Sonntag, 18. Mai 2014

37. Internationaler Museumstag 2014

„Sammeln verbindet – Museum collections make connections“

Am 18. Mai 2014 feierten die Museen in Deutschland und auf der ganzen Welt gemeinsam den 37. Internationalen Museumstag unter dem Motto „Sammeln verbindet – Museum collections make connections“. Der vom internationalen Museumsrat weltweit jährlich im Mai ausgerufene Tag soll auf die Bedeutung und Vielfalt der Museen aufmerksam machen. Bundesratspräsident Stephan Weil hat die Schirmherrschaft für den 37. Internationalen Museumstag übernommen. „Museen sind das kulturelle Gedächtnis unseres Landes. Sie speichern Wissen und Erfahrungen, aus denen wir lernen können, wer und was unser Land und unsere Kultur geschichtlich geprägt haben“, betonte der Bundesratspräsident im Vorfeld der Veranstaltung. Die 1977 ins Leben gerufene Veranstaltung läuft bereits seit dem Jahr 2003 unter der Schirmherrschaft des jeweils amtierenden Bundespräsidenten. So weit, so gut. Allerdings hat die Sache ein paar ganz entscheidende Haken. Schaut man sich die vom Deutschen Museumsbund gepflegte Datenbank zum Internationalen Museumstag an, so findet man dort nur einen Bruchteil der Museen in Deutschland, und leider auch nicht alle Museen, die sich mit Aktionen am Internationalen Museumstag beteiligen. So bleibt es also dem geneigten Museumsbesucher selbst überlassen, herauszufinden, ob und wie sich das „Museum seiner Wahl“ am Internationalen Museumstag beteiligt. Dann ist da noch die Sache mit dem Eintritt: Früher sollte den Besuchern am Internationalen Museumstag freier Eintritt gewährt werden, doch inzwischen gibt es nicht einmal eine entsprechende Empfehlung. Tatsächlich war freier Eintritt in die Museen auch am Internationalen Museumstag die rare Ausnahme, zumindest in einigen Städten der Metropole Ruhr. Es wäre schön, wenn alle Museen nicht nur mit Führungen auf ihre Sammlungen aufmerksam machen würden, sondern eben an diesem Tag auch freien Eintritt gewähren.


Camera Obscura mit dem Museum zur Vorgeschichte des Films

Ehemaliger Wasserturm des Reichsbahnausbesserungswerks Speldorf

Die Camera Obscura mit dem Museum zur Vorgeschichte des Films war das einzige Museum in Mülheim an der Ruhr, das mit Vorführungen der Camera Obscura und freiem Eintritt in der Datenbank des Deutschen Museumsbundes aufgeführt war. Es befindet sich seit August 2006 im ehemaliger Wasserturm des Reichsbahnausbesserungswerks Speldorf und umfasst die Sammlung „S“ mit 1.139 Exponaten des Sammlers KH. W. Steckelings aus Wuppertal. 1992 wurde in Mülheim an der Ruhr die nordrhein-westfälische Landesgartenschau MüGa veranstaltet, für die nach einer Idee des Mülheimers Werner Nekes in der ehemaligen Wasserkuppel die weltweit größte begehbare Camera Obscura enstanden ist. Die Camera Obscura besteht im wesentlichen aus einem drehbaren Spiegelkopf mit kippbarem Spiegel (freier Durchmesser 300 mm), einem fokussierbaren, 3-linsigem Objektiv mit einer freien Öffnung von 140 mm und einem Öffnungsverhältnis von 1 : 65, dem Projektionstisch mit 1.400 mm Bildfelddurchmesser und der Gerätesteuerung. Die Optik wurde von der Carl Zeiss Jena GmbH am 15. Oktober 1991 eingebaut. Inge Kammerichs, seinerzeit noch als Leiterin der Tourismusabteilung, und Dr. Tobias Kaufhold entwickelten später gemeinsam mit KH. W. Steckelings das Museumskonzept, nachdem sich eine gastronomische Nutzung der unteren Etagen des Wasserturms als unrentabel erwiesen hatte. Das ansprechende, teilweise auch interaktive Museumskonzept wurde von Architekt und Szenograph Prof. Dr.-Ing. Hans-Hermann Hofstadt in Arbeitsgemeinschaft mit den Mülheimer Ausstellungsplanern Dr. Heike Niechoj und Helmut Kessler umgesetzt.

Doppelstöckige Laterna Magica für „Nebelbild“ Projektion, Riley Bros., Bradford, um 1880

In mehr als 30 Jahren hatte KH. W. Steckelings eine umfangreiche Sammlung zur Entwicklung von Film und Fotografie von 1750 bis 1930 zusammengetragen, die lückenlos dokumentiert, „wie die Bilder laufen lernten“, als Inge Kammerichs und Tobias Kaufhold an ihn herantraten, um die Sammlung für das im Aufbau begriffene Museum anzukaufen. Bis heute habe er die Entscheidung, seine Sammlung nach Müheim zu verkaufen, nicht bereut, so KH. W. Steckelings. Etwa 20.000 Besucher kommen jährlich in den ehemaligen Wasserturm, um sich die Ausstellung im Museum zur Vorgeschichte des Films und die Vorführungen der weltgrößten begehbaren Camera Obscura anzuschauen, in der bei gutem Wetter noch Details in 30 Kilometer Entfernung zu erkennen sind.

Laterna Magica, nachträglich elektrifiziert, um 1900

Ansicht der ersten Etage

Camera Obscura aus Holz und Metal von A. J. Schokking Jr., Amsterdam, um 1860

Wundermegaskop „Duo“, Deutschland, um 1900

Ansicht der zweiten Etage

Professioneller 35-mm-Schulfilmprojektor, Modell „Ica Monopol“ für Handkurbelbetrieb und Elekromotor mit Feuerschutztrommel für Betrieb mit Nitrofilm, Deutschland, um 1927

Rollenpanorama „Dieu et mon droit – George IV. Crowned July 19, 1821“ von Henry Aston Barker, 134 handkolorierte Szenen auf Leinwandstreifen, London, 1822

Abblätterkino „Mutoscope“ mit Handkurbel und Innenbeleuchtung, nach Fotografien, USA, um 1890

Camera Obscura aus Metall von C. Eckenrath, Berlin, Ende 19. Jahrhundert

Am frühen Sonntagmorgen hatten bereits zahlreiche Besucher den Weg zur Camera Obscura gefunden, um sich die Sammlung „S“ im Museum zur Vorgeschichte des Films anzuschauen und sich die begehbare Camera Obscura in der ehemaligen Wasserkuppel vorführen zu lassen. Aufgrund schlechter meteorologischer Sichtbedingungen bedingt durch hohe relative Luftfeuchtigkeit sowie Aerosol- und Staubgehalt der Luft waren Objekte in großer Entfernung jedoch nur schemenhaft zu erkennen, unter guten meteorologischen Sichtbedingungen sollen Objekte in etwa 30 km Entfernung noch klar und deutlich erscheinen, was in Großstadtnähe bereits als außergewöhnlich empfunden wird. Im Hochgebirge kann bei günstigen Wetterlagen die Fernsicht durchaus bis etwa 150 bis 300 km reichen. Ausgerechnet ein Physiker soll den Vorschlag gemacht haben, die Abbildungsleistung der Camera Obscura durch Erzeugung eines Vakuums in der ehemaligen Wasserkuppel mit der damit verbunden Minimierung der Streuverluste zu erhöhen, wie bei der Erläuterung zur Funktionsweise der Camera Obscura zu erfahren war. Die Besucher dürften sich wohl freuen: wer als letzter ohnmächtig wird, sieht das meiste…

Begehbare Camera Obscura in der ehemaligen Wasserkuppel

Blick vom ehemaligen Broicher Wasserturm Richtung Aquarius Wassermuseum

diverse Kameras


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