weit vor die Tore der Stadt hörbar. Heute muss man schon bewusst hinhören.

Bronzenes Taufbecken, 1469, gefertigt vom Dortmunder Glockengießer Johann Winnenbrock

Der heutige Turm mit einer Höhe von über 104 Metern geht auf einen Turmeinsturz im 17. Jahrhundert zurück. Der ursprünglich 113 Meter hohe gotische Turm der Reinoldikirche galt aufgrund seiner beeindruckenden Höhe als „Wunder von Westfalen“. Nach einem Erdbeben 1661 eingestürzt, errichtete man einen wesentlich niedrigeren barocken Turm. Nach den verheerenden Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm bis 1955 mit einem neuen Turmhelm versehen und um 25 Meter erhöht. Der Turm trägt das größte und zugleich schwerste Stahlgeläut Westfalens. Vom Bochumer Verein 1954 gefertigt, haben die sechs Glocken samt Glockenstuhl ein Gewicht von über 35 Tonnen. Die größte ist die Dreifaltigkeitsglocke mit einem Gewicht von 6,5 Tonnen. Wechselhaft ist die Geschichte der Glocken von St. Reinoldi. Die mittelalterlichen Bronzeglocken, aus dem 15. Jahrhundert stammend, wurden 1898 zu einem neuen Geläut umgegossen und schließlich zur Waffenproduktion im Ersten Weltkrieg abgegeben. Ein im Jahr 1917 gefertigtes Stahlgeläut ist Verlust des Zweiten Weltkrieges. Allein die zerstörte „Kaiserglocke“ steht heute als Mahnmal vor der Kirche. Das 1469 vom Dortmunder Glockengießer Johann Winnenbrock gefertigte bronzene Taufbecken ist einziges Zeugnis der Mittelalterlichen Glockengießerkunst an St. Reinoldi.

Stahlgeläut: Dreifaltigkeitsglocke, 1954, Gewicht 6,5 Tonnen, Hersteller Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation

Die Turmführungen durch Kirchenhistoriker Uwe Schrader finden am 30. November, 14. und 20. Dezember 2014, 11. und 24. Januar, 8. und 28. Februar , 8. und 14. März 2015 jeweils um 14 Uhr statt und dauern etwa 90 Minuten. Der Treffpunkt ist in der Kirche. Die Teilnahme an den Turmführungen ist kostenfrei. Um eine Spende zur Unterstützung der Aktion „rettetreinoldi“ wird gebeten. Diese hilft dringend notwendige Sanierungsarbeiten an unserer Stadtkirche zu realisieren. Der Turmaufstieg ohne Führung ist in der Adventszeit zu „Turm und Tee“ sowie in der Regel samstags zwischen 12 und 15 Uhr möglich. Weitere Informationen unter www.sanktreinoldi.de.

Stahlgeläut: Reinoldusglocke, Apostelglocke und Lutherglocke, 1954, Hersteller Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation

Stahlgeläut, 1954, Hersteller Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation

Keine Kommentare: