Sonntag, 31. August 2014

„Ried Express“

Museumseisenbahnlinie des „Chemin de Fer Touristique du Rhin“

Elsass-Lothringische T 3, 030TB134, № 6134, Elsässische Maschinenbau-Gesellschaft Grafenstaden, Baujahr 1900, am Bahnhof Volgelsheim

Der 1982 gegründete gemeinnützige Verein „Chemin de Fer Touristique du Rhin“ betreibt zwischen Volgelsheim und der Anlegestelle Sans-Soucis die Museumseisenbahnlinie „Ried Express“. Die ehrenamtlichen Mitglieder halten die beiden letzten elsässischen/preußischen Dampflokomotiven vom Typ Elsass-Lothringische T 3 (französische Bezeichnung 030TB), № 6130 und № 6134, Baujahr 1900, instand, die zu den Reichseisenbahnen in Elsass-Lothringen gehört haben und von der Elsässischen Maschinenbau-Gesellschaft Grafenstaden gefertigt wurden. Daneben gibt es vier weitere Dampflokomotiven (020 T, № 5844, Henschel & Sohn, Cassel, Baujahr 1901; 020 T, № 7006, Decauville, Corbeil, Baujahr 1922; 020 T, № 4353, Fives-Lille, Baujahr 1923 und 020 T, № 2850, Cockerill, Baujahr 1913) und 6 Diesellokomotiven. Für die Fahrgäste stehen 8 historische Wagen mit offenen Plattformen (ex ÖBB) zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit der Breisacher Fahrgast-Schiffahrt bietet der Verein die Kombination von Dampfzug und Rheinschifffahrt an, wobei die Rundreise am restaurierten Bahnhof von Volgelsheim, Baujahr 1880, beginnt.

Elsass-Lothringische T 3, 030TB134, № 6134, Elsässische Maschinenbau-Gesellschaft Grafenstaden, Baujahr 1900, am Bahnhof Volgelsheim

Der „Ried Express“ verkehrt von Anfang Mai bis Ende September, doch der Termin für die Rundreise Ende August war ausgesprochen schlecht gewählt, denn rechtzeitig zur Rückkehr des Zuges am Bahnhof Volgelsheim ließ sich endlich die Sonne blicken.

Elsass-Lothringische T 3, 030TB134, № 6134, Elsässische Maschinenbau-Gesellschaft Grafenstaden, Baujahr 1900, am Bahnhof Volgelsheim

Auf dem Weg zur Schiffsanlegestelle Sans-Souci macht der Zug am Depot des CFTR am Rheinhafen in Neuf-Brisach Halt, wo die historischen Fahrzeuge untergestellt sind und instand gehalten werden.

020 T, № 5844, Henschel & Sohn, Cassel, Baujahr 1901, im Depot des CFTR am Rheinhafen in Neuf-Brisach

MS „Weinland Baden“ der Breisacher Fahrgast-Schiffahrt, Baujahr 1980, an der Schiffsanlegestelle Sans-Souci

Breisach

Diesellok der Hafenbahn des Port Rhenan in Neuf-Brisach

A1A-A1A 62029, Baldwin Locomotive Works, Philadelphia, USA, Baujahr 1946/47

Elsass-Lothringische T 3, 030TB134, № 6134, Elsässische Maschinenbau-Gesellschaft Grafenstaden, Baujahr 1900, am Bahnhof Volgelsheim

Elsass-Lothringische T 3, 030TB134, № 6134, Elsässische Maschinenbau-Gesellschaft Grafenstaden, Baujahr 1900, am Bahnhof Volgelsheim

Bahnhof Volgelsheim

Ehemahliger Postwagen der SNCF am Bahnhof Volgelsheim

Breisach am Rhein

Europastadt mit über 4.000-jähriger Geschichte

Breisach am Rhein liegt an der deutsch-französischen Grenze auf halbem Weg zwischen Freiburg im Breisgau und Colmar. Die Geschichte Breisachs reicht über 4.000 Jahre zurück. Auf dem Münsterberg befand sich ein keltischer Fürstensitz, danach ein römisches Kastell, und seit dem frühen Mittelalter war er das Zentrum der aufstrebenden Stadt mit Markt- und Münzrecht. Breisach war bis 1945 Grenzbahnhof der internationalen Eisenbahnlinie Freiburg – Colmar. Da die Eisenbahnbrücke über den Rhein im Zweiten Weltkrieg – wie 85% der Stadt – durch heftigen Artilleriebeschuss zerstört wurde, ist der Bahnverkehr seither auf die deutsche Seite des Rheins beschränkt. Die Breisgau-S-Bahn verbindet Freiburg im Breisgau mit Breisach am Rhein.

Münster St. Stephan

Das Münster St. Stephan wurde im 12. bis 15. Jahrhundert im romanischen und gotischen Stil erbaut und zum Ende des Zweiten Weltkriegs stark zerstört. Trotzdem sind im Inneren bedeutende Kunstschätze wie das „Jüngste Gericht“ von Martin Schongauer (* um 1445/1450 in Colmar, Elsass; † 2. Februar 1491 in Breisach am Rhein) erhalten, doch ein Geschäftemacher möchte hier seine Ansichtskarten verkaufen und verbietet daher Fotoaufnahmen im Inneren der Kirche. Da sich so genannte Selfies jedoch in Windeseile aufnehmen lassen und noch viel schneller im Internet gepostet sind, glaubt derjenige, dies mit dem Hinweis „Veröffentlichung und Verbreitung von Aufnahmen jeder Art ist strikt untersagt!“ unterbinden zu können. Glaube versetzt bekanntlich Berge… Dislike²!

Münster St. Stephan, Tympanon über dem Westportal

frühgotische Krypta mit dem zerschossenen Christus und dem Dornenkranz von Helmut Lutz, 1978

Das Gutgesellentor wurde 1402 erbaut und nach Wächterfamilie Gutgesell benannt. 1415 wurde an diesem Tor Papst Johannes XXIII. auf der Flucht vom Konstanzer Konzil verhaftet.

Gutgesellentor

Der Name des einstigen Bürgergefängnisses geht auf den bürgerlichen Landvogt Peter von Hagenbach (* um 1420, † 9. Mai 1474 in Breisach am Rhein) zurück, der hier vor seiner Verurteilung 1474 inhaftiert war.

Hagenbachturm und Ehrenmal für die Opfer der Kriege und die Heimkehrer von Bildhauer Karl Heinz Engelin (* 17. November 1924 in Memel, † 1. Dezember 1986 in Hamburg), 1955

Radbrunnenturm mit „Radbühne“ von Helmut Lutz, seit 2013 in Breisach

Das bereits im 17. Jahrhundert erwähnte Gasthaus „Zum St. Peter“ war 1829 bis 1941 jüdisches Gemeindehaus. Nach aufwendiger Restaurierung ist es heute Veranstaltungs- und Dokumentationsstätte zur jüdischen Geschichte Breisachs und der Region.

„Blaues Haus“, 1829 – 1941 jüdisches Gemeindehaus

Rheintor

Weintrauben

Vom 29. August bis 1. September 2014 findet das 58. Weinfest Kaiserstuhl & Tuniberg mit Weindorf und Vergnügungspark auf dem Festgelände in Breisach statt.

Vergnügungspark beim Weinfest

Sonnenuntergang am Rhein

Das Feuerwerk über dem Rhein am ersten Veranstaltungstag sah vom Eckartsberg, einem kleinen, mit Reben bewachsenen Berg südlich der Breisacher Altstadt, jedoch wenig spektakulär und nicht wie ein großes Höhenfeuerwerk aus. Eben doch alles eine Frage des Standpunktes.

Feuerwerk

Feuerwerk

Feuerwerk

In erster Linie geht es beim Weinfest natürlich um die Präsentation der Weine und deren Konsum. Da liegt es beinahe auf der Hand, einmal nachzuschauen, wie der vergorene Beerensaft denn überhaupt entsteht, zumal sich in Breisach mit dem Badischen Winzerkeller eine der größten Weinerzeugerkellereien Deutschlands befindet, die beim Weinfest am Samstag und Sonntag stündlich Führungen durch die Kellerei anbietet. Als besonderes Highlight schlüpft Rainer Rother bei den Führungen um 14 und 16 Uhr in historischen Gewändern in die Rolle des Baron von Münchhausen, der für seine Lügengeschichten bekannt ist. Dementsprechend bleibt es bei diesen Führungen dem gesunden Menschenverstand überlassen, zu entscheiden, was ungelogen der Wahrheit entspricht und was womöglich eine Lügengeschichte ist.

Badischer Winzerkeller

Kellerführung mit „Baron von Münchhausen“ aka Rainer Rother

Bereits die Römer haben in der Gegend um Breisach den Weinbau kultiviert. Am 13. März 1952 wurde in Breisach die „Zentralkellerei Kaiserstühler Winzergenossenschaften“ gegründet, die zwei Jahre später in die „Zentralkellerei Badischer Winzer­genossenschaften“ umgewandelt wurde. 1982 entstand der Neubau der Kellereianlage am Stadtrand von Breisach, die rund 100 Millionen Liter Wein und Most aufnehmen kann und auch die Kelterung der Trauben sowie den Ausbau und die Vermarktung der Weine übernimmt. Übrigens: Der Badische Winzerkeller gehörte 2006 im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ zu den Preisträgern in der Kategorie Wirtschaft. Bei dem Blick hinter die Kulissen der Weinerzeugung können die Besucher die Traubenannahme- und Kelterstation, den Lagerkeller mit den gewaltigen Stahltanks, die Wein­abfüll­anlagen und das Flaschenlager in Augenschein nehmen. Danach fährt man mit dem „Besucherbähnle“ durch das unterirdische Weinarchiv bis zum Holzfasskeller. Beim Weinfest war die Traubenannahme- und Kelterstation noch wie ausgestorben, doch wenn im September die Weinlese beginnt, wird hier auch am Wochenende geschäftiges Treiben herrschen, denn das Lesegut muss möglichst rasch in das Kelterhaus gelangen.

Badischer Winzerkeller, Stahltanks

Badischer Winzerkeller, Weinabfüllanlage

Badischer Winzerkeller, Kommissionierhalle

Führungen durch die Kellerei finden nur zu besonderen Anlässen in historischen Kostümen statt. Bei der Glühwein-Nacht führt ein gewisser Graf aus den Karpaten zu Fuß durch das unterirdische, an diesem Abend lediglich mit Kerzen beleuchtete Weinarchiv. Angeblich folgen die weiblichen Besucher diesem Herrn mit gehörigem Abstand, um nicht in seinen Bann gezogen werden. Ob man dieser Erzählung von Baron von Münchhausen Glauben schenken darf? Schließlich sind gerade weibliche Besucher bei anderer Gelegenheit von den Darstellern dieses Herrn völlig begeistert und angetan…

Badischer Winzerkeller, Holzfasskeller

Badischer Winzerkeller, Holzfasskeller

Im Holzfasskeller sollte man seinen Blick nicht nur auf sein gefülltes Weinglas lenken, sondern auch auf die durch feine Schnitzarbeiten kunstvoll verzierten Weinfässer.

Badischer Winzerkeller, Holzfasskeller

Badischer Winzerkeller, Holzfasskeller

Badischer Winzerkeller, Holzfasskeller

Weintrauben

Hochstetten, „Hedwig“ und „Friederike“

Verenenkapelle mit angebautem Schulhaus

Katze

Kaki

Zwetschgen

Samstag, 30. August 2014

Vorschau: „Das Wunder von Bern“

„Das Wunder von Bern“ – nach dem gleichnamigen Film von Sönke Wortmann; Musik: Martin Lingnau; Gesangstexte: Frank Ramond; Buch, Inszenierung: Gil Mehmert; Choreografie: Simon Eichenberger; Konzept und Choreografie vertikale Fußballakrobatik: Brendan Shelper/battleROYAL; Bühnenbild: Jens Kilian; Kostümbild: Stefanie Bruhn; Lichtdesign: Andreas Fuchs; Videodesign: Ad de Haan, Timm Ringewaldt; Illustrationen Bühne: Jan-Michael-Richter, Rainer Stock; Sounddesign: John Shivers, David Partrige; Musical Supervisor, Vocal Arrangements: Sebastian de Domenico; Musikalische Leitung: Christoph Bönecker. Darsteller: Detlef Leistenschneider (Richard Lubanski), Vera Bolten (Christa Lubanski), Sonia Farke (Christa Lubanski alternierend), Marie-Anjes Lumpp (Ingrid Lubanski), David Jakobs (Bruno Lubanski/Werner Liebrich), Riccardo Campione/Leif Lunburg/Julius Störmer/Pelle Wilhelm u. a. (Matthias Lubanski), Elisabeth Hübert (Annette Ackermann), Andreas Bongard (Paul Ackermann), Dominik Hees (Helmut Rahn), Mark Weigel (Fritz Walter/Cover Richard Lubanski), Dennis Henschel (Berni Klodt/Flugakrobat), Robin Brosch (Sepp Herberger/Bohse), Tetje Mierendorf (Pfarrer Keuchel/Grabitz), Jogi Kaiser (Tiburski/Putzfrau im Hotel/Adi Dassler), Kinderclique: N. N. (Mischa), Marlo Grosshardt u. a. (Peter), N. N. (Lutz) und Zoe Sophie Krüger/Alice Caroline Maschmann/Lia Römmer u. a. (Carola); Walk In Cover: Patrick Imhof (Walk In Cover Richard Lubanski, Tiburski/Putzfrau im Hotel/Adi Dassler, Pfarrer Keuchel/Grabitz), Michael Ophelders (Walk In Cover Sepp Herberger/Bohse, Tiburski/Putzfrau im Hotel/Adi Dassler, Pfarrer Keuchel/Grabitz); Ensemble: David Allers (Cover Fritz Walter), Pavlo Antonov (Josef Posipal/Flugakkrobat), Matt Cox (Werner Kohlmeyer, Tommy/Flugakrobat), Alexandra Farkic (Wunderfräulein, Cover Christa Lubanski), Adrian Fogel (Karl Mai/Fußballartist), Dennis Henschel (Berni Klodt/Flugakrobat), Dominik Kaiser (Hans Schäfer/Fußballartist), Robin Koger (Horst Eckel/Flugakrobat), Pedro Reichert (Toni Turek/Flugakrobat, Cover Bruno Lubanski, Cover Helmut Rahn, Cover Berni Klodt), Florian Soyka (Max Morlock/Flugakrobat, Cover Fritz Walter, Cover Paul Ackermann), Shari Lynn Stewen (Wunderfräulein, Cover Ingrid Lubanski, Cover Annette Ackermann), Daniel Therrien (Ottmar Walter/Flugakrobat, Flight Captain), Franziska Trunte (Wunderfräulein, Cover Ingrid Lubanski); Swings: James Cook, Amaya Keller, Giuliano Mercoli (Swing/Flugakkrobat, Assistant Choreographer, Dance Captain), Esther Mink (Assistant Dance Captain), David Pellerin (Swing/Flugakrobat), Gabriela Ryffel, Hendrik Schall (Swing/Flugakrobat), Tanja Schön (Cover Annette Ackermann, Cover Christa Lubanski), Patrick Adrian Stamme (Swing/Flugakkrobat, Cover Bruno Lubanski, Cover Paul Ackermann, Cover Fritz Walter, Cover Berni Klodt), Matteo Vigna (Swing/Flugakrobat). Uraufführung: 23. November 2014, Theater an der Elbe, Hamburg.



„Das Wunder von Bern“


Uraufführung in Hamburg im November 2014


„Das Wunder von Bern“, © Stage Entertainment

Am 23. November feiert „Das Wunder von Bern“ Weltpremiere im neuen Stage Theater an der Elbe. Seit der Ankündigung des Musical-Großprojekts im Januar diesen Jahres ist viel passiert. Regisseur Gil Mehmert gab nun in der Hamburger Speicherstadt einen Einblick in die Produktion. „Etwas so groß dimensioniertes wie „Das Wunder von Bern“ hat es als Eigenproduktion in Deutschland wahrscheinlich noch nicht gegeben“, so Mehmert. „Wir arbeiten jetzt seit gut drei Jahren an diesem Projekt und vom Timing und Aufwand bewegen wir uns auf Hollywood-Niveau. Wichtiger als jede Technik ist aber die Geschichte. Und ich bin überglücklich, dass wir hierfür so tolle Darsteller gefunden haben.“

„Das Wunder von Bern“, © Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Detlef Leistenschneider spielt den Kriegsheimkehrer Richard Lubanski, Vera Bolten seine Frau Christa. Die beiden ältesten Kinder Bruno und Ingrid werden verkörpert von David Jakobs und Marie Lumpp. Im WM-Kader stehen unter anderem Robin Brosch als Sepp Herberger, Domink Hees als Helmut Rahn und Mark Weigel als Fritz Walter. Sportreporter Paul Ackermann wird gespielt von Andreas Bongard und seine Frau Annette von Elisabeth Hübert. Tetje Mierendorf ist in der Rolle des Pfarrers Keuchel zu sehen. Und die Hauptrolle des kleinen Matthias? Gil Mehmert: „Wir werden wohl erst wenige Tage vor der Premiere wissen, welches Kind diese Hauptrolle übernehmen kann. Um die fünf Kinderrollen im Musical allabendlich zu besetzen, benötigen wir 40 Kinder fest in der Cast.“ Um dies zu gewährleisten, hat Stage Entertainment eine Ausbildungsstätte gegründet. Zwischen 70 – 100 talentierte Kinder werden hier kostenlos und spielerisch an die Arbeit in Theatern herangeführt. „Die Arbeit mit Kindern ist sehr sensibel“, so Mehmert: „Die Kinder dürfen den Spaß am Spiel nicht verlieren und entwickeln sich sehr unterschiedlich. Deshalb entscheiden wir erst sehr spät, welche Kinder wir mitnehmen in den Probenprozess.“

„Das Wunder von Bern“, © Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Um die Filmvorlage von Sönke Wortmann auf die Musicalbühne zu bringen, werden mehr als 600 Kostüme benötigt, welche von der renommierten Kostümbildnerin Stefanie Bruhn entworfen wurden. Fast 100 Perücken aus Echthaar sind nötig, um die Zeit von 1954 wieder aufleben zu lassen. Diese sind handgeknüpft und werden vom Wig and Make-Up Artist Harold Mertens in Rotterdam und Bali produziert. Und was ist mit Fußball? Gil Mehmert augenzwinkernd: „Ich sag es mal so. Spielen wir beim Wunder von Bern Fußball? Nein. Erleben wir im Wunder von Bern Fußball? Ja.“ Der Regisseur fährt fort: „Fußball spielt im gesamten Musical eine Rolle. Das fängt mit den Kindern an, die Dosen kicken, und endet bei der Umsetzung des WM-Endspiels. Um dies zu inszenieren, haben wir uns mit Produzenten und Kreativen über Wochen eingeschlossen und Ideen entwickelt. Wie es final umgesetzt wird, verraten wir noch nicht. Aber es soll die Menschen mitreißen, wie seinerzeit Helmut Rahns Siegtor.“

„Das Wunder von Bern“, © Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Freitag, 29. August 2014

Augusta Raurica

Lebendige Römerstadt am Hochrhein

Römerhaus

Im Jahre 44 v. Chr. gründete Lucius Munatius Plancus, einer der Feldherren von Gaius Iulius Caesar, am Knotenpunkt wichtiger Verkehrsrouten, der Nord-Süd-Verbindung von Italien ins Rheinland und die West-Ost-Verbindung von Gallien an die Donau und nach Ratien auf den Rhein, die Colonia Raurica, den ältesten römischen Stützpunkt am Rhein. Allerdings konnten aus dieser Zeit keine Funde nachgewiesen werden, die frühesten archäologischen Spuren stammen erst aus der Zeit um 15 v. Chr. Nachdem die römische Armee auch das Gebiet jenseits des Rheins erobert hatte, entwickelte sich Augusta Raurica zu einem regionalen Zentrum mit Marktplätzen, Theatern, Thermen und Tempeln. Zur Blütezeit lebten und arbeiteten hier zwischen 10.000 und 15.000 Menschen. Im 3. Jahrhundert n. Chr. mussten die Römer die nördlichen Reichsgrenzen an den Rhein zurückverlegen. Das einstige Stadtzentrum von Augusta Raurica rund um das Forum wurde verlassen. In Kaiseraugst errichtete die Armee ein mächtiges Kastell. Im frühen Mittelalter entstand daraus eine Siedlung, die für einige Zeit Bischofssitz der Region war. Im 7. und 8. Jahrhundert begann der Aufstieg der rheinabwärts gelegenen Stadt Basel. Die ehemalige römische Kolonie Augusta Raurica wurde zum Fischerdorf.

Lapidarium neben dem Römerhaus: Grabsteine

Heute ist Augusta Raurica eine lebendige Römerstadt. Viele der römischen Bauten sind durch Ausgrabungen erforscht und öffentlich zugänglich gemacht worden: das Theater mit dem gegenüber liegenden Tempel auf dem Schönbühl, das Forum mit Tempel, Basilica und dem Rathaus, der Curia, die Badeanlage und das unterirdische Brunnenhaus, der unterirdische Abwasserkanal im südlichen Teil der Stadt, das Amphitheater, die unterirdisch geführte römische Wasserleitung von Liestal nach Augusta Raurica, oder die Überreste des spätrömischen Kastells in Kaiseraugst. Angebote für Schulen, Familien und Touristen, Workshops, Publikumsgrabung, Theater-Spektakel, Führungen für Groß und Klein und natürlich das Römerfest Ende August machen die Zeitreise in die Antike zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Bronzemodell: Forum, Theater und Tempel auf Schönbühl

Theater

Im am besten erhaltenen Theater nördlich der Alpen wurde das Publikum in römischer Zeit mit Komödien und Pantomimen unterhalten, heute werden Theaterinszenierungen, Konzerte und andere Veranstaltungen angeboten.

Theater

Theater

Theater

Der große Backofen in der Taberna war bei der Ausgrabung fast vollständig erhalten.

Taberna

Forum

Monumentenrestaurierung an der Basilikastützmauer auf dem Forum

Curia

Gladiatorenmosaik

Hypokaust

Badeanlage

Brunnenhaus

Brunnenhaus

Handels- und Gewerbehaus

Handels- und Gewerbehaus

Heiligtum in der Grienmatt

Wasserleitung

Wasserleitung

Wasserleitung

Kloake (Abwasserkanal)

Kaiseraugst: Kastellmauer

Die Statue der Venus kam im Fundament der Kastellmauer zum Vorschein. Der Torso diente als Baumaterial für die Wehrmauer. Ursprünglich stand die Liebesgöttin wahrscheinlich in einem Garten oder in einem Bad.

Kopie der Venus aus der Kastellmauer, 200 – 260 n. Chr.

Rheinthermen

In der Regel badeten Frauen und Männer getrennt. Für sittenstrenge Römer war das gemeinsame Bad unmoralisch.

Statuette eines sich umarmenden Paares

Bischofsresidenz

„Odysseus überlistet Achilles“, Mittelmedaillon der Achilles-Platte aus dem Silberschatz von Augusta Raurica, 330 bis 340 nach Christus, Replik

Das Museum Augusta Raurica mit dem Silberschatz und dem Römerhaus sowie die Außenanlagen und der Tierpark sind täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Außenanlanlgen und der Tierpark können bei freiem Eintritt besucht werden. Weitere Informationen unter www.augusta-raurica.ch. Bei der Anreise aus Deutschland über die BAB 861 benötigt man auf dem Hoheitsgebiet der Schweizerischen Eidgenossenschaft auf dem Autobahnzubringer zur Nationalstrasse N3 bis zur Ausfahrt Rheinfelden-West keine Autobahn-Vignette für die Schweiz.

Legionärslager: Befestigungsanlage

Aus Anlass ihres 20-jährigen Jubiläums treffen sich die Mitglieder des Vereins „Vex Leg XI CPF“ (Vexillum Legio XI Claudia Pia Fidelis) in der Woche vor dem Römerfest in einem Militärlager in Augusta Raurica. Die „Vex Leg XI CPF“ setzt sich mit der römischen Kaiserzeit im Zeitraum von ca. 60 bis 100/110 n. Chr. auseinander. Dargestellt wird einerseits der militärische Alltag der damaligen Legionäre. Eine unverzichtbare Quelle ist dabei die historisch überlieferte und durch zahlreiche archäologische Funde verbürgte Präsenz der Legio XI CPF im Legionslager von Vindonissa (Windisch, Kanton Aargau). Stationiert war die Legion am Zusammenfluss von Reuss und Aare von 69 – 101 n. Chr. Doch keine Legion kam ohne ziviles Umfeld aus. Händler, Handwerker, aber auch Frauen und Kinder folgten jeweils dem marschierenden Heer und errichteten neben dem militärischen Lager ein ziviles Feldlager mit Wohneinheiten, Verkaufsständen und Garküchen. Die Darstellung dieses Zivillebens – manche Legionäre hatten trotz staatlichem Verbot ihre Familien „im Gepäck“ – ist das andere Anliegen des Vereins.

Legionärslager: Fahnenheiligtum

Legionärslager, Maske eines Legionärs