Donnerstag, 2. Oktober 2014

Schachtanlage Prosper II

Besichtigung des Tagesbetriebes

Wie wahr, wie wahr…

Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst

Die Schachtanlage Prosper II gehört seit 1974 zum Verbundbergwerk Prosper-Haniel. Es handelt sich um ein aktives Steinkohlen-Bergwerk in Bottrop, der Tagesbetrieb auf Prosper II kann jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat besichtigt werden. Wer kein Museum besuchen möchte, sondern ein modernes, leistungsfähiges Bergwerk, der ist hier genau richtig. Rund 4.200 Mitarbeiter fördern im Verbundbergwerk Prosper-Haniel im Jahr 3,0 Millionen Tonnen Kohle (Stand: 05.2013), die hauptsächlich zur Stromerzeugung eingesetzt wird.

Teufkübel

Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst

Nachdem am 3. November 1986 der so genannte „Förderberg“ in Betrieb genommen wurde, wurde die Schachtanlage Prosper II 1987 abgeworfen und verfüllt, die Förderanlage Schacht 2 blieb aber komplett als Industriedenkmal erhalten. Mehr als 130 Malakofftürme gab es früher im Ruhrgebiet, aber nur 12 bis 14 davon sind erhalten, je nachdem, ob man die Schachtgebäude der Zeche Carolinenglück in Bochum sowie der Zeche Alte Haase in Sprockhövel mitzählt. Wobei der Malakoffturm in Bottrop eine Rarität darstellt, da auch das eingezogene Fördergerüst erhalten ist. Der Turm wurde unter Federführung der Historischen Gesellschaft Bottrop e. V. saniert und ist seit April 2004 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Malakoffturm, Innenansicht mit eingezogenem Stahlgerüst

Malakoffturm, Innenansicht mit eingezogenem Stahlgerüst

Malakoffturm, Innenansicht mit eingezogenem Stahlgerüst

Malakoffturm, Innenansicht

Seit kurzem besteht auch die Möglichkeit, eine Aussichtsplattform in 40 Metern Höhe auf der Bühne der unteren Seilscheibe über stählerne und steinerne Treppen zu besteigen. Von dort hat man einen guten Überblick über die Tagesanlagen des Bergwerks Prosper-Haniel hinüber zur Kokerei Prosper mit dem MAN-Scheibengasbehälter, in dem das gereinigte Kokereigas zwischengespeichert wird. Die Planung und Durchführung der Baumaßnahme erfolgte durch das Bochumer Architekten- und Planungsbüro Ritter in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum.

Koepe-Strebengerüst

Aufgang zur Bühne der unteren Seilscheibe

Koepe-Strebengerüst, Bühne der unteren Seilscheibe

Koepe-Strebengerüst, Bühne der unteren Seilscheibe

Kokerei Prosper

Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst, Nordansicht

Da das Seilscheibengerüst innerhalb des Malakoffturms bei seiner Fertigstellung 1875 einzig im Mauerwerk gelagert war, das Fördergerüst wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts eingezogen und später durch ein Koepe-Strebengerüst ersetzt, geriet der Turm in Schieflage. Diese ist auch nach der Sanierung, bei der die Stabilität des Turms mit insgesamt 30 Stahlankern und Vernadelungen gesichert wurde, in der Nordansicht gut zu erkennen.

Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst, Südansicht

Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat führen Mitglieder der Ehrengarde der Gesellschaft Prosper-Haniel – ehemalige Mitarbeiter des Bergwerks Prosper-Haniel – Besucher über den Tagesbetrieb Prosper II. Neben technischen Erklärungen über den Kohleabbau erhalten die Besucher Informationen zum aktiven Steinkohlen-Bergwerk in Bottrop aus erster Hand.

Besichtigung des Tagesbetriebes

Maschinenhalle

In der Maschinenhalle tritt der „Förderberg“ zu Tage. Dabei handelt es sich um eine geneigte Strecke, auf der die Rohkohle um 783 Meter in die Höhe befördert wird. Der neu angelegte schräge Schacht verbindet auf direktem Weg die 5. Sohle unter Prosper IV mit den Aufbereitungsanlagen von Prosper II. Die Röhre mit 21 % Steigung ist mit einer Bandanlage ausgestattet, in der ein Fördergurt mit 1.400 mm Breite und 35 mm Dicke bei einer Bandgeschwindigkeit von 6,0 m/s stündlich etwa 2.000 Tonnen Rohkohle zu Tage befördert.

Förderberg

Um die erforderliche Zugfestigkeit zu erreichen, besitzt der 7.500 Meter lange Gurt eine Einlage aus 72 Stahlseilen mit je 12,5 mm Durchmesser. Es handelt sich um einen PHOENOCORD® St 7500 Fördergurt mit einer Bruchkraft von 8.200 N/mm, der drei Boeing 747 halten könnte, ohne zu reißen. Der Bandrücklauf kann zum Rücktransport des bei der Kohlenaufbereitung anfallenden tauben Gesteins genutzt werden und fördert stündlich 1.000 Tonnen Berge nach unter Tage. Um den ca. 800 Tonnen schweren Gurt anzutreiben, sind in der Maschinenhalle zwei Drehstromsynchronmotoren mit je 3.100 kW Leistung als Eintrommel-Kopfantrieb installiert. Der „Förderberg“ läuft seit seiner Inbetriebnahme beinahe störungsfrei, die Antriebstrommel und der Fördergurt wurden nach 14 Jahren Betrieb planmäßig ausgewechselt.

Förderberg

Speziell umgerüstete Fahrzeuge, mit denen der Förderberg befahren werden kann

Rundlager

Rundlager

Im Rundlager ist eine so genannte Rohkohlen-Stapel- und Vergleichmäßigungsanlage (kurz RSV-Anlage) untergebracht, die die Rohkohle – leicht verständlich ausgedrückt – gut durchmischt und damit Qualitätsschwankungen bis zu einem bestimmten Grad ausgleichen kann. Das Rundlager hat eine Kapazität von 30.000 Tonnen und entkoppelt gleichzeitig die Aufbereitung vom Grubenbetrieb. Die RSV-Anlage läuft komplett mannlos und wird aus der Schaltwarte der Aufbereitung betrieben, sie wird von einer Vielzahl von Sensoren überwacht und von einer Speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) geregelt.

Rundlager

Tagesanlagen Prosper II

Kokerei Prosper

Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst

Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst

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