Montag, 22. September 2014

LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster

Neupräsentation der Sammlung mit umfangreichem Programm am Eröffnungswochenende

Luftaufnahme des Museums. Foto: Bollmann/Bildkartenverlag Braunschweig

Das neue LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster wurde nach fünf Jahren Bauzeit am vergangenen Freitag, 19. September 2014 feierlich eröffnet. Mit einem Festwochenende feierte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sein neues Haus für die Kunst und schließt die größte Baumaßnahme in der Geschichte des LWL ab. Markenzeichen des Neubaus von Staab Architekten Berlin sind die „Architektur der Höfe“, die markante Gebäudespitze und die 14 Meter hohe Eingangshalle, die zwei städtische Plätze miteinander verbindet.

Blick vom Aegidiimarkt auf den Neubau des LWL-Museums für Kunst und Kultur

Mit 7.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche gehört das LWL-Museum künftig zu den größten Kunstmuseen in Nordrhein-Westfalen. „Unser Museum wird offen sein, nicht nur einfach geöffnet“, sagte LWL-Direktor Matthias Löb am Mittwoch, 17. September 2014. „Offen für alle Altersgruppen, offen für Menschen von der Kunst-Professorin bis zum Schulkind, offen für Menschen mit und ohne Behinderungen, offen für die Besucher aus der Region und weit darüber hinaus, offen auch für die Passanten in dieser Stadt, denn die Architektur verkörpert diese Offenheit. Der Rundgang im Museum wird für den Besucher zu einer Entdeckungsreise durch diese Schatzkammer Westfalens werden.“

„Silberne Frequenz“ von Otto Piene (* 18. April 1928 in Laasphe, † 17. Juli 2014 in Berlin), 1970/1971/2014

Knapp 50 Millionen Euro hat der Bau gekostet, 41 Millionen Euro hat der LWL investiert, mit neun Millionen Euro hat das Land Nordrhein-Westfalen die Maßnahme unterstützt. Peter Landmann vom NRW-Kulturministerium sieht darin ein Zeichen für die Förderung von Kunst und Kultur in ganz Nordrhein-Westfalen. „Das Museum wird ein Anziehungspunkt für Kunstliebhaber werden und damit zur Attraktivität nicht nur von Münster und Westfalen, sondern von ganz Nordrhein-Westfalen beitragen“, sagte Landmann.

Die Sandsteinfassade des Neubaus mit „Zwei Supraporten: Strukturale Konstellationen“ von Josef Albers, 1972, in der Pferdegasse

2005 gewannen Staab Architekten den internationalen Architekten-Wettbewerb, an dem sich 27 Büros beteiligt hatten. Der Neubau war notwendig geworden, weil das alte Gebäude stark sanierungsbedürftig war und die Kosten für eine Generalüberholung nur unwesentlich unter den Kosten für ein neues Museum gelegen hätten.

Blick auf Dom und die Spitze des Neubaus von der Pferdegasse


Die Architektur
Dank der Architektur der Höfe und Plätze erschließt künftig eine 100 Meter lange, öffentliche Passage das Museum. Im Süden öffnet sich der Neubau den Besuchern in Form eines Platzes, an dem sich auch das Museumsrestaurant befindet. Durch den offenen Innenhof, den Patio, gelangt der Besucher in das lichtdurchflutete Foyer. Den Vorplatz am Dom beherrschen die Gebäudespitze und das Aufeinandertreffen von Neubau und dem Neorenaissance-Altbau von 1908, dem Gründungsjahr des Museums.

Die Spitze des Neubaus und der Altbau bilden einen Hof, der zum Eingang Domplatz führt

Die Einbindung des Museums in die sehr dichte Bebauung der Altstadt habe den Architekten fasziniert: „An zentralen Orten öffnet sich der Bau mit großen Fenstern der Nachbarschaft, so dass Blickachsen in die Stadt und in das Museum entstehen“, erklärte Volker Staab. Im Inneren dienen die Räume mit den sechs Meter hohen Fenstern als sogenannte Brückenräume: Auf dem Rundgang unterbrechen sie die Kunstpräsentation, laden zum Ausruhen ein und geben Blicke in die Stadt frei.

Foyer

Foyer

Foyer

Sandstein an der Fassade und geschliffener Beton an allen Außenflächen, die in das Museum hineinführen, sind die Materialien, die Staab für die Fassaden gewählt hat. Innen setzt sich die Auswahl mit Terrazzo, Beton, Räuchereiche und Putz fort.

Patio

Das 700 Quadratmeter große Foyer, das Eingangshalle, öffentlicher Durchgang und Veranstaltungsraum zugleich ist, markiert die Drehscheibe des neuen LWL-Museums. Umgeben wird es von der Kunstbibliothek, dem Restaurant „Lux“, dem Museumsshop und dem Auditorium mit 230 Sitzplätzen. Über die Treppen, die wie aus dem Beton herausgeschnitten wirken, gelangen Besucher in die oberen Stockwerke zur Sammlung und zur Sonderausstellung.


Die Sammlungspräsentation
Mit der Neueröffnung zeigt das Museum 1.200 Kunstwerke in 51 Ausstellungsräumen. „Erstmalig lässt sich das Museum in einem inhaltlichen Rundgang vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen Kunst erkunden, wobei ein ,Seiteneinstieg‘ – zum Beispiel in den Barock oder die Moderne – jederzeit möglich ist“, sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. Kräftige Farben in den Ausstellungsräumen schafften spannende Zugänge zur Kunst und ließen die Werke in einem neuen Licht strahlen. Dank der abwechslungsreichen Architektur wechselten sich kleine Kabinette und große Ausstellungssäle ab, doppelgeschossige Museumsräume böten völlig neue Bezüge zwischen den Epochen und zwischen Sammlung und Sonderausstellung.

Das Bockhorster Triumphkreuz (Westfalen, Ende 12. Jahrhundert, Eichenholz) ist eines der Sammlungshighlights

Maria und Apostel von der Liebfrauen-Überwasserkirche in Münster, um 1370/74, in der Spitze des Neubaus. Foto: Elisabeth Deiters-Keul

„Biedermeier“

Einige Räume sind inszeniert, um den Besuchern einen sinnlichen Zugang zur Kunst zu ermöglichen. „Mal hört man Klänge, in einem anderen Raum sind schwarze, spiegelnde Wände eingebaut. So haben wir eine abwechslungsreiche Präsentation entwickelt, die neue Blicke freigibt“, erklärte Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold: „Die Idee des offenen Museums zeigt sich im neuen Raumkonzept, und die unterschiedlichen Raumgrößen nehmen direkten Bezug auf das Sammlungsprofil des Hauses. Endlich haben wir Räume, von denen wir schon lange geträumt haben.“


1.000 Jahre Kunst
Das LWL-Museum für Kunst und Kultur vereint 1.000 Jahre Kunst vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Insgesamt umfasst die Sammlung des LWL-Museums über 350.000 Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Zeichnungen und Grafiken, Münzen und Objekte sowie 135.000 Bücher. Auf dem Rundgang durch die Sammlung trifft der Besucher auf Kunstwerke unter anderem von Heinrich Brabender, Lucas Cranach d. Ä., Franz Marc, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Otto Piene, Gerhard Richter, Rosemarie Trockel.

Der Lichthof des Altbaus

„Sonniger Weg“ von August Macke (* 3. Januar 1887 in Meschede, Hochsauerland; † 26. September 1914 bei Perthes-lès-Hurlus, Champagne), 1913


Kunstvermittlung und Kulturprogramm
So offen wie die Architektur und die Präsentation der Kunst ist auch die Vermittlung: Im neuen Museum werden die Menschen stets begleitet: durch in Szene gesetzte Werke, das Erzählen von Geschichten und Hintergründen auf dem Multimedia-Guide, die thematischen Führungen, die Highlight-Touren und einen Kurzführer im Taschenbuch-Format. So bleiben die Werke nicht rätselhaft, sondern öffnen sich den Besuchern – gleichgültig wie alt sie sind, ob sie eine Behinderung haben oder mit welchen Kenntnissen sie ins Museum kommen. Die Inklusion ist fester Bestandteil des neuen Konzepts in der Kunstvermittlung.

Das LWL-Museum bietet auch für das Kulturprogramm neue Möglichkeiten: vom Popkonzert in der Eingangshalle bis zum Tanztheater und Performances im Patio. Vor allem an den langen Freitagen (jeweils der 2. Freitag im Monat) möchte das Museum mit seinem Veranstaltungsprogramm Studierende und andere junge Besucher ins Haus holen.

„Münsteranerin“ von Pipilotti Rist (* 21. Juni 1962 in Grabs), 2014, Videoprojektion für den Patio des LWL-Museums für Kunst und Kultur, 16 min. loop, video still

Die Videoprojektion „Münsteranerin“ von Pipilotti Rist wird auf die Fassade des Patios projiziert. Der Videoloop zeigt eine Reihe verschiedener Blumen, die geschüttelt und mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgenommen wurden. Ihre Blüten und Blätter tanzen in langsamen und ekstatischen Bewegungen. „Im Gegensatz zu der Vorstellung, die man sonst von Blumen hat, nämlich dass sie sanfte, ruhige und sehr bedächtig wachsende Geschöpfe sind, wirken die tanzenden Blumen von Pipilotti Rist auch dominant, wild, eigensinnig. Sie scheinen einen Begrüßungstanz für die Besucherinnen und Besucher des Museums aufzuführen“, erläuterte Melanie Bono, Kuratorin für Gegenwartskunst am Museum. Für die Künstlerin ist das Video bewegte Malerei, es soll das Publikum zur Bewegung anregen und ihm Zuversicht geben: „Denn Blumen sind nicht so zart, wie sie wirken, sie halten eine Menge aus. Genauso wie der Mensch“, so die Künstlerin.

Neorenaissance-Altbau und die Spitze des Neubaus

Am Eröffnungswochenende, das im Rahmen der Veranstaltung „Schauraum“, dem Fest der Museen und Galerien in Münster, stattfand und an dem freier Eintritt zum LWL-Museum für Kunst und Kultur gewährt wurde, wie übrigens mit Ausnahme des Picasso-Museums bei allen beteiligten Ausstellungsorten in der Nacht der Museen und Galerien am Samstag, 20. September 2014, wartete das Museum mit einer Vielzahl von Themen- und Überblicksführungen sowie Führungen für die kleinen Besucherinnen und Besucher am Familien-Sonntag auf. Zusätzlich hatte das Museum am Freitag bis 24 Uhr, in der Nacht von Samstag auf Sonntag bis 2 Uhr sowie am Sonntag bis 22 Uhr geöffnet.

„Silberne Frequenz“ von Otto Piene (* 18. April 1928 in Laasphe, † 17. Juli 2014 in Berlin), 1970/1971/2014

Das Fassadenkunstwerk „Silberne Frequenz“ von Otto Piene schmückte bereits seit 1970/1971 die Südwest-Fassade des Anbaus des Westfälischen Landesmuseums in Münster. Nun wurde die Arbeit aus Edelstahl – ursprünglich Aluminium – komplett neu gefertigt und mit LEDs ausgestattet an der Fassage des Neubaus Ecke Rothenburg/Pferdegasse angebracht.

Blick auf Dom und die Spitze des Neubaus von der Pferdegasse

Neorenaissance-Altbau und die Spitze des Neubaus

Keine Kommentare: