Sonntag, 9. März 2014

7. „Tag der Archive“

Ein „Tag der Archive“ … das „riecht“ verdächtig nach „Tag des offenen Denkmals“ und „Tag der offenen Tür“, womit man gar nicht so verkehrt liegt. Womöglich hat sich der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. nämlich genau das Anliegen des von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordinierten „Tages des offenen Denkmals“ zum Vorbild genommen, um mit dem seit 2001 regelmäßig durchgeführten „Tages der Archive“ die gesellschaftliche Akzeptanz der Archive zu fördern und für eine stärkere Beachtung in der Öffentlichkeit, aber auch von den politisch Verantwortlichen zu sorgen.

Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv

Magazingebäude des Stadtarchivs mit COR-TEN-Stahlfassade

Das 2009 errichte Magazingebäude mit seiner prägnanten COR-TEN-Stahlfassade dient der dauerhaften Lagerung der Archivalien und erhielt Anerkennungen beim Architekturpreis der Stadt Essen 2010 und der Auszeichnung guter Bauten 2010 des BDA Essen, sowie eine Auszeichnung bei der Auszeichnung Vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen 2010 (Land NRW/Architektenkammer NRW). In die COR-TEN-Stahlfassade sind hohe Lüftungsöffnungen schräg eingelassen, die direkte Sonneneinstrahlung bei geöffneten Flügeln vermindern. Durch eine elektronische Steuerung der Querlüftung und Beheizung kann jede Etage des viergeschossigen Gebäudes separat auf konstant 18 °C temperiert und die relative Luftfeuchtigkeit bei 50% gehalten werden – so sollte es zumindest sein. Durch perforierte Böden kann die Luft auch durch die Regale zirkulieren. In den handbetriebenen Regalen mit 7,20 Meter Länge und 2,32 Meter Höhe können 17 Regalkilometer Archivalien untergebracht werden.

Magazingebäude des Stadtarchivs, Innenansicht

Magazingebäude des Stadtarchivs, Innenansicht

Neben Führungen durch das 2009 errichte Magazingebäude, die am 15. Juni 2011 eröffnete Dauerausstellung „Essen – Geschichte einer Großstadt im 20. Jahrhundert“ und die Restaurierungswerkstatt haben auch die Essener Geschichts­initiativen am „Tag der Archive“ die Möglichkeit genutzt, ihre Arbeit im Haus der Essener Geschichte/Stadt­archiv zu präsentieren.

Karl König (1843 – 1906), 1. Beigeordneter der Stadt Essen, Steinkopf aus der Fassade des alten Rathauses in der Dauerausstellung „Essen – Geschichte einer Großstadt im 20. Jahrhundert

Ein Fall für die Restaurierungswerkstatt: beschädigte Karte

Neuzugang im Stadtarchiv: „Essen. Der Flachsmarkt mit dem Keramikhaus“, Kunstbeilage zur Festschrift „Essens Entwicklung 1812 – 1912“, herausgegeben vom Essener Verkehrsverein

Modell des Triebwagens Nr. 99 der Wuppertaler Stadtwerke AG


Bistumsarchiv Essen

Bistumsarchiv Essen

Durch die Zirkumskriptionsbulle „Germanicae gentis“ vom 23. Februar 1957 wurde das Bistum Essen durch Papst Pius XII. gegründet. Im Rahmen des Aufbaus des Bischöflichen Generalvikariates wurde auch das Bistumsarchiv Essen eingerichtet. Im September 2010 bezog das Bistumsarchiv Essen seinen neuen Standort, die ehemalige Pfarrkirche St. Christophorus in Essen-Kray. Bischof Franz Hengsbach hatte die Kirche 1964 eingeweiht, am 30. März 2008 nahm die Gemeinde Abschied von ihrem Gotteshaus und die Kirche wurde profaniert. Gut anderthalb Jahre hat der Umbau des ehemaligen Gotteshauses St. Christophorus zum Bistumsarchiv gedauert, der insgesamt 2,1 Millionen Euro kostete. Auf zwei Archivetagen und einer „Reserveetage“ stehen 9.000 Fachbodenmeter für die Lagerung von Akten, Verwaltungsschriftgut sowie historisch wertvollem Schriftgut zur Verfügung. Auf der „Reserveetage“ ist der Platz für weitere rund 5.000 Fachbodenmeter bereits einkalkuliert.

Bistumsarchiv Essen, Innenansicht

Seit der Gründung des Bistumsarchivs im Jahre 1958 sind seine Bestände stetig gewachsen, insgsamt sind im Archiv des Ruhrbistums sechs Beständegruppen zu finden: Altbestände aus den Mutterbistümern Köln, Paderborn und Münster, Bestände aus dem Bischöflichen Generalvikariat und seinen Einrichtungen, Nachlässe der Bischöfe, einiger Vereine und Verbände, Sammlungen, Materialien sowie Akten aus den aufgelösten Gemeindeverbänden. Darüber hinaus werden auch Festschriften, Fotos, Karten und Pläne zur Geschichte des Bistums Essen gesammelt.

Bistumsarchiv Essen, Innenansicht

Im Gegensatz zum Landesarchiv Nordrhein-Westfalen in Duisburg, das wegen des Umzuges der Abteilung Rheinland nach Duisburg augenblicklich kein Einblick in sein Magazingebäude gewährt, bekam man am „Tag der Archive“ auch ohne weiteres die „Reserveetage“ des Bistumsarchivs Essen zu sehen, die ebenfalls voller Umzugskartons steht, da ständig neue Bestände aus Pfarreien angeliefert werden, die ihre Archivalien dem Bistumsarchiv Essen überantworten.

Bistumsarchiv Essen, „Reserveetage“

Mit der päpstlichen Bulle zum Stoppenberger „Schleierstreit“ bestätigte Papst Innozenz VIII. das Recht der Stoppenberger Stiftsdamen, ein weißes Überkleid tragen zu dürfen. Damit entschied er den als „Schleierstreit“ in die Geschichte eingegangenen Konflikt zwischen dem Stift Essen und dem Stift Stoppenberg. Die Äbtissinnen von Essen forderten von den dem Prämonstratenserorden zugeordneten Stoppenberger Stiftsdamen das Tragen des Schleiers und die Rückkehr zur Einhaltung strengerer Lebensregeln. Die dort lebenden Frauen – meist aus adligem Hause – betonten dagegen selbstbewusst die ihnen wichtige freiweltliche Eigenständigkeit ihres Stiftes. Mit seinem Urteil bestätigte Papst Innozenz VIII. diesen freiweltlichen Charakter des Stiftes Stoppenberg.

Päpstliche Bulle aus dem Jahr 1488, mit der Papst Innozenz VIII. den in die Geschichte eingegangenen so genannten „Schleierstreit“ zwischen dem Stift Essen und dem Stift Stoppenberg geschlichtet hat

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