Donnerstag, 5. Dezember 2013

Sister Act – Das Broadway-Musical

„Sister Act – Das Broadway-Musical“ – nach dem Film „Sister Act“ von Joseph Howard mit Whoopi Goldberg; Musik: Alan Menken; Liedtexte: Glenn Slater; Buch: Cheri und Bill Steinkellner; Deutsche Übersetzung: Kevin Schroeder/Heiko Wohlgemuth (Songtexte) und Ruth Deny (Buch); Inszenierung: Carline Brouwer; Choreografie: Anthony van Laast; Musical Supervision/Arrangements: Michael Kosarin; Orchestrierung: Doug Besterman; Bühne: Klara Zieglerova; Kostüme: Lez Brotherton; Licht: Natasha Katz; Ton: Mick Potter; Dirigent: Martin Gallery; Darsteller: Zodwa Selele (Deloris van Cartier), Gudrun Schade (Mutter Oberin), Mischa Mang (Curtis Jackson), Mathieu Boldron (Eddie Fritzinger), Armin Dillenberger (Monsignore O´Hara), Abla Alaoui (Schwester Mary Robert), Sonja Atlas (Schwester Mary Patrick), Verena Plangger (Schwester Mary Lazarus), Fehmi Göklü (TJ), Benjamin Eberling (Joey), Terry Alfaro (Pablo), Petra Clauwens (Schwester Mary Jacoba), Kristina Da Costa (Schwester Mary Anita Montignac), Sonja Herrmann (Schwester Mary Nirvana), Adrianna Hicks (Michelle, Schwester Mary Mona), Yvonne Köstler (Schwester Mary Amalia Atkins), Julia Lißel (Schwester Mary vom göttlichen Herzen Jesu), Laura Panzeri (Tina, Schwester Mary Annette), Maren Somberg (Schwester Mary Trudi Narcolepsia), Nicolas Tenerani, Qushannick Thodé, Dirk Weiler, Merel Zeeman, Pamela Zottele. Uraufführung: 24. Oktober 2006, Pasadena Playhouse, Pasadena, Kalifornien. West End Premiere: 2. Juni 2009, London Palladium, London, UK. Deutschsprachige Erstaufführung: 2. Dezember 2010, Operettenhaus Hamburg. NRW-Premiere: 3. Dezember 2013, Metronom Theater Oberhausen.



„Sister Act – Das Broadway-Musical“


Die musicalischen Nonnen begeistern auch in Oberhausen


Fast auf den Tag genau vor einem Jahr äußerte sich Udo Jürgens nach der Premiere von „Ich war noch niemals in New York“ an gleicher Stelle euphorisch: „Eine der besten Vorstellungen, die ich je gesehen habe.“ Doch das ist „Schnee von gestern“, nun schickt Stage Entertainment „Sister Act – Das Broadway-Musical“ im Metronom Theater unter dem Motto „Dieses Musical schickt der Himmel“ ins Rennen um die Gunst der Zuschauer, das am 2. Dezember 2010 im Operettenhaus Hamburg seine deutschsprachige Erstaufführung erlebte und seither im deutschsprachigen Raum auch schon in Wien (Premiere 15. September 2009 im Ronacher) und für knapp 10 Monate in Stuttgart (Premiere 9. Dezember 2012 im Apollo Theater) zu sehen war. Eine ganze Reihe von Brüdern und Schwestern aus Hamburg und Stuttgart (Zodwa Selele, Nyassa Alberta, Mathieu Boldron, Sonja Atlas, Mischa Mang, Benjamin Eberling, Fehmi Göklü, Terry Alfaro, Kristina Da Costa, Claudio Goncalves, Kati Heidebrecht, Karen Helbing, Yvonne Köstler, Vanessa Alexandra Wilcek, Pamela Zottele u. a.) sind dem Musical-Kloster auch in Oberhausen treu geblieben.

Zodwa Selele (Deloris van Cartier), Ensemble; © Stage Entertainment

Die Handlung des Spielfilm „Sister Act“ von Joseph Howard mit Whoopi Goldberg, auf dem das Musical basiert, dürfte hinlänglich bekannt sein, das Musical verlegt diese aus den 1990er Jahren in San Francisco in das Jahr 1978 nach Philadelphia, Pennsylvania. Sängerin Deloris van Cartier wird Zeugin eines Mordes, den Gangsterboss Curtis Jackson verübt. Fortan steht sie ebenfalls auf seiner „Abschussliste“, und der Polizeibeamte Eddie Fritzinger versteckt sie zu ihrem Schutz im Kloster. Mutter Oberin „verdonnert“ die so gar nicht fromme Schwester Mary Clarence alias Deloris van Cartier zur Leitung des ausgesprochen unmusikalischen Nonnenchors. Unter ihrer Leitung wird daraus jedoch ein stimmgewaltiger Gospelchor, der auch das Interesse der Presse weckt. Prompt erfährt Curtis Jackson von ihrem Versteck und spürt sie dort auf. Doch ihre Mitschwestern und Eddie Fritzinger können Schlimmeres verhindern, und die Gangster werden verhaftet. Am Ende hat sich natürlich alles zum Guten gewendet und Deloris van Cartier verhilft obendrein ihrem liebgewonnenen Nonnenchor zu einem erfolgreichen Auftritt für den Papst.

Zodwa Selele (Deloris van Cartier), Ensemble; © Stage Entertainment

Im Musical „Sister Act“ gibt es zwar nicht die bekannten Hits aus dem Film wie „Hail Holy Queen“, „I Will Follow Him“ oder „Shout“ zu hören, aber Oscar-Preisträger Alan Menken knüpft mit seinen eingängigen Songs mit ihrem Disco-Sound, Soul und Gospel-Rhythmen perfekt an den Philadelphia Sound der 1970er Jahre und die folgende Ära der Disco-Musik an, die den Phillysound schließlich verdrängte. Gleich der erste Song „Zeig mir den Himmel“, den Deloris van Cartier mit ihren Freundinnen Michelle und Tina als Soul-Trio für ihren verheirateten Liebhaber Curtis performt, erinnert an die Gesangsgruppe „The Three Degrees“ aus Philadelphia, mit der Gospel-Nummer „Sonntagmorgenfieber“ zu Beginn des zweiten Aktes bekommt man eine Parodie auf „Saturday Night Fever“ von den Bee Gees zu hören. Die Inszenierung von Carline Brouwer unterhält immer dann am besten, wenn der Konvent ins Spiel kommt. Diese Schwestern haben es wahrhaftig in sich, stille Wasser sind bekanntlich tief. Der Humor kommt zwar mitunter etwas flach daher, dem Publikum bei der Premiere schien es aber genau in dieser Form zu gefallen, wie man am spontanen Applaus nach Sprüchen wie „Das Essen haben Mary Lafer und Mary Lichter zubereitet“ ermessen kann. Höhepunkt des Bühnenbildes von Klara Zieglerova ist auch in Oberhausen die Kirche mit ihren bunten Glasfenstern sowie der 4,50 Meter hohen Marien-Statue. Passend zu den glitzernden Kostümen des Nonnenchors im Finale (Kostüme: Lez Brotherston) verwandelt sich diese mit über 10.000 Spiegelsteinchen in eine „Disco-Queen“. Ob in diesem Augenblick nicht bereits der mit weißer Soutane und Pileolus als Papst aus dem Orchestergraben hochgefahrene Dirigent Martin Gallery als Blickfang gereicht hätte, der sich zu einem Konzert des Nonnenchores angekündigt hatte, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Zodwa Selele spielt die Rolle der Deloris van Cartier routiniert, alles andere wäre drei Jahre nachdem sie diesen Part in der deutschsprachigen Erstaufführung übernommen hatte, auch sehr verwunderlich, mit großartiger Stimme meistert sie ihre Songs, und mit ihrer Einsicht im zweiten Akt, dass Freundschaft im Leben wichtiger ist als Karriere und Ruhm, gewinnt auch ihre Darstellung an Überzeugungskraft. Gudrun Schade verleiht der strengen Mutter Oberin als Gegenspielerin von Deloris Würde und Ansehen, ohne dass dabei der Humor auf der Strecke bliebe. Mit ihrem bereits für die Broadway-Fassung eingefügten Song „Mir bleibt wohl keine Wahl“ kann sie auch ihre gesanglichen Qualitäten unter Beweis stellen. Auch Sonja Atlas und Verena Plangger haben mit den Charakteren der wohlgenährten, fröhlichen Schwester Mary Patrick und der betagten Schwester Mary Lazarus dankbare Rollen. Als ruhige, schüchterne Novizin Schwester Mary Robert gefällt die junge Absolventin der Joop van den Ende Academy Abla Alaoui, die zunehmend selbstbewusster wird und mit ihrem Song „Die Welt, die ich nie sah“ auch gesanglich auftrumpfen kann, dafür braucht sie wahrlich nicht die „Fimi-Stiefel“ von Deloris. Mathieu Boldron spielt den zurückhaltenden Polizeibeamten Eddie Fritzinger („Schwitze-Fritze“) mit sympathischem französischem Akzent, der sich zur Freude der Zuschauer in seinem Song „Tief in mir“ in Tony Manero mit weißem Anzug und entsprechender Pose aus „Saturday Night Fever“ verwandelt, dann aber wieder vom Mut verlassen wird und erst zum Ende Deloris schließlich seine Liebe gestehen darf. Mischa Mang beteuert als Gangsterboss Curtis Jackson zwar „Ich mach sie kalt“, doch auf mich wirkte er wenig furchteinflößend. In den Rollen des Gangstertrios fliegen Benjamin Eberling (Joey), Fehmi Göklü (TJ) und Terry Alfaro (Pablo) bei der Nummer „Hey, Schwester“ insbesondere die Herzen der weiblichen Zuschauer zu, in der sie versuchen, von ihren Verführungskünsten zu überzeugen. Ein insgesamt versiertes, spielfreudiges Ensemble sorgt in Oberhausen souverän für gute Laune.

Zodwa Selele bei der Premierenfeier

Da „Sister Act“ seit 3. März 2013 auch mit Simone Kleinsma (Mutter Oberin) und Stanley Burleson (Curtis) im Circustheater in Scheveningen zu Preisen von 24,99 Euro (5e rang) bis 94,99 Euro (Golden Seats) am Samstagabend zu sehen ist, besteht für Niederländer womöglich kein sonderlich großer Anreiz (mehr), sich das Musical in Oberhausen anzuschauen, auch wenn das CentrO aus den Niederlanden gut zu erreichen ist. In Scheveningen besteht auch die Möglichkeit, Restkarten für einzelne, nicht zusammenhängende Plätze (Single Seats) am Tag der Vorstellung für 35 Euro zu erwerben. Das Preisgefüge in Oberhausen mit 69,44 Euro (Kategorie 4) bis 126,94 Euro (Kategorie 0) am Samstagabend scheint eher auf das zahlungskräftige Publikum zugeschnitten zu sein. Wo dieses im besonders von Armut bedrohten fünftgrößten Ballungsgebiet Europas zu finden ist, das weiß womöglich wirklich nur der Himmel. Ein vergünstigter Verkauf von Resttickets ist mir in Oberhausen nicht bekannt. Abgesehen von diesem Wermutstropfen bekommt man mit „Sister Act“ auch in Oberhausen ein himmlisches Feel-good-Musical geboten, in dem der Spaß im Vordergrund steht und das vom Publikum bei der Premiere euphorisch gefeiert wurde.

Haben Sie „Sister Act – Das Broadway-Musical“ im Metronom Theater Oberhausen selbst schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

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