Sonntag, 24. August 2014

UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch

Relikte vorromanischer Baukunst in der Oberrheinischen Tiefebene

Klostermauer

Von der einst großen und bedeutenden Anlage des im Jahr 764 errichteten karolingischen Reichsklosters Lorsch auf dem Klosterhügel sind heute noch Überreste der Nazarius-Basilika, die berühmte Königshalle und ein etwa ein Kilometer langer Abschnitt der mittelalterlichen Klostermauer erhalten. Bei der Weihe der Klosterkirche im Jahr 774 war Karl der Große persönlich mit Familie und Hofstaat anwesend. Aufgrund der kostbaren Reliquien des heiligen Nazarius war die Benediktinerabtei Jahrhunderte lang Anziehungspunkt für Kaiser, Könige und Pilger. Rund 100 Mönche beteten, arbeiteten und wohnten zur Blütezeit des Klosters in der Anlage. Berühmt war das Kloster auch für seine umfassende Klosterbibliothek und sein Scriptorium, in dem bedeutende Handschriften aus antiker und spätantiker Zeit kopiert wurden. Zum Bestand der über 600 Bücher umfassenden Bibliothek zählten u.a. das berühmte Lorscher Evangeliar aus der Hofschule Karls des Großen (um 810) und das Lorscher Arzneibuch (um 795), eines der ältesten erhaltenen Arzneibücher, das 2013 zum UNESCO Weltdokumentenerbe erklärt wurde und den Beginn der modernen Medizin im westlichen Europa markiert. Bereits im Dezember 1991 wurde die Klosteranlage, die zu den bedeutendsten Relikten vorromanischer Baukunst in Deutschland zählt, als zehntes deutsches und erstes hessisches Bauwerk – zusammen mit dem Kloster Altenmünster, dem Areal der ersten Klostergründung von 764 – vom UNESCO-Welterbekomitee auf seiner 15. Tagung in Karthago in die Welterbeliste aufgenommen.

Westseite der Torhalle, auch Königshalle genannt

Die weltberühmte Lorscher Königshalle mit ihrem antiken und frühmittelalterlichen Fassadendekor ist eines der wenigen nahezu vollständig erhaltenen Zeugnisse karolingischer Baukunst in Europa. Bis heute gibt die Funktion des Gebäudes, das im Vorhof der Basilika lag, Rätsel auf. Das Obergeschoss zeigt teilweise sehr gut erhaltene Wandmalereien aus karolingischer Zeit und verschiedenen Jahrhunderten.

Westseite der Torhalle

Wenn dann ein Vierspänner vor der Königshalle vorgefahren kommt, so sorgt dies natürlich für einen Menschenauflauf, doch hielt sich das Interesse in überaus überschaubaren Grenzen.

Ostseite der Torhalle

Ostseite der Torhalle

Ostseite der Torhalle

Ostseite der Torhalle, Detail

Ostseite der Torhalle, Detail

Für Besucher, die nicht nur auf einen Sprung auf der Durchreise vorbeischauen möchten: In den letzten drei Jahren wurde das UNESCO Weltkulturerbe Kloster Lorsch zum Welterbe Areal Kloster Lorsch erweitert. Auf dem neu erschlossenen Gelände des Welterbe Areals wurde ein drei Kilometer langer Rundweg geschaffen, der sich von der ersten Klostergründung Altenmünster bis zur danach errichteten ehemaligen karolingischen Reichsabtei Karls des Großen mit der Lorscher Königshalle erstreckt. Der Besucher kann nun – vorbei an landschaftsarchitektonischen, baulichen und musealen Stationen – auf den Spuren Karls des Großen wandeln und die kulturhistorische Bedeutung des Klosterareals neu erleben: von der Herrschafts- und Geistesgeschichte, über die hohe Kunst- und Baufertigkeit bis zur mittelalterlichen Heilkunde und dem Leben der Bevölkerung auch außerhalb des Klosters. Für die Realisierung des neuen Welterbe Areals Kloster Lorsch haben die Bundesrepublik Deutschland, das Land Hessen und die Stadt Lorsch mehr als 12 Millionen Euro bereitgestellt. Informationen zum Welterbe Areal Kloster Lorsch unter www.welterbe-areal-kloster-lorsch.de.

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