Samstag, 31. August 2013

Tag der offenen Tür im Betriebshof der Entsorgungsbetriebe Essen

Die Entsorgungsbetriebe Essen räumen ab

Graffito an der Einfahrt zum Betriebshof (nicht öffentlich einsehbar)

Am 31. August 2013 boten die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE), an denen die Stadt Essen mit 51 % und die Remondis GmbH mit 49 % beteiligt sind, in ihrem Zentralbetriebshof an der Pferde­bahn­straße einen Blick hinter die Kulissen der Müllabfuhr an. Wobei die EBE nicht nur die Müllabfuhr übernehmen, sondern auch für die Straßen- und Gehwegreinigung und den Räum- und Streudienst im Winter zuständig sind. Die EBE unterhalten einen Fuhrpark von etwa 300 Fahrzeugen zum Entsorgen, Transportieren und Reinigen, den Kern­geschäfts­feldern der EBE. Der Tag der offenen Tür wandte sich vor allem an Familien mit Kindern, dement­sprechend wurden viele kindgerechte Attraktionen wie die Rundfahrten mit Kleinkehrmaschine oder Müllfahrzeug, Hüpfburg, Bungee Trampolin oder Schokokuss-Wurfmaschine angeboten, wobei die Erwachsenen bei Werkstattführungen ebenfalls auf ihre Kosten kamen. In der eigenen Werkstatt mit über 70 Mitarbeitern und angegliederter Karrosseriewerkstatt und Lackiererei werden die Fahrzeuge der EBE gewartet und repariert.

Sprayer an der Salzhalle

Die im Rahmen des Tages der offenen Tür von Sprayern mit Wintermotiven gestaltete Sazhalle ist nicht von der Pferdebahnstraße einsehbar, womöglich sind die Graffiti nur für die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe Essen in Auftrag gegeben worden und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Sprayer an der Salzhalle

In der Salzhalle und den Salzsilos lagern die Streusalzvorräte für den Winterdienst, bei dem die EBE vom 1. November bis 15. April rund ein Drittel von insgesamt 3.000 Straßenkilometern in Essen befahrbar halten.

Salzhalle

Waschplatz

Kompaktkehrmaschine Ravo 440 ST Erdgas, Baujahr 2012, Anschaffungspreis ca. 125.000 Euro

Papiersammelfahrzeug MAN TGS 32 400, Aufbau Fa. Bruns, Baujahr 2013, Anschaffungspreis ca. 240.000 Euro

Bungee Trampolin für Kinder

Rundfahrten mit einer Kleinkehrmaschine

Werkstattführung

Werkstattführung, Müllsammelfahrzeug

Salzsilos

Werkstattführung, als Streufahrzeug umgerüstete Großkehrmaschine

Werkstattführung, Müllsammelfahrzeug

Waschhalle

EMSCHERKUNST-Lounge im BernePark Bottrop

Wer sein Brennholz schon im Spätsommer verfeuert, der wird im Winter womöglich frieren

Güterzug am BernePark

Die EMSCHERKUNST-Lounge wurde als neue Veranstaltungs­reihe für ein jüngeres Publikum 2012 ins Leben gerufen, hat allerdings erst einmal am 24. August 2012 im BernePark – der umgestalteten alten Kläranlage Bernemündung in Bottrop-Ebel – und einmal am 14. Oktober 2012 am „Monument for a forgotten future“ auf der „Wilden Insel“ in der Nähe der Schleuse Gelsenkirchen stattgefunden. In diesem Jahr gibt es eine Neuauflage des Veranstaltungsformats, den Auftakt machte am 30. August 2013 erneut der BernePark in Bottrop-Ebel.

„Versunkener Garten“ von Piet Oudolf und Eelco Hooftman aka „Theater der Pflanzen“ von Piet Oudolf und GROSS.MAX.

„CATCH AS CATCH CAN“ von Lawrence Weiner

Den Anfang machte Musiker, DJ und Klangkünstler Ralf Schumann (Oberhausen) mit seiner – nennen wir es Klangkollage, bevor die Gruppe „Weltausstellung“ (Peter Issig, Stefan Jürke, Anja Lautermann, Uwe Möllhusen und Thilo Schölpen; Düsseldorf/Berlin) mit Einbruch der Dämmerung die Geräusche von brennenden Feuern für ihre rückkopplungs­lastige Echtzeit-Komposition nutzte. Schwarze Rauchwolken stiegen aus dem „Versunkenen Garten“ auf, aber mit zunehmender Dunkelheit waren die vor dem wolken­ver­hangenen Himmel auch nicht mehr zu sehen.

„Versunkener Garten“ von Piet Oudolf und Eelco Hooftman aka „Theater der Pflanzen“ von Piet Oudolf und GROSS.MAX.

„sounds of fire“ von der Gruppe „Weltausstellung“

„sounds of fire“ von der Gruppe „Weltausstellung“ im „Versunkenen Garten“

„sounds of fire“ von der Gruppe „Weltausstellung“ im „Versunkenen Garten“

Lichtinstallation von Mischa Kuball an dem als Wasserbecken belassenen zweiten Klärbecken der alten Kläranlage Bernemündung

Straßenmalerei von Marion Ruthardt im BernePark

„sounds of fire“ von der Gruppe „Weltausstellung“ im „Versunkenen Garten“

„Connecting Views“ von Jeppe Hein, „sounds of fire“ von der Gruppe „Weltausstellung“ im „Versunkenen Garten“

„sounds of fire“ von der Gruppe „Weltausstellung“ im „Versunkenen Garten“

Donnerstag, 29. August 2013

„Wortkunst unter Stahlkunst“

Openair Poetry Slam am „Zauberlehrling“ in Oberhausen

„Zauberlehrling“ vom Künstlerkollektiv „Inges Idee“

Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main, † 22. März 1832 in Weimar) hätte am 28. August 2013 seinen 264. Geburtstag begehen können, zur (nicht ganz offiziellen) Geburtstagsfeier veranstaltete die Initiative „WortLautRuhr“ (Sebastian Rabsahl und Chris Wawrzyniak) an diesem Abend um 19 Uhr an der Stahlskulptur „Zauberlehrling“ vom Künstlerkollektiv „Inges Idee“ im Rahmen der EMSCHERKUNST.2013 ein Poetry Slam. Neben Sebastian Rabsahl – besser bekannt als „Sebastian 23“ und einer der bekanntesten Poetry Slammer in Deutschland – waren „Sean Bü“ („2 Seiten“, bügerlich Bülent Demirtas), Theresa Hahl, Sulaiman Masomi, Andy Strauß und Jan Philipp Zymny mit von der Partie, Torsten Sträter trat außer Konkurrenz an und berichtete, welche verheerenden Folgen Kaffee und Bananen haben können.

Claas Neumann

Torsten Sträter

„Sean Bü“ („2 Seiten“)

Sulaiman Masomi

Andy Strauß

Jan Philipp Zymny

Während des Beitrages von Jan Philipp Zymny gab es dann auch den Sonnenuntergang von der Veranstaltungs­an­kündigung zu sehen, da galt es, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, bevor die Sonne gänzlich hinter den Bäumen am Rhein-Herne-Kanal verschwand.

Sonnenuntergang am „Zauberlehrling“ vom Künstlerkollektiv „Inges Idee“

Theresa Hahl

„Sebastian 23“

Bereits in der Vorrunde wurden Theresa Hahl und „Sebastian 23“ von der Zuschauer-Jury herausgevotet, und in der Zwischenrunde konnten sich schließlich Sulaiman Masomi und Jan Phillip Zymny gegen „Sean Bü“ und Andy Strauß für das Finale qualifizieren.

v. l. n. r.: Torsten Sträter, Sulaiman Masomi, Claas Neumann und Theresa Hahl

v. l. n. r.: Claas Neumann, Jan Philipp Zymny, Torsten Sträter, Sulaiman Masomi, Theresa Hahl und „Sebastian 23“

Torsten Sträter

„Zauberlehrling“ vom Künstlerkollektiv „Inges Idee“

„Zauberlehrling“ vom Künstlerkollektiv „Inges Idee“

Das Finale wurde schließlich anhand des Beifalls des gesamten anwesenden Publikums entschieden, und Sulaiman Masomi von Moderator Claas Neumann zum Sieger des Abends erklärt.

Mittwoch, 28. August 2013

Eingefädelt – Das Musical

„Eingefädelt – Das Musical“ – Musik, Liedtexte, Musikalische Leitung: Paul Graham Brown; Buch, Idee, Deutsche Übersetzung (Songtexte), Regie: Birgit Simmler; Choreografie: Tim Zimmermann; Stockkampf-Choreografie: Claus Großer; Kostüm Design: Anja Klaus, Anja Nieländer; Lichtdesign: Der Lala; Sounddesign: Roland Milleret; Darsteller: Yana Gercke (Katha, die junge Frau eines Biedenkopfer Tuchmachers), Karsten Kenzel (Stefan, ein junger Färber), Lisa-Maria Joch (Eleonor, Wäschebeschließerin am Hof in Mecheln), Dr. Carsten Wenzel (Zeugmeister Rommel), David Schröder (Kurt Breidenstein, Tuchhändler in Biedenkopf), Birgit Grebe-Jonas (Ruth/Dienerin), Katja Hoffmann (Maria), Bürgermeister Joachim Thiemig (Philipp der Großmütige) u. a. Band: Paul Graham Brown (Piano), Sascha Christ (Schlagzeug), Charly Mutschler (Trompete), Lars Pescara (Cello), Dominik Reh (Bass), Thomas Salzbauer (Klarinette, Alt- und Tenorsaxophone), Christine Thomsen (Querflöte, Blockflöte). Uraufführung: 23. August 2013, Schlosshof Biedenkopf.



„Eingefädelt – Das Musical“


Uraufführung im Schlosshof Biedenkopf


Vom 23. August bis 1. September 2013 bringt der Eigenbetrieb „Freizeit, Erholung und Kultur“ der Stadt Biedenkopf „Eingefädelt – Das Musical“ (oder wie Biedenkopfer Tuchhändler Philipp den Großmütigen zu befreien suchen) von Paul Graham Brown (Musik und Liedtexte) und Birgit Simmler (Buch und Übersetzung der Liedtexte) im Hof des Biedenkopfer Landgrafenschlosses mit insgesamt sieben statt der ursprünglich geplanten drei Vorstellungen zur Uraufführung. Das Stück basiert auf einer historisch belegten Verschwörung, wie dem Programmheft des Veranstalters zu entnehmen ist: 1548 versuchten Biedenkopfer Tuchhändler, mit ihrem Landesfürst Philipp I., genannt der Großmütige aus dem Haus Hessen (* 13. November 1504 in Marburg, † 31. März 1567 in Kassel), einen der Vorreiter der Reformation zu befreien. Dieser hatte sich am 19. Juni 1547 auf der Moritzburg zu Halle Kaiser Karl V. nach dessen Sieg im Schmalkaldischen Krieg am 24. April 1547 bei der Schlacht auf der Lochauer Heide bei Mühlberg unterworfen, weil er sich und sein Land bedroht fühlte, und wurde beim nachfolgenden Abendessen im Quartier von Fernando Álvarez de Toledo, Herzog von Alba, gefangen genommen und für fünf Jahre in den Niederlanden inhaftiert. 1548 versuchte Konrad/Kurt Breidenstein, später Rentmeister von Battenberg und Gießen, Philipp von Hessen aus Mecheln (in der heutigen Provinz Antwerpen in Belgien gelegen) zu befreien. Er hielt sich mit seinem Bruder Georg als Tuchkaufmann in den Niederlanden auf und bereitete gemeinsam mit seinem Landsmann, dem Zeugmeister Rommel aus Kassel, die Flucht des Landgrafen vor. Der Plan wurde nach der Überlieferung durch einen Diener des Fürsten verraten, der sich gegenüber einer anderen, nicht genannten Person in Mecheln „verquatscht“ hatte. Die Verschworenen wurden schwer bestraft, die eingeweihten Dienstboten sofort erstochen oder später gehängt. Kurt Breidenstein gelang die Flucht. Die Haft des Landgrafen wurde verschärft: Er durfte keine Briefe mehr absenden und kam in einen Kerker von nur 3,50 m Länge, die Fenster waren 8 Monate lang vernagelt. Philipp wäre in Hoffnung auf Freiheit zu großen Zugeständnissen bereit, doch Hessen weigert sich.

Auch bei Leopold von Ranke: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. Bd. 5. Berlin, 1843 ist der Befreiungsversuch folgendermaßen vermerkt: „Auf eine neue Verwendung der Churfürsten am Reichstage von 1550 erfolgte abermals eine abschlägliche Antwort. Verzweifelnd, jemals losgelassen zu werden, faßte der Landgraf den Gedanken, zu entfliehen. Es gelang wirklich durch einen jungen in Antwerpen stehenden Kaufdiener aus Hessen, auf dem ganzen Weg von Mecheln nach dem hessischen Gebiete Posten zu legen, d. i. nach dem Sprachgebrauch jener Zeit, von 4 Meilen zu 4 Meilen frische Pferde bereit zu halten; mit den raschesten und sichersten stellte sich der Zeugmeister Hans Rommel in Mecheln selber ein: er hatte einige handfeste Leute, welche Diejenigen zurückhalten sollten, die dem Fliehenden nacheilen würden: und schon waren alle nöthigen Vorbereitungen getroffen, um den Fürsten aus einem Garten der an den Hofraum seines Gefängnisses stieß, zu entführen, als die unglückliche Furchtsamkeit eines Dieners, der im Voraus für sich selber eine Zuflucht suchte, noch in dem letzten Augenblick das Vorhaben an Tag brachte. Es liegt in der Natur der Sache, daß der Gewahrsam des Fürsten nun doppelt streng wurde.“

Ines Grund führt in ihrer Dissertation „Die Ehre – die Freiheit – der Krieg, Frankreich und die deutsche Fürstenopposition gegen Karl V. 1547/48 – 1552, Teil 1“, Philosophische Fakultät III der Universität Regensburg, 2006 zum Misslingen der Befreiung aus: „Der im letzten Moment gedankenlose Dilettantismus im Verhalten Landgraf Philipps ruinierte die bis dahin geglückte Geheimhaltung noch am 22. Dezember 1550, dem Tag der geplanten Befreiung selbst, kostete zwei seiner Befreier das Leben, die übrigen wurden gefangengenommen, und führte zu einer wesentlichen Verschärfung seiner Haftbedingungen.“ Erst 1552 wird Philipp von Hessen aus der Haft entlassen, nachdem sich das Kriegsglück gegen Kaiser Karl V. gewendet hatte. „Eingefädelt – Das Musical“ nutzt die Verschwörung als Grundlage und webt daraus eine Abenteuergeschichte um Liebe, Verrat und Moral.

Zum Inhalt des Musicals:
Der arme Färber Stefan liebt die junge Katha, doch die ist mit einem Biedenkopfer Tuchmacher verheiratet. Das geordnete Leben in den festverwobenen Strukturen der Gesellschaft sichert ihr ein kleines, überschaubares Glück. Doch als ihr Mann ihr Gewalt antun will, erschlägt sie ihn, wodurch ihr bisheriges Leben auf den Kopf gestellt wird und sie gezwungen ist, sich einen neuen Platz in der Gesellschaft zu suchen. In Begleitung von Stefan flieht sie aus Biedenkopf und trifft auf den charmanten, aber ein wenig wirren Waffennarr Rommel, ein Schürzenjäger, der hinter jedem Rockzipfel her ist, wie sich später herausstellen soll. Da sie ihr gestohlenes Tuch, das dem Tuchhändler Kurt Breidenstein in Biedenkopf gehört, schlecht in der Heimat verkaufen kann, machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Mechelen, wo es einen blühenden Tuchhandel gibt. Dabei gerät sie mitten in einen abenteuerlichen Plan zur Befreiung des Hessischen Landgrafen Philipp des Großmütigen aus der Gefangenschaft in Mechelen, in den auch besagter Tuchhändler Kurt Breidenstein verstrickt ist. Der möchte sein Tuch nämlich ebenfalls gern in Mechelen verkaufen, doch Eleonor, Wäschebeschließerin am Hof in Mecheln, wiegelt die Bevölkerung aus moralischen Gründen auf, nicht bei ihm zu kaufen. Da der Plan von einer Wäscherin verraten wurde, misslingt der Versuch, Landgraf Philipp aus seinem Verließ zu befreien, und die Verschwörer werden festgesetzt. Doch was wäre das für ein Musical, gäbe es kein Happy End: Landgraf Philipp wird aus seiner Haft entlassen und verkündet, dass Katha keine Schuld am Tod ihres Mannes trifft. So kann Stefan schließlich doch noch seine Liebe in die Arme schließen, und Zeugmeister Rommel findet mit der Wäscherin Maria zusammen, obwohl ausgerechnet sie doch die Verschwörung verraten hatte.

Musik und Inszenierung der abenteuerlichen Liebesgeschichte wurden in der semiprofessionellen Produktion eigens für den Schlosshof des Landgrafenschlosses Biedenkopf konzipiert. Da das Schloss „erstmals als Open Air-Veranstaltungsfläche unmittelbar an den Markt angebunden und die Menschen mit in die Stadt und deren Geschichte eingebunden“ waren, wurde das Projekt im Wettbewerb „Ab in die Mitte! Die Innenstadt-Offensive Hessen“ ausgezeichnet und gefördert. Musical-Komponist und -Autor Paul Graham Brown („Bonnie und Clyde“, Uraufführung 13. Juli 2001, Theater Heilbronn, Regie Madeleine Lienhardt, „King Kong“, Uraufführung 28. August 2009, Kleines Theater am Südwestkorso, Berlin, Regie James Edward Lyons) hat für „Eingefädelt“ eingängige Musik geschrieben, die von einer siebenköpfigen Band unter seiner Musikalischen Leitung auf der Bühne live gespielt wird, ein ausgesprochener Ohrwurm ist mir allerdings nicht im Gedächtnis haften geblieben. Wird der Anfang der abenteuerlichen Liebesgeschichte noch schlüssig erzählt (Buch und Regie Birgit Simmler), blieben im weiteren Verlauf der Handlung doch einige Fragen offen, zumindest bei mir, beispielsweise wie es im 16. Jahrhundert möglich gewesen sein soll, dass eine Wäschebeschließerin, die meines Wissens den Wäschebestand verwaltet, die Wäscherinnen einteilt und deren Arbeit kontrolliert, die Herrschaft mit Judikative und Exekutive im Sinne des Trägers der Staatsgewalt ausübt. Maria von Ungarn (* 17. September 1505 in Brüssel, † 17. Oktober 1558 in Cigales) war vom 3. Januar 1531 bis 1556 Statthalterin der habsburgischen Niederlande mit ihrer Hauptresidenz in Mecheln.

Die kleine Bühne kommt mit relativ wenigen Requisiten aus, lässt den Zuschauer aber zu keiner Zeit über den jeweiligen Handlungsort im Unklaren. Schlicht und zeitgemäß sind die Kostüme ausgefallen, wobei sich das weiße Gewand der Wäschebeschließerin mit ihrer Burgunderhaube von der breiten Masse abhebt. Natürlich kann man den Bergfried des Landgrafenschlosses Biedenkopf mit farbigem Licht stimmungsvoll beleuchten, was in einigen Szenen auch geschieht, aber wenn versucht wird, in kürzester Zeit möglichst viele Farbwechsel mit den eingesetzten LED-Scheinwerfern zu realisieren, so wünsche ich mir unwillkürlich nostalgische Bühnenscheinwerfer mit manuell zu wechselnden Farbglas-Filtern zurück, und wenn dann noch Moving-Lights wahllos durch das Publikum geschwenkt werden und dementsprechend blenden, dann hört bei mir der Spaß auf. Das macht auf mich den Eindruck, als habe sich jemand von den neuen technischen Möglichkeiten dazu verleiten lassen, der namentlich nicht in Erscheinung treten möchte (Lichtdesign Der Lala). Leider hatte die Tontechnik bei der Premiere insbesondere in den gesprochenen Passagen mit unerwünschten Windgeräuschen zu kämpfen (Ton Roland Milleret), so dass man häufig den Eindruck hatte, ein Donnergrollen kündet von einem drohenden Gewitter, was teilweise sogar zu leichten Problemen bei der Textverständlichkeit führte und mir bei Lisa-Maria Joch aufgefallen ist. Versöhnlich stimmten dagegen die Stockkampf-Choreografie von Claus Großer sowie die Tänze der Wäscherinnen in der von Tim Zimmermann einstudierten Choreografie.

Das etwa 50-köpfige Ensemble wurde von Yana Gercke (Medizin-Studentin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, „Unser Star für Baku“) als Katha, die junge Frau eines Biedenkopfer Tuchmachers, Karsten Kenzel (Diplom-Musicaldarsteller) als Stefan, ein junger Färber, verliebt in Katha, Lisa-Maria Joch (Studierende der German Musical Academy) als Eleonor, Wäschebeschließerin am Hof in Mecheln, Dr. Carsten Wenzel (niedergelassener Zahnarzt in Gladenbach) als Zeugmeister Rommel aus Kassel und David Schröder (Schauspieler und Sänger) als Kurt Breidenstein, Tuchhändler in Biedenkopf, angeführt, deren schauspielerische Einzelleistungen ich nicht beurteilen kann, da aus der letzten Reihe im Zuschauerraum für mich keinerlei Mimik mehr zu erkennen war. In der Gesamtheit wirkte das aus Profis und Laiendarstellern bestehende Ensemble tadellos, bei der/dem ein oder anderen Darstellerin/Darsteller hätte ich tatsächlich gern mehr Details gesehen. Zum Ende des Musicals erschien schließlich noch Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig als Landgraf Philipp auf der Bildfläche und verlieh der Aufführung eine zusätzliche Portion Lokalkolorit. Aber genau das möchte das Publikum offensichtlich sehen, zumindest würde ich den euphorischen Applaus nach der Premiere in diese Richtung deuten.

Wie einer Pressemitteilung des Landkreises Marburg-Biedenkopf zu entnehmen ist, möchte der Eigenbetrieb „Freizeit, Erholung und Kultur“ der Stadt Biedenkopf im Schlosshof eine jährlich wiederkehrende Großveranstaltung in Form eines stadthistorischen Musicals auf den Weg bringen. Ob in dem Zusammenhang „Eingefädelt – Das Musical“ tatsächlich im kommenden Jahr wiederaufgenommen wird, wie man einer Andeutung im diesjährigen Programmheft entnehmen könnte, steht natürlich in den Sternen, aber nach sieben ausverkauften Vorstellungen in diesem Jahr würde sicher auch eine Wiederaufnahme erneut ihr Publikum finden. Luft nach oben gibt es noch genügend.

Biedenkopf

Um 18 Uhr sind die Bürgersteige bereits „hochgeklappt“

Fährt man zu einer Uraufführung wohin auch immer, so erwartet man dort alles, aber nicht, dass um 18 Uhr bereits die Bürgersteige „hochgeklappt“ sind. Irgendwo auf dem Weg vom Marktplatz zur Stadtkirche war noch jemand mit der großen Hausordnung beschäftigt, doch ansonsten war der alte Stadtkern wie ausgestorben. Für einen Großstädter eine gewöhnungsbedürftige Situation, man kommt sich vor wie in einer „Geisterstadt“.

Landgrafenschloss Biedenkopf

Das Landgrafenschloss Biedenkopf – Schauplatz der Musical­uraufführung – beherbergt im Palas das Hinter­land­museum, für die Sanierung des Schlosses wurde der Landkreis Marburg-Biedenkopf 1993 mit dem Hessischen Denkmal­schutz­preis ausgezeichnet.

Landgrafenschloss Biedenkopf

Oberstadt mit Stadtkirche

Am Schloss

Das Privatmuseum im Schenkbarschen Haus zeigt antike Ikonen und außereuropäische Textilien und bietet an den beiden Aufführungswochenenden des Musicals „Eingefädelt“ Aktionen zur Tuchweberei an, doch das Museum hat keine festen Öffnungszeiten, und zur Premiere hatte es bereits um 18 Uhr geschlossen. Zum Vergleich: Das Museum der Stadt Bad Hersfeld hatte während der Bad Hersfelder Festspiele am Abend bis 20.45 Uhr – 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn – geöffnet, um auch auswärtigen Gästen die Möglichkeit zu geben, die Ausstellung zu besuchen.

Schenkbarsches Haus

Ehemaliges Rathaus

Stadtgasse

Stadtgasse

Stadtgasse

typisches „Einhaus“, Stadtgasse/Untergasse