Freitag, 19. September 2014

CD-Besprechung: „Casanova“

Die Castaufnahme zur Uraufführung am Anhaltischen Theater Dessau

Am 4. Juli 2014 erlebte das Musical „Casanova“ von Stephan Kanyar (Musik) und Andreas Hillger (Lyrics, Buch) mit Patrick Stanke (Casanova), Roberta Valentini (Henriette), Karen Helbing (Constanze) u. a. am Anhaltischen Theater Dessau seine Uraufführung und wurde vom Premierenpublikum mit begeistertem, minuten­langem Stehapplaus gefeiert. Zur Wiederaufnahme am 12. Oktober 2014 ist die Castaufnahme erschienen, die im Anhaltischen Theater mit den Stars der Produktion und der Anhaltischen Philharmonie Dessau unter der Musikalischen Leitung von Daniel Carlberg aufgenommen wurde und mit 10 Tracks und einer Spieldauer von 41 Minuten 8 Sekunden „die besten Songs“ (lt. CD Cover) des Musicals enthält, wobei die Partitur 24 Musiktitel einschließlich Ouvertüre, Finale und aller Reprisen umfasst. Dabei dürfen natürlich Casanovas Liebeserklärung „Schenk mir eine Stunde Dein Leben“ an Henriette genauso wenig fehlen wie deren Entgegnung „Ich darf Dich nicht lieben“, in der Henriette Casanova wissen lässt, dass er seine Freiheit für sie nicht aufgeben darf. Der Song „Was kostet die Welt“, der in der Aufführung durchaus Erinnerungswert besitzt, gehört offensichtlich nicht zu den „besten Songs“, denn er fehlt auf der vorliegenden CD Einspielung, die zum Preis von 8,90 € im Anhaltischen Theater Dessau angeboten wird. Der CD Einleger führt die 10 Musiktitel und die Darsteller auf, die diese Songs interpretiert haben. Für Songtexte und Künstlerbiografien wird auf eine Website verwiesen, auf der die versprochenen Informationen aber leider nicht zu finden sind, zumindest nicht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Besprechung. Ich persönlich halte es grundsätzlich eher mit Johann Wolfgang von Goethe und dem Zitat aus Faust. Eine Tragödie, „Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ Das Internet vergisst zwar nichts, aber ob eine Website in ein paar Jahren, wenn die Produktion am Anhaltischen Theater Dessau längst abgespielt ist, immer noch verfügbar ist, wage ich eher zu bezweifeln.

CD Cover und CD, Grafik Annett Claudia Pester, © Anhaltisches Theater Dessau

Im Musical „Casanova“ verbinden sich historische Fakten und Fiktion zu einem poetisch-fantasievollen Spiel um die historische Gestalt des venezianischen Schriftstellers und Abenteurers Giacomo Casanova, im Zentrum des Geschehens steht die große Liebe zu einer Französin namens Henriette. Die Begegnung mit dieser Frau, die ihm in Männerkleidung über den Weg lief und offenbar ein großes Geheimnis hütete, schilderte der legendäre Frauenheld in seinen Memoiren – ebenso wie die schmerzliche Trennung nach einer wunderbaren Affäre. Komponist Stephan Kanyar, der bereits die Musicals „Frankenstein“ (Uraufführung 5. Dezember 2004, Stadttheater Ingolstadt, Regie Pierre Wyss), „Lulu – Das Musical“ (Uraufführung 15. Mai 2010, Tiroler Landestheater, Innsbruck, Regie Pierre Wyss), „Shylock!“ (Uraufführung 5. Mai 2012, Tiroler Landestheater, Innsbruck, Regie Pierre Wyss) und „Die Erschaffung der Welt – Das Musical“ (Uraufführung 15. Dezember 2012, Grillo-Theater, Essen, Regie Caroline Stolz) und Soundtracks für Bühne und Fernsehen komponiert hat, nutzt den wunderbaren Klang der Anhaltischen Philharmonie Dessau für eine außergewöhnliche stilistische Vielfalt. Neben großen Chorsätzen („Die Liebe heißt Casanova“) finden sich emotionale Balladen („Schenk mir eine Stunde Dein Leben“, „Ich darf Dich nicht lieben“, „Die eine, die bleibt“) und sinfonische Zwischenspiele. Die Anhaltische Philharmonie Dessau unter der Musikalischen Leitung von Daniel Carlberg bringt Stephan Kanyars abwechslungsreiche Partitur opulent besetzt und wohlklingend zu Gehör.

Patrick Stanke (Casanova); © Claudia Heysel

Mit Patrick Stanke (Casanova) und Roberta Valentini (Henriette) hat das Anhaltische Theater zwei gefragte und erfolgreiche Musical­dar­steller verpflichtet, die aus der deutschsprachigen Musicalszene nicht mehr wegzudenken sind. Nicht zum ersten Mal spielen die beiden ein Liebespaar, bereits im Musical „Marie Antoinette“ konnten sie als Königin von Frankreich und Graf Axel von Fersen nicht zusammen kommen. Gesanglich können beide durchweg überzeugen, auch ohne den visuellen Eindruck hört man in Patrick Stankes Liebeserklärung „Schenk mir eine Stunde Dein Leben“ Casanovas Gefühle für Henriette heraus, und auch Roberta Valentini legt ihre Entgegnung „Ich darf Dich nicht lieben“ entsprechend eindringlich an. Daneben wissen auch André Eckert als Casanovas Diener Leporello, Adam Fenger als Conte Querini und Karen Helbing als Henriettes Tochter Constanze auf der CD Einspielung zu überzeugen.

Roberta Valentini (Henriette); © Claudia Heysel

Songliste:
  1. Ouvertüre
  2. „Die Liebe heißt Casanova“ (Casanova, Leporello, acht Frauen)
  3. „Das geltende Recht“ (Conte Querini)
  4. „Schenk mir eine Stunde Dein Leben“ (Casanova)
  5. „Ich darf Dich nicht lieben“ (Henriette)
  6. „Nicht ich, sondern er“ (Leporello)
  7. „Mein Herr! Auf Gewissen und Ehre“ (Casanova, Conte Querini)
  8. „Die Freiheit, die ich bringe“ (Casanova, Henriette)
  9. „Die eine, die bleibt“ (Casanova)
  10. „Der Brief“ (Casanova, Henriette, Constanze)
Weitere Vorstellungen von „Casanova“ am Anhaltischen Theater Dessau sind bis 24. Mai 2015 disponiert, wobei Roberta Valentini bei der Tournee des Musicals „Elisabeth“, die bereits am 9. Dezember 2014 in Shanghai beginnt, die Hauptrolle der Elisabeth übernehmen wird und Karen Helbing dann als Henriette in „Casanova“ auf der Bühne stehen wird.


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