Mittwoch, 25. Juni 2014

DASA Arbeitswelt Ausstellung

Ein Ausflug in die Arbeitswelt von gestern, heute und morgen

Eingangsbereich der DASA Arbeitswelt Ausstellung

Die DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund vermittelt als ständige und bildungsaktive Einrichtung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf über 13.000 m² Ausstellungsfläche unter den Leitmotiven „Mensch – Arbeit – Technik“, welchen Belastungen der Mensch bei seiner täglichen Arbeit ausgesetzt ist, und stellt Lösungen für besseres Arbeiten vor. Dabei steht der Mensch im Vordergrund und nicht die Technik. Sie ist kein Museum im üblichen Sinne, wenngleich man auch hier viele Exponate findet, wie sie beispielsweise auch in anderen Industriemuseen zu finden sind. Vielmehr veranschaulicht die Ausstellung Themen und Inhalte des Arbeitsschutzes und der Arbeitsmedizin mit einer Fülle von Exponaten, Experimentier­stationen und multimedialen Elementen zu Szenarien der Arbeitswelt, bei denen vieles in Funktion besichtigt oder ausprobiert werden kann. Die eigene Erfahrung macht das DASA-Ausstellungs­erlebnis aus. Die Ausstellung wurde 1993 als „Deutsche Arbeits­schutz­aus­stellung“ eröffnet und inzwischen von mehr als 3 Millionen Gästen besucht. Fotos und Texte geben einen kleinen Einblick in die 13 Themenbereiche der Daueraustellung.

Zeitungsredaktion

Vom Handsatz bis zum Desktop-Publishing: Die alten und neuen Werkzeuge der schreibenden und druckenden Zunft und ihre Auswirkungen auf die Menschen stehen im Themenbereich „Im Wettlauf der neuesten Nachrichten“ im Mittelpunkt, Medien waren und sind ein schnelles und stressiges Geschäft.

Columbia-Presse der Firma George Clymer, Philadelphia, Baujahr ca. 1820

Die aufwendige Gestaltung der 1817 von George E. Clymer erfundenen Columbia-Presse sollte den Stolz der Drucker auf ihr Handwerk ausdrücken und fördern.

Handsatz

Automatische Zeilensetzmaschine „Linotype“ der Firma Berliner Maschinenbau AG, Berlin, Baujahr ca. 1950

Ganze Zeilen mit wiederverwendbaren Buchstaben-Matrizen setzen zu können brachte der Zeilensetzmaschine „Linotype“ ihren Erfolg. Sie erbrachte ein Vielfaches der Arbeit eines Handsetzers. Die Aktualität der Zeitung bedeutete auch entsprechenden Leistungsdruck für die Maschinensetzer.

Eines der ersten Fotosatzgeräte vom Typ „Diatype“, Hersteller Fa. Berthold, Berlin, Baujahr ca. 1965

Anfang der 1970er Jahre zog die Elektronik in Form von Fotosatzgeräten auch in die Druckereien ein. Damit waren die Qualifikationen der Maschinensetzer schlagartig entwertet, ihre traditionelle Arbeit mit Blei durch die neue Technik wegrationalisiert. Der hart erkämpfte Tarifvertrag über den Einsatz rechnergesteuerter Textsysteme von 1978 zeigt, dass man einen derartigen Umbruch sozialverträglich gestalten kann.

Zeitungsrotationsmaschine der Firma Albert-Frankenthal AG

Rotationsdruck, Druckform

Arbeitszeiterfassung

Im Themenbereich „Im Takt der Maschine“ geben Dampfmaschinen und Webstühle Einblick in das Zeitalter der Industrialisierung in der Textilindustrie mit seiner Arbeits- und Zeitdisziplin, den hygienischen und sozialen Rahmen­bedingungen und den zahlreichen Gefahren.

Dampfmaschine der Firma Kohllöffel, Reutlingen, Baujahr 1889

Webstuhl

Bereits im 14. Jahrhundert waren Handwebstühle auf Bauernhöfen weit verbreitet. Mit der Erfindung des mechanischen Webstuhls durch Edmond Cartwright (* 24. April 1743 in Marnham, Nottingham, † 30. Oktober 1823 in Kent) im Jahr 1785 wird die Tuchherstellung Fabrikarbeit. Fachbildung, Schusseintrag und Ladenanschlag werden nun von einem Antrieb mechanisch ausgeführt. Die ergonomisch unzureichende Gestaltung der Webstühle bleibt davon unberührt, das mechanisch bewegte Schiffchen erzeugt einen ohrenbetäubenden Lärm.

Einhubschachtwebstuhl der Firma Dickinson, Baujahr vor 1920

„Time may change me, I can´t change time“ (Time machine) von Brad Hwang (2007)

Die Installation „Time may change me, I can´t change time“ des in Berlin lebenden Künstlers Brad Hwang (* 13. Januar 1966 in Seoul, Südkorea) im Themenbereich „Jede Menge Spannung“ basiert auf einer Influenzmaschine, wie es sie im 19. Jahrhundert gab. Auf einer Art Ruderergometer werden zwei gegensinnig rotierende Scheiben in Bewegung gesetzt, durch elektrische Influenz kommt es zur Ladungstrennung und die so erzeugte Hochspannung entlädt sich über eine Funkenstrecke oberhalb der rotierenden Scheiben. Selbstverständlich nach allen Regeln der Sicherheit.

„Time may change me, I can´t change time“ (Time machine) von Brad Hwang (2007)

Kraftwerkswarte, von 1969 bis 1996 war diese Anlage der zentrale Leitstand des Blocks C im VEW-Heizkraftwerk „Westfalen“ in Hamm-Uentrop

Turbinenläufer

Hoch hinaus geht es im DASA-Hubschrauber. Unerschrockene heben zum Kontrollflug an Stromleitungen ab und erleben den Themenbereich „Jede Menge Spannung“ aus luftiger Höhe.

DASA-Hubschrauber

Lichtbogenofen in der Stahlhalle

„Klassische“ Arbeitsschutzprobleme wie körperliche Schwerst­arbeit, Schichtarbeit und extreme Arbeits­bedingungen durch Hitze, Staub, Lärm und gefährliche Stoffe treten in der Eisen- und Stahlindustrie eindrucksvoll zu Tage und können im Themenbereich „Schuften in Schichten“ nachvollzogen werden. Die DASA zeigt in der Stahlhalle mit dem 70-Tonnen-Elektrolichtbogenofen ihr „gewichtigstes“ Objekt, an dem Dortmunder Stahlwerker 30 Jahre lang Edelmetall gekocht haben.

ehemaligen Mittelwalzstraße der Krupp Stahl AG aus dem Werk in Siegen-Geisweid

Eine besondere Attraktion stellt der „Lärmtunnel“ dar, ein stilisierter Gehörgang. Hier sind Dezibel hör- und erfahrbar, hier erfährt man, wie geräuschvoll Menschen schnarchen oder wie leise ein Vogel singt. Anschließend kann man sein Gehör testen und erfahren, was es heißt, schwerhörig zu sein.

„Lärmtunnel“

Triebwagen 259 der Dortmunder Straßenbahn GmbH, Hersteller Waggonfabrik Gebrüder Schöndorff AG, Baujahr 1931

Die Straßenbahn nach Wambel zeigt, wie Straßenbahnfahren vor mehr als 80 Jahren funktionierte. Die Überreste des Tanklastzuges, durch den am 7. Juli 1987 der Großbrand von Herborn verursacht wurde, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen, geben im Themenbereich „Transportieren und Befördern“ ein beredtes Beispiel von den Belastungen und Gefahren in der Logistik.

Überreste des Großbrandes von Herborn am 7. Juli 1987

E.K. Cole Ltd., EKCO Modell TC 166, EKCOVISION, Großbritannien, 1948

Hand-Kaffeemühle, USA, um 1890

Vor dem Zeitalter der elektrischen Kaffeemühle und der Vakuumverpackung musste der Kaffee noch von Hand im Geschäft gemahlen werden.

Klavierbau

Obwohl die Klavierherstellung heute überwiegend industriell in Serienfertigung erfolgt, ist aufgrund des komplizierten Aufbaus über 80 Prozent der Arbeit an einem Flügel Handarbeit, die von hochqualifizierten Klavierbauern ausgeführt wird. Selbst wenn dieser Anteil aufgrund der technischen Entwicklung in Zukunft schrumpfen wird, bleiben die wichtigsten Arbeiten auch künftig dem Menschen und seinen Fähigkeiten vorbehalten.

Bandsäge, Hersteller Fa. Kirchner, Leipzig, Baujahr ca. 1902

Der Themenbereich „Kampf für eine bessere Arbeitswelt“ zeigt über 150 Jahre hartes Ringen um bessere Arbeitsbedingungen: Wie kam es zu Begriffen wie Sozialversicherung, Gewerbe­auf­sicht, Berufsgenossenschaften oder Unfall­ver­hütung? Wer kämpfte für den 8-Stunden-Tag oder gegen die Kinderarbeit? Die Bandsäge, die 1893 auf der Weltausstellung in Chicago mit einer Goldmedaille und 1900 auf der Weltausstellung in Paris mit einem Grand Prix ausgezeichnet wurde, legt zugleich Zeugnis für die Gefährdung des Menschen in der Arbeitswelt ab. Das für Betriebe entwickelte Waschbecken galt als besonders vorbildlich. Es hat Seltenheitswert, denn es ist das einzige noch erhaltene Exemplar aus dem ehemaligen Berliner Arbeitsschutzmuseum. Alle anderen Exponate wurden im Krieg zerstört bzw. nach 1945 ausgesondert.

Waschbecken für Betriebe aus dem ehemaligen Berliner Arbeitsschutzmuseum

Die DASA verfügt seit Juni 2013 über ein voll ausgestattetes Airbus A320-Cockpit. Jeder Schalter und jeder Hebel, jede Leuchte und jede Anzeige findet sich mit der originalen Funktion im Simulator wieder. Neu in der Flugsimulator-Welt ist die Darstellung mittels vier HD Beamern auf die Scheiben des Cockpits, so dass eine authentische Flugwelt entsteht. Gleichsam wie im Flug vermittelt die DASA so hautnahe Einblicke in die Arbeitswelt eines Piloten. Realitätsnähe steht im Vordergrund des Angebots.

Airbus-Flugsimulator A320

Übrigens: Mit einem temporeichen Programm wartet die DASA Arbeitswelt Ausstellung im Rahmen der ExtraSchicht am 28. Juni in der Zeit von 18 bis 2 Uhr auf. Passend zur neuen Sonderausstellung „Tempo Tempo! Im Wettlauf mit der Zeit“ dreht sich alles um kurzweilige Stunden in Deutschlands größter Ausstellung zur Arbeitswelt. Sonst ist die DASA Arbeitswelt Ausstellung dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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