Sonntag, 14. September 2014

Tag des offenen Denkmals 2014

Bundesweites Programm unter dem Motto „Farbe“

Seit 1993 öffnen in Deutschland am zweiten Sonntag im September zum Tag des offenen Denkmals mehrere tausend historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, ihre Türen. Unter dem Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ haben 2013 rund 4 Millionen Besucher die Gelegenheit genutzt, um sich die 7.500 historischen Gebäude, archäologischen Stätten sowie Gärten und Parks anzuschauen, die am 8. September 2013 ihre Türen geöffnet hatten. Mit dem Tag des offenen Denkmals soll die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes sensibilisiert und Interesse für die Belange der Denkmalpflege geweckt werden.

Plakatmotiv 2014, © Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Mehr als 7.500 historische Gebäude, archäologische Stätten, Gärten und Parks sind am Tag des offenen Denkmals am 14. September 2014 geöffnet, der in diesem Jahr unter dem Motto „Farbe“ steht. Kulturbegeisterte erfahren dieses Jahr insbesondere, wie Farben nach historischem Vorbild hergestellt und am Bau verwendet werden können. Sie erleben in fachkundigen Führungen, wie die Wirkung von Farbe zu allen Zeiten von den Erbauern gezielt eingesetzt wurde, um unsere Sinneseindrücke zu prägen.

Die Auswahl „geeigneter“ Denkmale, über die an dieser Stelle berichtet werden kann und die in den vergangenen Jahren in diesem Weblog noch nicht vorgestellt wurden, gestaltete sich in diesem Jahr extrem schwierig. Zunächst muss man sagen, obwohl es tausende von eingetragenen Denkmälern in der Metropole Ruhr gibt, finden sich doch jedes Jahr erneut dieselben wenigen Denkmäler im Veranstaltungsprogramm zum Tag des offenen Denkmals wieder, die sich unabhängig vom jeweiligen Motto daran beteiligen. Dann gibt es Eigentümer, die keine Fotos gestatten, und schließlich gibt es sogar solche, die versuchen, das Grundrecht auf freie Verbreitung einer Meinung in Schrift und Bild nach Art. 5 GG einzuschränken. Insbesondere letzteren Punkt halte ich in unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung für sehr bedenklich. Wie dies mit der Intention des Tages des offenen Denkmals in Einklang zu bringen ist, entzieht sich jeglicher Vorstellungskraft.

Rund 4 Millionen Besucher wurden bundesweit bei allen Veranstaltungen zum Tag des offenen Denkmals 2014 gezählt. Dies teilt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als bundesweite Koordinatorin der Aktion mit. Der Tag des offenen Denkmals 2015 am 13. September 2015 wird unter dem Motto „Handwerk, Technik und Industrie“ stehen. Damit wären in der Metropole Ruhr bereits rund 1000 Standorte der zur Zeit 27 Themenrouten angesprochen, von denen sich am Ende doch nur ein Bruchteil am Tag des offenen Denkmals 2015 beteiligen werden.


Zeche Hugo in Gelsenkirchen-Buer

Schacht 2

Stahlkastenfördergerüst über Schacht 2

Schacht 2 am Brößweg wurde 1882/85 abgeteuft und die Förderung von Fettkohle aufgenommen. 1997 erfolgte die Eingliederung in den Verbund Ewald-Hugo. Dieses Bergwerk wurde am 30. April 2000 mit 4.500 Bergleuten geschlossen. Das Fördergerüst und die Fördermaschine von Schacht Hugo 2 werden vom Trägerverein Hugo Schacht 2 e. V. erhalten und zum Museum umgestaltet. Bevor die Fördermaschine zur Zeche Hugo kam, wurde sie als Turmfördermaschine auf Schacht 5 der Zeche Mathias Stinnes in Essen eingesetzt. In einem der beiden Umformerräume, in denen sich auch noch die Umformer befinden, haben die Vereinsmitglieder Ausstellungsstücke zusammengetragen, darunter Trikots und Fußballschuhe, mit denen die Verbindung zur regionalen Sportgeschichte und „ihrem“ Verein, dem Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V., dokumentiert wird.

Seilscheiben

IFA W50L, Baujahr 1982, ex Löschgruppenfahrzeug der Werkfeuerwehr der ORWO Filmfabrik Wolfen, Aufbau VEB Feuerlöschgerätewerk Luckenwalde

IFA W50L, Baujahr 1982, ex Löschgruppenfahrzeug der Werkfeuerwehr der ORWO Filmfabrik Wolfen, Aufbau VEB Feuerlöschgerätewerk Luckenwalde

Strebausbau

Grubenlok

Siemens Fördermaschine

Siemens Fördermaschine

Steuerstand des Fördermaschinisten

Umformer

Umformer

Umformer

Umformer


Zeche Hugo 2/5/8, Kauengebäude

Lichthof

Die Kaue und das Verwaltungsgebäude der ehemaligen Zeche Hugo 2/5/8 stehen unter Denkmalschutz. Die Gebäude wurden, wie die Zeche Zollverein, in den 1950er Jahren vom Industriearchitekten Fritz Schupp entworfen und befinden sich im Privatbesitz von Ralf und Dino Turowski. Die beiden möchten „etwas mit Autos“ machen, doch das braucht offensichtlich seine Zeit. Bis das Gebäude denkmalgerecht saniert und umgebaut ist, dürften noch Jahre vergehen.

Eingangsbereich

Zugang zur Weißkaue

Duschraum

Schwarzkaue

Schwarzkaue

Arbeitszeitkontrolle

Stahlkastenfördergerüst über Schacht 2

Bergarbeitersiedlung


Wasserhochbehälter in Herten-Scherlebeck

Vestische Straßenbahn, TW 134, Baujahr 1929

Dass man sich auf den Routenplaner auf der Website der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum Tag des offenen Denkmals nicht blind verlassen sollte, zeigt dieses Beispiel. Die Wasserhochbehälter der Gelsenwasser AG sind darin nämlich auf der Westerholter Straße, Nähe Betriebshof Vestische Straßenbahnen GmbH verortet, und nicht an ihrem tatsächlichen Standort. Daher gibt es hier noch zusätzlich die vor dem Betriebshof abgestellte historische Straßenbahn, Baujahr 1929 zu sehen.

Wassertürme in Herten-Scherlebeck: Westturm mit gemauertem Turmschaft, Baujahr 1908, 4.000 m³, und Ostturm, Baujahr 1935, 5.000 m³

Die beiden Wassertürme an der Stadtgrenze von Herten und Recklinghausen versorgen die Hertener und einen Teil der Recklinghäuser Haushalte mit Trinkwasser. Die genieteten Stahlbehälter haben ein Fassungsvermögen von 4.000 bzw. 5.000 m³ und wurden 2012 mit einem neuen Anstrich versehen. Der Westturm von 1908 mit gemauertem Turmschaft entstand mit dem Bau des Wasserwerks Haltern, von wo die Türme mit Wasser versorgt werden. Früher haben im Westturm Mitarbeiter mit ihren Familien gewohnt, die den Wasserstand kontrollieren mussten, seit 1982 wird der Wasserstand vollautomatisch vom Wasserwerk Haltern überwacht. Auf einer engen Wendeltreppe, die durch das Zentrum der Stahlbehälter hindurchführt, gelangt man auf das Dach der Hochbehälter.

Wassertürme in Herten-Scherlebeck: Ostturm, Baujahr 1935, 5.000 m³, und Westturm mit gemauertem Turmschaft, Baujahr 1908, 4.000 m³

Ostturm, Baujahr 1935

Ostturm, Baujahr 1935

Ausstellung im Westturm

Treppenaufgang im Westturm

Treppenaufgang im Westturm

Wasserauslass

Blick vom Westturm Richtung Osten

Ostturm, Baujahr 1935, 5.000 m³


Zeche Gneisenau in Dortmund-Derne

Tomson-Bock von 1885/86 mit zugehöriger Schachthalle über Schacht 2

Die Zeche Gneisenau war zeitweise eines der größten Steinkohlebergwerke Europas. Am 4. August 1985 stellte Gneisenau die Förderung ein, Schacht 4 blieb bis Ende 1999 für die zentrale Wasserhaltung in Betrieb. Erhalten sind der Tomson-Bock von 1885/86 mit zugehöriger Schachthalle und das markante Doppelbockgerüst über Schacht 4 von 1933 mit den beiden Maschinenhäusern. 1997 gelangten der Tomson-Bock und das Doppelstrebengerüst in die Obhut der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Obwohl der Tomson-Bock und die Schachthalle 2002/2003 saniert wurden, hat die Schachthalle mit der Fördermaschine bei mir im Vergleich zu anderen Maschinenhallen, beispielsweise der Maschinenhalle der Zeche Scherlebeck in Herten-Scherlebeck mit der ältesten Zwillingstandem-Dampffördermaschine Westfalens, Baujahr 1900, einen ausgesprochen schlechten Eindruck hinterlassen, was den allgemeinen Zustand der Maschinen anbelangt.

Tomson-Bock von 1885/86 mit zugehöriger Schachthalle über Schacht 2

Der Tomson-Bock ist nach dem belgischen Ingenieur Eugen Tomson (1842 – 1905) benannt, der die Zeche Gneisenau seit 1882 leitete. 1885 entwickelte der Ingenieur C. Erdmann hier seinen neuen Fördergerüsttyp mit den in den hochgezogenen Stützpfeilern gelagerten Seilscheiben nach dem Vorbild des Englischen Bocks, auf Betreiben von Eugen Tomson fand der Bautyp im Ruhrgebiet weite Verbreitung. Der Tomson-Bock über dem Schacht 2 der Zeche Gneisenau ist heute der letzte seiner Art im Ruhrgebiet.

Tomson-Bock von 1885/86 mit zugehöriger Schachthalle über Schacht 2

Tomson-Bock von 1885/86 über Schacht 2

Tomson-Bock von 1885/86 mit zugehöriger Schachthalle über Schacht 2 und Doppelbockfördergerüst von 1933 über dem Zentralförderschacht 4

Doppelbockfördergerüst von 1933 über dem Zentralförderschacht 4 mit beiden Maschinenhallen

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