Mittwoch, 11. Juni 2014

Die Spielzeit 2014/15 am Theater Dortmund

„Jesus Christ Superstar“

„Jesus Christ Superstar“ – nach dem Neuen Testament; Musik: Andrew Lloyd Webber; Liedtexte: Tim Rice; Buch: Tom O´Horgan; Regie: Gil Mehmert; Choreografie: Kati Farkas; Ausstattung: Beatrice von Bomhard; Musikalische Leitung: Jürgen Grimm. Darsteller: David Jakobs/Sven Fliege (Judas Ischariot), Alexander Klaws/Nikolaj Alexander Brucker (Jesus von Nazareth), Patricia Meeden (Maria Magdalena), Hans-Werner Bramer (Kaiphas), Jens Petter Olsen (Simon Zelot), Carl Kaiser, Hiroyuki Inoue und Ian Sidden (3 Priester), Mark Weigel/Markus Schneider (Pontius Pilatus, Hannas), Fritz Steinbacher (Petrus), N. N. (Mädchen am Feuer), Ian Sidden (Alter Mann), Ks. Hannes Brock (Herodes), Catherine Chikosi, Yoko El-Edrisi und Patricia Meeden (Soul Girls), Mario Ahlborn, Jan Bastel, Hermann Bedke, Merlin Fargel, Yvonne Forster, Inga Krischke, Min Lee, Hanna Mall, Christian Pienaar, Alexander Sasanowitsch, Darius Scheliga, Thomas Warschun, Richard-Salvador Wolff, Vera Weichel, Anna Winter. Uraufführung: 12. Oktober 1971, Mark Hellinger Theatre, New York. Premiere: 13. Oktober 2013, Theater Bonn, 19. Oktober 2014, Theater Dortmund.

Musikalische Auseinandersetzungen mit Jesus Christus und der Passionsgeschichte haben eine lange Tradition, selbst Musicals zu dem Thema gab es schon vor Lloyd Webber. Was die konservativen Kreise damals jedoch befremdete, war der Ansatz von Librettist Tim Rice, die letzten sieben Tage Jesu aus der Sicht von Judas zu erzählen. Judas, nicht ein Verräter, sondern ein Freund und Anhänger von Jesus, der besorgt beobachtet, wie ihre gemeinsame Bewegung aus dem Ruder läuft: Die immer fanatischer werdenden Anhänger machen aus Jesus eine Kultfigur, erheben jedes seiner Worte zur absoluten Wahrheit, während er selbst zunehmend launischer und unzugänglicher wird. Tim Rice entwirft das Bild eines zutiefst menschlichen Jesu, den aber Anhänger und Gegner gleichermaßen zum Superstar stilisieren. In Zeiten des Starkults, der Sehnsucht nach Leitfiguren und verbindlichen Werten sind die Fragen, die „Jesus Christ Superstar“ aufwirft, nach wie vor hoch aktuell.


„Roxy und ihr Wunderteam“

„Roxy und ihr Wunderteam“ – Vaudeville-Operette von Paul Abraham; Gesangstexte: Alfred Grünwald und Hans Weigel; Textbuch von Alfred Grünwald; Regie: Thomas Enzinger; Choreografie: Ramesh Nair; Ausstattung: Toto; Musikalische Leitung: Philipp Armbruster. Darsteller: Ks. Hannes Brock (Sam Cheswick, Fabrikant), Emily Newton (Roxy, seine Nichte), Fritz Steinbacher (Bobby, ihr Verlobter), Lucian Krasznec (Gjurka Karoly, Mannschaftskapitän), Jens Janke (Hatschek, Tormann) Tamara Weimerich Tina Podstawa/Veronika Enders (Ilka Pirnitzer), Johanna Schoppa (Aranka von Tötössy); Fußballteam: Mario Ahlborn, Carl Kaiser, Min Lee, Christian Pienaar, Nico Schweers, Ian Sidden, Nico Stank, Frank Wöhrman; Pensionatsschülerinnen: Yael de Vries, Nicole Eckenigk, Veronika Enders, Maren Kristin Kern, Janina Moser, Johanna Mucha; Thomas Günzler (Verwalter). Uraufführung: 18. Dezember 1936, Király Szinház (Königstheater), Budapest. Deutschsprachige Erstaufführung: 25. März 1937, Theater an der Wien, Wien. Deutsche Erstaufführung: 29. November 2014, Theater Dortmund.

Am ungarischen Plattensee bereitet sich das so genannte Wunderteam auf ein entscheidendes Spiel vor. Die Disziplin der jungen Fußballer fällt allerdings just in dem Moment in sich zusammen, als die Schülerinnen eines Mädchenpensionats nebenan Quartier beziehen, um ihrem guten Benehmen einen letzten Schliff verpassen zu lassen. Und dann wäre da noch Roxy, die am Hochzeitstag vor ihrem dümmlichen Verlobten und ihrem geizigen Onkel geflohen ist und ausgerechnet in dem Fußballteam Aufnahme gefunden hat. Zum Finale treffen sich alle im Stadion: „3:1 für die Liebe“ – so der Titel der späteren Verfilmung.

Das neue Interesse an den Jazz-Operetten der 1930er Jahre und das wachsende Bewusstsein für eine historische Aufführungspraxis auch in der Unterhaltungsmusik führten in den letzten Jahren zu einer Neuentdeckung der Musik Paul Abrahams. Mit Hilfe von Autographen, historischen Einspielungen und Filmen stellen die Abraham-Spezialisten Matthias Grimminger und Henning Hagedorn die Urfassung der Partituren Abrahams so weit wie möglich wieder her. In dieser Fassung wird die Fußballoperette zur längst fälligen deutschen Erstaufführung gebracht. Wo, wenn nicht hier?


„Anatevka – Fiddler on the Roof“

„Anatevka“ – nach dem jiddischen Roman „Tewje, der Milchmann“ von Scholem Alejchem; Musik: Jerry Bock; Liedtexte: Sheldon Harnick; Buch: Joseph Stein; Deutsche Bearbeitung: Rolf Merz, Gerhard Hagen; Regie: Johannes Schmid; Choreografie: Michael Schmieder; Bühne: Michael S. Kraus, Daniel Unger; Kostüme: Stefanie Bruhn; Video: Jana Schatz; Musikalische Leitung: Philipp Armbruster. Darsteller: Ks. Hannes Brock (Tevje, ein Milchmann), Ilse Winkler (Golde, seine Frau), Ileana Mateescu (Zeitel), Tamara Weimerich (Hodel), Anke Briegel (Chava), Anna-Katharina Schulz/Maret Zeino-Mahmalat (Shprintze), Leah Sophie Grün/Dana Gonzáles (Bielke), Ileana Mateescu (Oma Zeitel, Goldes verstorbene Großmutter), Petra Einhoff (Jente, eine Heiratsvermittlerin), Lucian Krasznec (Mottel Kamzoil, ein Schneider), Renate Höhne (Schandel, seine Mutter), Thomas Günzler (Lazar Wolf, ein Metzger), Christine Groeneveld (Fruma-Sara, Lazar Wolfs erste Frau), Morgan Moody (Perchik, ein Student), Savo Pugel (Motschach, ein Gastwirt), Georg Kirketerp (Rabbi), Thomas Warschun (Mendel, sein Sohn), Carl Kaiser (Awram, ein Buchhändler), Johannes Knecht (Jussel, ein Hutmacher), N. N. (Nachum, ein Bettler), Florian Schmidt-Gahlen (Wachtmeister), Markus Schneider (Fedja, ein junger Russe), N. N. (Sasha, sein Freund), Blazej Grek, Primož Vidovič (Russischer Vorsänger), Maurice Maurer, Albrecht Maurer (Solo-Violine) u. a. Broadway-Premiere: 22. September 1964, Imperial Theatre, New York City. Deutsche Erstaufführung: 1. Februar 1968, Operettenhaus, Hamburg. Premiere: 19. Oktober 2013, Wiederaufnahme: 31. Januar 2015, Theater Dortmund.

Tradition ist das Zauberwort in Anatevka, einem kleinen jüdischen Dorf in der Ukraine. Der gutherzige Milchmann Tevje ist stolzer wie geplagter Vater von fünf Töchtern, die unter die Haube zu bekommen sind. Doch die eigenwilligen Heiratspläne seiner erwachsenen Töchter bringen sein festgefügtes Weltbild voller traditioneller Familienwerte, nach der der Vater den heiratsvermittelten Männern den Zuschlag gibt, mächtig ins Wanken. Seine älteste Tochter Zeitel hat sich mit dem armen Schneider Mottel Kamzoil verlobt, Hodel, die zweitälteste Tochter, verliebt sich in den Studenten Perchik, und Chava, die drittälteste Tochter, möchte gar den nicht-jüdischen jungen Russen Fedja heiraten. Das sorgt für rege familiäre und dörfliche Turbulenzen. Doch dann kommt der Befehl des Zaren, dass die Juden Anatevka innerhalb von drei Tagen verlassen müssen…

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