Mittwoch, 2. Juli 2014

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

Johannes Klaus und Adolf Winkelmann inszenieren den Ersten Weltkrieg auf der Kokerei Zollverein

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“ – nach einer szenischen Collage von Gerold Theobalt; Inszenierung: Johannes Klaus und Adolf Winkelmann; Ausstattung: Birgitta Weiss; Komposition und Musikalische Leitung: Thomas Hufschmidt; Choreografie: Raymond Liew Jin Pin; Kampfszene: Ellen Kelm-Kästner; Schauspiel: Stefan Herrmann, Miriam Haltmeier, Christina Jung, Michael Knöfler, Pola O´Mara, Maximilian Pulst, Andreas Rother, Luana Velis, Benjamin Werner, Luca Zahn; Tanz: Baptiste Bersoux, Valentina Lucia Herold; Piano: Thomas Hufschmidt, Kontrabass: Johannes Nebel, Schlagzeug: Philipp Klahn; Bildgestaltung: David Wesemann, Gerrit Hecht; Tongestaltung: Max Walter, Pascal Gehrke; Kamera: Nick Byerly, Sebastian Salanta, Jan Thierhoff; Licht: Fatmir Dolci, Marwin Stindt. Premiere: 2. Juli 2014, Kokerei Zollverein.

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

Am 28. Juni 1914 wurden Erzherzog Franz Ferdinand, seit 1896 Thronfolger von Österreich-Ungarn, und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg, bei ihrem Besuch in Sarajevo von Gavrilo Princip, einem Mitglied der serbisch-nationalistischen Untergrundorganisation „Mlada Bosna“, erschossen. Daraufhin begann am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Anlässlich der großen Publikums­ausstellung „1914 – Mitten in Europa“, die bis zum 24. Oktober 2014 den Ersten Weltkrieg und die gewaltigen gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit von 1890 bis 1930 thematisiert, präsentieren Stiftung Zollverein und Ruhr Museum in Kooperation mit dem LVR-Industriemuseum das genreübergreifende Kulturprogramm „1914 – Dramen der Moderne“. Theaterschaffende, DJs, Videokünstler, Musiker und Studierende der Folkwang Universität der Künste und der FH Dortmund setzen sich mit Ursachen und Wirkungen dieses später als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichneten Krieges auseinander. Zum Auftakt des Kulturprogramms wird am 2. und 3. Juli sowie vom 14. bis zum 17. Juli 2014 jeweils um 20.30 Uhr das Stationen-Theater „14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“ am Druckmaschinengleis und im Salzlager auf der Kokerei Zollverein zur Aufführung gebracht.

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

Die multimediale Annäherung an den Ersten Weltkrieg zeigt, auf welche Weise sich zeitgenössische Künstler vor 100 Jahren mit den Ereignissen ihrer Zeit auseinandergesetzt haben und auf welche Weise sich die heutige Facebook- und Twitter-Generation ein Bild von den Schreckensereignissen des Krieges macht. Dramaturg Gerold Theobalt hat verschiedene Künstler-Stimmen der Kriegsgeneration zu einer szenischen Collage zusammengetragen, von Otto Dix (* 2. Dezember 1891 in Untermhaus, † 25. Juli 1969 in Singen) über Max Beckmann (* 12. Februar 1884 in Leipzig, † 27. Dezember 1950 in New York City) bis hin zu Oskar Kokoschka (* 1. März 1886 in Pöchlarn, Niederösterreich, † 22. Februar 1980 in Montreux, Schweiz), von Erich Maria Remarque (* 22. Juni 1898 in Osnabrück, † 25. September 1970 in Locarno), Ford Madox Ford (* 17. Dezember 1873 in Merton, Surrey, England, † 26. Juni 1939 in Deauville, Calvados, Frankreich) bis hin zu Michail Afanassjewitsch Bulgakow (* 15. Mai 1891 in Kiew, Russisches Kaiserreich, † 10. März 1940 in Moskau, Sowjetunion).

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

Zusammen mit Studierenden des 3. Jahrgangs Schauspiel, zwei Jazzmusikern und TänzerInnen der Folkwang Universität der Künste und Studierenden des Instituts für Bewegtbildstudien der FH Dortmund inszeniert Regisseur Johannes Klaus, Folkwang Professor für Praktische Theaterarbeit, diese Szenen in der beeindruckenden schwerindustriellen Atmosphäre der Kokerei Zollverein. Ein wichtiger Teil des Regiekonzepts sind filmische Interventionen, mit denen der Dortmunder Filmemacher Adolf Winkelmann (u. a. „Contergan“ mit Benjamin Sadler und Katharina Wackernagel, „Die Reise ins U – Fliegende Bilder – eine Filminstallation in drei Stationen für das Dortmunder U“) und seine Kamerateams aktiv in das Spielgeschehen eingreifen und unsere Sichtweise auf vergangene, aber auch aktuelle Kriege thematisieren. Die Musik für das Stationen-Theater hat Thomas Hufschmidt, Folkwang Professor für Jazz-Klavier, Jazztheorie und Big-Band-Leitung, komponiert, für die Choreografie zeichnet Folkwang Absolvent Raymond Liew Jin Pin verantwortlich.

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

Die etwa zweistündige Theatercollage beginnt am Druckmaschinengleis, der größte Teil wird jedoch im bestuhlten Salzlager ohne Pause gespielt, wobei die Schauspieler die Zuschauer mit Spielszenen vom Druckmaschinengleis zum Salzlager geleiten. Das Druckmaschinengleis musste dem Vernehmen nach vorher mit Wasser aufgefüllt werden, da es nahezu ausgetrocknet war. Als Stück im Stück ist im Salzlager zunächst eine Theaterszene aus William Shakespeares „Romeo und Julia“ zu sehen, bei der sich im Mai 1597 die Montagues und Capulets in Verona „bekriegen“, um nach Schließen des Theatervorhangs (in der Videoprojektion) auf die Ereignisse ab Juli 1914 zu fokussieren, wobei auch Kriegsereignisse wie die Seeschlacht vor dem Skagerrak als größte Seeschlacht des Ersten Weltkrieges am 31. Mai/1. Juni 1916 in den Gewässern vor Jütland zwischen der deutschen Hochseeflotte und der Grand Fleet der Royal Navy in die Collage einbezogen sind. Eindrucksvoll und beklemmend zugleich führt „14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“ auch die verheerenden Kriegsfolgen vor Augen, so dass man wie John F. Kennedy nur zu der Einsicht gelangen kann, „Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.“ (aus seiner Rede vor den Vereinten Nationen am 25. September 1961) Übrigens, vom 3. bis 6. September 2014 soll das außergewöhnliche Theaterprojekt auch in Palästina mit Aufführungen in Bethlehem, Jenin und Ramallah zu sehen sein.

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

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„14/18 – Die Welt in Brand. Theatercollage in Bewegung“

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