Donnerstag, 13. März 2014

Schwertransporte erreichen die Mischanlage auf der Kokerei Zollverein

Ausstellungsvorbereitungen für „1914 – Mitten in Europa“ des LVR-Industriemuseums und des Ruhr Museums laufen auf Hochtouren

Plakatmotiv zur Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“
© LVR-Industriemuseum/Ruhr Museum
Leihgeber Foto: Bibliothek für Zeitgeschichte in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart
Gestaltung Plakat: Agentur Bosbach, Köln

Zum hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs zeigen das LVR-Industriemuseum und das Ruhr Museum vom 30. April bis 26. Oktober 2014 in der Mischanlage der Kokerei Zollverein in Essen die Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“. Das Ereignis des Ersten Weltkriegs prägte nicht nur tiefgreifend eine ganze Epoche und die Lebenserfahrung der Menschen vor hundert Jahren, sondern die Geschichte Deutschlands, Europas und insbesondere der Rhein-Ruhr-Region über das 20. Jahrhundert hinweg bis heute.

Mischanlage der ehemaligen Kokerei Zollverein

Ausstellungsort ist die Mischanlage der ehemaligen Kokerei Zollverein, das spektakulärste Gebäude auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein. Die gewaltigen Bunkeranlagen des ehemaligen Kohlespeichers, die der Ausstellungsparcours auf drei Ebenen erschließt, versinnbildlichen schon durch ihre Materialität und Monumentalität die visionären technischen Potentiale, aber auch die Gewalttätigkeit der industriellen Moderne. Die Mischanlage war 1999 Ort der Abschluss­ver­anstaltung der Internationalen Bauausstellung Emscherpark und ist in den letzten Jahren baulich ertüchtigt worden. Mit der Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“ wird sie dauerhaft als Ausstellungsgebäude neu eröffnet.

Verteilerebene der Mischanlage

Die Vorbereitungen zur Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“, die ab dem 30. April 2014 in der Mischanlage der ehemaligen Kokerei Zollverein zu sehen sein wird, laufen auf Hochtouren. Die ersten Schwerexponate finden nun ihren Weg in die Mischanlage und werden mit einem Kran in die spektakulären Ausstellungsräume eingebracht. Die tonnenschweren Zeugen der Zeit rund um den Ersten Weltkrieg, die am 13. März 2014 eintrafen, sind sehr vielfältig. Sie stehen für den dramatischen Aufbruch in die industrielle Moderne und deren Widersprüche und Ambivalenzen.

Drehgestell der Schwebebahn von 1901 auf der Verteilerebene

Aus Wuppertal stammt das eine halbe Tonnen schwere Drehgestell der Schwebebahn von 1901. Das Prinzip, Züge an nur einem Schienenstrang hängend zu befördern, geht schon auf die erste Phase des Eisenbahnbaus in den 1820er Jahren zurück. Die Idee griff der Kölner Unternehmer und Erfinder Eugen Langen auf und präsentierte für Wuppertal eine, wie er es nannte, „Schwebebahn“. Er erhielt für die Realisierung 1894 den Zuschlag und 1901 war das erste Stück fertig­ge­stellt.

Historischer Kaiserwagen in Elberfeld-West

1901 expandierte die „Köln-Lindenthaler Metallwerke AG“ als Nachfolgerin der „Allright Fahrradwerke“ in das Motorradgeschäft, 1927 wurde die Eigenproduktion von Motorrädern wieder aufgegeben.

Motorrad der Marke Allright auf der Verteilerebene

Aus Essen kommt das Elektroautomobil „Runabout“ von 1903, das mit 500 Kilogramm Gewicht aufwarten kann. Bei der Produktion von Elektroautos war die anglo-amerikanische Industrie führend. Diese Modelle wurden auch im Rhein-Ruhr-Raum verwendet. Einen amerikanischen Runabout, der Vorläufer des Roadsters, besaß der Hagener Fabrikant Adolph Müller, dem die Accumulatoren-Fabrik-Aktiengesellschaft-Berlin-Hagen (AFA) gehörte.

Elektroautomobil „Runabout“ von 1903 auf der Verteilerebene

Trichterebene der Mischanlage: „Stairway to Heaven“

Trichterebene der Mischanlage

Rollenlager in der Mischanlage

Das Bochumer Kriegerdenkmal aus dem Stadtarchiv Bochum stand ursprünglich im Bochumer Stadtpark. Die zwei überlebensgroßen bronzenen Soldaten in den Uniformen des kaiserlichen Heeres und der Wehrmacht halten gemeinsam eine Standarte, um ihre Verbundenheit zu zeigen. Das drei Meter hohe und drei Meter breite, insgesamt eine Tonne schwere Denkmal wurde im August 1935 zu Ehren der „im Weltkriege 1914 – 1918 gebliebenen Helden des 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiments Nr. 67“ aufgestellt. Im Februar 1983 sägten Unbekannte die Soldaten oberhalb der Stiefel ab. Der Bochumer Stadtrat beschloss daraufhin, die Soldaten im Stadtarchiv der Stadt Bochum zu deponieren und stattdessen eine Gedenktafel mit der Inschrift „Nie wieder Krieg und Faschismus“ anzubringen.

Bochumer Kriegerdenkmal

Aus dem Eingangsbereich des alten Stadthauses am Dortmunder Friedensplatz ist der „Eiserne Reinoldus“ entliehen. Die 3,20 Meter hohe Figur ist aus Holz und Metall und wiegt über eine halbe Tonne. Sie wurde am 15. September 1915 als „künstlerisches Kriegsmal, das Dortmunds Opfersinn für alle Zeiten verkünden sollte“ übergeben und im historischen Rathaus am Alten Markt der Stadt aufgestellt. Sie konnte für 1 Reichsmark pro Nagel benagelt werden. Die 220.000 Nägel sorgten dabei symbolisch für eine „eisernen Rüstung" und trugen zur Finanzierung der Kriegskosten bei.

„Eiserner Reinoldus“ von Friedrich Bagdons, 1915

Dr. Frank Kerner, Prof. Heinrich Theodor Grütter, Dr. Walter Hauser und der „Eiserne Reinoldus“ von Friedrich Bagdons

5,7 cm Schnellfeurkanone in Sockellafette, Fried. Krupp AG, 1906 – 1907

5,7 cm Schnellfeurkanone in Sockellafette, Fried. Krupp AG, 1906 – 1907, Detail

Aus Koblenz wird die 2.270 Kilogramm schwere 15-cm-schwere Feldhaubitze 13 transportiert. Sie war im Ersten Weltkrieg ein Mehrzweckgeschütz der Artillerie. Sie belegte einerseits sichtbare Ziele mit Flachfeuer und bekämpfte andererseits entferntere Zielpunkte im Steilfeuer. Im Ersten Weltkrieg wurde damit die Artillerie zur wichtigsten Waffengattung. Im Rahmen der militärtechnischen Revolution und aufgrund der neuen Anforderungen des Ersten Weltkrieges wurden die Haubitzen nun wie Kanonen und Mörser im Stellungskrieg zur Verteidigung oder Erstürmung der Gräben eingesetzt.

15-cm-schwere Feldhaubitze 13, Kaliber 14,97 cm

Dass der Transport eines derartig schweren und großen Exponats – allein das Rohr hat eine Länge von 226,6 cm – in die Mischanlage eine schwierige und zeitaufwendige Angelegenheit sein kann mögen die folgenden Fotos verdeutlichen.

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

Beim Blick in das Rohr der Feldhaubitze erkennt man die Züge, die das Projektil beim Abschuss in eine Rotation um seine Längsachse versetzen und dadurch dessen Flugbahn stabilisieren.

15-cm-schwere Feldhaubitze 13, Detail

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

15-cm-schwere Feldhaubitze 13

Ehemalige Kokerei Zollverein

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Der Reinoldus ist eine KOPIE! Die Originalfigur wurde im zweiten Weltkrieg zerstört.

Detlef hat gesagt…

Dann gehe ich fest davon aus, dass es in der Ausstellung auch entsprechend gekennzeichnet wird. Schauen Sie doch einfach ab 30. April vorbei.