Donnerstag, 6. Februar 2014

Vorschau: „1914 – Mitten in Europa“

Ausstellung des LVR-Industriemuseums und des Ruhr Museums auf der Kokerei Zollverein

Zum hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs zeigen das LVR-Industriemuseum und das Ruhr Museum vom 30. April bis 26. Oktober 2014 in der Mischanlage der Kokerei Zollverein in Essen die Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“. Das Ereignis des Ersten Weltkriegs prägte nicht nur tiefgreifend eine ganze Epoche und die Lebenserfahrung der Menschen vor hundert Jahren, sondern die Geschichte Deutschlands, Europas und insbesondere der Rhein-Ruhr-Region über das 20. Jahrhundert hinweg bis heute.

Plakatmotiv zur Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“
© LVR-Industriemuseum/Ruhr Museum
Leihgeber Foto: Bibliothek für Zeitgeschichte in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart
Gestaltung Plakat: Agentur Bosbach, Köln

Die Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“ richtet ihren Fokus dabei nicht nur auf den Krieg selbst, sondern auf die gesellschaftlichen Veränderungen der Epoche von 1890 bis 1930 in der Region an Rhein und Ruhr, der einstigen Rüstungskammer des Deutschen Kaiserreichs. Kai­serkult und Revolution, Reformbewegung und Obrigkeitswahn, globale Konzerne und radikale Nationalismen, visionäre Gesellschaftsutopien und die Katastrophe des Krieges – das sind die Schlagworte für diese Epoche, die den dramatischen Aufbruch in die industrielle Moderne mar­kieren und deren vielfältigen Widersprüche und Ambivalenzen die Ausstellung nachspürt.

Ensemble – Märklin Spielzeugschiff, um 1905, Matrosenanzugsjacke mit Mütze, um 1918
© Ruhr Museum, Fotograf Jens Nober

So geht es zunächst um den rasanten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Auf­bruch des Rheinlands und des Ruhrgebiets am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Der Mittelteil der Ausstellung ist den Schrecken des dadurch möglich gewordenen „industrialisierten“ Krieges gewidmet, dessen Waffen in der Rhein-Ruhr-Region produziert wurden. Schließlich verfolgt die Ausstellung auch die Nachwehen des Krieges in einer Region, in der Gewalterfahrungen mit Hunger, Revolution und Besatzung den Alltag lange prägten, während hier zugleich in einem großen Modernisierungsschub moderne Stadtlandschaften entstanden, wie wir sie bis heute kennen.

Maschinengewehrposten Rote Ruhrarmee, 1920
© Ruhr Museum

Für die Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“ kooperieren erstmals das LVR-Industriemuseum und das Ruhr Museum miteinander. Präsentiert werden mehr als 2.500 Exponate, vor allem aus den Sammlungen der beiden Museen, aber auch von teils überregionalen und internationa­len Leihgebern. Die Spannbreite der Exponate reicht von Zeugnissen der künstlerischen, wis­senschaftlichen und technischen Entwicklung über Rüstungsprodukte und Propagandamedien bis hin zu persönlichen Zeugnissen von Zeitgenossen und Repräsentationen von gesellschaftli­chen Gruppen.

Ausstellungsort ist die Mischanlage der ehemaligen Kokerei Zollverein, das spektakulärste Ge­bäude auf dem Welterbe Zollverein. Die gewaltigen Bunkeranlagen des ehemaligen Kohlespei­chers, die der Ausstellungsparcours auf drei Ebenen erschließt, versinnbildlichen schon durch ihre Materialität und Monumentalität die visionären technischen Potentiale, aber auch die Ge­walttätigkeit der industriellen Moderne. Die Mischanlage war 1999 Ort der Abschlussveranstal­tung der Internationalen Bauausstellung Emscherpark und ist in den letzten Jahren baulich ertüchtigt worden. Mit der Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“ wird sie dauerhaft als Aus­stellungsgebäude neu eröffnet.

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