Sonntag, 9. November 2014

Abschlag am Halbachhammer

Das Technikdenkmal zum letzten Mal in diesem Jahr in Aktion

Triebwagen 500 – „Der Karlsruher“ an der Haltestelle „Margarethenhöhe“

Die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft EVAG e. V. hat zum Abschlag am Halbachhammer wieder ihren historischen Triebwagen 500 – „Der Karlsruher“ auf der Strecke der Linie U17 zwischen den Haltestellen „Gemarkenplatz“ und „Margarethenhöhe“ eingesetzt. Der Wagen wurde 1930 gebaut und war in Karlsruhe als Wagen 102 im Linieneinsatz. Nach Übernahme des Fahrzeugs im Jahr 1985 wird es nach seiner Aufarbeitung seit 1990 im Essen-Mülheimer Normalspurnetz als historischer Triebwagen eingesetzt.

Triebwagen 500 – „Der Karlsruher“ an der Haltestelle „Margarethenhöhe“

Als kleine Besonderheit ist in diesem Jahr anzumerken, dass die Stadt Essen auf ihrer Homepage darauf hinweist, dass das Betreten der städtischen Wälder als Folge des Sturmtiefs „Ela“ weiterhin untersagt sei. Einzige Ausnahme auf Essener Stadtgebiet sei die Schurenbach-Halde in Altenessen. Der Halbachhammer liegt im westlichen Teil des Waldparks, den Margarethe Krupp im Zusammenhang mit dem Bau der Margarethenhöhe als dauerhafte Einrichtung anlegen ließ und der Stadt Essen als „Promenadenschenkung“ zu Naherholungszwecken stiftete, folglich handelt es sich um einen städtischen Wald. Noch Fragen?

Der Halbachhammer im Nachtigallental

Der am Kesselbach im Essener Stadtteil Fulerum in Sichtweite zur Gartenstadt Margarethenhöhe gelegene Halbachhammer (51°25’43,05” N, 6°58’12,17” E) wurde erstmals 1417 als „Fickynhütte“ urkundlich erwähnt. Er befand sich ursprünglich in Weidenau an der Sieg. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach hat das Hammergebäude 1914 erworben und 1935/36 im Nachtigallental betriebsfertig wiederaufbauen lassen. Am 9. November 1936 wurde der Hammer der Stadt Essen feierlich übergeben und dem damaligen Ruhrlandmuseum als Frei­licht­anlage angegliedert. Bis zum Ausbruch des Krieges fanden an jedem ersten Sonntag im Monat Schmiede­vor­führungen statt.

Aufwerfhammer

Im Halbachhammer wird die auf Wasserkraft und Holzkohle basierende vorindustrielle Schmiedeeisenerzeugung demonstriert. Durch Kombination eines Hütten- und Schmiedeprozesses wurde das spröde Roheisen durch den Entzug überflüssiger Kohlenstoff- und sonstiger Fremdstoffanteile in Schmiedeeisen umgewandelt. Dabei wurde das Roheisen zunächst in der Schmiedeesse einem erneuten Schmelzprozess unterworfen, unter dem Aufwerfhammer gleichmäßig verdichtet, von Schlackenresten befreit und anschließend in die handelsübliche Form des Stabeisens umgeschmiedet. Stabeisen waren Zwischenprodukte, aus denen gebrauchsfähige Produkte hergestellt wurden.

Aufwerfhammer und Esse

Es ist nicht bekannt, ob die heute vorhandene Esse beim Wiederaufbau in den Jahren 1935/36 als funktionsfähiges „Frischfeuer“ oder lediglich als einfaches Seitenwindfeuer ausgebildet war, das nur zum Aufwärmen der Werkstücke für Schmiedevorführungen unter dem Aufwerfhammer diente. Unter „Frischfeuerarbeit“ versteht man eine Schmelz- und Schmiedeart, wodurch das Roheisen durch Umschmelzen und Arbeit im Frischherd geschmeidig gemacht und durch weiteres Strecken in Stabeisen verwandelt wird. In der Winterpause 2012/2013 wurde die gesamte Luftanlage derart restauriert, dass ein „Frischfeuerprozess“ wieder möglich wird. Dabei wurde im Abgleich mit historischen Fotografien aus den 1930er Jahren die historische Arbeitssituation ermittelt und der konstruktive Aufbau der Blasebälge nach historischen Vorgaben optimiert. Die vorhandene Blasebalganlage war zuvor nicht einmal in der Lage, die notwendige Luftmenge zum Aufwärmen eines Werkstücks zu liefern. Der genietete Luftsammelbehälter und die unterirdischen Rohrleitungen wurden revidiert und ein Kugelventil zur kontrollierten Luftbeschickung des „Frischfeuers“ eingebaut.

Blasebalganlage

Esse

Dadurch wird für Besucher des Halbachhammers die ursprüngliche Dimension einer „Hammerhütte“, in der durch einen aufeinander bezogenen Schmelz- und Schmiedeprozess sprödes Roheisen in Schmiedeeisen umgewandelt wird, wieder anschaulich sichtbar und nachvollziehbar. Zum diesjährigen Abschlag wollte das Schmiedeteam des Ruhr Museums das seit etwa 160 Jahren nahezu in Vergessenheit geratene Verfahren der „Frischfeuerarbeit“ unter Einsatz der historischen Anlage vorführen. Das Eisenerz wird mit Holzkohle erhitzt, durch die Gebläsetechnik werden höhere Temperaturen erreicht als in offenen Rennfeuern. Dabei entsteht durch Reduktion des Eisenerzes ein schwammartig-poriges Produkt, das auch als Eisenschwamm oder Eisenluppe bezeichnet wird.

betretene Gesichter beim Schmiedeteam nach dem „Frischfeuerprozess“

Triebwagen 500 – „Der Karlsruher“ an der Haltestelle „Margarethenhöhe“

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