Sonntag, 13. April 2014

Frühlingserwachen im Muttental – Das Muttentalfest 2014

Umfangreiches kostenloses Programmangebot zum 800-jährigen Bestehen Wittens

Muttental

Zum Start in die Freiluftsaison begrüßten die Museen und Ausflugsziele ihre Besucher am Sonntag, 13. April 2014 von 11 bis 18 Uhr mit dem Muttentalfest, bei dem am Bethaus der Bergleute, an der Burgruine Hardenstein, am Zechenhaus Herberholz, am Schloss Steinhausen und auf dem Gelände des LWL-Industriemuseums Zeche Nachtigall ein umfang­reiches Programm angeboten wurde. Das Besondere in diesem Jahr: Mit den Bimmelbahnen konnte man kostenlos und beliebig oft zwischen den Standorten pendeln. Zudem gab es freie Fahrt mit der MS Schwalbe und freien Eintritt im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall.


LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall

Zechenbahn

Die Zeche Nachtigal hat sich aus der 1714 eingetragenen Mutung „Kohlenbank im Hettberger Holz“ entwickelt. Im Laufe von 150 Jahren hat sie sich von den Anfängen im Stollenbau mit dem Übergang zum Tiefbau zu einem der leistungs­fähigsten Bergwerke der Region entwickelt. Mit der Entstehung der Großschachtanlagen nördlich der Ruhr wurde Zeche Nachtigall im Jahr 1892 stillgelegt. Im gleichen Jahr erwarb der Wittener Bauunternehmer Wilhelm Dünkelberg das Gelände mit dem zughörigen Hettberg und ließ im Jahr 1897 im Bereich des ehemaligen Schachtes Hercules zwei Ringöfen errichten, in denen bis 1964 Ziegel gebrannt wurden. 1979 übernahm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Anlage und begann mit der Restaurierung und Erschließung für sein Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur.

Mercedes-Benz L 3500, Baujahr 1954

Installation am historischen Schacht Hercules

Die im Maschinenhaus gezeigte Zwei Zylinder Verbund-Dampfmaschine wurde von 1921 bis 1973 als Fördermaschine am Schacht I auf der Zeche Franz-Haniel (später Prosper Haniel) in Bottrop genutzt. Sie wurde 1887 von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg an die Westfälische Baumwollspinnerei vorm. J. Stroink & Co. in Gronau geliefert und um 1911 von der Maschinenfabrik Grossmann, Dortmund zur Abteuf-Fördermaschine umgebaut, bevor sie auf Zeche Jacobi in Oberhausen in Betrieb ging.

Liegende Zwei Zylinder Verbund-Dampfmaschine, Hersteller Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, Baujahr 1887

Das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall zeigt vom 6. April bis 21. Dezember 2014 die Ausstellung „Vorstoß ins Ungewisse – 300 Jahr Bergbau im Hettberg“. 1714 wurden die Steinkohleflöze im Hettberg zum ersten Mal aktenkundig. Seitdem entwickelte sich im Grubenfeld der Zeche Nachtigall ein Bergwerk, das für die Industrialisierung der Region eine wichtige Rolle spielte und in Gestalt des Besucherbergwerks bis heute fortlebt. Den prächtigen Kostümen der adeligen Zechenbesitzer stehen der älteste Grubenwagen des Ruhrgebiets und das einfache Handwerkszeug der schwer arbeitenden Bergleute gegenüber.

„Vorstoß ins Ungewisse“: Clemens-August Freiherr von Elverfeldt (* 25. Januar 1732 in Münster, † 13. April 1783), Hauptgewerke der Zeche Nachtigall und seine Ehefrau Maria Theresia Freifrau von Elverfeldt

Der älteste erhaltene Förderwagen des Ruhrgebiets wurde 1922 in einem Stollen der Zeche Vereinigte Engelsburg in Bochum gefunden und ist aufgrund seiner Bauart in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zu datieren. Er fasste ca. 250 kg.

„Vorstoß ins Ungewisse“: Westfälischer Förderwagen, Ruhrgebiet, um 1850, Leihgabe Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist die digitale Animation der Unterwelt von Zeche Nachtigall. Auf der Basis von Karten und weiterem Archivmaterial hat das LWL-Industriemuseum gemeinsam mit Spezialisten des Münsteraner Büros „maßwerke“ die Unterwelt der Zeche Nachtigall zu verschiedenen Zeiten rekonstruiert.

„Vorstoß ins Ungewisse“

Schiefertonzylinder von Karl Manfred Rennertz, 2009

geschmiedete Nägel


Schloss Steinhausen

Schloss Steinhausen, klassizistisches Herrenhaus

Das erstmals 1297 erwähnte Schloss Steinhausen war über Jahrhunderte hinweg Wittens Herrensitz und ist neben Haus Witten die wichtigste Burganlage im Wittener Raum. Mitten im Muttental gelegen, ist es die einzige Höhenburg im Stadtgebiet.

Schloss Steinhausen, Rundturm und Giebelhaus

Schloss Steinhausen, Schlosskapelle

Schloss Steinhausen, Grabplatte in der Schlosskapelle

Shona-Art

Bergbaurundweg Muttental: Stollenmundloch der Zeche Turteltaube


Bethaus der Bergleute

Bethaus der Bergleute

Das 1830 erbaute Bethaus der Bergleute ist das einzige seiner Art im Ruhrbergbau. Im Untergeschoss befand sich eine Schmiede für das Werkzeug der Bergleute, während das Obergeschoss einen Bet- und Versammlungsraum beherbergte. Heute dokumentieren im Bethaus eine Ausstellung die Arbeit und das Leben der Kumpel vor der Zeit des maschinellen Kohleabbaus.

Bethaus der Bergleute

Bethaus der Bergleute

Traktoren am Zechenhaus Herberholz

Bimmelbahn


Burgruine Hardenstein

Burgruine Hardenstein

Funde lassen vermuten, dass bereits im 13. Jahrhundert eine Burg existierte, die jedoch zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert mehrfach umgebaut wurde. Nachdem der Adelssitz nicht mehr bewohnt war, begann im 18. Jahrhundert der Verfall. Heute wird die spätmittelalterliche Burganlage von den Burgfreunden Hardenberg e. V. betreut. Nach Abschluss der Sanierung/Restaurierung der einsturzgefährdeten Mauerbereiche ist die Burgruine wieder für Besucher begehbar.

Burgruine Hardenstein

Bergbaurundweg Muttental: Stollenmundloch des Vereinigungsstollens

Der Vereinigungsstollen führt auch heute noch rostbraunes, stark eisenhaltiges Wasser aus seinem unterirdischen Einzugsgebiet zur Ruhr.

Bergbaurundweg Muttental: Steinbruch Dünkelberg mit Flöz Geitling 3

Die kohleführenden Schichten im Nationalen Geotop Muttental entstanden vor ungefähr 317 Millionen Jahren im Oberkarbon. Schon im Mittelalter gruben Bauern in einfachen Pingen (tagebauartige, primitive Bergwerke) die Kohle an der Oberfläche ab, die hier zutage tritt. Später wurde sie in Stollen und auch im Tiefbau abgebaut. Im Ziegeleisteinbruch Dünkelberg am Hettberg erkennt man in der 50 Meter hohen Wand, wie Sandstein, Steinkohle und Tonschiefer in Schichten übereinander liegen. In der oberen Steinbruchwand ist deutlich das 30 cm mächtige Steinkohlenflöz Geitling 3 als schwarzer Streifen zu erkennnen.

MS Schwalbe auf der Ruhr

MS Schwalbe auf der Ruhr

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