Freitag, 10. Oktober 2014

25 Jahre Mauerfall

Mauerfall am 9. November 1989

Als Ostberliner im Herbst 1989 die Öffnung der Mauer erzwangen, stand die Welt am Beginn einer Zeitenwende. Doch das wussten die Menschen, die am Abend des 9. November 1989 zu den innerstädtischen Grenzübergängen strömten, noch nicht. Am Grenzübergang Bornholmer Straße gaben die überforderten Grenzposten als erstes dem Druck der Menge nach und öffneten den Schlagbaum. Kein einziger Schuss fiel. Kurz nach Mitternacht waren alle Übergänge passierbar. Die Mauer war gefallen.

Brandenburger Tor

Dies war der Höhepunkt einer beispiellosen Selbstbefreiung, die weltweit Beachtung fand. Die Unzufriedenheit der DDR-Bevölkerung mit der kommunistischen Herrschaft der SED führte dazu, dass Hunderttausende das Land verlassen wollten, Zehntausende waren bereits im Sommer 1989 geflüchtet. Sie sahen in der DDR keine Perspektiven mehr. Immer mehr Ostdeutsche forderten auf Straßen und Plätzen Freiheit und demokratische Rechte. Mutig stellten sie sich den Machthabern entgegen – selbst als die SED-Führung vielerorts brutal auf die Demonstranten einknüppeln ließ. Aus Wenigen, die im September 1989 nach den Montagsgebeten vor der Leipziger Nikolaikirche zusammenkamen, wurden täglich mehr. Als sich am 9. Oktober 70.000 Menschen in der Leipziger Innenstadt zum friedlichen Protest versammelten, zogen sich die Einsatzkräfte zurück. In zahlreichen Städten fanden weitere Demonstrationen statt. Sie gipfelten am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz in der größten systemkritischen Demonstration der DDR-Geschichte.

Die SED-Spitze versuchte ihre Herrschaft wieder zu stabilisieren und verkündete auf einer internationalen Pressekonferenz am 9. November Reiseerleichterungen: Jeder Ostdeutsche solle einen Antrag auf Pass und Reisegenehmigung stellen können. Das Westfernsehen meldete jedoch „DDR öffnet Grenze“. Daraufhin versammelten sich spontan unzählige Ostberliner an den Grenzübergängen und drängten das überraschte Grenzpersonal zur sofortigen Öffnung der Mauer.

Checkpoint Charlie

Nach dem Mauerfall war der Machtkampf keineswegs entschieden. Die SED behauptete ihren Führungsanspruch und die Demonstrationen rissen nicht ab. Es kam zu Streiks und Gefängnisrevolten, Stasi-Gebäude wurden besetzt. Die Bevölkerung forderte demokratische Mitbestimmung. Zugleich schwand die Hoffnung auf eine Reformierbarkeit des Systems. Die erste freie und demokratische DDR-Volkskammerwahl im März 1990 besiegelte schließlich das Ende der kommunistischen Diktatur. Die Wahl stellte die Weichen für eine Demokratisierung der ostdeutschen Gesellschaft und machte den Weg für die deutsche Einheit frei.


Lichtgrenze mit Mauergeschichten vom 7. bis 9. November 2014

Die Mauer verschwand schneller aus dem Berliner Stadtbild, als es den Menschen in Ost und West gelang, die jahrzehntelange Teilung zu überwinden. Heute weiß fast die Hälfte der Berlinerinnen und Berliner nicht genau, wo das monströse Bauwerk stand.

East Side Gallery: „The World Jumper“ von Gabriel Heimler

Am Abend des 7. November werden in Berlin 8.000 Ballons aufleuchten. Als LICHTGRENZE angeordnet, zeichnen sie den ehemaligen Mauerverlauf auf einer Länge von 15 Kilometern nach.

Die Lichtgrenze verläuft von der Bornholmer über die Bernauer Straße hin zum Reichstag und Brandenburger Tor, vorbei am Potsdamer Platz und Checkpoint Charlie, durch Kreuzberg bis zur East Side Gallery und Oberbaumbrücke.

Die Lichtinstallation weckt Assoziationen zu den vielen Kerzen, mit denen Demonstranten in der DDR ihre friedlichen Absichten betonten – sie waren das Symbol von 1989.

Entlang der Lichtgrenze sind alle 150 Meter kurze Mauergeschichten zu lesen: tragische, glückliche und kuriose Momente und Schicksale aus der geteilten Stadt. An ausgewählten Orten (Mauerpark, Gedenkstätte Bernauer Straße, Potsdamer Platz, East Side Gallery u. a.) wird es Aussichtstürme, Infostände und Führungen geben.

East Side Gallery: „Bruderkuss“ von Dmitri Vrubel

Auf großformatigen Screens werden unter dem Titel „Mauerstücke“ einzigartige Filmcollagen aus historischem, vielfach noch wenig bekanntem Filmmaterial aus der Zeit vom Mauerbau bis zum Mauerfall zu sehen sein.

Ein Wochenende lang wird sinnlich erfahrbar, welch schmerzhaften Einschnitt – im Wortsinn – der Mauerbau und die 28-jährige Teilung der Stadt darstellte. Erinnerungen an das Leben in der SED-Diktatur hinter einem Monstrum aus Beton und Stacheldraht, an Schießbefehle und schikanöse Grenzkontrollen werden ebenso wachgerufen wie an geglückte Fluchten und die unbändige Freude über den Mauerfall.

Berlin ist heute eine liberale und weltoffene Metropole, Sehnsuchtsort, Place to be für Künstler und Kreative aus aller Welt. Ohne den Mut und die Phantasie, mit der sich die Menschen des DDR-Regimes entledigten, wäre diese fantastische Entwicklung nicht möglich gewesen.

East Side Gallery: „Test the Rest“ von Birgit Kinder

Die Jubiläumsfeier widmet sich auch den internationalen Dimensionen der Friedlichen Revolution. Der Mauerfall läutete das Ende des Kalten Krieges ein. Dem Wunsch nach schneller Wiedervereinigung stand die Weltgemeinschaft zunächst skeptisch gegenüber. Doch die Hoffnung auf eine neue gesamteuropäische Friedensordnung, auf ein gemeinsames europäisches Haus und eine friedlichere Welt waren stärker. Was wurde aus diesen Erwartungen? Frieden und Freiheit sind weiterhin bedroht. Tot geglaubte Gespenster des Kalten Krieges kehren zurück. Die aktuellsten politischen Entwicklungen sollen begleitend zur Jubiläumsfeier ein Podium finden.


Ballonaktion am 9. November 2014

Am Abend des 9. November lösen die aufsteigenden Ballons die Lichtgrenze auf. Nach einem Festakt im Konzerthaus fliegen inmitten des Bürgerfests am Brandenburger Tor tausende Ballons in den Berliner Nachthimmel. Ihr Aufstieg symbolisiert den Fall der Mauer. Mit jedem Ballon sind die Hoffnungen und Wünsche ihrer jeweiligen Paten verbunden. Die Botschaften gehen in die wirkliche und in die virtuelle Welt. Sie erinnern an alte und neue politische, soziale, mentale oder ideologische Mauern und Gräben an vielen Orten dieser Welt. Die Freude über den Berliner Mauerfall vor 25 Jahren soll sich mit der Hoffnung auf die friedliche Überwindung dieser noch bestehenden Mauern verbinden.

Die Veranstaltungen zum Jubiläum „25 Jahre Mauerfall“ erinnern an ein historisches Ereignis in Berlin, das den Lauf der Weltgeschichte radikal verändert hat. Berlin gedenkt der Opfer und stellt sich solidarisch an die Seite all jener, die in diesen Tagen ihre Stimme für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte erheben.

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