Donnerstag, 20. Juni 2013

Vorschau: ExtraSchicht 2013 – Die Nacht der Industriekultur

Das Programm in Essen

Bereits zum dreizehnten Mal veranstaltet die Ruhr Tourismus GmbH am 6. Juli 2013 die ExtraSchicht, seit der Premiere am 26./27. Mai 2001 werden bei der „Nacht der Industriekultur“ ehemalige Industrieanlagen, aktuelle Produktionsstätten, Zechen und Halden als Spielorte der Industriekultur geschickt in Szene gesetzt, womit das Festival den Wandel von der Schwerindustrie zu einer modernen Wirtschafts- und Kulturregion verdeutlicht. 2012 haben nach Angaben des Veranstalters knapp 230.000 Besucher am 30. Juni/1. Juli die 53 Spielorte des Festivals in 23 Städten besucht und haben damit für einen neuen Besucherrekord gesorgt. 2013 werden am 6./7. Juli zwischen 18 und 2 Uhr morgens diesmal insgesamt 50 Spielorte in 25 Städten zur Entdeckungsreise durch die Region einladen, die mit rund 450 Events von mehr als 2.150 Künstlern bespielt werden. Neben den Orten der Industriekultur präsentiert die ExtraSchicht das künstlerische Potential der Region mit diversen Kooperationen regionaler Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden. Programmativer Schwerpunkt ist dabei in diesem Jahr die „Junge Szene Ruhr“.

Die beiden Spielorte in Essen – Welterbe Zollverein und Zeche Carl – haben ein umfangreiches Programm zusammengestellt, wobei auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein alles unter dem Motto „Von Sinn und Unsinn“ steht und Zeche Carl unter dem Motto „Backsteinbunt!“ zur Spielwiese für junge Künstlerinnen und Künstler aus dem gesamten Ruhrgebiet wird.

ExtraSchicht 2012: Blumenwiese im Ehrenhof auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein, Installation von ILLUMINIST

Allein auf dem 100 Hektar großen Gelände von Welterbe Zollverein werden 37 Events die Besucher animieren, sich Zeit zu nehmen, um Neues oder Absurdes zu entdecken. Die Stiftung Zollverein und ihre Partner bieten einen frechen, künstlerischen Mix, beispielsweise ein erstklassig besetztes Poetry-Programm, internationale Straßenkünstler, die GOP-Showbühne, Walk Acts und viele weitere sinnlose wie gleichsam sinnvolle Darbietungen, die zu einer unvergesslichen Sommernacht auf dem Welterbe beitragen werden.

Den Sinn im Unsinn suchen die Künstler auf dem Gelände, die wie etwa der Schweizer Hans Traber tierische Vorbilder imitieren, oder die Kunst der Pantomime in Vollendung beherrschen, wie der Clown Karcocha oder der Brettfüßler, der vom Publikum gezeichnete Gesichter lebendig werden lässt. Wem das zu wenig Text ist, der kann zur Poetry-Bühne wechseln, auf der – moderiert vom Essener Slam-Poeten und Netz-Literaten Frank Klötgen – preisgekrönte Slammer zum Wortevorsprechen und Geschichtenerzählen antreten.

Weg vom gesprochenen Wort hin zur vollendeten Körperbeherrschung: Dafür stehen der Meister der akrobatischen Stunts, Mr. Marcus, mit seinem Programm „HERE we GO“, die GOP-Showbühne, die über den Abend verteilt einen ca. 30-minütigen Auszug aus ihrer aktuellen Produktion zeigt, und die Gruppe Flair Condition, die eine turbulente Liebesgeschichte vorführt.

Um die vielen Angebote erleben zu können, stehen den Besuchern neben Leihfahrrädern weitere ungewöhnliche Fortbewegungsmittel zur Verfügung: So können sie mit der Bimmelbahn die Kokerei Zollverein durchqueren oder die Motordraisine – ein Cabrio auf Schienen – nutzen.

Zeche Carl

In diesem Jahr treffen sich auf dem Gelände der Zeche Carl junge Kreative und Künstler aus dem gesamten Ruhrgebiet. Sie verwandeln das Gelände mit Musik, Performances, Installationen und vielfältigen Mitmachaktionen unter dem Motto „Backsteinbunt!“ in eine zeitgenössische, interaktive Kunstlandschaft. Die Verantwortlichen von Zeche Carl und dem Maschinenhaus Essen freuen sich auf ein spannendes Experimentierfeld der verschiedensten Künste: DJs und Musiker treffen auf Physical Theater Artists, Aufführungen in bunten Zirkuszelten, Streetartworkshops, Klanginstallationen, 3-Seiten-Fußball, Fotobox u. a. laden nicht nur zum Zuschauen sondern ausdrücklich zum Mitmachen ein. Ebenfalls auf dem Programm stehen Führungen zur Geschichte der Zeche Carl und des Bergbaus in Altenessen. Und auch für das leibliche Wohl ist hinreichend gesorgt.

Das ExtraSchicht-Shuttle ES 10 verbindet die beiden Essener Standorte UNESCO-Welterbe Zollverein und Zeche Carl im 15-Minuten-Takt miteinander.

Außerdem entführen 20 Poetry Slammer die ExtraSchicht-Besucher auf einzelnen Fahrten der Straßenbahnlinie 107 zwischen Essen und Gelsenkirchen in die besondere Welt der kurzen, pointierten Literatur. Junge Autoren, Bühnenpoeten und Kabarettisten berichten humorvoll von Alltagserlebnissen (auch in Bussen und Bahnen), erzählen teils absurde, teils reale Geschichten und bieten dazu eine ganz ungewöhnliche Performance.

Christine Sommer und Martin Brambach, © CP/COMPARTNER

Für poetische Momente mit Charme, Temperament und Leidenschaft sorgen erneut Martin Brambach und Christine Sommer. Martin Brambach gehört zu den arriviertesten deutschen Schauspielern und hat schon in mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Darunter auch preisgekrönte Filme wie „Das Leben der anderen“ oder „Goodbye Lenin“. Aber auch und gerade aus dem Fernsehen kennt man sein markantes Gesicht und seine prägnante Stimme, beispielsweise aus Produktionen wie etwa „Unter anderen Umständen“, „SOKO Wismar“, „Tatort“ oder „Nachtschicht“. Die gebürtige Wienerin Christine Sommer absolvierte ihre Schauspielausbildung am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Anschließend folgten diverse Engagements an Theaterhäusern in Wien, Tübingen, Braunschweig sowie bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Im Fernsehen war sie u. a. in der ZDF-Telenovela „Alisa – Folge deinem Herzen“ als Cornelia „Conny“ Hundt zu sehen wie auch in vielen beliebten Fernsehserien wie „Der letzte Bulle“, „Kommissar Rex“ oder „Pastewka“. Das Schauspielerpaar rezitiert am Essener Hauptbahnhof literarische Texte über das Reisen von Rainer Maria Rilke, Christian Morgenstern, Heinrich Heine, Joachim Ringelnatz, Heinz Erhardt bis hin zu Charles Bukowski. Von der romantischen Liebe über den Ehekrach bis zum Mord aus Leidenschaft reichen die Sujets. Christine Sommer und Martin Brambach werden bei ihrer Lesung unterstützt vom Bluesguitarristen Matthes Fechner, der das Gesprochene musikalisch untermalt und kommentiert.


Das Programm in Gelsenkirchen

Nordsternplatz

Die ExtraSchicht 2013 steht im Nordsternpark im Zeichen des Feuers. Feuersäulen und Laser im Amphitheater, feurige Musik und feuriger Tanz auf der Biergartenbühne, am Kohlebunker brennt NORDSTERN ZEICHEN®. Wie immer sind Der Deutschland Express mit einer der größten Märklin-Modelleisenbahnen der Welt und der Bergbaustollen mit dabei. Auch die mit Helium gefüllten gelben Ballone aus dem RUHR.2010 Leitprojekt SchachtZeichen zaubern wieder Kulturhauptstadt-Atmosphäre. Gezaubert wird auch auf dem Nordsternplatz. 2013 ist erstmals der Nordsternturm mit seiner faszinierenden Aussicht über das Ruhrgebiet zu Füßen des Herkules und dem Videokunstzentrum bei der ExtraSchicht vertreten. Da der Zugang auf 100 Besucher limitiert ist, wird die Verweildauer auf 45 Minuten begrenzt. Die EMSCHERGENOSSENSCHAFT öffnet ihr Besucherzentrum zur EMSCHERKUNST.2013 im blauen Pumpwerk über den Zelten von Ai Weiwei. Walk Acts und Gardenlounge runden das Programm ab.
Hinweis für Autofahrer: Der Parkplatz am Amphitheater ist von der Stadt Gelsenkirchen bewirtschaftet und kostet zusätzlich zum Ticket zur ExtraSchicht ExtraParkgebühr!

Projektion auf den Kohlebunker im Nordsternpark

Fertiggestellter Abschnitt des Abwasserkanals Emscher

Zur ExtraSchicht 2013 gewährt die EMSCHERGENOSSENSCHAFT exklusive Einblicke in eine magische Unterwelt: Erstmals können Besucher durch einen rund 350 Meter langen Tunnelabschnitt des Abwasserkanals Emscher spazieren. Die Kanalwelten führen dabei in 25 Meter Tiefe unter dem Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen durch. Der Abwasserkanal Emscher ist das Herzstück des Emscher-Umbaus. Wenn der Kanal nach 2017 in Betrieb genommen wird und das gesamte Schmutzwasser der Region aufnimmt, wird wohl niemand mehr freiwillig in diesen Kanal steigen wollen.

Am Abend der ExtraSchicht sorgt die EMSCHERGENOSSENSCHAFT für eine kunstvolle Atmosphäre: Lichtinstallationen und Soundcollagen sorgen für ein unvergessliches Erlebnis in diesem neu entstehenden, verborgenen Kosmos unter dem Emschertal. Eine mobile Band sorgt für die musikalische Unterhaltung – das Duo „The Royal sQueeze Box“ interpretiert legendäre Queen-Songs mit Akkordeon und Gesang, während Joram Seewi, Comedy-Jongleur mit Keule und Kernkompetenz ‚Kanaille‘ den Sehnerv und den Gehörkanal für den Gang durch die Röhre weitet. Auf der Emscher-Insel erleben ExtraSchichtler das „theater die baustelle“ mit dem Stück „Werden01“, eine installative Auseinandersetzung über die Menschwerdung in einem temporären Tunnel in Skulptur, Musik, Tanz und Wort. Eine Ausstellung informiert über den Umbau des Emscher-Systems und insbesondere natürlich über den Bau des Abwasserkanals Emscher. Zudem ist das „Monument for a Forgotten Future“ – der singende Felsen der EMSCHERKUNST.2010 – zu sehen.
Die Unterquerung des Rhein-Herne-Kanals zur „Wilden Insel“ hin markiert auch die Verbindung zwischen Natur- und Industrieraum. Die Schleuse Gelsenkirchen ist übrigens am ExtraSchicht-Abend ebenfalls für Besucher geöffnet.
Die Anfahrt aus Richtung Amphitheater/Nordsternpark wird am Abend der ExtraSchicht nicht möglich sein, Parkplätze in dem Areal sind ebenfalls nur beschränkt vorhanden. Es empfiehlt sich die Anreise mit dem ExtraSchicht-Shuttle ES 10. Wichtiger Hinweis: Die mystisch illuminierten Kanalwelten sind ein beliebtes Fotomotiv – die EMSCHERGENOSSENSCHAFT weist jedoch darauf hin, dass das Fotografieren mit Stativ in dem Kanal nicht gestattet ist.

Abwasserkanal Emscher, © EMSCHERGENOSSENSCHAFT/Diethelm Wulfert

Neben dem bereits erwänten PoetryExpress auf der Straßenbahn-Linie 107 zwischen Essen Hbf und Gelsenkirchen Hbf ertönt auf der Straßenbahn-Linie 302 zwischen Bochum Hbf und Gelsenkirchen Hbf klassische Musik – im engeren wie im weiteren Sinne – und begleitet die Besucher zum Beispiel auf ihrer Fahrt hin zu den Meisterschülern des Klavier-Festival Ruhr in der Jahrhunderthalle Bochum. Auf der einen Fahrt eröffnet die Cellistin Anna Reitmeier neue Klangwelten. Auf einer anderen singt die Mezzosopranistin Denitsa Christo bekannte Opernarien und gefühlvolle Lieder aus ihrer Heimat Bulgarien. Schließlich bringt die Jazzmusikern Gilda Razani mit ihrem Saxofon einen ganz besonderen Schwung in die Straßenbahn. Auch trat sie mit der Helmut Zerlett Band in der Harald Schmidt Show auf und begleitete Max Raabe. In Bewegung kommen die Fahrgäste auch an der Station Jahrhunderthalle – zum Beispiel mit dem klassisch-komischen Musiktheater der Kölner Blechharmoniker oder mit lateinamerikanischen Rhythmen von Banda Show Pelodum.

Banda Show Pelodum, © CP/COMPARTNER

Neben klassischen Klängen erwartet die Nachtschwärmer ein musikalisches Potpourri aus spanischem Flamenco, südamerikanischer Samba und Rock´n´Roll. Am Gelsenkirchener Hauptbahnhof begeistern etwa „The Tomcats“ mit schwungvollem Rock´n´Roll der 1950er-Jahre. Wer sich traut, ist herzlich eingeladen, eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen!


Das Programm in Bottrop

Bereits zum zweiten Mal wird zur ExtraSchicht der BernePark in Bottrop-Ebel bespielt. Der Park mit seinen zwei kreisrunden Klärbecken - das eine nun mit sauberem Wasser befüllt, das andere trockengelegt und von Piet Oudolf und GROSS.MAX. mit 21.000 Stauden und Gräsern zu einem „Theater der Pflanzen“ umgestaltet, wird an diesem Abend in eine magische Atmosphäre getaucht. Das Wasserbecken wird bei der ExtraSchicht erstmals zur Bühne. Auf außer­ge­wöhn­liche Art und Weise, mit Energie und Humor, inszenieren dort junge Studierende aus den Studiengängen Schauspiel, Jazz und Regie der Folkwang Universität der Künste Essen das weltbekannte Stück „Moby Dick“ nach dem bekannten Roman von Hermann Melville. Mit starken Effekten und bekannten Songklassikern entführen die Physical Artists und Musiker unter der Regie von Nina de la Parra und Tim Hebborn hinaus auf den wilden Ozean. Lassen Sie sich von der Geschichte um Kapitän Ahab und den weißen Wal mitreißen und erleben eine aktuelle Performance mit deutlichem Augenzwinkern.

Lichtinstallation von Mischa Kuball im Wasserbecken

Das Erdbecken wird im Gegensatz dazu zur faszinierenden Stomp-Arena. Die Gruppe „PowerPercussion“ stimmt sowohl laute wie leise Töne an und schafft mit Rhythmen und Klängen besondere magische Momente. Ob scheppernde Ölfässer oder sanfte Marimbaklänge, die in vielfältige Farben und Effekte getauchte Arena wird zur Szenerie für ein Soundspektakel der Extraklasse. Zur finalen Show um 0.30 Uhr schließt sich eine Percussion-Gruppe des Samba-Syndikats an, das Trommelkollektiv endet im Zauber einer Feuer- und Pyrochoreographie. Erleben Sie ein gewaltiges Finale.

Lichtinstallation von Mischa Kuball im „Theater der Pflanzen“

Außerdem erwartet den Besucher das Improvisations­theater­stück „Quizoola“ von Tim Etchells. Der Spieltrieb Jugendclub des Theaters Duisburg steht von 18 Uhr bis 0.30 Uhr durchgehend auf einer natürlichen Bühne im Park. Kommen, staunen, verstehen, zu jeder Zeit. Die Straßenmaler von Freddart erschaffen auf dem Platz zwischen den Becken dreidimensionale, sinnestäuschende Bilder zum nassen Element, Führungen über das ehemalige Klärwerksgelände runden die Veranstaltung mit interessanten Fakten ab.

Tickets für die ExtraSchicht 2013 gibt es zum Preis von 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Das ExtraSchicht-Ticket berechtigt zum Eintritt an allen 50 Spielorten und ist gleichzeitig Fahrschein für alle über 150 ExtraSchicht-Shuttle-Busse. Als Kombiticket gilt die Karte für alle Busse und Bahnen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (2. Klasse) und gilt dort ganztägig am 6. Juli 2013 bis 7 Uhr am Folgetag. Somit kann es auch bereits für die Anreise zur ExtraSchicht genutzt werden.

Alle Informationen unter www.extraschicht.de.

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