Freitag, 3. Oktober 2014

Ehemalige Zeche Erin in Castrop-Rauxel

Schacht 3

Bergbeamtenhaus von 1902

Das Bergbeamtenhaus neben dem Hammerkopfturm wurde im Jahre 1902 vom damaligen „Gelsenkirchener Bergwerksverein“ erbaut und stellt den gehobenen Typus des Zechenwohnungsbaus dar.

Bergbeamtenhaus von 1902

Auf einer Tafel am Hammerkopfturm der Zeche Erin aus dem Jahr 1993 ist folgendes zu lesen:

„Mit Gründung der Zeche Erin begann im Jahre 1867 die große Zeit der Kohleförderung in Castrop-Rauxel. Ihre Bezeichnung erhielt die Zechenanlage von ihrem Gründer William Thomas Mulvany, abgeleitet von seiner Heimat Irland. Die Arbeiten zum Bau des Schachtes 3 hier im Castrop-Rauxeler Stadtteil Schwerin begannen 1889. Ursprünglich war es als Wetterschacht geplant, ab 1904 diente er auch als Förder- und Seilfahrtschacht.

Sein heutiges Aussehen erhielt der 38 Meter hohe Turm 1929/30. Damals wurde es technisch möglich, die elektrischen Fördermaschinen und die Stände für die Maschinenführer oben im Turm unmittelbar neben der Treibscheibe unterzubringen und nicht mehr – wie früher üblich – in einem gesonderten Maschinenhaus. Aufgrund der Einbauten mußte der Kopf des Turms verbreitet werden. So entstand die auskragende Form, die wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem Hammer zu der Bezeichnung „Hammerkopfturm“ führte.

Die Zechenanlage Erin, die zeitweise mehr als 4.000 Menschen beschäftigte, wurde 1983 stillgelegt. Seitdem setzt sich der „Erin-Förder-Turm-Verein e. V.“ für den Erhalt des Hammerkopfturms ein. Gemeinsam mit dem Förderturm Erin 7 in der Stadtmitte Castrop-Rauxels und der Förderanlage Teutoburgia in Herne dokumentiert der Hammerkopfturm bedeutende bau- und technikgeschichtliche Abschnitte in der nordrhein-westfälischen Industriegeschichte. Ihre Restaurierung im gegenwärtigen Strukturwandel, der sich zwischen Emscher und Ruhr vollzieht, steht für den Erhalt der kulturellen Identität.

Auf Initiative des „Erin-Förder-Turm-Vereins“ restaurierte die Nordrhein-Westafeln-Stiftung mit fachlicher Unterstützung des Westfälischen Denkmalamtes und der Ruhrkohle AG diese Förderanlagen.“

Hammerkopfturm der Zeche Erin

Hammerkopfturm der Zeche Erin

Hammerkopfturm der Zeche Erin

Gräbt man ein wenig tiefer oder fragt jemanden, der sich auskennt, so erfährt man, dass der 34,38 Meter hohe Hammerkopfturm mit dem Stahlgerüst und der 1923 von der Friedrich-Wilhelms-Hütte in Mülheim an der Ruhr gefertigten elektrischen Fördermaschine über dem Schacht 3 ursprünglich auf der Dortmunder Zeche Tremonia über dem Schacht Westphalia 2 zum Einsatz gekommen war, von der Vereinigten Stahlwerke Aktiengesellschaft angekauft und ab 1929 über dem Schacht 3 wieder aufgebaut wurde, wo nach nur 10 Monaten Umbau im Jahr 1930 der Betrieb wieder aufgenommen werden konnte. Schacht 3 mit einem Durchmesser von 5,50 Metern wurde bis zu einer Teufe von 705 Metern abgeteuft und 1984 verfüllt.

Schachtsignalanlage

Mehr als 30 Jahre nach der Stilllegung des Förderbetriebs im Dezember 1983 sind dank des Einsatzes des „Erin-Förder-Turm-Vereins“ und diverser Geldgeber das Stahlgerüst, die elektrische Fördermaschine und diverse technische Einbauten im Inneren des Hammerkopfturms noch heute erhalten.

Laufkran

Hängebank

Hängebank

Stahlgerüst

Hammerkopfturm der Zeche Erin, Innenansicht

Hammerkopfturm der Zeche Erin, Förderkorb

Fangstützen verhindern im Schadensfall, bei dem das Förderseil nach einem Übertreiben gerissen ist, dass der Förderkorb in den Schacht stürzt. Sie weichen dem hochgehenden Förderkorb aus und kehren danach wieder in ihre Ausgangslage zurück, so dass der nunmehr nach unten fallende Förderkorb von den Fangstützen gehalten wird. Folgende Überlegung möge die Folgen eines solchen Unglücks ohne entsprechende Fangvorrichtungen verdeutlichen: Durch einen Fehler in der Steuereinrichtung wird das Fördermittel nicht rechtzeitig abgebremst und fährt bis unter die Prellträger. Dabei reißt das Förderseil ab und das Fördermittel stürzt ungebremst in den Schacht. Nach 144 Sekunden hat es unter der Annahme eines freien Falls eine Geschwindigkeit von 423 km/h erreicht und fährt bei 705 Meter Teufe mit voller Wucht in den Schachtsumpf. Das hört sich womöglich dramatisch an, aber tatsächlich kam es am 25. März 1926 auf der Zeche Oberhausen während der Seilfahrt zu einem Übertreiben der Förderkörbe, wobei der nach oben gehende Förderkorb bis unter die Prellträger gezogen wurde. Das Förderseil riss, der Förderkorb setzte beim Zurückfallen auf die Fangstützen auf. Der nach unten treibende Korb (Koepe-Förderung!) wurde beim Einfahren mit voller Wucht in den Schachtsumpf gezogen, wobei 13 Bergleute ums Leben kamen.

Fangstützen (Fangklinken)

Umformer

Wer die angeblich 133 Stufen im Inneren des Hammerkopfturms erklommen hat, ich habe sie nicht selbst gezählt, kann im Maschinenhaus die 1923 von der Friedrich-Wilhelms-Hütte in Mülheim an der Ruhr gefertigte elektrische Fördermaschine in Augenschein nehmen und bei gutem Wetter in luftiger Höhe den Ausblick über Castrop-Rauxel genießen. Markante Punkte in unmittelbarer Nähe gibt es nicht sonderlich viele, Halde Schwerin mit der Sonnenuhr von Jan Bormann auf dem Haldengipfel ist nur etwa 750 Meter Luftlinie entfernt, das Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward ist bereits gut 11 Kilometer entfernt.

Fördermaschine mit Umlenkrolle

Fördermaschine, Hersteller Friedrich-Wilhelms-Hütte, Mülheim an der Ruhr, Baujahr 1923, mit Motor von Siemens-Schuckert

Umlenkrolle

Umlenkrolle und Teufenstandsanzeiger

Steuerstand des Fördermaschinisten

Steuerung

Stilles Örtchen für den Fördermaschinisten auf Höhe der Maschinenebene

Umlenkrolle

Hammerkopfturm der Zeche Erin, Umlauf auf Höhe der Maschinenebene

Um den Hammerkopfturm herum legte die Stadt Castrop-Rauxel einen „Keltischen Baumkreis“ an und würdigt so den Gründer des Bergwerks. Das so genannte keltische Baumhoroskop, eine Erfindung im Zuge des Neuheidentums, das aus ursprünglichen keltischen Pflanzen-Mythen spekulativ ein Horoskop-System konstruiert, dient als Vorbild des „Keltischen Baumkreises“. Ein historisches Baumhoroskop lässt sich bei den Kelten aber weder durch antike noch durch mittelalterliche Quellen über keltische Religion und Bräuche belegen. In Wien wurde daher am so genannten „Lebensbaumkreis am Himmel“ auf der Baumkreistafel der Zusatz „keltisch“ entfernt.

Hammerkopfturm der Zeche Erin

Hammerkopfturm der Zeche Erin

Katze

Hammerkopfturm der Zeche Erin in der Abenddämmerung

Hammerkopfturm der Zeche Erin in der Abenddämmerung

Hammerkopfturm der Zeche Erin in der Abenddämmerung


Schacht 7

Fördergerüst von Schacht 7

Hauptförderschacht 7 wurde von 1951 bis 1953 niedergebracht und erhielt ein vollwandiges Fördergerüst der Bauart Dörnen. Nach der Stilllegung des Förderbetriebes am 23. Dezember 1983 wurden die Schächte des Steinkohle-Bergwerks verfüllt, der Förderturm über Schacht 7 blieb wie der Hammerkopfturm als Industriedenkmal erhalten.

Fördergerüst von Schacht 7

Fördergerüst von Schacht 7

Fördergerüst von Schacht 7

Im Erin-Park

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