Samstag, 8. März 2014

„Tag der Archive“ unter dem Motto „Frauen – Männer – Macht“

Ein „Tag der Archive“ … das „riecht“ verdächtig nach „Tag des offenen Denkmals“ und „Tag der offenen Tür“, womit man gar nicht so verkehrt liegt. Womöglich hat sich der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. nämlich genau das Anliegen des von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordinierten „Tages des offenen Denkmals“ zum Vorbild genommen, um mit dem seit 2001 regelmäßig durchgeführten „Tages der Archive“ die gesellschaftliche Akzeptanz der Archive zu fördern und für eine stärkere Beachtung in der Öffentlichkeit zu sorgen.

Seit dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 veranstaltet der VdA den „Tag der Archive“ alle zwei Jahre ganz bewusst an einem Wochenende in der ersten März-Hälfte, in diesem Jahr am 8./9. März. Da am 8. März auch der „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ (Internationaler Frauentag) begangen wird, hat man den „Tag der Archive“ in diesem Jahr unter das Motto „Frauen – Männer – Macht“ gestellt.


Institut für Stadtgeschichte/Stadtarchiv Gelsenkirchen

Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Das Institut für Stadtgeschichte (ISG) besteht seit dem 1. September 1989 und befindet sich im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Die Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ zählt ebenfalls zum ISG, befindet sich aber an anderer Stelle in Gelsenkirchen (Cranger Straße 323).

Treppenhaus im Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Das ISG hatte eine kleine Ausstellung unter dem Motto „Frauen – Männer – Macht“ zu den stadt­ge­schicht­lichen Quellen über die NS-Widerstandskämpferin Margarethe Zingler (* 6. November 1885 in Jauer, Niederschlesien, † 16. Juni 1973 in Gelsenkirchen), den Lohnkampf der „Heinze-Frauen“ (Mitarbeiterinnen der Firma Heinze-Fotolaborbetriebe), der Grafen von Westerholt sowie der Rolle der Frau als Model vorbereitet, außerdem waren politische Plakate zum Thema Frauenemanzipation ausgestellt.

Plakat zum Thema Frauenemanzipation, herausgegeben von der Initiative „Frauen in Nordrhein-Westfalen“ der Parlamentarischen Staatssekretärin für die Gleichstellung von Mann und Frau

Magazin des Stadtarchivs Gelsenkirchen

Natürlich durften – wie es sich für ein Archiv gehört – Führungen durch das Magazin nicht fehlen, wobei auch Quellen des 15. bis 19. Jahrhunderts gezeigt wurden. Archivmagazine sind typischerweise mit verfahrbaren Regalanlagen bestückt, die ein Höchstmaß an Lagerkapazität und Raumausnutzung bieten. Die Archivalien werden üblicherweise in Archivkartons verpackt, die einen guten Schutz bei Wasserschäden, Bränden und physischen Belastungen bieten.

Magazin des Stadtarchivs Gelsenkirchen

Da die Haltbarkeit der Archivalien vor allem von Temperatur, relativer Luftfeuchtigkeit und deren Veränderungen abhängig ist, werden beide Größen so stabil wie möglich gehalten und sorgfältig überwacht.

„Prima Klima“: Thermohygrograph im Magazin


Landesarchiv Nordrhein-Westfalen in Duisburg

Ehemaliger Getreidespeicher der RWSG

Ein paar Nummern größer – man könnte auch sagen, im XXXL-Format – geht es am Innenhafen Duisburg im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen zur Sache, das seine Pforten in diesem Jahr erstmalig am „Tag der Archive“ geöffnet hatte, aber auch nicht so richtig, denn seit Januar diesen Jahres zieht die Abteilung Rheinland des Landesarchivs mit ihren MitarbeiterInnen und ihren Archivalien in den Neubau am Duisburger Innenhafen, weshalb augenblicklich kein Einblick in Bestände gegeben wird und der Archivturm für Besucher nicht zugänglich war. Auf Nachfrage war von den MitarbeiterInnen des Landesarchivs NRW zu erfahren, dass der Archivturm bei der ExtraSchicht 2014 am 28. Juni 2014 für die Öffentlichkeit zugänglich sei.

Zugemauerte Fenster im ehemaligen Getreidespeicher der RWSG

Das Archiv wird im ehemaligen Getreidespeicher der Rheinisch-Westfälischen Speditions-Gesellschaft (RWSG) an der Schwanentorbrücke untergebracht, der als letztes Speichergebäude noch nicht umgebaut war. Der RWSG-Speicher wurde nach dem Entwurf des Büros Ortner & Ortner Baukunst (Laurids Ortner (* 26. Mai 1941 in Linz) und Manfred Ortner (* 3. November 1943 in Linz)) um einen Turm erweitert, der sich aus der Mitte des Gebäudes bis in 76 Meter Höhe erhebt. Ein wellenförmiger, 160 Meter langer, sechsgeschossiger Anbau schließt sich Richtung Holzhafen an den ehemaligen Getreidespeicher der RWSG an. Langfristig sollen bis zu 148 Regalkilometer für das Archivgut zur Verfügung stehen. Die Kosten für den Neubau belaufen sich augenblicklich auf 200.000.000 €, so war es zumindest auf Nachfrage bei der Vorstellung des Landesarchivs im Foyer des Neubaus zu erfahren. Ein Parlamentarischer Untersuchungs­aus­schuss soll klären, wie es beim Bau des Landesarchivs zu einem Anstieg der Kosten von ursprünglich geschätzten 30.000.000 € auf bislang etwa 200.000.000 € kommen konnte.

Die „Welle“, wellenförmiger, 160 Meter langer, sechsgeschossiger Anbau

Im Innern des Foyers blickt man über große Öffnungen in das gesammelte Archivmaterial. Der Einfall von Sonnenlicht ist jedoch für das Archivgut schädigend, daher sollten sich in einem Archivmagazin keine Fenster befinden, durch die Tageslicht eindringt. Aus diesem Grund wird man wohl die Öffnungen dauerhaft verdunkeln müssen. Architekten und Archivare, zwei Welten begegnen sich. Wenigstens teilen sich deren Verbände die gemeinsame Abkürzung VDA bzw. VdA, die für Verband Deutscher Architekten e. V. und Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. steht.

RWSG-Kran

200.000.000 € brauchen viel Sicherheit, die eingelagerten Archivalien natürlich auch

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