Donnerstag, 1. Mai 2014

Köhlerei in der Haard

Vorführung des alten Handwerks im Waldgebiet Haard bei Haltern

Die Haard

Wer hätte auf Anhieb gewusst, dass der 1. Mai in Nordrhein Westfalen als „Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde“ gefeiert wird? Vielmehr verbinden viele damit wohl eher den „Tag der Arbeit“, der regelmäßig für politisch organisierte Demonstrationen genutzt wird. Man kann den gesetzlichen Feiertag natürlich auch für diverse Freizeitaktivitäten nutzen, beispielsweise eine Wanderung durch die Haard im Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland.

Die Haard

Mercedes-Benz Atego Löschgruppenfahrzeug

Holzkohlenmeiler

Seit der Eisenzeit wurde Holzkohle zur Erzeugung hoher Temperaturen zur Eisenverhüttung benutzt, aber auch für die Glasherstellung und die Verarbeitung von Edelmetallen. Holzkohle war der Brennstoff für viele Manufakturen und wurde in Meilern hergestellt. Mit der verstärkten Nutzung von Steinkohle ab dem 18. Jahrhundert ging die Köhlerei zurück und deren Bedeutung für die erste Phase der Industrialisierung im Ruhrgebiet geriet in Vergessenheit. Um die Köhlerei wieder bekannter zu machen, wird seit Jahren am 1. Mai in Haltern-Flaesheim in der Haard ein Holzkohlenmeiler entzündet und während der Brennzeit des Meilers ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm angeboten. Die Tatsache, dass in einer im Ruhrgebiet bekannten Tageszeitung auf einen Steinkohlenmeiler in Haltern-Flaesheim hingewiesen wurde, mag als Indiz dafür gelten, dass die Erinnerung an die Köhlerei wirklich Not tut.

Informationstafel zum Verkohlen von Holz zu hochwertiger Holzkohle

Der Meilerplatz ist vom Waldparkplatz Dachsberg fußläufig gut zu erreichen. Eine Informationstafel erläutert die Verkohlung von Holz zu hochwertiger Holzkohle: Der Bau des Holzkohlenmeilers beginnt in der Mitte mit einem Schacht, der aus drei Fichtenstämmen gebildet wird, die senkrecht in den Boden eingelassen und miteinander verbunden werden, der so genannte Quandelschacht. Rundherum wird dann sorgsam Holz aufgeschichtet, aus dem die Holzkohle entstehen soll. Darüber kommt das „Dach“, eine Schicht aus Laub oder Stroh oder Heu. Das Ganze wird mit Erde abgedeckt, um den Meiler luftdicht abzuschließen. Durch den Quandelschacht wird der fertige Meiler entzündet, indem der Köhler glühende Holzkohle hineinschüttet. In den ersten Tagen wird laufend Holz nachgegeben, bis sich der Schacht bis oben gefüllt hat. Die Verbrennung regelt der Köhler, indem er rundum kleine Löcher in die Erdhülle sticht oder sie wieder verschließt. Der gesamte Prozess vom Aufbau bis zum Löschen des Meilers und Ernte der Kohle dauert je nach Größe des Meilers ca. zwei bis vier Wochen. Die fertige Holzkohle wird dann in Säcke gefüllt und verkauft. Bis es soweit ist, muss der Köhler Tag und Nacht Wache halten und die Luftzufuhr regeln.

Der Köhler bei der Arbeit

Der Köhler bei der Arbeit

Am 15. Mai soll der Holzkohlenmeiler geöffnet und die ersten fertigen Kohlen aus dem Meiler gezogen werden. Diese werden in Säcke verpackt und ab 23. Mai, 15 Uhr am Forsthof Haard in Haltern am See verkauft.

Erd- bzw. Grubenmeiler

Schmiedevorführung

Schmiedevorführung

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