Mittwoch, 10. September 2014

Schöne schlaue Arbeitswelt

Sonderausstellung der DASA Arbeitswelt Ausstellung zu Ambient Intelligence

„Schöne schlaue Arbeitswelt“, Blick in die Sonderausstellung

Denkende Büros, schlaue Schutzkleidung oder helfende Datenbrillen. Das ist längst kein Stoff mehr für Science Fiction-Filme. Kleinste vernetzte Technologie umgibt uns im Alltag bereits überall. Sie unterstützt uns selbstständig – versteckt und unbemerkt in Gegenständen oder Räumen. Welche Möglichkeiten sich durch die unsichtbaren Helfer ergeben, wie die Forschung zu neuester Technik aussieht und ob Technik überhaupt „intelligent“ sein kann, zeigt die neue Sonderausstellung „Schöne schlaue Arbeitswelt. Eine Ausstellung zu Ambient Intelligence“ der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund. Sie präsentiert in fünf Bereichen von der Kleidung bis zur Datenbrille in der Zeit vom 11. September bis 23. November 2014, was intelligente Technik alles leistet.

Siesta Medizinal, 1939
Der Stuhl zeigt keine moderne Technologie, sondern ist ein frühes Beispiel für Forschung am Arbeitsplatz. Er verfügt über eine damals neuartige Knicklage, die Entspannung am Arbeitsplatz verspricht. Ende der 1930er Jahre führte das Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie in Dortmund Unterwasserversuche durch, um die optimale Ruheposition der Muskeln zu ermitteln.

Noch ist die vollständige intelligente Umgebung, man spricht von „Ambient Intelligence“, eine Vision. Doch an ihrer Verwirklichung arbeiten derzeit Forschungsinstitutionen in aller Welt. Ob sich von Geisterhand bewegende Rollläden, Autos ohne Fahrer oder einkaufende Kühlschränke: Unsere Umgebung lernt, zunehmend vernetzt und eigenständig zu „denken“.

GPS Chip

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersucht die Auswirkungen derartiger Technologien auf den Menschen und seine Arbeit. So schillernd es sein mag, via Datenbrille die gesamte Welt buchstäblich im Auge zu haben, so wenig erforscht sind die gesundheitlichen Aspekte. Zu diesem Zweck ermittelt die BAuA Belastungen in nachgestellten Arbeitssituationen. Die Wissenschaftler untersuchen, in welchen Arbeitsbereichen der Einsatz intelligenter Technologien sinnvoll ist und welche körperlichen und geistigen Folgen entstehen können. Auch Herausforderungen, etwa in punkto Datenschutz, stehen auf dem Prüfstand.

RFID Lesegerät
Radio Frequency IDentification gilt als Wegbereiter „ambienter“ Technik. Die Funktechnik begegnet uns in der Diebstahlsicherung im Kleidungsgeschäft, bei der Identifikation von Haustieren oder im Personalausweis. Ein weiterer Standard ist die Nahfeldkommunikation (NFC). Sie funktioniert ähnlich wie RFID, hat allerdings eine geringere Reichweite.

Als Teil der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat die DASA nun den Stand der Dinge zur Ausstellung gebracht. Auf knapp 300 Quadratmetern Fläche erkunden die Besucher futuristische Würfel, die es in sich haben. Die Kuben stellen die verschiedenen Einsatzgebiete der Ambient Intelligence vor. Für eine schlaue Atmosphäre sorgen Lampen, die miteinander „reden“ können.

Sensorhandschuh Demonstrator
Im Stoff dieses Sensorhandschuhs sind Indikatorfarbstoffe am Werk, die giftige Gase „bemerken“, die wir weder sehen noch riechen können. Sobald dieses bestimmte Gas austritt, färbt sich der Handschuh. So ist die Person am Arbeitsplatz informiert.

Dabei geht es etwa um technische Voraussetzungen und Funktionsweisen von „intelligenter“ Kleidung: der clevere Handschuh, der im Labor Leben rettet, der Sauerstoff messende Feuerwehranzug oder der Gürtel, der seinen Träger auf einen krummen Rücken aufmerksam macht. Was es mit digitaler Ergonomie auf sich hat und wie Licht das Wohlbefinden am Schreibtisch beeinflusst, stellt die in Teilen interaktive Ausstellung vor. Spielerisch können die Besucher mit der Sensor-Kamera virtuelle Welten erleben. Oder sie erfahren, ob Datenbrillen die Arbeit erleichtern – und können es in der DASA gleich selbst ausprobieren.

Smarter Socks mit Sock-Sorter

Identische Socken sortieren? In diesem Fall ganz einfach. Die Socken sind mit NFC Chips ausgestattet. So kann jede Socke identifiziert und die Sockenpaare zugeordnet werden. Gleichzeitig sind das Alter jedes einzelnen Exemplars und die Anzahl der Waschgänge gespeichert. Dieses Beispiel zeigt den Erfindergeist von Unternehmen, die sich die neue Technik zunutze machen. Wo endet eine sinnvolle Nutzung der Ambient Intelligence? Übrigens: Das Starter-Kit mit 10 Paar schwarzen Socken und einem Sock-Sorter ist für 159 Euro beim Hersteller zu haben, allerdings funktioniert der Sock-Sorter ausschließlich mit einer iPhone App.

Smarter Socks mit NFC Chip

Interessierte Gruppen und Schulklassen ab Jahrgangsstufe 8 können sich in 60 Minuten der intelligenten Technik in der DASA nähern: In einer kombinierten Führung durch die „Schöne schlaue Arbeitswelt“ sowie die DASA erleben sie die Arbeit mit dem High Tech Gabelstapler, eine virtuelle Fabrik und einen sprechenden Roboter. Zwei Experten-Vorträge zum Thema am 23. Oktober („Ambient Assisted Living: Technikspielzeug oder sinnvoller Baustein einer Demographiestrategie“) und 20. November 2014 („Der Kollege Roboter in der Industrie 4.0“) ergänzen das Programm.

Schutzkleidung
Schutzkleidung muss optimal an die Arbeitsbedingungen angepasst sein. Im Rahmen des Verbundprojekts SAFE (Semipermeable Anzüge für Einsatzkräfte) wurde getestet, welchen schwierigen Bedingungen Feuerwehranzüge standhalten müssen. Das Ergebnis ist dieser optimierte Anzug. Beine und Kapuze sind dicht abgeschlossen und schützen gegen den Eintritt gefährlicher Gase. Die Taschen sind für die Benutzung mit Handschuhen breiter und zusätzliche Schlaufen an der Brust ermöglichen die einfache Bergung von verletzten Feuerwehrleuten. Der nächste Schritt ist die Implementierung von Sensoren, die Körperdaten des Trägers erfassen und selbstständig Gefahren ermitteln.

Die „Schöne schlaue Arbeitswelt“ ist vom 11. September bis 23. November 2014 in der DASA zu sehen. Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist im DASA-Eintritt (Standard: 5 EUR) inbegriffen. Für Führungen ist eine Anmeldung beim DASA Besucherservice unter der Rufnummer 0231 9071 2645 oder per E-Mail (besucherdienst-dasa(at)baua.bund.de) erforderlich.

Datenbrille: Moverio BT-200 mit Touchpad
3d-Filme und -Spiele für unterwegs, die Übersetzung von Straßenschildern aus einer Fremdsprache oder das virtuelle Anziehen neuer Kleidung – Datenbrillen der neuesten Generation versprechen verschiedene Möglichkeiten erweiterter Realität (augmented reality). Durch verbesserte Displaytechnologie und Prozessorleistung sind virtuelle Welten direkt am Auge möglich. Beschleunigungssensoren, ein Kompass oder Kameras ermöglichen die Veränderung des virtuellen Bildes durch Kopfbewegungen. Verschiedene Anbieter handlicher Datenbrillen versprechen eine rasante Entwicklung im Unterhaltungsbereich. Der Durchbruch hängt stark von der Akzeptanz der Nutzer und der Entwicklung von Inhalten (Apps, Spiele) ab.


Jede Sekunde zählt

Neue Ausstellungseinheit zum Thema Brandschutz

Die ehemalige „Schichtarbeiterwohnung“ in der DASA Arbeitswelt Ausstellung ist einer brandaktuellen Einheit zum Einsatz bei Feuerwehr und im Katastrophenschutz gewichen. In räumlicher Nähe zu den Bereichen Schwerindustrie, Transport und Verkehr sowie Gefahrstoffen hat die DASA am 7. September 2014 den Bereich „Jede Sekunde zählt“ eröffnet. Das Motto ist Programm: In der signalrot und grau gestalteten Präsentation geht es um die Frauen und Männer, die blitzschnell und präzise handeln, wenn es brenzlig wird. Sie gehen für andere durchs Feuer – bei gleichzeitiger Sorge um ihre eigene Unversehrtheit. „Schnelle Handlungen bergen Unfallpotenzial, andererseits erlaubt ein Katastrophenfall kein Zögern. Wir zeigen anhand der Themen Training, Kommunikation, persönliche Schutzausrüstung und Technik, wie moderner Arbeitsschutz bei der Feuerwehr aussieht“, so DASA-Leiter Gregor Isenbort.

Überreste des Großbrandes von Herborn am 7. Juli 1987 vor der neuen Ausstellungseinheit „Jede Sekunde zählt“

Ein Hingucker ist das größte Objekt im Raum, eine originalgetreue Leitwarte, das Herzstück für jeden der rund 110.000 Einsätze, die allein die Feuerwehr Dortmund pro Jahr absolviert. Das bedeutet: Alle fünf Minuten ein Alarmsignal. Da muss jeder Ablauf haarklein sitzen. Jedes Wort zu viel kostet Zeit, jedes Wort zu wenig kostet vielleicht ein Leben. Die DASA arbeitet mit der gleichen Software und mit Originaldaten des Kooperationspartners, der Dortmunder Feuerwehr. Damit besteht erstmalig die Möglichkeit, die komplexe Arbeit der Koordination und Kommunikation öffentlich zu machen.

Originalgetreue Leitwarte der Feuerwehr Dortmund

Cool bleiben, auch wenn es heiß wird funktioniert nicht zuletzt, weil die Schutzkleidung immer professioneller geworden ist. Rannte früher der Feuerwehrmann in Schlips und Kragen in die Flammen, trägt er oder sie heute erprobte Schutzausrüstung, die recht angenehm zu tragen ist. Wer das am eigenen Leib erfahren möchte, kann eine Weste ausprobieren. Zehn Spinde führen die Vielfalt moderner Einsatzkleidung vor Augen. Ein Hitzeschutzanzug und ein Chemikalienschutzanzug machen klar, wie die „zweite Haut“ beschaffen sein muss, um mit heiler Haut davon zu kommen.

Einsatzkleidung

Die Zone lebt nicht zuletzt von den zahlreichen Interviews und Filmbeiträgen, bei denen die Profis des Brandschutzes im Mittelpunkt stehen. Die Besucher erfahren mehr zur Forschung für noch mehr Sicherheit bei den Einsätzen oder können sich über ungewöhnliche Löschfahrzeuge informieren. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Geschichten von denen, die für ihre Aufgabe brennen: Berufsfeuerwehrleute, Werkfeuerwehrleute, Engagierte bei der Freiwilligen Feuerwehr und Jugendliche der Jugendfeuerwehr kommen zu Wort.

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